Update: 09.02.2014

Bomber traf Bismarckturm
Der Bismarckturm in Suhl

Bauplanung

Die beiden Suhler Bismarckverehrer, Gewehrfabrikbesitzer Hermann Haenel und Kaufmann Heinrich Müller, regten am 17.03.1895 den Bau eines Bismarckturmes in Suhl. Zusammen mit anderen Bismarckverehrern wurde ein Komitee von Bürgern aus allen Schichten unter Vorsitz von Gewehrfabrikbesitzer Rudolf Sauer gebildet.

Als Bauplatz wählte das Komitee den 676 m hohen Domberg aus.

Der Entwurf dieses Aussichtsturmes ohne Feuerschale wurde vom Kreisbauinspektor Richard Bartels aus Schleusingen ausgearbeitet.

Die Grundsteinlegung erfolgte am 01.04.1895 bei großer Beteiligung der Bevölkerung. Am gleichen Tag wurde Bismarck an seinem 80. Geburtstag zum Ehrenbürger Suhls ernannt.

Die Bauerlaubnis wurde am 28.06.1895 erteilt.

Am 30.07.1895 wurde ein Pachtvertrag mit dem Forstfiskus und der Stadt Suhl als Pächter von 0,25 ha Fläche auf dem Domberg abgeschlossen. In diesem Vertrag verpflichtete sich die Stadt Suhl während der Pachtzeit zur Unterhaltung des Turmes, der Forstfiskus behielt sich das Aufsichtsrecht vor. Nach Ablauf der Pachtgenehmigung sollte das Bauwerk in das Eigentum des Forstfiskus übergehen. Zu dieser Zeit wurden 12.400 Mark an Baukosten veranschlagt.

Am 12.08.1895 legte Richard Bartels einen abgeänderten Turm-Entwurf vor, da der ursprüngliche Entwurf dem Komitee als zu teuer galt.

Der Turmbaufonds war bis zum 30.01.1896 auf 10.300 Mark angewachsen.


Bauarbeiten

Die Bauarbeiten begannen am 01.05.1896.

Die Bauleitung oblag dem städtischen Bauaufseher Karl Müller, die Maurerarbeiten wurden Maurermeister Richard Hopf aus Suhl übertragen.

Weitere beteiligte Handwerker und Firmen

Baumaterial:                              Karl Thorwald, Suhl
Eisenarbeiten / Treppengeländer:   August Griebel, Suhl
Schlosserarbeiten:                      Schlossermeister Rudolf Dehn, Suhl
Blitzableiter:                               Firma Merkel

Bauinspektor Richard Bartels verstarb vor Einweihung des Bismarckturmes.

Als Material für diesen Aussichtsturm mit Feuerschale wurden Porphyr (Mauerwerk) und Kalkstein (Hauptecken, Tür, Fensterumrahmungen, Gesimse, Ecktürme und Zinnenkranz) aus den Steinbrüchen der Gebr. Wirthwein in Obermaßfeld, Kreis Meiningen, verwendet. Die Treppenstufen und das Bismarckwappen wurden aus Weser-Sandstein gefertigt.

Am 26.08.1896 war der Turmbau bis auf wenige Arbeiten beendet. Die Baukosten hatten sich auf insgesamt 13.700 Mark erhöht, der Turmbaufonds wies zu dieser Zeit eine Finanzierungslücke von ca. 2.000 Mark auf. Daher beantragte das Komitee beim Thüringerwald-Haupt-Verein einen Zuschuss von 1.500 Mark. Den Fehlbetrag von 500 Mark lieh man sich bei den Kommerzienräten Schlegelmilch und Sauer, mit diesem Geld wurden die Arbeiter entlohnt.

Die Gesamtbaukosten beliefen sich schließlich auf 14.080 Mark.


Turmbeschreibung

Der 21 m hohe Aussichtsturm mit Befeuerungsvorrichtung besitzt einen viereckigen Grundriss mit einer Seitenlänge von 5,80 m und wurde in Porphyr-Zyklopenmauerwerk ausgeführt. Der Turmschaft verjüngt sich leicht nach oben.

Eingangsseite (Ostseite)

Das 4,70 m hohe Hauptportal mit Giebeldach befindet sich auf der Ostseite. Über zwei Stufen gelangt man in den 2,80 m hohen und 1,40 m breiten Rundbogeneingang.

Die ehemals 2,30 m x 1,00 m große eisenbeschlagene Eingangstür aus schwarzem Holz (heute: weiß-grüne Holztür in gleicher Größe, davor mit Gittertür gesichert) wurde 0,60 m tief installiert.

Oberhalb des Giebeldachs des Hauptportals ist ein Bismarck-Wappen aus Weser-Sandstein angebracht und oberhalb davon ein Erker, der unten mit zwei Wappenschilden (Aufschriften „AD“ und „1896“) geschmückt ist.

Treppenhaus

Über eine rechtsdrehende Innentreppe mit Steinstufen erreicht man nach 1+33 Stufen einen Absatz, weitere 27 Stufen führen zur ersten Etage in Höhe des Erkers der Frontseite (4,40 m Höhe). Über 26 Stufen erreicht man die zweite Etage (Höhe 3,31 m). Von hier aus gelangt man über eine eiserne, linksdrehende Wendeltreppe mit 18 Stufen auf die mit Zinnen bekrönte Aussichtsplattform.

Plattform

Über einen mittigen Austritt, eine 2,51 m hohe Glas-Stahl-Konstruktion (1,76 m x 1,90 m) mit einem Spitzdach und einer Austrittstür, gelangt man auf der Ostseite auf die Plattform.

Der Innendurchmesser der Plattform beträgt 4,93 m x 4,93 m. Die steinerne Brüstung ist 0,79 m bis 1,16 m (mit Zinnen) hoch und 0,57 m dick. Außerhalb der Brüstung sind an jeder Ecke Türmchen mit Pyramidendach angebracht, welche auf zwei Seiten mit einer Zinne verbunden sind. Auf jeder Turmseite sind mittig weitere zwei Zinnen vorhanden.

Fensteranordnung

Auf der Frontseite (Ostseite) unterhalb des Bismarck-Wappens befindet sich ein kleines Fenster, auf der Nord- und Südseite sind unten zwei übereinanderliegende kleine rechteckige Fenster eingelassen. Auf der Westseite ist unten ein kleines, rundbogiges Fenster, ansonsten sind unten nur nebeneinanderliegende rechteckige Fenster vorhanden. Unterhalb der Brüstung sind auf jeder Seite zwei kleine nebeneinanderliegende rundbogige Fenster eingelassen.


Turmgeschichte

Am 02.09.1896 ab 15:00 Uhr erfolgte die feierliche Einweihung des Turmes. An der Feier waren viele Besucher, zahlreiche Vereine und die königlichen und städtischen Behörden anwesend.

Bei der Einweihungsfeier wurde das Bauwerk in das Eigentum der Stadt Suhl übergeben.

Bis zum 05.10.1896 war der Turm für Besucher geöffnet, in den Folgejahren war er jährlich vom 01.05. – 15.10., außer bei schlechtem Wetter, geöffnet. Der geöffnete Turm wurde durch eine gehisste blau-weiße Fahne angezeigt. Turmwart in den ersten Jahren war Gastwirt Franz Leser, der zudem den Ottilienstein bewirtschaftete und Eigentümer der Restauration „Zum Schwarzen Walfisch“ war. Der Turmeintritt betrug für Erwachsene 10 Pfennige, für Kinder unter 14 Jahren 5 Pfennige. Mitglieder des Domberg-Vereins und des Thüringerwald-Vereins inklusive Familienangehörige hatten freien Eintritt.

Am 21.09.1896 bat das Bismarckturm-Komitee den Magistrat darum, dem Domberg-Verein die Pacht des Geländes, die Turmverwaltung und das von Gastwirt Franz Leser geplante Schutzhaus mit Halle zu übertragen. Der Gastwirt sollte nach Auflösung der Pacht das Schutzhaus mit Halle für den Dombergverein stehen lassen, die aufgewendete Bausumme sollte er anteilig bei Kürzung von 1/17 der Summe pro Pachtjahr zurück erhalten.

Im September 1896 wurde eine eiserne Tafel für den verstorbenen Bauinspektor Richard Bartels im Turm angebracht.

Anfang 1898 hatte Gastwirt Leser neben einer Restauration auch eine Schutzhalle und eine Verkaufshalle errichtet, ein Anbau an die Restauration erfolgte im gleichen Jahr.

Am 01.04.1898 wurde mit dem neuen Pächter Franz Leser ein Vertrag geschlossen, bei dem er sich verpflichtete, am 30.09.1913 sämtliche von ihm in der Nähe des Bismarckturmes errichteten Bauten an den Dombergverein oder auf Wunsch der Stadtgemeinde Suhl zu überlassen.

Am 09.07.1931 teilte der Magistrat dem Dombergverein mit, dass die Kosten für den Pachtvertrag weiterhin 255 Reichsmark im Jahr betrugen.

Am 03.04.1945 wurde der Turm von einer amerikanischen Panzergranate getroffen, die ein Loch seitlich der Eingangstür riss. Der Schaden wurde in der Folgezeit ausgebessert.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Bauwerk nur noch Dombergturm genannt.

Im Jahr 1991 wurde linkseitig des Eingangs eine Gedenktafel für Herbert Roth (Suhler Komponist und Interpret volkstümlicher Musik) angebracht.

In den Jahren 1993 und 1994 wurde der Turm vom Dombergverein saniert. 1995 wurde er im Rahmen eines Bismarck-Turmfestes als Bismarckturm wiedereröffnet.

Zum 100. Geburtstag des Bauwerkes wurde am 08.09.1996 ein "Volkswandertag zum Domberg in Suhl" ausgerichtet (Schirmherr und Festredner: Ferdinand Fürst von Bismarck).

Ende 2001/Anfang 2002 wurden die Bäume rund um den Turm großzügig entfernt, so dass man den Turm besser sehen kann. Diese Maßnahme wurde nicht allein wegen der besseren Aussicht veranlasst: Durch das einfallende Sonnenlicht soll die Feuchtigkeit im Außenmauerwerk getrocknet werden.

Seit Ende 2006 wird der Turm von außen elektrisch beleuchtet.

Im Jahr 2008 wurde der Turm von innen mehrfach von Randalierern heimgesucht, sodass aufwändige Reparaturarbeiten erfolgen mussten.


Öffnungszeiten:

Der Turm ist - außer bei extremen Witterungsverhältnissen - ganzjährig begehbar. Er wird täglich durch die Stadt Suhl geöffnet. Sonntagnachmittags wird der Turm durch den Dombergverein betreut. Etwa 1,7 km vor Erreichen des Turmes muss das Auto auf einem Wanderparkplatz abgestellt werden. Der Bismarckturm ist von dort ab nur fußläufig zu erreichen.

Kontaktadresse (Vereinsvorsitzender Dombergverein):

Dr. Manfred Lemme
Herbert-Roth-Straße 14
98529 Suhl
Tel. 03681/305183


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Dombergverein


Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 378-379
- Seele, Sieglinde: Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von SUHL (Thüringen)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 10 "Bismarckturm zu Suhl i. Thüringen", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Ehrhardt, Max: Bismarck im Denkmal des In- und Auslandes, Thüringische Verlags-Anstalt Eisenach-Leipzig, 1903, "Der Bismarck-Turm zu Suhl (Thüringen)"


Fotos

- Jörg Bielefeld, Remscheid (August 2003 und Mai 2013)
- Hans-Dieter Hirschmann, Haßloch (Dezember 2006)
- Marek Moson, Breslau (Mai 2013)


Foto Bismarckturm Suhl 2006 (Foto Hans-Dieter Hirschmann, Haßloch)