Update: 10.02.2016

Bismarckturm und Wartburgfest
Der Bismarckturm in Eisenach

Vorbemerkungen

Am 21.04.1899 wurde in Eisenach der Bismarcksäulen-Entwurf "Götterdämmerung" des Architekten Wilhelm Kreis von der deutschen Studentenschaft mit dem 1. Preis ausgezeichnet (näheres siehe unter Historie/Entwürfe). Alle Bismarcktürme / Bismarcksäulen sollten nach diesem Einheits-Entwurf errichtet werden.

Wilhelm Kreis erhielt im Januar 1900 verbindlich den Auftrag, das Burschenschaftsdenkmal in Eisenach zu entwerfen, welches ursprünglich auf dem Wartenberg nach einem Entwurf von Regierungsbaumeister Oscar Zeyss errichtet werden sollte. Der Grundstein hierfür war bereits am 08.06.1897 auf dem Wartenberg gelegt worden.

Nach dem Tode Otto von Bismarcks im Jahr 1898 wurden die Pläne zum Bau des Burschenschaftsdenkmals vom im Dezember 1899 gegründeten Burschenschafts-Denkmalverein zugunsten des Baus einer Bismarcksäule in Eisenach vorerst zurückgestellt. Der Wartenberg wurde als würdig für den Bau einer Bismarcksäule als Standort ausgewählt. Das Burschenschaftsdenkmal wurde von August 1900 bis April 1902 auf der benachbarten Göpelskuppe errichtet.


Bauplanung

In einer von Oberbürgermeister August Nikolaus Müller einberufenen öffentlichen Versammlung am 20.01.1899 wurde beschlossen, eine Bismarck-Säule nach dem Vorschlag der deutschen Studentenschaft auf eine der Eisenacher Höhen zu errichten.

Hierzu wurde ein Ausschuss unter Vorsitz von Prof. Dr. Rudolf Flex aus Eisenach gebildet. Dieser war auch stellvertretender Vorsitzender des Burschenschaft-Denkmalvereins und hatte den Bau dieser Bismarcksäule angeregt.

Der „Ausschuss für Errichtung einer Bismarcksäule“ wählte als Standort den geschichtsträchtigen Wartenberg (334 m über NN) aus, auf dem sich am 18.10.1817 deutsche Studenten für Freiheit und Einheit beim sog. Wartburgfest einsetzten.

Nach Prämierung des Entwurfes „Götterdämmerung“ von Wilhelm Kreis aus Dresden durch die deutsche Studentenschaft wurde dieser Entwurf zur Ausführung gewählt.

Die Gesamtkosten für den Turmbau schätzte man auf 20.000 Mark. Der Bauplatz für den Turm wurde dem Ausschuss von der Stadt Eisenach kostenlos zur Verfügung gestellt.

Ende des Jahres waren bereits 7.000 Mark an Spenden für den Bismarckturm gesammelt, weitere 4.000 Mark waren gezeichnet und sollten in bis Ende 1901 zur Zahlung gelangen.

Der Ausschuss legte sich Ende 1899 noch nicht auf einen bestimmten Termin für den Baubeginn fest, da weitere Geldmittel benötigt wurden.

Am 02.09.1901 konnte die Grundsteinlegung durchgeführt werden.


Bauarbeiten

Die Bauausführung erfolgte durch Maurermeister Gustav Stein aus Eisenach. Als Bauleiter war Baurat Weise aus Eisenach tätig.

Als Baumaterial wurde Bruchsteine verwendet, die zum Teil am Wartenberg gebrochen wurden. Als Material für die Gesimse, Platten und die Portalumrahmung verwendete man Mihlaer Kalkstein.


Baubeschreibung

Als Basis des 18 m hohen Aussichtsturmes mit Befeuerungsvorrichtungen diente ein zweistufiges quadratisches Podest (Seitenlänge 10,8 m x 10,8 m). Darauf erhob sich der quadratische Turmsockel. Das Bauwerk wurde als lagerhaftes Bruchsteinmauerwerk mit unregelmäßig hohen Steinschichten ausgeführt.

Die vier Kanten des Turmschaftes bestanden - wie bei dem Entwurf "Götterdämmerung" typisch - aus Dreiviertelsäulen, die von einem Architrav mit mehrstufigem Oberbau zusammengehalten wurden.

Über dem Eingangsportal (Südseite) war ein steinernes Bismarck-Wappen, gefertigt von Bildhauer Esche aus Sonneberg, angebracht.

An das Wartburgfest am 18.10.1817 erinnerte ein am Säulenschaft angebrachtes Relief (Autodafé der Studenten mit Motiven des Wartburgfestes nebst Bücherverbrennung), welches von August Hudler aus Dresden modelliert und von Bildhauer Gerold (und seinen Söhnen) aus Dresden ausgeführt wurde.

Über dem Relief wurde ein in Stein gehauenes Reichsadlerrelief mit der Schlange der Zwietracht und der Inschrift "18. Januar 1871" angebracht, um auf Bismarcks Verdienste bei der Reichsgründung hinzuweisen. Der Adler war von Wilhelm Kreis entworfen, von Selmar Werner aus Dresden modelliert und von Bildhauer Esche ausgeführt worden.

Eine durch die beiden Podeststufen hindurch nach oben laufende Treppe mit zehn Stufen führte zum Eingangsportal in etwa zwei Meter Höhe.

Im Innern der Säule wurden von Maler Roegge einige Bismarckworte auf Stein gemalt, die Bismarck auf dem Marktplatz in Jena in Bezug auf die Wartburg und Thüringen gesprochen hatte.

Über eine Treppe im Innern gelangte man zur 4,15 m x 4,15 m breiten Aussichtsplattform mit 12-teiliger Feuerschale. Es handelte sich hierbei um zwölf kleine, viereckige Pfannen (Seitenlänge je 30 cm) aus Eisen, die an der obersten Balustrade an ein Eisengerüst gehängt wurden. Die Feuerpfannen wurden von O. Wilk geliefert.

Neben der Säule wurde ein gemauerter steinerner Feueraltar („germanischer Opferstein“) nach dem Entwurf des Architekten Wilhelm Kreis errichtet. Ein vorgelagertes Podium sollte festlichen und rednerischen Zwecken dienen.



Grundsteinlegung und Einweihung

Die Grundsteinlegung des 20.000 Mark teuren Turmes wurde am 02.09.1901 durchgeführt.

Die feierliche Einweihung am Sonntag, 19.10.1902 (Gedenktag an die Völkerschlacht bei Leipzig) fand unter großer Beteiligung der Bevölkerung statt.

Die Weiherede hielt Oberpfarrer D. Kiefer. An die Feier schloss sich ein Kommers an.

Die Feuerbecken und der Feueraltar vor dem Turm wurden erstmals entzündet.

Am Einweihungstag wurden dazu in jedem Feuerbecken 25 Pfund Brennmasse (geliefert von der Firma J.G. Adami) angezündet. Die Brennmasse hatte eine lange Brenndauer, führte aber nicht zu hochlodernen Flammen. Der Opferstein vor der Säule wurde zeitgleich mit einem Holzstoß befeuert.

Die Säule wurde von Prof. Dr. Rudolf Flex offiziell an den Ersten Bürgermeister der Stadt Eisenach, Herrn Dr. Georg von Fewson (und damit an die Stadt Eisenach) übergeben.


Turmgeschichte

Der Opferstein wurde später mit minderwertigem Petroleum, Talg, Öl und Werg mit Holzspänen befeuert (Brenndauer zwischen 1 – 2 Stunden).

Am 31.07.1906 wurde die Säule von Unbekannten mit einem Meißel auf der Nord- und Südseite schwer beschädigt. Die ersten sanierungsbedürftigen Schäden wurden in den 1930er Jahren festgestellt.

Bereits 1936 wurde eine Flugwache auf dem Turm eingerichtet. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Bauwerk von einer Falkeinheit zur Luftbeobachtung genutzt. Aufgrund mehrerer Treffer durch Luftangriffe wurde der Turm beschädigt.

Anfang der 1950er Jahre wurde das Bauwerk in „Turm der Jugend“ umbenannt. Im Jahr 1951 stellte das zuständige Amt für Denkmalpflege fest, dass das Bauwerk keinen denkmalpflegerischen Wert besitzt.

Im Jahre 1959 konstatierte das Stadtbauamt, dass die „Wiederinstandsetzung des Turmes gerechtfertigt“ sei.

Trotzdem wurde die Säule im Jahre 1963 etappenweise zerstört. Erst ließ man diese verfallen, dann wurde eine Sprengung durch Pioniere der DDR-Grenztruppendivision Eisenach angeordnet. Grund für die Sprengung mit Dynamit war, dass man vom Bismarckturm aus freien Blick auf ein Übungsgelände der Grenztruppen der DDR hatte. Auf diesem militärischen Übungsgelände wurde der Grenztruppen-Dienst an einem wirklichkeitsgetreu nachgebauten Teil der innerdeutschen Grenze geübt.

Im August 1990 sowie im November 2000 wurden von Dr. Wolfgang und Sieglinde Seele am Südhang des Wartenbergs Steinquader mit einem Teil des Reichsadlerreliefs (Fänge mit Schlange) sowie Teile des Autodafé-Reliefs stark bemoost vorgefunden.

Im Februar 2016 wurden 16 größere Kalksteine des Bauwerks gefunden und gesäubert. Es ist geplant, dass anlässlich des 200. Wartburgfestes im Jahr 2017 eine Informationstafel mit dem Hinweis auf den ehemaligen Bismarckturm aufgestellt wird und ggf. ein Wanderweg zum ehemaligen Standort führt.


Links (ehemaliger Standort)

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Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 126-127
- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-SÄULE von EISENACH (Thüringen)“
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 80 "Bismarck-Feuersäule bei Eisenach", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschriften des Bismarck-Bundes; 1. Jahrgang 1902 (Nr. 1 [Oktober]; S. 16), 1. Jahrgang 1903 (Nr. 2 [Januar]; S. 2 u. 3), 4. Jahrgang 1906 (Nr. 12, S. 190), 5. Jahrgang 1907 (Beilage: Die Feuersäule)
- Ehrhardt, Max: Bismarck im Denkmal des In- und Auslandes, Thüringische Verlags-Anstalt Eisenach-Leipzig, 1903, "Die Bismarck-Säule (Architekt Kreis) auf dem Wartenberge bei Eisenach"
- Franken, Friedrich K.H.M.: "Kontinuität und Wandel in Leben und Werk des Architekten Wilhelm H. Kreis“, Dissertation Technische Hochschule Aachen, 1996, S. 51