Update: 22.10.2012

Die Feuersäule vom „Bund ehemaliger Keilhauer“
Die Bismarcksäule in Keilhau

Vorbemerkung

Die Bismarcksäule in Keilhau (heute ein Ortsteil von Rudolstadt) wurde von einem Zusammenschluss ehemaliger Schüler, dem „Bund ehemaliger Keilhauer“, finanziert und errichtet.

Dieser Bund mit zeitweise 1.400 Mitgliedern bestand aus Schülern der Freien Fröbelschule Keilhau, welche aus der Allgemeinen deutschen Erziehungsanstalt hervorging. Diese wurde von Friedrich Fröbel im Jahr 1817 in Keilhau gegründet und von Dr. Johannes Arnold Barop (bis 1878) und danach von seinem Sohn Johannes Barop weitergeführt. Es handelte sich um eine Internatsschule, in der die Schüler einen großen Teil ihrer Zeit verbrachten und die die Schüler so nachhaltig prägte, dass diese auch viele Jahre später zu dieser Einrichtung standen.


Bauplanung

Der Bau dieser Feuersäule auf dem Kolm wurde vom Architekten Heinrich Tscharmann vom "Bund ehemaliger Keilhauer" im Herbst 1898 angeregt.

Den Entwurf fertigte Architekt Tscharmann aus Dresden selbst. Es wurde ein Bauausschuss unter Vorsitz von Schul-Direktor Johannes Barop (1833-1911) gebildet. Innerhalb kurzer Zeit war von Mitgliedern des Bundes eine größere Summe für den Bau der Säule gezeichnet worden.

Mitte März 1899 waren der Entwurf und der Kostenvoranschlag fertig gestellt. Insgesamt waren 3.000 Mark von ehemaligen Keilhauer Schülern gespendet worden.

Der Architekt entwarf nur ein Jahr später die (der Keilhauer Säule sehr ähnliche) Bismarcksäule in Essen-Kray.

Als Bauplatz wurde vom Bauausschuss eine Anhöhe westlich von Keilhau gewählt, nachdem man ursprünglich einen Vorsprung des Steigerpasses oberhalb des Weges nach Blankenburg als Standort in Betracht gezogen hatte. Den Bauplatz auf dem Kolm (auch Keilhauer Kulm) stellte Direktor Johannes Barop unentgeltlich zur Verfügung.

Die Gesamtkosten für den Bau betrugen 3.000 Mark.


Bauarbeiten

Der Grundstein wurde im Frühjahr 1899 gelegt.

Als Baumaterial wurde harter Muschelkalkstein (nach anderer Quelle Sandstein) verwendet. Maurermeister Hertzer aus Rudolstadt übernahm die Bauausführung.


Turmbeschreibung

Die 12 m hohe Feuersäule ohne Aussichtsfunktion hat einen quadratischen Grundriss.

Auf einem abgerundeten, stufigen Unterbau erhebt sich die viereckige Feuersäule, die sich in zwei mit Zinnen verzierten Abstufungen nach oben verjüngt.

Auf der Spitze der Säule wurde eine kleine Feuerschale mit einem Durchmesser von 1,30 m installiert, welche auf einem sich nach oben in kleinen Abstufungen verjüngenden Aufsatz installiert ist.

Die Inschrift "BISMARCK" wurde in Goldbuchstaben auf der Ostseite, die Initialen des Architekten wurden an der Südostseite der Säule angebracht.


Turmgeschichte

Am 30.07.1899, dem ersten Todestage Otto von Bismarcks, konnte die Säule bereits eingeweiht werden. An der Feier nahmen 150 Personen teil.

Dr. Wächter aus Keilhau hielt die Weiherede, der Leipziger Kaufmann und Stadtrat Victor Nagel, Vorsitzender des Bundes ehemaliger Keilhauer, verlas die Schlussstein-Urkunde, welche zusammen mit anderen Gegenständen in eine Blechbüchse gelegt und eingemauert wurde. Anschließend übernahm Direktor Johannes Barop die Bismarcksäule, auf der anschließend erstmals ein Feuer entzündet wurde. Nachmittags fand ein Kommers in der Turnhalle der Lehranstalt statt.

Zwei Mal im Jahr, am Geburts- und Todestag von Otto von Bismarck (01.04. und 30.07.) wurde die Säule in den ersten Jahren nach der Einweihung befeuert.

Im Jahr 1945 wurde die Bismarcksäule beschädigt.

Eine Umbenennung des Bauwerkes wurde vom Leiter der Sprachheilschule Keilhau (1956 gegründet, Herr Hübner war von 1962 - 1990 Leiter) verhindert.

Am 01.10.1993 wurde die zuvor selbständige Gemeinde Keilhau in die Stadt Rudolstadt eingemeindet.

Die ursprüngliche Feuerschale wurde vor 1996 entfernt.

Seit 1997 kümmert sich der Fröbelverein Keilhau um den Turm. Eine neue Feuerschale wurde nach 1997 aufgesetzt, kleinere Reparaturen durchgeführt.

Die Säule ist heute über einen kurzen steilen Fußweg in Serpentinen (oberhalb des Fröbeldenkmals) erreichbar.


Links

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Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S.
- Seele, Sieglinde: Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM (SÄULE) von KEILHAU (Thüringen)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 16 "Bismarck-Feuersäule zu Keilhau/Schw. Rud.", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 5. Jahrgang 1907 (Beilage: Die Bismarck-Feuersäule“)
- Ehrhardt, Max: Bismarck im Denkmal des In- und Auslandes, Thüringische Verlags-Anstalt Eisenach-Leipzig, 1903, Nr. 53: "Die Bismarck-Säule zu Keilhau (Schw.-Rudolst.)"
- Bähring, Gisela: „Die Bismarcktürme in Rudolstadt und Keilhau“ aus: Rudolstadt & die Jubiläen 1999“.- Nr. 1 der Informationshefte Rudolstadt, Mai 1999. Herausgeber: Stadtverwaltung Rudolstadt, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit,
S. 7-8


Bildmaterial / Fotos

- Jörg Bielefeld, Remscheid (Fotos 1999)
- Hans-Dieter Hirschmann, Haßloch (Juni 2007)