Update: 23.01.2016

Holz- statt Steinturm
Der Bismarckturm in Meiningen

Vorbemerkung

Der Bismarckturm Meiningen aus dem Material Holz gehört zu den dreizehn frühen Bismarcktürmen, die alle nicht mehr erhalten sind.

Der hölzerne Turm in Meiningen diente (wie z.B. auch der Bismarckturm Wiesbaden) als Provisorium für einen später geplanten, massiven Bismarckturm, der jedoch nie gebaut wurde.


Bauplanung (hölzerner Turm)

Im September 1897 planten die Meininger Bürger Deipser, Löffler, Herbart und Amthor, auf der Schanz in Meiningen einen steinernen Bismarckturm zu errichten. Aufgrund der zu erwartenden hohen Kosten schlug Stadtverordneter Enzian vor, einen hölzernen Bismarckturm zu bauen, damit die Öffentlichkeit die schöne Aussicht genießen kann. Zwecks Errichtung des hölzernen Bauwerkes arbeitete er Pläne und Kostenvoranschläge aus.

Die Stadt Meiningen erklärte sich auf Anfrage des Stadtverordneten Enzians bereit, unentgeltlich Holzmaterial für den Bismarckturm zu stellen. Zudem stellte die Stadt Baugrund zur Verfügung.

Es wurde ein Bismarckturm-Komitee unter Vorsitz von Kreisschulinspektor Sieber gebildet, als Kassierer war Bankbeamter Deipser und als Schriftführer Amtsassistent Enzian tätig.

Hofbauführer Carl Göbel entwarf den hölzernen Turm.

Als Standort des Turmes wurde der Osthang des Schanzenwäldchens („Auf der Schanz“, 489 m über NN), östlich des Donoskuppe, festgelegt.

Die Kosten des Bauwerks sind nicht bekannt.


Bauarbeiten

Ausgeführt wurden die Arbeiten durch Zimmermeister Joh. Hof jun. und Hofmaurermeister Weber (Erd- und Maurerarbeiten), beide aus Meiningen.


Turmbeschreibung

Der 21,50 m hohe hölzerne Aussichtsturm ohne Befeuerungseinrichtung hatte einen quadratischen Grundriss, der im unteren Bereich mit ausladenden Diagonalverstrebungen verstärkt war. Die Holztreppe wand sich rechts herum über drei Absätze hinweg zur oberen viereckigen Plattform. In der Mitte der Plattform war eine Fahnenstange verankert.


Turmgeschichte und Planung des steinernen Bismarckturmes

Der Bismarckturm in Meiningen wurde am 17.07.1898 (wenige Tage vor Bismarcks Tod!) im Rahmen einen Volksfestes eingeweiht. Bei der Einweihung wurde das Bauwerk an die Stadt Meiningen übergeben.

Am 30.07.1898, dem Todestag Bismarcks, wurde auf dem Turm (sowie an allen öffentlichen Gebäuden der Stadt) Halbmast geflaggt.

Im Jahr 1904 wurden die Planungen zum Bau des steinernen Bismarckturmes vorangetrieben. Dieser massive Turm sollte nach einem Beschluss des Stadtrates, ca. 100 m tiefer gelegen, auf dem "Dietrich" westlich der Stadt, errichtet werden. Aus nicht bekannten Gründen unterblieb der Bau dieses zweiten Bismarckturmes.

Im Jahr 1914 wurde der hölzerne Turm wegen Baufälligkeit gesperrt und 1927 endgültig abgebrochen.


Links (ehemaliger ungefährer Standort)

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Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 267
- Seele, Sieglinde: Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von MEININGEN (Thüringen)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr.  11a "Bismarck-Turm bei Meiningen", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)


Bildmaterial

- historische Ansichten: Archiv J. Bielefeld, Remscheid