Update: 06.04.2015

Der Steinturm mit Holzaufbau
Der Bismarckturm in Sitzendorf

Vorbemerkung

Der Bismarckturm in Sitzendorf ist - zusammen mit dem Bielefelder Metallturm (hier ist nur das Einweihungsjahr 1895 bekannt) - der älteste erhaltene Bismarckturm in Deutschland.

Die Anhöhe in Sitzendorf wurde „Fürst Bismarck-Höhe“ genannt, das Bauwerk wurde bei den Planungen und bei der Errichtung zunächst nur Aussichtsturm genannt. Erst bei der Einweihung findet sich in einem Zeitungsbericht der Name „Bismarckturm“. Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Turm im Zuge der Bismarckturm-Bewegung nach 1898 im allgemeinen Sprachgebrauch „Bismarckturm“ genannt wurde. Diese Bezeichnung hat sich bis zum heutigen Tage gehalten.


Bauplanung

Der Thüringerwaldverein, hier der 1885 gegründete Zweigverein Blechhammer-Sitzendorf, beschloss auf der Generalversammlung des Vereins im Frühjahr 1895, auf dem Sommerberg einen Aussichtsturm errichten. Dieser Turm sollte gleichzeitig als Schutzhaus dienen.

Der Bauplatz wurde dem Thüringerwaldverein vom Eigentümer unentgeltlich überlassen. Der Entwurf des Turmes stammt von Fabrikbesitzer Carl Voigt.

Die Grundsteinlegung erfolgte am 09.05.1895.

Der Verein holte sich anlässlich des 80. Geburtstages von Otto von Bismarck die Genehmigung, die Anhöhe samt Turm "Fürst Bismarck-Höhe" benennen zu dürfen. Dies wurde von Otto von Bismarck persönlich am 22.06.1895 genehmigt.

Die Gesamtbaukosten betrugen 2480 Mark. Die Kosten für den Turm trugen der kleine Zweigverein des Thüringerwaldvereins (50 Mitglieder) sowie einige Bürger. Zudem gab es Zuschüsse vom Zentralverein und der Gemeinde Sitzendorf.


Bauarbeiten

Als Baumaterial wurden für Fundament und Sockel Bruchsteine, für den Oberbau Backsteine verwendet (der Turm wurde später mit Holz aufgestockt).

Die Bauausführung erfolgte durch Maurermeister Hilmar Abicht aus Unterweißbach.

Die Bauarbeiten konnten Ende Juni 1895 abgeschlossen werden.


Turmbeschreibung

Das ursprünglich 10 m hohe Bauwerk (Bergseite Höhe 6 m) als Aussichtsturm ohne Feuerschale wurde dem 1844 im maurischen (Ruinen-)Stil erbauten Jagdschloss Eberstein in Bad Blankenburg architektonisch nachempfunden. Das Fundament und der Sockel wurden aus Bruchsteinen errichtet, der Oberbau bestand aus verfugtem Backsteinmauerwerk.

Das Bauwerk mit viereckigem Grundriss diente auch als Schutzhaus, die Aussichtsplattform war über eine steinerne Außentreppe mit 26 Stufen zugänglich. Der Schutzhaus-Raum wurde (vermutlich nachträglich) mit einem gusseisernen Reliefbild des Fürsten Bismarck versehen, welches von der Eisengießerei Mägdesprung im Harz hergestellt und von Carl Voigt gestiftet worden war.


Turmgeschichte

Am 11.08.1895 wurde der Berg samt Aussichtsturm (in Form einer Schutzhütte) als „Fürst Bismarck-Höhe eingeweiht.

Am Einweihungstag nahmen 500 Personen in altthüringischer Festtracht an einem Festzug über Schwarzburg zum Bismarckturm teil. Als der Festzug um 15:30 Uhr den Turm erreichte, hielt Fabrikbesitzer Carl Voigt vor ca. 1.000 Besuchern eine Festrede. Anschließend wurden mehrere Lieder von heimischen Gesangsvereinen dargeboten. Abends fand ein Festball im „prächtig illuminierten“ Gasthof zur Linde in Sitzendorf statt. Um 21:00 Uhr wurde die Fürst Bismarck-Höhe in rotem und grünem Licht bengalisch beleuchtet.

Am 03.08.1902 wurde am Aussichtsturm ein Waldfest ausgerichtet. Erste Reparaturen am Turm mussten in den Jahren 1904 und 1905 durchgeführt werden. Auf Ansichtskarten des Thüringerwald-Vereins wurde das Bauwerk nun als Bismarckturm bezeichnet.

Im Jahr 1908 mussten größere Reparaturen am Bauwerk durchgeführt werden. Der Zweigverein bat den Zentralverein um finanzielle Beihilfe.

Im Jahr 1932 wurde der Bismarckturm nach Genehmigung des Thüringer Kreisamtes vom 06.05.1932 durch einen Holzaufbau mit schiefergedecktem Überdach um 12 m erhöht. Im Innern führte eine Holztreppe mit 12 Stufen zur überdachten Aussichtsplattform.

Bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges fand jährlich ein Turmfest am Bismarckturm statt. Anfang der 1960er Jahre wurde der Turm in "Schöne Aussicht" umbenannt. In den 1970er und 1980er Jahren wurde das aufgestockte Bauwerk nur notdürftig saniert (neuer steinerner Treppenaufgang, neues Eisengeländer am Aufgang, Austausch einiger Holzbalken am Holzaufbau).

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands wurde der Turm wegen Baufälligkeit gesperrt.

Im Jahr 1995 fanden umfangreiche Sanierungsarbeiten statt. Den Hauptteil der Kosten trug die Telekom, die den Turm seitdem als Antennenträger nutzt. Bei der Sanierung wurde der hölzerne Aufbau komplett demontiert und durch einen neuen Aufbau ersetzt. Hierbei legte man Wert auf die originalgetreue Rekonstruktion des Bauwerkes.

Am 14. Oktober 1995 wurde der Turm in einer öffentlichen Feierstunde wieder in Bismarckturm zurückbenannt. Im Juni 1996 wurde er zum zweiten Male auf diesen Namen geweiht (dazu Bemalung mit Bismarck-Kopf und der Aufschrift "Bismarck-/turm", an den Seiten "Bismarckturm"). Eine ursprüngliche geplante Gedenktafel wurde nicht verwirklicht.

In den letzten Jahren fanden regelmäßig Veranstaltungen am Bismarckturm statt. Beim MDR-Osterspaziergang am Ostersonntag 2002 wanderten und rasteten über 10.000 Teilnehmer am Bismarckturm.

Seit 1995 findet jährlich das Bismarckturm-Fest am Turm statt (Stand 2012).


Links

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Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S.
- Seele, Sieglinde: Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von SITZENDORF (Thüringen)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 4 "Bismarckturm bei Sitzendorf am Oberen Schwarzathal", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Schwarzburg-Rudolstädtische Landeszeitung, 127 Jahrgang, Nr. 189 vom 14.08.1895
- Bauerlaubnisschein vom 06. Mai 1932, Archiv Landratsamt Saalfeld-Rudolstadt


Bildmaterial

- Jörg Bielefeld, Remscheid (Fotos 1998, 2003 und 2010); historische Ansichten: Archiv J. Bielefeld
- Lars Lenzner, Hückeswagen (Fotos April 2005)
- Ralph Männchen, Dresden (Fotos März 2015)