Update: 18.08.2016

Säule auf dem Reuster Berg
Der Bismarckturm bei Ronneburg

Diese 21 m hohe Bismarcksäule wurde im Jahr 1902 auf dem Reuster Berg (370 über NN) bei Ronneburg (genauer Standort: Reust in Rückersdorf/Thüringen) errichtet. Zuvor stand an gleicher Stelle eine Windmühle, die für den Bau der Säule Anfang 1901 abgerissen wurde.


Bauplanung und Finanzierung

Im Sommer 1899 bildete sich ein geschäftsführender Ausschuss zur Errichtung einer Feuersäule für den Ostkreis des Herzogtums Sachsen-Altenburg unter Vorsitz des Ronneburger Bürgermeisters Dr. Hiller. Geplant war nicht nur der Bau einer reinen Feuersäule, sondern auch ein Aussichtsturm mit Feuervorrichtung.

Am 15.07.1899 wurde für Spenden aufgerufen, um die Feuersäule errichten zu können. Bereits Ende August waren 4800 Mark an Spenden gesammelt worden, davon 3.800 Mark aus Ronneburg und 1.000 Mark aus den umliegenden Orten.

Innerhalb eines Jahres konnten insgesamt 30.000 Mark an Spenden in Ronneburg und Umgebung eingesammelt werden. Der Bismarcksäulenausschuss unter Vorsitz des Rechtsanwalts und Notars Curt Ulrich aus Ronneburg entschied sich, wie in vielen anderen Städten auch, für den von der deutschen Studentenschaft mit dem 1. Preis ausgezeichneten Entwurf "Götterdämmerung" des Architekten Wilhelm Kreis.

Im Jahr 1900 wurde von den eingenommenen Spenden vom Müller Gustav Opitz das Areal auf dem Reuster Berg samt Windmühle erworben. Die Windmühle wurde Anfang 1901 abgebrochen. Kurz darauf begannen die Vorarbeiten zum Bau, die aber wegen eines Streites zwischen dem Ausschuss und dem früheren Grundstückseigentümer unterbrochen werden mussten. Erst im Juni 1900, nach Beilegung des Streites, konnten die Arbeiten fortgeführt werden.


Bauarbeiten und Einweihung

Als Bauleiter vor Ort war Stadtbaumeister Harbert aus Ronneburg tätig, als ausführende Maurermeister wurde die Firma Kramer & Heinrich aus Ronneburg beauftragt.

Am 21.06.1901 um 16:00 Uhr wurde der Grundstein der Bismarcksäule gelegt. Zahlreiche Vereine, Vertreter von Behörden und Bürger nahmen daran teil.

Im Juni 1902 war der Bau nach 12 Monaten Bauzeit vollendet, am 11.06.1902 wurde eine erste Probebefeuerung durchgeführt.

Die Säule wurde nach den Himmelsrichtungen ausgerichtet.

Am Sonntag, 31.08.1902 wurde die Einweihung der Sachsen-Altenburger Bismarcksäule ab 16:00 Uhr von über 6.000 Besuchern unter Anwesenheit des Staatsministers von Helldorf und des Staatsrates Dr. Stöhr feierlich begangen. Bei Einbruch der Dunkelheit wurde das Bauwerk nach Durchführung eines Feuerwerks mit Rotfeuer beleuchtet.

Die Feuervorrichtung auf der Säulenspitze, hergestellt von Schlossermeister Simon aus Ronneburg, bestand aus acht eisernen Pfannen (Kosten: 800 Mark), die im Viereck auf eiserne Gerüste gehängt worden waren.


Turmbeschreibung

Die 21 m hohe, aus Muschelkalkstein aus dem Buchberg bei Orlamünde gebaute Bismarcksäule als Aussichtsturm mit Befeuerungsvorrichtung wurde auf einem 21 m x 21 m (incl. Schrägen, ohne Schrägen 17,30 m x 17,30 m) großen quadratischen Unterbau errichtet. Auf jeder Seite des Unterbaus führt mittig eine 1,95 m breite Treppe mit jeweils 9 Stufen zum 3 m breiten Turm-Basisbereich.

Als Basis des Turmes dient ein zweistufiges quadratisches Podest. Die untere Podeststufe ist an allen Seiten 11,30 m, die obere Podeststufe 8,90 m lang. Darauf erhebt sich der quadratische Turmsockel mit einer Kantenlänge von 6,90 m x 6,90 m. Die Höhe der beiden Podeststufen beträgt jeweils 1 m, die Tiefe von der 1. zur 2. Podeststufe sowie von der 2. Podeststufe zur Turmbasis jeweils ca. 1 m. Eine Treppe von 1,50 m Breite mit 12 Stufen führt durch die beiden Podeststufen zur Eingangstür auf der Eingangsseite des Turmes.

Die vier Kanten des Schaftes bestehen - wie bei dem Entwurf "Götterdämmerung" typisch - aus Dreiviertelsäulen, die von einem Architrav mit dreistufigem Oberbau zusammengehalten werden.

Die Fensterschlitze sind – bei dieser Säule nicht mittig - auf unterschiedlichen Höhen der Säulenschäfte angebracht. Am westlichen und östlichen Säulenschaft sind keine Fensterschlitze vorhanden.

Über 69 Stein-Stufen (rechtsdrehend) und eine 10-stufige gerade Steintreppe gelangt man zur 12 m² großen Aussichtsplattform.


Turmgeschichte

Die ursprünglich für den 27.08.1902 geplante Anbringung der Feuerpfannen fand erst am 01.09.1902 statt. Das erste Bismarck-Feuer auf dem Turmkopf wurde am 02.09.1902 um 20:30 Uhr entzündet, die zweite Befeuerung fand am 01.04.1903 statt.

Ende August 1906 wurde die Säule incl. eines Überschusses von 800 Mark der Stadtgemeinde zur Obhut und Pflege übergeben, der geschäftsführende Ausschuss wurde aufgelöst.

Der Turm wurde ein beliebtes Ausflugsziel, so dass das an die ehemalige Windmühle angrenzende ehemalige Wohnhaus eines Müllers als Gaststätte (Reuster Bergschänke) genutzt wurde.

Am 08.04.1908 brannte die Bergschänke samt Nebengebäuden bis auf einen Anbau ab. Eine kurz darauf neu errichtete Gaststätte wurde Anfang November 1908 eingeweiht. An diese Gaststätte wurde im Jahre 1914 noch ein Saal angebaut. Der Gasthof blieb nach erfolgter Sanierung (ca. 1937) weiterhin ein Besuchermagnet.

Die Befeuerung des Turmes wurde im Jahr 1912 auf die Sommersonnenwende verlegt. Die letzte nachgewiesene Befeuerung fand am 01.04.1915, zum 100. Geburtstag von Otto von Bismarck, statt.

Im Jahr 1939 wurde auf dem Bismarckturm für einige Monate ein Luftbeobachter stationiert.

Das Bauwerk, welches seit 1945 nur noch Reuster Turm hieß, wurde in den 1950er Jahren nur noch selten besucht, die Gaststätte wurde aber noch betrieben. Im Jahr 1957 wurde der Turm für Besucher gesperrt, da Reust und der Reuster Berg mit in das Uranbergbaugebiet einbezogen worden waren.

Durch den einsetzenden Uranabbau am Reuster Berg wurde im Jahr 1960 auch die Gaststätte geschlossen. Im Jahre 1972 wurde auf dem Turmkopf eine Antenne der SDAG Wismut installiert. Die Gaststätte wurde 1973 abgerissen.

Die Sperrung des Reuster Berges wurde erst im Jahr 1989 wieder aufgehoben.

Einige Fensterschlitzöffnungen des Turmes waren im August 1990 mit roten Backsteinen vermauert.

Am 01.10.1991 wurde der „Turm- und Verschönerungsverein Reust e.V." gegründet, der die Bismarcksäule, welche nun Eigentum der Gemeinde Rückersdorf ist, wieder begehbar machen wollte.

Die Säule wurde 1991/92 vom Verein saniert und zwischen dem 31.07.-02.08.1992 wiedereröffnet. Eine Illuminierung der Säule ist seit dem Stromanschluss im Jahre 1996 über im Boden eingelassene Strahler möglich.

Im Jahr 1999 wurde eine Mobilfunkantenne auf dem Turmkopf installiert.
Im Jahr 2002 wurde die alte Holzeingangstür durch eine neue stabile Eingangstür ersetzt.


Wissenswertes

Von der Aussichtsplattform aus soll man an bestimmten Tagen (vor dem Ersten Weltkrieg) die Flammen der Bismarcksäule in Gera (1949 abgebrochen) und des Bismarckturmes in Netzschkau gesehen haben können.

Vom 09. bis 11. August 2002 wurde zum 100-jährigen Jubiläum der Einweihung ein Turmfest ausgerichtet. Eine "Festschrift zu Ehren des 100. Jahrestages der Bismarcksäule auf dem Reuster Berg bei Ronneburg" wurde vom Turm- und Verschönerungsverein Reust e.V. herausgegeben.


Öffnungszeiten:

Der Turm ist an den Wochenenden von Ostern bis Ende Oktober ab 14:00 Uhr geöffnet. Die Thüringenfahne zeigt bei schönem Wetter die Turmöffnung an.
Außerhalb dieser Zeiten lässt sich ein Besuchstermin über Familie Schütze (Tel.: 036602/34814) vereinbaren.


Links

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Quellen

- Seele, Sieglinde: BISMARCK-TURM von RONNEBURG (Thüringen), Archiv Seele, Mannheim
- Seele, Sieglinde:
Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 334
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 71 "Bismarck-Feuersäule auf dem Reusterberg bei Bad Ronneburg", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes; 2. Jahrgang 1904 (Nr. 11/12, S. 5)
- Ehrhardt, Max: "Bismarck im Denkmal des In- und Auslandes", Thüringische Verlags-Anstalt Eisenach-Leipzig, 1903, 2. Teil: "Die Bismarck-Säule (Architekt Kreis) auf dem Reusterberge bei Bad Ronneburg"
- Festschrift: Bismarck-Säule auf dem Reuster Berg 90 Jahre ~ 1902 - 1992, herausgegeben vom Turm- und Verschönerungsverein Reust / Gemeindeverwaltung Rückersdorf, Rückersdorf 1992
- Festschrift: Bismarcksäule auf dem Reuster Berg 100 Jahre 1902 - 2002, herausgegeben vom Turm- und Verschönerungsverein Reust e.V., Rückersdorf 2002


Fotografen

- Helmut Wagner (Winter 2004)
- Jörg Bielefeld, Remscheid (September 2010)