Update: 29.07.2013

Vorbild Gotenköniggrabmal in Ravenna
Der Bismarckturm in Jena

Der Bismarckturm in Jena auf dem Malakoff (329 m über NN) ist einer der elf individuell entworfenen Türme des Architekten Wilhelm Kreis, der nicht nach seinem 47 Mal ausgeführten Bismarckturm-Standardentwurf „Götterdämmerung“ errichtet worden ist.


Bauplanung

Die vier thüringischen Herzogtümer planten bereits 1898/1899 den Bau eines gemeinsamen Bismarckdenkmals mit u.a. Jena als möglichem Standort. Da jedes Herzogtum letztendlich ein eigenes Bismarckdenkmal errichten wollte, wurde das gemeinsame Projekt im März 1899 ad acta gelegt.

In der ersten Hälfte des Jahres 1899 beabsichtigte auch die Jenenser Studentenschaft, eine Bismarcksäule in Jena zu errichten. Es wurde ein Ausschuss zur Errichtung einer Bismarcksäule auf einem Berg bei Jena unter Vorsitz von Oberbürgermeister Heinrich Singer gebildet. Mitglieder dieses Ausschusses waren Mitglieder der Akademie, Vertreter der Studentenschaft sowie Bürger von Jena. Der Erbgroßherzog übernahm den Ehrenvorsitz.

Mitte Juli 1899 ließ die Studentenschaft das patriotische Werk des Schriftstellers Ernst von Wildenbruchs (1845 - 1909). „Die Quitzows“ zugunsten der geplanten Bismarcksäule aufführen. An der Veranstaltung nahmen der Großherzog Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach (1818 – 1901, Freund Otto von Bismarcks, auch Förderer des Bismarckturms Weimar) und der Erbgroßherzog Wilhelm Ernst teil.

Bis Mitte März 1903 wurden 8.000 Mark für das Bauwerk gesammelt, die veranschlagten Kosten lagen bei 18.000 Mark. Am 06.06.1904 erbrachte das zum Besten der Bismarcksäule durchgeführte „Paradiesfest“ weitere 5.900 Mark. Mitte September 1904 lag die Spendensumme bei knapp 14.400 Mark.

Der Bau wurde nun als gesichert bezeichnet, die Standortfrage musste aber noch entschieden werden. Der Ausschuss beschloss im November 1904, dass der Turm entweder auf dem Malakoff oder auf dem Windknollen errichtet werden sollte.

Da die Gesamtkosten für das Bauwerk nun auf 20.000 Mark geschätzt wurden, plante man weitere Feste zum Besten der Bismarcksäule.

Im Jahr 1905 einigte sich der Ausschuss auf den Malakoff als Turmstandort, einen Teil des Tatzend. Für den Bauplatz legte man eine Fläche von 180 Quadratruten (ca. 1.600 m²) fest. Man beauftragte den Architekten Wilhelm Kreis mit einem neuen Entwurf für den geplanten Bismarckturm, der sich von seinem Standardentwurf stark unterschied.


Bauarbeiten

Mit der Ausführung der Arbeiten wurde Stadtbaudirektor D. Bandtlow aus Jena beauftragt. Als Baumaterial verwendete man überwiegend heimischen harten Muschelkalkstein.

Nach der Grundsteinlegung am 10.05.1906 schritt der Turmbau nur langsam voran, im November 1906 war das Bauwerk bis zur Höhe des unteren Umganges gebaut worden. Erst im Dezember 1908 war der Turm fertig gestellt.

Der Einweihungstermin wurde wegen der Verzögerungen mehrfach verschoben, ursprünglich war die Einweihung schon Ende Juli 1906 geplant.

Im Frühjahr 1909 wurden die Anlagen um den Turm hergerichtet. Die feierliche Einweihung in Anwesenheit der studentischen Vertretungen fand am 05.07.1909 statt. Der insgesamt 43.000 Mark teure Turm wurde am Einweihungstag an die Stadt Jena übergeben.


Turmbeschreibung

Wilhelm Kreis entwarf einen 21 m hohen Rundturm, der sich in vielen Einzelheiten stark am Grabmal des Gotenkönigs Theoderich in Ravenna orientierte. Einen ähnlichen, noch voluminöseren Bismarckturm plante Wilhelm Kreis wenige Jahre später für Stettin (heute Polen).

Der Aussichtsturm mit Feuerschale besitzt einen 4 m hohen Unterbau mit 18 umlaufenden eckigen Säulen, der den eigentlichen Rundturm einfasst. Der Abstand der Säulen zum Turmkörper beträgt jeweils 1,50 m.

Das obere Geschoss ist mit einer Kuppel aus Strebepfeilern gekrönt.

Der Durchmesser des Unterbaus beträgt 14 m, der eigentliche Turmschaft hat einen Durchmesser von 10,90 m.

Durch eine metallene Eingangstür im Südwesten gelangt man in den Turm. Über eine Steintreppe im Innern des Turmes erreicht man die Galerie in 4 m Höhe und den Pfeilerumgang in 15 m Höhe.

Der Turmkörper selbst weist innen in Höhe des Säulenumgangs jeweils zwischen den Säulen neun eckige Einbuchtungen auf. Oberhalb der ersten Galerie befinden sich schießschartenähnliche Fenster (ausgenommen im Eingangsbereich sowie rechts und links davon).

Im oberen Bereich des Turmes befinden sich neun Fenster, darüberliegend im Bereich der oberen Galerie sind neun halbrunde Austritte zu finden. Zwischen den Austritten wird die Galerie von - wiederum neun - Mauerbögen umspannt.

Auf den neun Mauerbögen der oberen Aussichtsplattform thronen neun steinerne Adler, die von Bildhauer Otto Späthe gefertigt wurden. Die Deckenpfeiler stützen sich auf das Gesims mit umlaufendem Zangenfries.

Auf dem Turmkopf wurde ein gemauerter Aufbau mit einer Feuerpfanne installiert. Die Befeuerung erfolgte durch Teer und Holz.

Hinweise auf Bismarck wurden am Turm nicht angebracht.


Turmgeschichte

Im August 1925 wurde der Bismarckturm im Auftrag des Gas- und Wasserwerkes in einem Raum unterhalb der Aussichtsgalerie mit einem Wasserbehälter versehen.

Im Jahr 1933 stellte das Stadtbauamt Jena fest, dass die Leitern im Turm und die Feuerschale sanierungsbedürftig waren. Am Turmkranz fehlten zudem einige Steine. Turmwärter Purfürst forderte im Jahr 1934, dass die Fugen erneuert werden müssen.

Im Jahr 1942 stellten die Stadtwerke Roststellen und Verschmutzungen am Wasserbehälter fest.

Am 01.04.1942 wurde der Bismarckturm von der Flak-Einheit L 04814 übernommen.

Nach dem 2. Weltkrieg stellte das Stadtbauamt im Jahre 1949 mehrere Schäden am Turm fest, eine Sanierung konnte wegen fehlender Geldmittel nicht durchgeführt werden. Daraufhin wurde eine Tafel angebracht, die auf die eigene Verantwortung beim Betreten des Turmes hinwies.

1953 wurde das Bauwerk in „Turm der Jugend“ umbenannt. In den 1960er Jahren wurde der Turm für Besucher verschlossen.

Nach der Wende 1989 wurde er wieder Bismarckturm benannt. Eine erste offizielle Öffnung erfolgte im November 1990. Die untere Brüstung war schadhaft und nicht begehbar.

In den 1990er Jahren und Anfang 2000 wurden kleinere Sanierungsmaßnahmen am Turm durchgeführt.

Der Wasserbehälter wurde 1994 wieder aus dem Turm entfernt.

Im Jahre 2000 oder 2001 wurden in alle Aussparungen an den Seiten und an der Aussichtsgalerie Fenster eingesetzt.

Der Turm war über viele Jahre bis zum Frühjahr 2007 ganzjährig verschlossen. Seit Mai 2007 wird das Bauwerk einmal im Monat durch den Verein "Berggesellschaft Forsthaus e.V." geöffnet. Der im Juli 2006 gegründete Verein hat sich zum Ziel gesetzt, den Bismarckturm zu sanieren.

Im Dezember 2007 führte die Stadt Jena einige Arbeiten an der Entwässerung des Turmes durch.

Im Jahr 2008 wurden bei den Öffnungen der Berggesellschaft über 3.000 Besucher gezählt.

Am 13.06.2009 fand die 100-Jahr-Feier am Bismarckturm statt.


Öffnungstermine (Stand: 29.07.2013)

25.08., 08.09., 13.10. und 10.11.2013 jeweils von 14:00 bis 17:00 Uhr


Links

Google Maps (Standort: Am Tatzend)

Google Earth

Berggesellschaft Forsthaus (mit eigener Seite zum Bismarckturm und aktuellen Öffnungsterminen)


Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 211
- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-SÄULE von Jena (Thüringen)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 159 "Bismarck-Feuersäule bei Jena", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes; 2. Jahrgang 1904 (Nr. 6, S. 3; Nr. 11, S. 10); 3. Jahrgang 1905 (Nr. 2, S. 5; Nr. 5, S. 6; Nr. 8, S. 9); 4. Jahrgang 1906 (Nr. 4, S. 58; Nr. 7/8, S. 112) 5 Jahrgang 1907 (Nr. 2, S. 32); 7. Jahrgang 1909 (Nr. 9/10, S. 159)


Fotografen

- Bernd Keinert, Rothenstein/Jena (Juni 2002)
- Marek Moson, Breslau (Mai 2009)
- Jörg Bielefeld, Remscheid (Mai 2009)


AK-Motiv Bismarckturm Jena
AK-Motiv Bismarckturm Jena