Update: 07.04.2013

Altvaterturm ersetzt gesprengten Bismarckturm
Der Bismarckturm in Lehesten

Bauplanung

Der Vorsitzende des Thüringerwald-Zweigvereins in Lehesten, Hotelier Ludwig Munzer, regte den Bau dieses Bismarckturmes im Oktober 1899 auf dem 793 m hohen Wetzstein an. Der Vorsitzende strebte einen Neubau des alten Wetzsteinturmes an, der diesmal in Eisen ausgeführt werden sollte. Die Baukosten wurden auf 5.000 – 6.000 Mark veranschlagt.

Innerhalb kurzer Zeit wuchs der Turmbaufonds auf 500 Mark an. Der Zweigverein beantragte in den Jahren 1900 und 1901 finanzielle Unterstützung beim Turmbauprojekt durch den Hauptverein. Auf den Generalversammlungen des Hauptvereins in den Jahren 1900 und 1901 wurden die Anträge zunächst abgelehnt, für die Zukunft wurde eine Spende in Aussicht gestellt.

Der Zweigverein stellte zwecks Gewinnung weiterer Spenden Sammelbüchsen aus, legte Listen zur Zeichnung von Spendenbeträgen bei den 115 Vereinsmitgliedern des Zweigvereines aus und bat die Einwohner von Lehesten und Umgebung um weitere Spenden.

Aufgrund der großen Resonanz beschloss der Zweigverein im September 1901 die Ausführung des Turmbaus im Frühjahr 1902. Einzige Voraussetzung dafür war die Zahlung der erbetenen finanziellen Unterstützung in Höhe von 2.500 Mark durch den Hauptverein.

Der Verein gründete eine Baukommission. Der Bauplatz wurde zu finanziell günstigen Bedingungen vom herzoglichen Staatsministerium (Abteilung Finanzen) in Meiningen für den Verein erworben.

Die ursprünglich für den 01.04.1902 geplante Grundsteinlegung musste wegen hohen Schnees um eine Woche auf den 08.04.1902 verlegt werden.

Am 08.04.1902 wurde der Grundstein des Turmes gelegt, der nun in Stein und nicht in Eisen ausgeführt werden sollte. In den Grundstein wurde eine Messingkapsel gelegt, die eine Urkunde, eine Zeichnung des Turmes, verschiedene Drucksachen und Ansichtskarten aus Lehesten enthielt.

Die Gesamtkosten für den Turmbau betrugen 9.200 Mark.


Bauarbeiten

Der Entwurf zu diesem Aussichtsturm ohne Feuerschale stammt vom Baumeister Joseph Houzer aus Nürnberg und Regierungsbaumeister Professor Albert Neumeister aus Karlsruhe. Baumeister Joseph Houzer übernahm die Bauleitung dieses Projekts.

Als Baumaterial wurde für das Fundament und den Sockel Quarzit-Bruchsteine vom Wetzstein, für die Säule selbst wurden gelbbraune Greppiner Radialsteine (gelbes Ziegelmauerwerk) verwendet.

Ende Juni 1902 waren die Bauarbeiten fast abgeschlossen.


Turmbeschreibung

Der 21,80 m hohe Aussichtsturm ohne Befeuerungsmöglichkeit besaß einen quadratischen Grundriss.

Auf dem Fundament erhob sich ein 5 m hoher quadratischer Sockel aus Quarzit-Bruchsteinen, der in einer Höhe von 2,65 m in ein regelmäßiges Achteck überging. Die 15,80 m hohe Turmsäule auf diesem Sockel wurde aus lederfarbenen Greppiner Radialsteinen gefertigt.

Vor dem Eingang wurde ein Vorbau aus Bruchsteinen, welcher mit einem Schieferdach in altdeutscher Weise gedeckt war, angelegt. Über der Eingangstür war in einem Halbbogen aus grün glasierten Steinen (Durchmesser 2,50 m) ein bronzenes Bismarck-Relief (Entwurf: Professor Neumeister aus Karlsruhe) angebracht, welches von zwei Wappen (Meiningen und Lehesten) flankiert war. Auf einer Schieferplatte war mit goldener Aufschrift "Wetzstein" und "TH. W.V." zu lesen.

Das Turminnere hatte einen lichten Durchmesser von 3 m.

Über eine Wendeltreppe mit 110 Stufen (35 Granitstufen, sowie drei eiserne Wendeltreppen mit 75 Stufen) war die Zinnenaussichtsplattform zu erreichen. Nach anderer Quelle betrug die Gesamtzahl der Stufen 108 (34 Granitstufen, 74 Metallstufen).


Turmgeschichte

Die Einweihung des Turmes am 20.07.1902 wurde mit einem historischen Festzug gefeiert (Wetzsteinfest). Die Weiherede hielt Pfarrer Scheller aus Lehesten. Nach dem Ende der offiziellen Feier wurde das Bauwerk für Besucher geöffnet.

Bis zum 31.03.1903 wurde das Bauwerk von über 1.200 Besuchern bestiegen. Es wurden die fünf Schlüsselstationen 

1.    Hotel „Felsgrotte“ in Lehesten

2.    Gasthaus „Zum grünen Wald“ in Brennersgrün

3.    Gasthaus „Friedrichshöhe“ bei der Lauenhainer Ziegelhütte

4.    Herzögliche Schieferbrüche bei Lehesten

5.    Gasthaus „Zur Linde“ in Röttersdorf

eingerichtet, bei denen sich interessierte Besucher gegen 1 Mark Pfand den Turmschlüssel ausleihen konnten.

An Sonn- und Feiertagen war der Turm bei günstigem Wetter von Mai bis Mitte Oktober regelmäßig geöffnet, der Eintrittspreis betrug 20 Pfennig.

Bis 1938 wurde jährlich das Wetzsteinfest am Bismarckturm gefeiert (außer in den Kriegsjahren 1914 – 1918).

Der Turmschlüssel wurde 1921 gegen 2 Mark Pfand ausgegeben.

Nach 1945 wurde das Bauwerk durch seine Lage im Grenzgebiet vernachlässigt.

Der Turm wurde am 27.06.1979 um 11:53 Uhr von einem Sprengtrupp der NVA durch Sprengung zerstört. Rund um den ehemaligen Bauplatz des Turmes wurde mit hohem Finanzaufwand eine Luftraumsicherungsanlage mit flexiblen Radarsystemen aufgebaut, die erst nach dem 03.10.1990 sukzessive aufgelöst wurde.

In den 1990er Jahren beantragte der Vorstand des Fremdenverkehrs- und Wandervereins Lehesten e.V. als Nachfolgeverein des Th.W.V. die Rückführung des Baugrundstückes für den Wiederaufbau des Bismarckturmes bis zum Jahr 2000.

Am ehemaligen Turmstandort, 100 m hinter der Wetzsteinhütte, wurde eine kleine Aussichtskanzel (ca. 1 m hoch) aufgestellt.

Am 28. Mai 1999 wurde etwa 300 m nördlich vom ehemaligen Standort des Bismarckturmes der Bau eines neuen Aussichtsturmes (Altvaterturm) begonnen. Das Richtfest für diesen Aussichtsturm aus Buntsandstein fand unter großer Besucherbeteiligung im Mai 2002 statt. Der Altvaterturm wurde, aufgrund von Bauverzögerungen durch Insolvenz des Generalunternehmers, am 28. und 29. August 2004 eingeweiht.

Beim Altvaterturm auf dem Wetzstein handelt es sich um einen 35,80 m hohen Nachbau des 1959 zerstörten Altvaterturms im Altvatergebirge in Mähren (heute Tschechien).


Links

Google Maps

Google Earth

www.altvaterturm.de (Website des Altvaterturm-Architekten Kurt Weese)


Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 245
- Seele, Sieglinde: Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von LEHESTEN (Thüringen)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 66 "Bismarck-Turm zu Lehesten – Sachsen-Meiningen", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Ehrhardt, Max: Bismarck im Denkmal des In- und Auslandes, Thüringische Verlags-Anstalt Eisenach-Leipzig, 1903, Nr. 64 "Der Bismarck-Turm zu Lehesten (Thür.)"
- Thüringer Monatsblätter, Verbandszeitschrift des Thüringer-Wald-Vereins, 10. Jahrgang 1902/03, Nr. 4 vom 1. Juli 1902, S. 45
- Rimpl, Willi: „Ein Zeichen der Versöhnung – Der Altvaterturm auf dem Wetzstein“ in Jahrbuch Landkreis Saalfeld Rudolstadt 2004/2005, hrsg. vom Landkreis Saalfeld-Rudolstadt, 1. Auflage 2004, S. 84-88
- Rühl, Karl: DAS OBERE SAALETAL und DER FRANKENWALD, Wanderbuch des Frankenwald-Vereins, Mühls Verlag Ziegenrück a.S., 1914, S. 165-166
- Weggässer, Rolf: „Lehesten und der ehemalige
Bismarckturm“ in „Rudolstädter Heimathefte, 44. Jahrgang Mai/Juni 1998, Heft 5/6, S. 98-100


Bildmaterial / Fotos

- Jörg Bielefeld, Remscheid (2006)