Update: 04.06.2017

Feuerbecken und Wasserspeier
Der Bismarckturm in Apolda

Der Bismarckturm in Apolda ist nach Weimar, Vacha und Eisenach der vierte im Großherzogturm Sachsen-Weimar eingeweihte Bismarckturm.


Bauplanung

Der am 01.04.1897 gegründete Bismarck-Verein Apolda beschloss auf der Jahresversammlung am 15.02.1899 einen Bismarckturm bei Apolda zu errichten. Es wurde ein 12-köpfiger Denkmalausschuss gegründet, um die Vorarbeiten bis zur Erweiterung des Ausschusses zu einem Denkmal-Komitee zu leisten.

Den Entwurf für diesen Aussichtsturm mit Feuerschale fertigte der Großherzogliche Landbaumeister Adolf Günther. Am 01.04.1900 wurde mithilfe des abgebildeten Entwurfs ein Spendenaufruf erlassen. Die Baukosten wurden auf 12.000 Mark geschätzt.

Am 10.07.1900 wurde dieser Entwurf in einer Versammlung des Bismarck-Vereins diskutiert und leicht abgeändert. Diese Korrekturen wurden Landbaumeister Günther, der auch die Leitung der Turmausführung aufgetragen worden war, am 21.08.1900 vorgelegt.

Die Erben des Strickereifabrikanten Christian Zimmermann (Frau Marie Wendenburg, Rittergutsbesitzer Leutnant Wendenberg-Besenstedt sowie Frl. Anna Zimmermann) überließen dem Bismarck-Verein am 30.07.1901 kostenlos ein 1.200 m² großes Grundstück auf der Mattstedter Höhe (225 m über NN, nordwestlich von Apolda) zur Errichtung des Bismarckturmes.

Im März 1902 bewilligte der Gemeinderat 1.000 Mark aus städtischen Mitteln für den Turmbau.

Finanziert wurde der Turmbau durch Spenden. Der Thüringerwald-Verein spendete 500 Mark unter der Bedingung, das Bauwerk als Aussichtsturm zugänglich zu machen. Weitere 1.000 Mark wurden von der örtlichen Sparkasse zur Verfügung gestellt.

Am 01.04.1902, dem Tag der Grundsteinlegung (Bismarcks 87. Geburtstag), fand ein großer Festzug unter Beteiligung vieler Vereine zum Turmbauplatz statt. Schulrat Stier hielt die Festrede zur Grundsteinlegung.

Der Grundstein wurde unentgeltlich von Steinbruchbesitzer und Maurermeister Theodor Hartmann aus Jena gebrochen und hergestellt. Es wurde eine Glaskassette (Stiftung aus Ilmenau) durch Glasermeister Schneider aus Apolda in den Grundstein eingemauert. Die gläserne Kassette enthielt u.a. die Bauzeichnung, ein Bild des Architekten, die Apoldaer Chronik von Kronfeld aus dem Jahr 1871 und den Text einer Bismarckrede von 1888.

Im Herbst 1902 standen bereits 10.000 Mark an Spenden zur Verfügung. Der Bismarck-Verein beschloss daraufhin, im Frühjahr 1903 mit dem Turmbau zu beginnen. Nach einem neuen Kostenvoranschlag von Adolph Günther sollten die Baukosten für seinen abgeänderten Entwurf ca. 16.000 Mark betragen. Nach Ausschreibung der Bauarbeiten schätzte man die zu erwartenden Baukosten sogar auf 20.000 – 30.000 Mark, sodass man den Baubeginn auf das Jahr 1904 verschob.

Im März 1903 veranstaltete der Bismarck-Verein ein Jahrmarktsfest, der Reinertrag von 6.000 Mark kam dem Turmbaufonds zugute.

Am 30.11.1903 legte Baurat Günther dem Komitee drei Zeichnungen mit weiteren Änderungen am Bauwerk vor. Das Komitee entschied sich für die kostenintensive imposante und massive Turm-Ausführung. Die Spendenmittel waren zu diesem Zeitpunkt bereits auf 18.000 Mark angewachsen.

Am 25.03.1904 beschloss der Gemeindevorstand, das Wasser zum Turmbau kostenlos zur Verfügung zu stellen.


Bauarbeiten

Die Bauarbeiten am Turm begannen am 01.04.1904.

Ausgeführt wurden die Maurerarbeiten durch die Maurermeister Adolf und Karl Hornbogen aus Apolda.

Als Baumaterial wurde grob behauener Kalkstein (Bossen) verwendet. Für das Quadermauerwerk des Erdgeschosses verbaute man Muschelkalkstein aus der Umgebung Jenas. Für den Fries, die Ecken des Aufbaus, die Freitreppe, die Pforten der Terrasse und das Nischenmauerwerk des Erdgeschosses wurde Kalktuffstein aus Weimar, für den Söller des Hauptgesimses und den Aufbau des Feuerbeckens harter Droyßiger Sandstein verwendet.

Die für den 02.09.1904 geplante Einweihungsfeier wurde auf der Sitzung des Gesamtausschusses des Bismarck-Vereins am 18.08.1904 verschoben, da die großen Bekrönungs-Steinblöcke zu spät geliefert wurden. Als mögliche Einweihungsdaten wurden der 18.09. sowie der 25.09.1904 favorisiert.

Die feierliche Einweihung erfolgte letztendlich am 25.09.1904. Nach einer Würdigung der Leistungen der Bauarbeiter im Rahmen einer Festrede im Apoldaer Rathaus setzte sich ein Festzug vom Marktplatz aus zum Turm in Bewegung. Am Festzug beteiligten sich viele Mitglieder von Vereinen und Verbänden sowie Behördenvertreter.

Bei der Feier am Turm wurde das ca. 26.000 Mark teure Bauwerk offiziell an die Stadt Apolda übergeben.

Die Feuerschale wurde am Tag der Einweihung erstmals entzündet.


Turmbeschreibung und Befeuerung

Über eine Außentreppe erreicht man die 1,8 m hohe, mit einem Geländer umgrenzte Terrassenanlage mit quadratischem Grundriss (14,0 m x 14,0 m), auf der der 23,75 m hohe Aussichtsturm mit Befeuerungsmöglichkeit errichtet wurde.

Der quadratische Turmsockel hat eine Breite von 5,6 m x 5,6 m. Aus diesem erhebt sich der quadratische Turmschaft mit einer ansteigenden Schwellung bis zum Gesims. Oberhalb des Gesimses verjüngt sich der Turmschaft bis unterhalb der auskragenden Zinnenaussichtsplattform in 19,65 m Höhe.

Auf einem Türmchen mittig der Plattform wurde ein rundes Feuerbecken aus Gusseisen mit einem Durchmesser von 2,5 m (Gewicht 20 Zentner), gegossen von Oberingenieur Bock, eingelassen. Das Feuerbecken konnte durch eine eiserne Steigleiter erreicht werden, welche an zwei eingemauerten Ösen eingehängt werden konnte.

Das gusseiserne Becken wurde mit folgenden Zusätzen befeuert:
Ein Raummeter Fichtenholz, 50 kg Teer, 25 kg "Backzeug", 25 kg Maschinenhobelspäne.
Diese Zusätze wurden mit flüssigem Teer getränkt und entzündet. Dadurch wurde eine Flammenhöhe von 6-7 m bei 3 Stunden Brenndauer erreicht.

Über eine Innentreppe mit 94 Stufen (77 Steinstufen und 17 Stufen einer metallenen Wendeltreppe) erreicht man die Zinnenaussichtsplattform. Die rechtsdrehende Metallwendeltreppe wurde von der Fa. Stieberitz & Müller aus Apolda gefertigt. Durch eine Metalltür des Mitteltürmchens erfolgt der Ausstieg auf die 4,5 m x 4,5 m breite Plattform mit einem 0,65 m breiten Umgang.

An der Nord- und Südseite des Turmes sind innen zwei halbrunde Fenster eingelassen, oberhalb des Gesimses sind auf den gleichen Seiten zwei schießschartenähnliche Öffnungen vorhanden.

Nach 40 Stufen der Innentreppe erreicht man über eine Austrittstür die Balkone auf der Ost- und Westseite. Auf der Ostseite führt die die Treppe weiter zur nächsten Ebene mit je einer Schießscharte auf allen Seiten.

Im Giebeldreieck der Eingangstür wurde ein Bismarck-Wappen, in der Verkröpfung des Gurtgesimses ein bronzenes Bismarck-Relief, gefertigt und gestiftet von Hofglockengießermeister Schilling, angebracht.

Linksseitig des Turmeinganges wurde ein Reichsadlerrelief mit der Inschrift "A.D. 1904", rechtsseitig ein Wappen des Großherzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach mit Ranken und Rosetten angebracht.

Unterhalb der Plattform auf der Eingangsseite wurde die Inschrift

BISMARCK,

unterhalb der Ecken der Aussichtsplattform wurden kunstvolle Wasserspeier angebracht.


Turmgeschichte

Im Herbst 1904 wurde der Turm täglich durch einen Turmwärter geöffnet (Eintritt: 10 Pfennig).

Im 2. Weltkrieg nutzte man das Bauwerk zeitweise als Beobachtungsposten zur Luftsicherung.

Ab Mai 1949 war ein Besteigen des Turmes gegen Entgelt (5 Pfennig) möglich.

Am 31.08.1949 (Vorabend des Weltfriedenstages) wurde er im Rahmen einer FDJ-Feier (nicht-offiziell) in Friedensturm umbenannt. Der Schriftzug „BISMARCK“ unterhalb der Plattform wurde herausgeschlagen.

Nach zwischenzeitlicher Schließung (Nutzung als Fernsehumsetzer) machte man den Aussichtsturm ab 01.09.1974 an Wochenenden wieder zugänglich, bevor man ihn 1994 aufgrund von Sicherheitsmängeln verschloss.

Im Jahr 1990 waren die ursprünglichen Sitzbänke rechts- und linksseitig des Einganges nicht mehr vorhanden. Die Terrasse war über eine Treppe mit 7 + 1 (neue) Steinstufen erreichbar. Über eine weitere Stufe war der Eingangsbereich (Tür liegt im Innern) zu erreichen.

Zwischen 1994 und Herbst 2004 blieb der Friedensturm verschlossen. Zahlreiche Tauben nisteten im Turm. Die Feuerschale, das Bismarck-Relief und die Inschrift "BISMARCK" unterhalb der Aussichtsplattform fehlten.

Im Jahr 2004 wurde das Bauwerk umfangreich saniert.

Am 25. September 2004 wurde am frisch sanierten Bismarckturm eine kleine Jubiläumsfeier ausgerichtet.

Die Inschrift "BISMARCK" (auf acht Steinplatten) und eine neue Relieftafel mit Bismarck-Kopf und Inschrift 1904 - 2004 wurden am Turm angebracht.

Im Juli 2005 wurde eine gusseiserne Gedenktafel mit Inschrift (100 cm x 80 cm groß, Liste aller Dörfer, die für die Errichtung des Bismarckturmes gespendet haben) wiederentdeckt.

Die Tafel war bis ca. 1947 im Innern des Turmes angebracht. Nach Reparatur und Säuberung wurde sie wieder an ihrem ursprünglichen Ort im Turm befestigt.


Öffnungszeiten:

Kostenfrei von April bis September
Samstag / Sonntag / Feiertag von 10:00 Uhr – 18:00 Uhr

Besichtigungen für Gruppen auf Anfrage über die Tourist-Information (Telefon: 03644 650-100)


Links

Google Maps

Google Earth

Tourismusinfo Apolda


Fotografen

- Kerstin Lucklum (2004)
- Jörg Bielefeld, Remscheid (Mai 2009)
- Marek Moson, Wroclaw (Mai 2009)


Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 34/35
- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von APOLDA
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 106 "Bismarck-Feuersäule bei Apolda in Thür.", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschriften des Bismarck-Bundes; 2. Jahrgang 1904 (Nr. 6, S. 2; Nr. 9, S. 2; Nr. 11/12, S. 9), 3. Jahrgang 1905 (Nr. 2, S. 6; Nr. 5, S. 7), 4. Jahrgang 1906 (Nr. 1, S. 14), 5. Jahrgang 1907 (Beilage: Die Bismarck-Feuersäule), 8. Jahrgang 1910 (Nr. 4, S. 64)
- Thomaszczyk, Detlef: 100 Jahre Apoldaer Bismarckturm (in Apoldaer Amtsblatt 09/04)