Update: 05.01.2017

Kalksteinturm im Fürstenturm Reuß
Die Bismarcksäule in Gera

Bauplanung

Im Januar 1899 wurde, ausgehend von der Stadt Gotha, dazu aufgerufen, Ortsausschüsse für ein Bismarckdenkmal für die Thüringischen Staaten zu bilden. Als Standort für das Bismarckdenkmal wurde der Ettersberg in Weimar vorgeschlagen. Da die Stadt Gera ein eigenes Bismarckdenkmal errichten wollte, wurde hier kein Ortsausschuss gebildet.

Am 27.05.1899 fand eine erste Besprechung zwischen Justizrat Dr. Schmidt, Landrat Dr. Sturm, Stadtrat Hartig und Forstmeister Hemper statt, in der konkret beschlossen wurde, ein Bismarckdenkmal in Gera zu errichten.

Am 08.06.1899 wurde zu diesem Zweck ein Komitee zur Errichtung einer Bismarcksäule unter Vorsitz des Justizrates Dr. Schmidt aus Gera gebildet. Dabei wurde in der zweiten Sitzung ein geschäftsführender Ausschuss unter Vorsitz von Justizrat Dr. Schmidt gebildet. Einer der ersten zu klärenden Punkte war die Platzwahl für den geplanten Turm. Geheimrat Schlick führte dazu Verhandlungen mit der fürstlichen Kammer.

Bereits am 05. Oktober 1899 stellte Fürst Heinrich XIV. Reuß jüngerer Linie auf dem Hohen Steinertsberg (289,1 m über NN) ein 2.500 m² großes Areal (62,50 m x 40 m) kostenpflichtig (nach anderer Quelle unentgeltlich) zur Verfügung. Von der Fürstlichen Kammer zu Schleiz wurde zudem genehmigt, dass ein zwei Meter breiter Fußweg auf den Berg zur Säule benutzt werden dürfte.

Im Oktober 1899 wurde ein Aufruf zur Spendensammlung veröffentlicht.

Vom 14.-17.02.1900 wurden Bismarck-Festspiele zum Besten der Bismarcksäule durchgeführt.

Im Januar 1901 beschloss der geschäftsführende Ausschuss, dass die Grundsteinlegung am 01.04.1901 durchgeführt werden sollte. Kurz darauf wurde der Termin verschoben. Anfang März 1901 spendete der Erbprinz Heinrich XXVII. Reuß j.L. 1.000 Mark für den Bau der Säule.

Im April 1901 war der Turmbaufonds auf insgesamt 20.000 Mark angewachsen, der Verschönerungsverein stellt zudem weitere 1.000 Mark für die Außenanlagen zur Verfügung.

Das Komitee entschied sich für den von der deutschen Studentenschaft mit dem 1. Preis ausgezeichneten Entwurf "Götterdämmerung" des Architekten Wilhelm Kreis. Die Kosten für den Bauplatz, das Bauwerk sowie für die Herstellung von Wegen und gärtnerischen Anlagen betrugen ca. 30.000 Mark. Diese Finanzmittel wurden durch Spenden in Gera und Umgebung sowie Konzerte aufgebracht.

Im Februar 1902 wurde genehmigt, dass die Säule nach Fertigstellung zwecks weiterer Unterhaltung in die Obhut der Stadt übergeben werden sollte.


Bauarbeiten

Die feierliche Grundsteinlegung erfolgte am 10.05.1901, dem Erinnerungstag des Friedensschlusses von Frankfurt/Main, statt. An der Grundsteinlegung nahmen Erbprinz Heinrich XXVII. Reuß j. L. sowie Vertreter des Staates und der Stadtbehörden teil.

Bauleiter vor Ort für den Aussichtsturm mit Feuerschale war Baumeister Nitzsche aus Gera, ausführender Maurermeister Illner aus Gera. Für das Mauerwerk wurde Kalkstein aus dem Steinbruch des Maurermeisters Illner in Collis bei Gera verwendet.

Die Innentreppe und die Freitreppen wurden aus Granit gefertigt. Das Reichsadlerrelief mit Bismarck-Wappen (aus wetterfestem Sandstein von Hofsteinmetzmeister Fritz Rühling gefertigt) sowie das Fackelbecken waren aus dem Material Sandstein.

Weitere beteiligte Firmen und Handwerker

Steinmetzarbeiten:            Hofsteinmetzmeister Fritz Rühling
Schmiedearbeiten:             Schmiedemeister Barth
Schlosserarbeiten:             Traugott Jäger und Moritz Perthel
Blitzableiter-Anlage:           Fa. Geisler & Noch
Anstreicherarbeiten:           Malermeister Baumgärtel

Ende Mai 1902 waren die Bauarbeiten fast abgeschlossen, der Verschönerungsverein übernahm die Herstellung der gärtnerischen Anlagen.

Im August 1902 wurde die erste Probebefeuerung der Säule durchgeführt. Aufgrund des erfolgreichen Verlaufs wurde beschlossen, das Feuer jährlich am 01.04. zu Bismarcks Ehren anzuzünden.


Turmbeschreibung

Der 20,55 m hohe Aussichtsturm mit Befeuerungsmöglichkeit hatte einen quadratischen Grundriss. Die Säule wurde in Schichtmauerwerk errichtet.

Auf zwei gegenüberliegenden Seiten wurde das Bauwerk von einer Freitreppe, einer Ruhebank und einem Lindenbaum flankiert. Vor der Säule (Reliefseite des Turmes, gegenüber der Eingangsseite) wurde ein 3,00 m x 3,00 m großes Fackelbecken aus Sandstein installiert.

Als Basis des Turmes diente ein dreistufiges quadratisches Podest. Darauf saß mittig der eigentliche Turmsockel mit einer Seitenlänge von 8,40 m x 8,40 m.

Darauf erhob sich der eigentliche Turmschaft, der sich bis zum auskragenden Architrav leicht nach oben hin verjüngte. Die vier Kanten des Schaftes bestanden - wie bei dem Entwurf "Götterdämmerung" typisch - aus Dreiviertelsäulen, die vom Architrav mit vierstufigem Oberbau zusammengehalten wurden. Die vier Dreiviertelsäulen standen im Vergleich zum Säulenkern 0,45 m vor.

Auf der Rückseite des Turmes wurde unterhalb der umlaufenden Wulst mittig zwischen den Säulenschäften ein Reichsadlerrelief mit Bismarckwappen als Brustschild angebracht (Modellarbeiten von Bildhauer Glück, ausgeführt von Steinmetzmeister Fritz Rühling).

Über eine steinerne 0,90 m breite Granittreppe erreichte man die Plattform. Über eine eiserne Leiter war der Zugang zum Feuerbecken auf der Turmkrone möglich.

Die runde, dreiteilige schmiedeeiserne Feuerschale (gefertigt und gestiftet von der Firma Moritz Jahr) hatte einen Durchmesser von 3 m.


Turmgeschichte

An der Säule hatten um sich zur Einweihungsfeier am 02.09.1902 um 11:00 Uhr der Erbprinz Heinrich XXVII. Reuß j.L., die Spitzen der staatlichen und der städtischen Behörden, Militärvereine, weitere Vereine sowie zahlreiche Bürger aus Gera und Umgebung versammelt. Die Festrede hielt Rechtsanwalt Haller, weitere Reden wurden von Justizrat Dr. Schmidt, Oberbürgermeister Dr. Huhn und Kommissionsrat Nitzsche gehalten. Anschließend wurde im Tinzer Park-Restaurant ein „Pracht-Feuerwerk“ gezündet. Der zur Einweihung eingeladene Architekt Wilhelm Kreis konnte wegen Krankheit nicht teilnehmen.

Am Einweihungstag, dem 02.09.1902, wurde das Feuer auf der Säule erstmals entzündet. Als Brennmaterial wurden 1 Klafter Pechdauben, 1 Fass Harz, Waldlatten und Hobelspäne verwendet. Die Brenndauer betrug 3-4 Stunden bei einer Flammenhöhe von 3-5 m. Die Kosten für die offizielle Erst-Befeuerung betrugen 75 Mark.

Die Säule wurde nach der Einweihung von der Stadtgemeinde Gera zwecks Unterhaltung übernommen.

Die Bismarcksäule war in der Folgezeit vom 01.04. bis 01.10. als Aussichtsturm zugänglich.

Am 05.09.1902 wurde zwei Fahnenstangen (für die deutsche und die reußische Fahne) installiert. Am 06.09.1902 musste ein Riss im Feuerbecken vor dem Turm repariert werden.

Im Frühjahr 1903 wurde für 50 Pfennig/Tag ein Aufseher eingestellt, der für das Öffnen und Schließen der Säule zuständig war.

Am 01.04.1903 wurde die Säule nicht befeuert, da nach Angaben von Oberbürgermeister Dr. Huhn keine finanziellen Mittel zur Verfügung gestanden haben. De Fahnenstangen wurden nicht beflaggt.

Die Schlussversammlung des Komitees fand am 26.02.1905 statt, danach wurde das Komitee aufgelöst.

Kommissionsrat Nitzsche beklagte sich im Juni 1905 über die Vernachlässigung der Säule bei der Stadt. Anschließend wurden Fugen ausgegossen, die Säule gereinigt und das Gras auf dem Kiesplatz beseitigt.

Weitere Reparaturen erfolgten im September 1911, der Sockel wurde an mehreren Stellen repariert und das nachgesunkene Erdreich erhöht.

Im Zweiten Weltkrieg diente das Bauwerk als Luftwaffennachrichtenstelle [ungesicherte Angabe]. Nach 1945 wurde das Gelände um den Turm von den Sowjets militärisch genutzt.

Im Jahr 1949 wurde der Bismarckturm abgerissen, um Baumaterial für neue Bauernhöfe zu erhalten.

Der ehemalige Turmsockel ist im Jahr 2008 noch erkennbar, aber stark beschädigt und überwachsen. Einzelne Steinteile lagen in der Umgebung verstreut.


Links

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Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 158/159
- Seele, Sieglinde: Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-SÄULE von GERA (Thüringen)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 73 "Bismarck-Feuersäule bei Gera (Reuss j.L.)", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 1. Jahrgang 1903 (Nr. 3, S. 5); 3. Jahrgang 1905 (Nr. 5, S. 7); 5. Jahrgang 1907 (Beilage: „Die Bismarck-Feuersäule“)
- Ehrhardt, Max: Bismarck im Denkmal des In- und Auslandes, Thüringische Verlags-Anstalt Eisenach-Leipzig, 1903, "Die Bismarck-Säule (Architekt Kreis) auf dem Steinertsberg bei Gera“
- Volkszeitung Berlin 21.04.1903 (Die feuerlose Bismarcksäule)