Update: 07.04.2013

Der Turm auf dem Hainberg
Der Bismarckturm in Asch

Der Bismarckturm in Asch ist der erste von drei Bismarcktürmen, der in Böhmen errichtet worden ist.


Bauplanung und Finanzierung

Am 05. November 1874 traf sich die Rigibahn-Gesellschaft, eine Vereinigung innerhalb des Geselligen Vereins in Asch, in der Gastwirtschaft Hoffmann. Der Ascher Georg Unger stellte einen Antrag zur Gründung eines Baufonds für einen Aussichtsturm auf dem 758 m hohen Hainberg in Asch, der höchsten Erhebung des böhmischen Fichtelgebirges. Diesem Antrag wurde zugestimmt.

Trotz des Baus des Unterkunftshauses auf dem Hainberg im Jahre 1884 durch die Ascher Sektion des Alpenvereins geriet der geplante Turmbau erst am 04.10.1891 wieder in den Fokus. In der Gaststätte Hoffmann wurde eine Zeichnungsliste für den Baugrundstock ausgelegt. Insgesamt kam ein Betrag von 1.200 Gulden zusammen.

Im Rahmen einer Huldigungsfeier für Otto von Bismarck in Asch am 01.04.1895, dem 80. Geburtstag des Fürsten, wurde bekräftigt, dass der Geburtstag ein besonderer Anlass wäre, den Plan des Turmbaus zu unterstützen. Durch weitere Spenden konnte der Baufonds nun auf 2.200 Gulden anwachsen.

Nach dem Aufruf der Deutschen Studentenschaft zur Errichtung von Bismarcksäulen im Herbst 1898 wurde am 16.12.1898 im Rat der Stadt Asch nun offiziell beschlossen, einen Aussichtsturm auf dem Hainberg zu Ehren von Otto von Bismarck zu errichten. Bürgermeister Emil Schindler gründete zu diesem Zweck einen Turmbau-Ausschuss, der sich bereits am 19.12.1898 traf. Mitglieder weiterer Vereine wie dem Deutschen und Österreichischen Alpenverein, dem Anpflanzungs- und Verschönerungsverein und dem Bund der Deutschen in Böhmen traten dem Ausschuss bei.

In der ersten Sitzung dieses Ausschusses wurde beschlossen, die Stadt Asch um die Überlassung eines Bauplatzes auf dem Hainberg zu bitten und den Architekten Wilhelm Kreis mit dem Entwurf eines Turmes zu beauftragen.

Die ersten beiden Entwürfe des Architekten fanden jedoch keine Zustimmung beim Komitee. Bürgermeister Schindler reiste deshalb nach Dresden und stellte dem Architekten Kreis die genauen Wünsche des Ausschusses dar. Verlangt wurde ein monumentaler Entwurf, der auch den praktischen Bedürfnissen eines Aussichtsturmes entgegenkommen sollte.

Wilhelm Kreis arbeitete nun einen dritten Entwurf aus, der im Ausschuss einstimmig angenommen wurde. Dieser Entwurf wurde 1901 bei einer Kunstausstellung in Dresden mit einer Goldmedaille ausgezeichnet.

Zwecks Aufstockung des Baufonds wandte sich das Turmbau-Komitee mit einem Spenden-Aufruf in der Ascher Zeitung an die Bevölkerung. Die Ortsgruppe Asch des Bundes der Deutschen in Böhmen führte gleichzeitig eine allgemeine Sammlung durch.

Der Baufonds wuchs bis 1901 beträchtlich an, sodass sich am 18.01.1902 die Mitglieder des Ausschusses mit dem Architekten Kreis auf dem Hainberg trafen, um über die genaue Standortfrage und weitere Details zu sprechen.

Der Bauplatz wurde dem Ausschuss von der Stadt Asch überlassen, die baubehördliche Kommission hatte keine Einwände gegen den Turmbau.

Im August 1902 erfolgte die Vergabe des Turmbaus an den Baumeister Ernst Hausner aus Asch, als Bauleiter war Polier Johannes Hörer aus Steinpöhl zuständig.

Aufgrund von bodenmechanischen Schwierigkeiten wurde der Bauplatz des Turmes verschoben.


Bauarbeiten und Einweihung

Der erste Spatenstich erfolgte am 22.09.1902, am 18.10.1902 konnte der Grundstein gelegt werden (eine Feier zur Grundsteinlegung fand nicht statt).

Nach einer Baupause im Winter 1902/1903 wurden die Arbeiten im Frühjahr weitergeführt. Am 17.09.1903 wurde das Richtfest gefeiert, im Oktober war der Turm im Rohbau fertig.

Aufgrund der zu erwartenden schlechten Witterungslage im Spätherbst 1903 wurde die Einweihungsfeier des Bauwerkes auf den 19.06.1904 verlegt.

Der Turm wurde bereits am 25.12.1903 erstmals für Besucher für zehn Heller/Person geöffnet. Tausend Personen nutzen am Eröffnungstag die Gelegenheit zum Turmaufstieg.

Am 18. Juni 1904 wurde das Bauwerk von 21:30 bis 22:15 Uhr bengalisch beleuchtet. Zur gleichen Zeit wurde u.a. auch die Feuerschale der Bismarcksäule in Markneukirchen entzündet.

Die Einweihung wurde im feierlichen Rahmen am 19.04.1904 durchgeführt. Bürgermeister Emil Schindler hielt vor Hunderten von Schaulustigen die Festrede.

Die Gesamtkosten für den Turmbau lagen bei 58.966,96 Kronen.


Beschreibung des Turmes

Auf einem quadratischen Grundriss von 6,70 x 6,70 m im Postament (7,20 x 7,20 m im Fundament) erhebt sich der Turmschaft, an dessen Ecken sich je ein Strebepfeiler von 2,30 m Länge und 1,20 m Breite an den Bau anlehnt.

Oberhalb der Postamente beginnt der eigentliche Turmaufbau mit einer Seitenlänge von 6 m bis zu einer Höhe von 11,20 m. Die rechteckigen Strebepfeiler setzen sich nach oben als nach oben hin verjüngte Halbsäulen von 2,20 m Durchmesser fort. An jeder der vier Ecksäulen ist am oberen Ende ein runder mit gemauerter Brüstung versehener Austritt angeordnet. Von hier aus erhebt sich ein 6,30 m hoher kreisrunder Aufsatz, der mit einem Kranzgesims mit Zinnen und Quadern abgeschlossen wird.

Oberhalb dieses Abschlusses verjüngt sich der Bau kegelartig zu einer 6,70 m hohen Kuppel, deren oberer Teil mit einer Granitkugel mit 0,90 m Durchmesser, die auf einem Polster ruht, abgeschlossen wird.

Das Bauwerk wurde aus Granit, der im Schlüsselsteiner Bruch (ca. 6 km von Asch entfernt) gewonnen wurde, errichtet und als rohes, zyklopisches Mauerwerk ausgeführt. Die Türgewände, Stürze und Gesimse wurden aus gestocktem Granit gefertigt. Der Aussichtsturm ohne Feuerschale ist bis zum Abschluss der Granitkugel 34 m hoch.

Aus Ziegelmauerwerk gefertigt wurde das kreisrunde Stiegenhaus, das als selbständiges Gehäuse im Innern des Turmes ausgeführt wurde. Das Stiegenhaus enthält eine granitene Wendeltreppe mit 102 Stufen. In den Geschosshöhen 3,61 m, 7,41 m, 12,91 m und 18,23 m sind in den Zwischenräumen Podeste als Rundgänge eingeschaltet. Durch kleine Schlitzfenster ist eine Aussicht möglich.

In Höhe des 3. Geschosses ist die Hauptmauer durch Aussichtsöffnungen von 2,30 m Breite und 2,60 m Höhe, die mit halbkreisförmigen Quadergewölben versehen sind, durchbrochen. Oberhalb dieser vier Hauptöffnungen befinden sich die bereits genannten Austritte über den Ecksäulen.

Vom letzten Turmgeschoss ist der Zugang zum 22,70 m hohen Aussichtspunkt über eine ein Meter breite und 2,47 m hohe Wendeltreppe aus Eisen mit 13 Stufen erreichbar. Durch acht Öffnungen mit je 1,24 m Höhe und 0,70 m Breite ist von hier aus eine gute Fernsicht möglich.

Die Bauarbeiter der Fa. Ernst Hauser verbauten insgesamt 66 m³ Granitblöcke, 65.000 Ziegelsteine aus der Ziegelei von Rudolf Hofmann in Asch, 58 Waggons Flutsand, drei Waggons Portland-Zement, 5 Waggons Teplitzer Baustückkalk und anderes Material. Das Gesamtgewicht des Turmes beträgt etwa 2000 t.

Über dem Haupteingang wurde eine Inschrifttafel (von Bildhauer Gustav Witte aus Asch) mit der Inschrift

„Erbaut 1903 durch freiwillige Spenden“

angebracht.

Im Innern ist eine Inschrifttafel (Jugendstil) mit der Inschrift

"ENTWORFEN VOM ARCHITEKT WILHELM KREIS DRESDEN/
ERBAUT VON BAUMEISTER ERNST HAUSNER ASCH/
OBMANN DES TURMBAUAUSCHUSSES EMIL SCHINDLER BÜRGERMEISTER ASCH"

zu lesen.

Die Ausführung des Baus wich in einigen Details vom Entwurf des Architekten Wilhelm Kreis ab (z.B. die Wandöffnungen, Verhältnis vom Erdgeschoss zu den Obergeschossen aufgrund der Bauplatzverlagerung).


Geschichte des Turmes

Im ersten Öffnungsjahr wurde das Bauwerk von 20.860 Besuchern bestiegen. In den Jahren 1905 bis 1913 wurden auf dem Hainberg mehrere Denkmäler enthüllt; am 08.05.1905 eine Gedenktafel für Friedrich Schiller, im Jahr 1909 ein Denkmal für Turnvater Jahn und am 24.08.1913 ein Denkmal für Theodor Körner. Der Hainberg wurde als Ausflugsort sehr gut angenommen und wies hohe Besucherzahlen auf. Am 21.11.1909 wurde eine Rodelbahn eröffnet.

Im Jahr 1913 wurde am Nebeneingang (linksseitig des Hauptaufganges) ein Bismarck-Relief aus Bronze von Bildhauer Albrecht Gerold d. Ä. aus Dresden angebracht (Inschrift und Relief ca. 1945 entfernt).

Nach Aussiedlung der Deutschen im Jahr 1946 blieb der Aussichtsturm weiterhin ein beliebtes Ausflugsziel. Alle Hinweise auf Bismarck waren jedoch entfernt worden.

Im Jahr 1947 wurde die Rodelbahn zur Bobbahn umgebaut. In den 1950er und 1960er Jahren bestiegen durchschnittlich 10.000 Besucher das Bauwerk.

Erste kleine Instandsetzungsarbeiten erfolgten im Jahr 1979. Sieben Jahre später folgte eine umfangreiche Sanierungsmaßnahme, bei der der Verputz ausgebessert, die Fenster im obersten Geschoss gewechselt und neue Türen eingesetzt wurden. Am 20.09.1986 erfolgte eine feierliche Wiedereröffnung des Turmes.

Im August 2003 wurden bei Sanierungsarbeiten u.a. der Innenputz und der Innenanstrich ausgebessert. Gehölze im Umfeld des Turmes wurden entfernt. Der Zugangsweg zum Turm wurde neu gestaltet.

Der Turm wird im Dunkeln von Scheinwerfern angestrahlt.

Am 18. und 19.06.2004 fand eine große Jubiläumsfeier am Bismarckturm statt.


Öffnungszeiten (Stand: 2011)

Täglich geöffnet von April bis Oktober bis 17:00 Uhr (in den Sommermonaten bis 19:00 Uhr)

Die Turmbesteigung ist kostenlos.


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Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 36-37
- Zeitschriften des Bismarck-Bundes; 2. Jahrgang 1904 (Nr. 1, S. 3; Nr. 6, S. 2; Nr. 9, S. 2 und Nr. 11-12, S. 5)
- Zeitschrift für Architektur und Ingenieurswesen, 52 (1906), Spalte 17-23
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 100 "Bismarck-Turm bei Asch in Böhmen", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Franken, Friedrich K.H.M.: "Kontinuität und Wandel in Leben und Werk des Architekten Wilhelm H. Kreis, Dissertation Technische Hochschule Aachen, 1996, S. 53-56
- Ehrhardt, Max: Bismarck im Denkmal des In- und Auslandes, Thüringische Verlags-Anstalt Eisenach-Leipzig, 1903: 2. Teil, Nr. 3a
- Jubiläumsbroschüre "100 Jahre Aussichtsturm auf dem Hainberg / 100 let rozhledny na vrchu Háj", Museum As 2004
- Pöllmann, Werner: "Grandioser Ausblick nach Bayern und Sachsen" in Frankenpost, 02.01.2003


Bildmaterial

- Ralph Männchen, Dresden (Fotos April 2005)
- Jörg Bielefeld, Remscheid (Fotos Mai 2009)


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