Update: 09.01.2017

Vom Bismarckturm zum Leuchtturm
Der Bismarckturm in Kamerun

Vorbemerkung (Kameruns Kolonialherren und der Weg der Unabhängigkeit)

Kamerun war von 1884 – 1919 deutsche Kolonie, bevor es nach dem Versailler Vertrag im Jahr 1919 in den Besitz des Völkerbundes überging, welcher ein Mandat zur Verwaltung des Landes an die Briten und Franzosen vergab.

Am 19.03.1884 ernannte Reichskanzler Otto von Bismarck den Afrikaforscher Dr. Gustav Nachtigal (1834-1885) zum Reichskommissar für Deutsch-Westafrika. Nachtigal, der den deutschen Kolonialerwerbungen kritisch gegenüberstand, hatte den Auftrag, die für den deutschen Handel wirtschaftlich attraktiven Gebiete unter deutsches Protektorat zu stellen. Am 14.07.1884 stellte er Kamerun unter den Schutz des Deutschen Reiches. Nach einem deutsch-französischen Abkommen kamen am 04.11.1911 weitere Gebiete im Osten und Süden des Landes [Neukamerun] hinzu.

Im Ersten Weltkrieg wurde Kamerun von Briten und Franzosen besetzt.

Im Jahr 1919 wurde Kamerun nach Mandat des Völkerbundes in Britisch-Kamerun und Französisch-Kamerun aufgeteilt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Kamerun UN-Treuhandgebiet.

Am 01.01.1960 wurde das französische Kamerun nach einer Volksabstimmung und nach Auslaufen des UN-Mandats als Ost-Kamerun unabhängig. Der nördliche muslimische Teil des britischen Mandatsgebietes wurde nach einer durchgeführten Volksabstimmung am 31.05.1961 Teil von Nigeria, der südliche Teil entschied sich für einen Anschluss an Kamerun, der am 01.10.1961 erfolgte.


Bauplanung

Der Bau dieses Bismarckturmes wurde am 01.04.1899 vom Pflanzungsleiter Ernst Friederici angeregt. Die auf Antrag von Ernst Friederici durch das Gouvernement durchgeführte Sammlung  brachte genügend Gelder ein, um den Turm bauen zu können.

Mit Einverständnis des zuständigen Gouverneurs wurde der Turm auf einem kleinen Plateau auf dem Cap Nachtigal, zwischen Kriegsschiffhafen und Viktoria (heute: Limbe), errichtet.

Am 01.01.1901 wurde der Grundstein des Turmes im Rahmen einer Feier gelegt, nachdem insgesamt 2.489 Mark an Spenden gesammelt worden waren. Die Einweihung war für den 01.04.1901 geplant.

Der Turmbau wurde hauptsächlich durch einen großen Zuschuss des Kaiserlichen Gouvernements finanziert. Die Gesamtkosten betrugen 7.367,64 Mark.


Bauarbeiten

Als Baumaterial wurden Bruchsteine und Basalt verwendet.

Die Bauleitung oblag E. Friederici.

Aufgrund der ungünstigen Witterungsbedingungen und der schlechten Arbeitsverhältnisse mussten die Bauarbeiten mehrmals unterbrochen werden, sodass sich der geplante Einweihungstermin in den Herbst 1901 verschob.

Am 26.09.1901 konnten die Bauarbeiten abgeschlossen werden. Die Schlusssteinlegung sollte mit der Anbringung des Leuchtfeuers erfolgen (vermutlich erst im Jahr 1903).


Turmbeschreibung

Der 10 m hohe Aussichtsturm mit Befeuerungseinrichtung (ab 1903 Leuchtturm) wurde burgartig im gotischen Stil errichtet.

Die zwei 10 m hohen runden Türme mit jeweils 2 m (lichten) Durchmesser sind durch ein Mittelgeschoss, das als Durchgang diente, sowie durch die Aussichtsplattform miteinander verbunden. Auf der Mitte der Plattform sollte zu bestimmten Zeiten ein Leuchtfeuer entzündet werden.

Über den westlichen Turm war der Aufstieg über eine Wendeltreppe möglich. Von hier aus gelangte man im zweiten Obergeschoss in ein rundes Turmzimmer. Im 3. OG lag der Wohnraum für den Leuchtturmwärter (ab 1903). Der Ostturm (ohne Treppe) diente als Vorratsspeicher.

An der Südseite, über dem nach unten hin triumphbogenartig abschließenden Mittelgeschoss (dem sog. "gothischen Torweg"), war eine Bronzetafel mit Bismarckwappen und Bismarck-Wahlspruch

"In trinitate robur"

angebracht (gestiftet von J. H. und H. Menk aus Hamburg).


Turmgeschichte

Der Turm wurde ca. 1903 zu einem Leuchtturm umgebaut (s. o. rechts, Wetterfahne trägt Schriftzug "1903"). Dadurch wurde die Gesamthöhe des Turmes um ca. 3 m (ohne Wetterfahne) auf 13 m erhöht.

Der Bismarckturm wurde mindestens bis 1965 als Leuchtturm genutzt.

Das Bauwerk war im Juni 2004 noch erhalten, war aber vom Urwald zugewuchert und nur über den Seeweg erreichbar. Der Turm wurde seit Jahren nicht mehr als Leuchtturm genutzt. Die ehemalige Wendeltreppe wurde durch eine Eisenleiter ersetzt.

Der Standort des Turmes lag 2004 im militärischen Sperrgebiet, ca. 23 km südlich von Limbe.


Links

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Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 85
- Seele, Sieglinde: Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von CAP NACHTIGAL (Kamerun)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 52 "Bismarck-Turm in Kamerun - West-Afrika", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Illustrirte Zeitung Nr. 3053 vom 02.01.1902, S. 31
- Ehrhardt, Max: Bismarck im Denkmal des In- und Auslandes, Thüringische Verlags-Anstalt Eisenach-Leipzig, 1903, Nr. 51 "Der Bismarck-Turm in Kamerun"
- Berliner Börsenzeitung vom 03.03.1901


Bildmaterial

- historische Ansichten: Archiv J. Bielefeld
- Torsten Steinberg, Porta Westfalica (Fotos Juni 2004)

Ausschnitt einer historischen Karte Cap Nachtigal mit Standort Bismarckturm (heute: Limbe, Kamerun)