Update: 18.08.2016

Die Säule an der Rothenburg
Der Bismarckturm im Kyffhäuser-Gebirge

Vorbemerkungen Teil 1 (VDSt und Kyffhäuserfest)

Die deutsche Studentenschaft hatte über viele Jahre eine besondere Beziehung zum Kyffhäuser und zur Rothenburg, da beide im 19. Jahrhundert Sammelpunkte nationaler Bestrebungen von unterschiedlichen Gruppierungen waren.

Beim 1. Kyffhäuserfest am 06.08.1881 setzten sich zwischen 600-800 national gesinnte Studenten für Deutschtum, Monarchie, Christentum und die Unterstützung Bismarcks im Kampf gegen die Sozialdemokratie ein. Studenten aus Leipzig, Halle, Kiel, Greifswald und Berlin schlossen sich am 08.08.1881 zum „Kyffhäuser-Verband der Vereine Deutscher Studenten“ zusammen. Nach dem Tode Kaiser Wilhelms I. stand der Verband der Monarchie des jungen Kaisers Wilhelm II. loyal bis kritisch gegenüber und sah sich diesbezüglich selbst als „entschiedene Opposition“.

Der VDSt pflegte seit 1881 Kontakt zum Reichskanzler Otto von Bismarck. Man sandte ihm anlässlich von Kommersen und bei anderen Gelegenheiten Telegramme, für die er sich freundlich bedankte und den Studenten seine Sympathien ausdrückte.

Zu Bismarcks 70. Geburtstag am 01.04.1885 fuhr ein Abordnung von 60-70 Studenten zur Reichskanzlei in Berlin, führte einen Fackelzug durch und gratulierte dem Reichskanzler. Diese Huldigungsfahrt zu Ehren Bismarcks wurde von vielen Studenten als „Höhepunkt des akademischen Lebens“ gesehen. Dies verstärkte die studentische Bismarck-Begeisterung.


Vorbemerkungen Teil 2 (Bismarcksäule und Kaiser-Wilhelm-I.-Denkmal)

Die Bismarcksäule wurde anlässlich des 25. Jahrestages der Gründung des Kyffhäuser-Verbands am 05.08.1906 eingeweiht. Das Bauwerk steht direkt an der Rothenburg, 3,25 km südwestlich des am 16.06.1896 eingeweihten Kaiser-Wilhelm-I.-Denkmals auf dem Kyffhäuser (Architekt Bruno Schmitz).

Bei der Bismarcksäule auf dem Kyffhäuser handelt es sich um einen der alternativen Bismarckturm-Entwürfe des Architekten Wilhelm Kreis, welches sich deutlich von seinem Standard-Modell Götterdämmerung unterscheidet.


Bauplanung

Im Sommer 1899 kam bei mehreren Studenten der Vereine Deutscher Studenten (VDSt) der Gedanke auf, den verstorbenen Reichskanzler durch den Bau einer „Fürst-Bismarck-Gedenksäule auf dem Kyffhäuser“ zu ehren. Für den VDSt galt durch die Kyffhäusersaga der „Barbarossaberg“ (Kyffhäuser) als der „deutscheste Berg“. Durch die Wiederherstellung des Kaisertums 1871 insbesondere durch Otto von Bismarck erfüllte sich die Sage und der Berg erhielt eine nationale Bedeutung.

Der Bau dieses Bismarckturmes wurde auf der 19. Verbandstagung am 04./05.08.1899 vom Kyffhäuser-Verband der Vereine Deutscher Studenten angeregt. Die geschätzten Kosten von 20.000 Mark sollten vom Verband mit Hilfe der „Alten Herren“ aufgebracht werden. Jedes Mitglied des Studentenverbandes sollte mindestens 12 Semester lang pro Semester eine Mark spenden.

Bereits am 29.09.1899 wandten sich die Studenten mit einem Gesuch um Überlassung eines Bauplatzes auf dem Kyffhäuser an die Fürstlich-Schwarzburgische Regierung zu Rudolstadt. Der VDSt hatte sich als Baustätte der Säule die sog. „Altendorfer Klippen“ (425 m über NN, höchste Erhebung auf der westlichen Seite des Kyffhäuser-Gebirges), ausgesucht.

Die Genehmigung für die Überlassung des Grundstückes wurde im November 1899 von der Regierung erteilt, der Grund und Boden wurde unentgeltlich überlassen. Zudem durfte der VDSt den in der Nähe befindlichen Steinbruch „Schwarzes Eichental“ gegen geringe Kosten nutzen.

Der Entwurf für das geplante Bauwerk (schlanke Säule in dreieckiger Form) wurde von Verbandsmitglied Stadtbaumeister Friedrich Jenner aus Göttingen angefertigt. Daraufhin protestierte die Geschäftsleitung des Kyffhäuserbundes, da das Kaiser-Wilhelm-Denkmal in seiner Gesamtheit durch den Bau einer Bismarcksäule beeinträchtigt werden könnte. Der Protest blieb zunächst erfolglos.

Kurz darauf wurde ein „Arbeitsausschuss zur Errichtung einer Bismarcksäule des Kyffhäuser-Verbandes“ gebildet.

Am 16.02.1900 wurde ein Aufruf zur Errichtung einer Bismarcksäule erlassen und Beiträge gesammelt. Innerhalb kurzer Zeit konnten Beträge von insgesamt 3.650 Mark gezeichnet werden. Am 30.04.1900 untersuchte der Maurer- und Zimmermeister Karl Rockenfuß jun. aus Kelbra die Qualität des Steinmaterials im zugewiesenen Steinbruch. Die Steine wurden als nicht verwendbar bewertet.

Im April 1901 waren bereits 2.688,80 Mark gespendet und 8.311,00 Mark gezeichnet, sodass die Grundsteinlegung bereits für das 20. Stiftungsfest im August 1901 angedacht wurde.

Im April 1902 lagen Barzahlungen in Höhe von 9.945,04 Mark sowie gezeichnete Beträge von 7.513,00 Mark vor.  Der Turmbaufonds hatte sich im März 1903 auf knapp 21.000 Mark erhöht (davon rund 15.600 Mark Bargeld).

Am 09.08.1903 wurde der von der Regierung genehmigte Bauplatz „Altendorfer Klippen“ von den Teilnehmern des 23. Verbandstagung besichtigt.

Auf dieser Tagung im August 1903, wurde beschlossen, den rechtsfähigen Verein „Bismarcksäule des Kyffhäuser-Verbandes“ zu gründen. Dieser schließlich am 21.10.1905 gegründete rechtsfähige Verein sammelte weitere Spendengelder. Am 18.11.1905 wurde der Verein „Bismarcksäule des Kyffhäuserverbandes e.V.“ in das Vereinsregister des Fürstlichen Amtsgerichtes zu Frankenhausen eingetragen. Zweck des Vereins war laut Satzung die Errichtung der Bismarcksäule, die Herstellung eines Festplatzes vor der Säule sowie die Ausrichtung von Feiern, hier speziell die Befeuerung des Turmes.

Im Winter 1903/1904 wurde der Bauplatz „Altendorfer Klippen“ vermessen. Trotz der schon fortgeschrittenen Arbeiten wiederrief die Regierung in Schwarzburg-Rudolstadt plötzlich die bereits im Jahr 1899 erteilte Genehmigung „aus wichtigen forstwirtschaftlichen Interessen“.

Im Jahr 1904 musste nach einem neuen Standort für die Säule gesucht werden.

Im Jahr 1905 beriet der VDSt über einen Bauplatz auf der Nordseite der Rothenburg bei Kelbra, der sog. Aussichtsterrasse vor der Burg. Zuvor hatte man Architekt Wilhelm Kreis als Begutachter des Standortes zugezogen, der sich klar für die Rothenburg aussprach. Der Vorschlag von Kreis wurde angenommen, die Regierung stimmte dem Bauplatz zu.

Auf der 25. Verbandstagung des VDSt im August 1905 in Kelbra entschied man, den Architekten Wilhelm Kreis mit der Ausführung seines individuellen Bismarcksäulen-Entwurfs zu beauftragen, der sich in der Form an die mittelalterliche Rothenburg-Ruine anlehnen und eine Innenhalle enthalten sollte. Der alte Entwurf für die Altendorfer Klippen von Friedrich Jenner wurde aufgegeben. Die Bausumme für den neuen Entwurf wurde auf 32.000 Mark geschätzt.

Die Regierung gewährte unentgeltlich das Erbbaurecht für den Bauplatz und stellte einen nahegelegenen Steinbruch zur Verfügung.

Am 03.03.1906 wurde der Vertrag mit den beiden Baumeistern Herman Bloßfeld und Karl Rockenfuß aus Kelbra abgeschlossen.

Der Kassenbestand der Hauptkasse betrug am 07.04.1906 insgesamt 29.435,54 Mark.

Die Gesamtkosten für den Turmbau betrugen letztendlich ca. 47.000 Mark. Die rund 18.000 Mark Mehrkosten sollten durch die Vereinsmitglieder innerhalb der nächsten 5 Jahre aufgebracht werden.


Bauarbeiten

Der Bau der Säule als unregelmäßiges Bruchsteinmauerwerk in verlängertem Zementmörtel begann unter der Aufsicht von Maurerpolier Johann Setzepfand am 16. März 1906. Zunächst musste ein Teil der alten Grundmauern der Rothenburg abgetragen werden. Die Fürstliche Forstverwaltung legte eine breite Zufahrtstraße zu den unteren Säulenterrassen an.

Als Baumaterial verwendete man roten Kyffhäuser-Sandstein aus dem nahe gelegenen Mühlensteinbruch „An der Windluke“ für die Außenverkleidung. Für die Hintermauerung wurden Ziegelsteine verwendet.

Ausgeführt wurde der Bau durch die Baumeister Hermann Bloßfeld und Karl Rockenfuß, als Bauleiter fungierte Architekt Curt Einert aus Leipzig.  

Architekt Einert änderte den Entwurf von Wilhelm Kreis in mehreren Details ab (z.B. ein zusätzliches verkröpftes Gesimsband im Bereich der Adlerpodeste).

Die die Turm-Halle abschließende Eisenbetonkuppel wurde von der Fa. Rudolf Wolle aus Leipzig gebaut. Die elf insgesamt 750 kg schweren Adlerplastiken wurden von einer Dresdner Kunststeinfabrik gefertigt.

Der vertragsmäßig festgelegte Bauabschluss am 29.07.1906 konnte eingehalten werden, trotzdem war der Turmbau noch nicht vollendet, da noch ca. 1,50 m an der geplanten Höhe fehlten. Zudem wurde konstatiert, dass die Summe des Kostenanschlags von 32.000 Mark nicht eingehalten werden konnte.

Die Einweihung des Bismarckturmes fand während des 3. Kyffhäuserfestes vom 03.-06.08.1906 statt. Am 05.08.1906 (25. Jahrestag der Gründung des Kyffhäuserverbandes) wurde die Säule offiziell eingeweiht. Mitglieder der Vereine Deutscher Studenten gingen um 15:30 Uhr im Rahmen eines Festzuges vom „Kaiserhof“ in Kelbra zur Bismarcksäule.

Das Feuerbecken konnte am Einweihungstag noch nicht in Betrieb genommen werden. Die Einweihungs- und Festrede hielt Heinrich Freiherr von Zedlitz und Neukirch. Anschließend sprach Walter Müller als Vorsitzender des Bismarcksäulen-Ausschusses. Es folgte die Einmauerung eines Kapsel (Inhalt: Festurkunde) in den Schlussstein mit den obligatorischen Hammerschlägen durch Verbands- und Vereinsvertreter sowie Ehrengäste.


Turmbeschreibung

Die Feuersäule ohne Aussichtsplattform hat einen runden Grundriss mit einem Durchmesser von 12 m. Auffällig sind elf Strebepfeiler und die dazwischen liegenden neun Sprossenfenster rund um den Turm. Die jeweils ein Meter breiten Pfeiler (als visuell dominante vertikale Elemente des Turmes) sind jeweils von einem sitzenden steinernen Adler bekrönt. Die Bismarcksäule ragt 5 m über den höchsten Punkt der Rothenburg heraus.

Der Bismarckturm mit rundem Sockel lehnt sich an die Ruine Rothenburg an. Bindeglied zwischen dem 1,25 m dicken und zu dieser Zeit ca. 9-10 m hohen Ruinengemäuer und dem Turm ist ein eingeschossiges Eingangs-Gebäude mit Pfettendach (3,52 m x 3,89 m).

Vom Vorplatz des Turmes aus gesehen erreicht man über sechs breite Stufen die Rednerkanzel (Altan) sowie den Zugang zu einer um den Turm laufenden Freitreppe. Über diese gelangt man zum Zugang (Eichentür) der kapellenartig angelegten, 12 m hohen Turm-Halle (Durchmesser: 8,68 m) und zum Turmumgang. Die Halle erhält durch mehrere, in 4,70 m Höhe (am Sturz 7,00 m) eingelassene Fenster (0,70 m x 2,00 m) Licht.

Über einen separaten schmalen Treppenhausturm (äußerer Durchmesser 2,65 m, innerer Durchmesser 1,75 m) neben dem Eingangsgebäude konnte man über eine hölzerne Wendeltreppe das Hauptgesims erreichen. Der Treppenlauf mündete oberhalb der Stahlbetonkalotte in die Turmkonstruktion. Über eine Wendeltreppe gelangte man zum verjüngten Teil des oberen Turmgeschosses mit der Feuerschale.

Bei der Feuerschale handelt es sich um eine runde Eisenpfanne von 3,10 m Durchmesser. Die Befeuerung erfolgte jeweils mit fünf Litern Pech und vier Ballons Petroleum. Durch dieses Gemisch wurde eine Flammenhöhe von 5 m bei einer Brenndauer von einer Stunde erreicht.

Oberhalb der Rednerkanzel wurde an der Außenwand des Turmes eine Gedenktafel, hergestellt von Ernst Meyercordt, mit der Inschrift

Dem Andenken Bismarcks geweiht. Kyffhäuser Verband Deutscher Studenten
- 5. August 1906. 1881 – 1906

angebracht.


Turmgeschichte

Am 18.10.1906 fand die Schlussbesichtigung und Schlussabnahme des nun vollendeten Bauwerks mit Prof. Wilhelm Kreis statt. Das Mauerwerk war nun ausgefugt, der Rundgang vollendet und die Fenster waren eingesetzt. Um Kosten zu sparen, hatte man nur einfaches Kathedralglas für die Fenster verwendet. Bei der Schlussbesichtigung wurde kurz nach 18:00 Uhr eine erste Probefeuerung (Pech) in der neu aufgesetzten Feuerschale durchgeführt. Die Flammen erreichten eine Höhe von 8-10 Metern.

Am 11.03.1907 wurde die Bismarcksäule offiziell an den Verein übergeben.

Anfang 1909 fehlten noch 14.501 Mark zur Tilgung des Darlehens.

Mitte 1909 schlugen Mitglieder des Bismarcksäulen-Vereins vor, die immer noch leere Halle durch Vereinswappen an den Wänden, durch das Aufstellen eines Bismarck-Denkmals und den Austausch des einfachen Glases durch Buntglas zu schmücken. Der Platz vor der Säule sollte zudem mit Granitsteinschotter verschönert werden. In den Folgejahren wurden mit den geplanten Arbeiten nicht begonnen.

Am 01.04.1910 wurde die Säule erstmals zu Bismarcks Geburtstag befeuert. Das Bauwerk selbst wurde zusätzlich mit rotem bengalischem Licht illuminiert. Der Platz vor der Säule und die Wege dorthin waren kurz zuvor neu geebnet worden. Die gärtnerischen Anlagen waren zudem neu gestaltet worden. Hierfür hatte der Kyffhäuser-Verband 2.000 Mark zur Verfügung gestellt.

Weitere Befeuerungen wurden in den Jahren 1911 und 1912 durchgeführt. Im Jahr 1912 wurde festgestellt, dass der Platz für die zwei Mal im Jahr stattfindenden Feste des Verbandes nicht ausreichte. Darauf erfolgte kurz vor Pfingsten 1913 eine Vergrößerung der dem Turm vorgelagerten Terrasse auf 40 m Durchmesser. Die Außenmauer wurde auf 8 m erhöht. Auf der anderen Seite der Burg wurde ein Logierhaus mit dreißig Betten errichtet.

Eine weitere Befeuerung der Säule erfolgte bei der 33. Verbandstagung im August 1913.

Am 02.10.1914, kurz nach Beginn des 1. Weltkrieges, schlug der Stabsarzt Dr. Abel vor, die Namen der gefallenen Bundesbrüder im Innenraum der Säule auf marmornen oder bronzenen Tafeln zu verewigen. Dieser Vorschlag wurde vom Kyffhäuser-Verband aufgegriffen, der stellvertretende Schatzmeister nahm Spenden entgegen.

Der Altherren-Verband und der Vorortausschuss beschlossen am 07.06.1915 die Erstellung von Ehrentafeln für die Bismarcksäule. Daraufhin wurde ein „Ausschuss zur Ehrung der Gefallenen des K.-V.“ gebildet. Die erste Sitzung des Ausschusses fand am 26.03.1916 auf der Rothenburg statt. In den „Akademischen Blättern (Nr. 4 vom 16.05.1916) wurde ein Spendenaufruf abgedruckt. Bis zum 24.06.1916 waren für diesen Zweck bereits über 1.000 Mark gespendet worden.

Der Verband entschloss sich im August 1919 dafür, Erinnerungstafeln in der Halle mit den Namen der 800 gefallenen Verbandsmitglieder aufzustellen und ein Gedenkbuch mit den Lebensläufen der Gefallenen herauszugeben.

Bis Februar 1920 konnten 3.736 Mark an Spenden gesammelt werden.

Doch die Anbringung von Tafeln wurde nicht durchgeführt. Einerseits war durch den Krieg kein geeignetes Material zu bekommen, andererseits wären durch die 800 Namen die Gedenktafeln zu groß für die Halle geworden. Im November 1920 stimmte der Ausschuss des Verbandes gegen die Tafeln. Auch der geplante umfangreiche Gedenkband wurde nach einem Beschluss im August 1921 nicht angeschafft.

Im gleichen Monat wurde auf der 36. Verbandstagung die Gründung einer Kyffhäuser-Stiftung beschlossen, um die wirtschaftliche Notlage des Bismarcksäulen-Vereins zu reduzieren, insbesondere die geplante innere Ausgestaltung der Bismarcksäule zur Ehrung der Gefallenen zu finanzieren. Durch die folgende Zeit der Hyperinflation bis November 1923 konnten die geplanten Arbeiten nur zum Teil finanziert bzw. ausgeführt werden.

1922/1923 wurde eine Jünglingsstatue (zunächst aus Gips), gefertigt von Bildhauer Arthur Zweininger, als "Ehrenmal für die gefallenen deutschen Studenten" im Turm aufgestellt. Im August 1924 wurde die neu ausgestaltete Gedenkhalle mit dem Gipsmodell eingeweiht. Es wurde beschlossen, die Jünglingsstatue in Bronze gießen zu lassen. Die Kosten von 250.000 Reichsmark trug die Kyffhäuser-Stiftung. Die Figur wurde bei der Gesellschaft Lauchhammer gegossen.

Ab August 1924 übernahm die Kyffhäuser-Stiftung die Verwaltungskosten des Vereins sowie die weitere Pflege der Bismarcksäule.

Auf der Verbandstagung im August 1928 wurden für das Besuchsjahr 1927/1928 Einnahmen aus Eintrittsgeldern (für die Halle) in Höhe von 560 RM bekannt gegeben.

Im Jahr 1933 wurde die Bismarcksäule für 20 Pfennig Eintritt durch den Rentner Fritz Erdmann geöffnet. Die Halle des Turmes war durch eine Eisengittertür gesichert.

Der neue Reichskriegerbund „Kyffhäuser“ wurde im Sommer 1935 gegründet.

Am 26.07.1936 deponierten alle Vereine des VDSt im Rahmen einer Feier ihre Bundesfahnen in der Bismarcksäule, die dadurch für die Vereine zum „Fahnenheiligtum“ wurde.

In den Jahren 1937/1938 wurde die Ruine umgestaltet.

Am 07.08.1938 musste im Rahmen der Gleichschaltung durch die neuen Machthaber der Kyffhäuser-Verband aufgelöst werden. Der Verein Bismarcksäule existierte weiter. Die Vereins-Satzung war kurz zuvor rechtswirksam so umgearbeitet worden, dass die Bindung an eine Mitgliedschaft nicht mehr von der Zugehörigkeit zum Kyffhäuser-Verband abhängig war.

Die Rothenburg nebst Bismarcksäule wurde nach dem 12.04.1945 durch US-Truppen geplündert. Die in der Gedenkhalle befindlichen Vereinsfahnen wurden entwendet, die Bronzefigur wurde beschädigt und in eine Schlucht unterhalb der Burg (Tannenbergtal) geworfen.

Nach dem 2. Weltkrieg ging das Areal zunächst in das Eigentum Thüringens über. Die Bismarcksäule blieb erhalten und wurde nicht umbenannt. Die FDJ befeuerte die Säule  vor der Übergabe an die Volkspolizei im Jahr 1946. Die Rothenburg war bis 1951 privat verpachtet.

Im Jahr 1946 wurde auf Anfrage des Amtsgerichts an den Verein mitgeteilt, dass der „Verein Bismarcksäule“ noch existiert und dass dieser nach wie vor Eigentümer der Säule ist. Am 13.04.1949 wurde der Verein durch das Amtsgericht Bad Frankenhausen aufgelöst.

Im Herbst 1949 wurde die beschädigte Bronzefigur von Holzsammlern im Tannenbergtal gefunden. Sie wurde zunächst zum städtischen Bauhof gebracht, anschließend wurde diese als Buntmetallschrott verwertet.

Im Jahr 1951 gingen Bauplatz und Säule in Volkseigentum über. Die Rothenburg-Stiftung des VVDST (Verband der Vereine Deutscher Studenten) wurde 1952 gegründet.

Die Bismarck-Gedenktafel war im Jahr 1953 nicht mehr vorhanden.

Von 1956 an bis in die 1980er Jahre war die Rothenburg Feriendomizil für Offiziere der Nationalen Volksarmee.

Ab 1990 konnten wieder regelmäßig Verbandstreffen (VVDSt) durchgeführt werden.

Nach der politischen Wende wies das Bauwerk zahlreiche Schäden auf:
Fenster waren beschädigt oder nicht mehr vorhanden, das Natursteinmauerwerk war an mehreren Stellen schadhaft, die Stahlträger der Decke des Daches waren korrodiert und der Treppenturm mit der Holztreppe war beschädigt.

Die Bismarcksäule ging 1990 in das Eigentum der Bundeswehr über.

Im Juni 1992 wurde auf der 111. Verbandstagung der Vereine Deutscher Studenten in Marburg beschlossen, dass die Mitglieder der Vereine Deutscher Studenten die Pflege der Bismarcksäule übernehmen.

Eine notwendige Sanierung war aus Kostengründen nicht möglich.

Der Platz um die Säule wurde 1993 durch Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen verschönert.

Der VVDSt brachte 1997/1998 eine Gedenktafel (zunächst im Turm, kurz darauf wegen des besseren Lesbarkeit am Turm) mit folgender Inschrift an:

Bei dem von 800 Studenten besuchten Kyffhäuserfest auf der Rothenburg schloßen sich am 8. August 1881 die Vereine Deutscher Studenten Berlin, Leipzig, Halle, Charlottenburg, Greifswald und Kiel zum Kyffhäuser-Verband zusammen. Im Rahmen des von einem Ausschuß der Bonner Studentenschaft ausgehenden Aufrufes, Bismarck durch den Bau von Säulen zu ehren, errichteten die Vereine Deutscher Studenten eine Bismarcksäule bei der Rothenburg und weihten sie anläßlich ihres 25jährigen Jubiläums am 5. August 1906 ein. Bismarckdenkmäler waren überall in dem noch jungen Deutschen Reich Symbole der nationalen Sammlung verschiedener Bevölkerungsschichten und historischer Länder

Der Kyffhäuser-Fremdenverkehrsverband sicherte den Turm zwecks Verhinderung weiterer Vandalismusschäden durch Eisentüren.

Im Jahr 1997 war der Turm nicht zugänglich, alle Eingänge waren mit Eisentüren verschlossen. Das Eingangsgebäude war ohne Dach und Türen, die Gedenktafeln nicht mehr vorhanden und die Gedächtnishalle ohne Ausstattung. Die hölzerne Wendeltreppe war nicht mehr begehbar.

Die Rothenburg wurde am 01. April 1997 dem Allgemeinen Grundvermögen (Bundesvermögensamt Erfurt) zugeführt.

Das Gelände der Rothenburg wurde Ende 1998 für einen sechsstelligen DM-Betrag an einen Autohausbesitzer aus Heiligenstadt verkauft, der auf dem Gelände gastronomische Einrichtungen und ein Hotel errichten wollte. Im Jahr 1999 wurde Technopartys auf der Rothenburg gefeiert. Die ursprünglichen Planungen wurden nie realisiert.

Im Jahr 2002 wurde das 20.000 m² große Areal der Rothenburg von einem Bäcker und Konditor aus Dinslaken erworben, der 1,5 Millionen Euro in die Rothenburg investieren wollte. Geplant waren eine Jugendherberge, der Ausbau des Zufahrtweges und die Sanierung der Gebäude. Der neue Eigentümer investierte jedoch kein Geld in Sanierungsmaßnahmen.

Im Februar 2008 wurde festgestellt, dass die steinernen Adler auf dem Turm locker waren und herabstürzen konnten. Das Bauverwaltungsamt des Kreises schickte dem Eigentümer am 11.02.2008 eine Aufforderung, die Gefahrenquellen am Denkmal Rothenburg inkl. Bismarckturm zu beseitigen oder das gesamte Gelände abzusperren.

Doch bis 2010 wurde der Eigentümer nicht tätig. Das Gelände der Rothenburg blieb durch einen Zaun abgesperrt.

Im Herbst 2010 erwarb ein Unternehmer aus Pforzheim das Areal mit den Gebäuden. Erste Sanierungsmaßnahmen begannen bereits im Jahr 2011. Das Gelände ist seit 2012 weiträumig umzäunt und wird von einem Sicherheitsdienst bewacht. Das Sanierungsvorhaben dauert im August 2016 weiter an, das Gelände ist weiterhin nicht zugänglich.


Links

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Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 239-240
- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM (SÄULE) am KYFFHÄUSER (Thüringen)
- Zeitschriften des Bismarck-Bundes; 4. Jahrgang 1906 (S. 60, 111, 189); 10. Jahrgang 1912 (S. 178)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 128 "Bismarck-Feuersäule im Kyffhäuser-Gebirge", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Franken, Friedrich K.H.M.: "Kontinuität und Wandel in Leben und Werk des Architekten Wilhelm H. Kreis“, Dissertation Technische Hochschule Aachen, 1996, S. 72-86
- Zirlewagen, Marc: „Sinnbild der Einheit Deutschlands – Die Bismarcksäule auf der Rothenburg im Kyffhäuser“, BoD Norderstedt, 2014
- Zirlewagen, Marc: „100 Jahre Bismarcksäule der Vereine Deutscher Studenten“ in 125 Jahre Verein Deutscher Studenten, Band I, hrsg. von Marc Zirlewagen, Akademischer Verein Kyffhäuser e.V., Bad Frankenhausen 2006
- Akademische Blätter, Verbandszeitschrift des Verbandes der Vereine Deutscher Studenten, 14.-21. Jahrgang (1899-1906), 23.-26. Jahrgang (1908-1911), 29.-32. Jahrgang (1914-1917)


Bildmaterial / Fotos:

- Jörg Bielefeld, Remscheid (Oktober 2007)
- Hans-Dieter Hirschmann, Haßloch (Juni 2008)
- Ralph Männchen, Dresden (Juli 2009)
- Christian Gerloff, Jena (Februar 2012)


Foto Bismarckturm Kyffhäuser Oktober 2007
AK Motiv Bismarckturm Kyffhäuser
Foto Halle Bismarckturm Kyffhäuser Oktober 2007
AK Einweihung Bismarckturm Kyffhaeuser