Update: 13.02.2015

Wachturm der Stadtmauer als Entwurfs-Vorlage
Der Bismarckturm in Altenburg

Bauplanung

Bereits am 01.04.1897 wurde bei der Bismarck-Geburtstagsfeier vom "Verein zur Feier nationaler Feste" unter Vorsitz des Geh. Baurats Alfred Hermann Wanckel (1855 – 1925) der Grundstock für die Errichtung eines Bismarck-Denkmals in Altenburg gespendet.

Im Jahr 1906 stiftete der Zigarrenfabrikant Edmund Schmidt (1845 – 1924) aus Altenburg 20.000 Mark zur Errichtung eines Bismarckturmes. Nach dem Willen des Stifters sollte der Turm im geplanten Herzog-Ernst-Wald errichtet werden.

Im Januar 1908 wurde zum 80. Geburtstag des regierenden Landesherren der "Herzog-Ernst-Wald-Verein" gegründet, der u.a. für die Anpflanzung und Aufforstung des 47 ha großen Gebietes zuständig war.

Zudem wurde ein Ausschuss zur Errichtung einer "Warte zu Ehren Bismarcks" im Herzog-Ernst-Wald gegründet.  

Regierungs- und Baurat Alfred Hermann Wanckel aus Altenburg entwarf einen Aussichtsturm mit Säulenhalle. Sein Entwurf orientierte sich an den Wachtürmen der Altenburger Stadtbefestigung.

Der Stifter Edmund Schmidt akzeptierte den Entwurf des Baumeisters Wanckel. Die geschätzten Gesamtkosten für den Turmbau lagen bei 40.000 Mark.

Durch öffentliche Spendensammlungen konnte der Restbetrag der Bausumme bis zum Jahr 1915 eingebracht werden.


Bauarbeiten

In den Jahren 1914 /1915 wurde der Bismarckturm aus Stampfbeton errichtet.

Am 02.09.1915 wurde das Bauwerk im Rahmen einer aufgrund des 1. Weltkrieges schlichten Feier eingeweiht.


Turmbeschreibung

Der 33 m hohe Aussichtsturm ohne Befeuerungsmöglichkeit mit Hallenanbau wurde auf einer rechteckigen Terrassenanlage errichtet.

Auf einem ursprünglich nach allen Seiten offenen Hallenbau mit Ziegeldach erhebt sich ein quaderförmiger Turmschaft. Das Spitzdach des Turmkopfes ist ebenfalls mit Ziegeln bedeckt.

Über 15 Steinstufen ist die Halle auf der Turm-Terrasse erreichbar.

Im Innern der Halle war ursprünglich in einer Nische ein Bismarck-Relief (mit Eichenlaub und den Jahreszahlen 1815 1915) von Bildhauer Otto Pech aus Altenburg angebracht (nicht mehr vorhanden). Seit 1960 ist die Halle nur noch über die Nordseite zugänglich, die anderen Seiten der Halle wurden vermauert. Auf der Südseite wurde eine Außentür eingefügt.

Die obere Aussichtsetage  ist über eine Innentreppe mit 108 hölzernen Stufen (linksdrehend 9 x 12 Stufen, die letzten 12 Stufen sind mittig angebracht) erreichbar. Auf der Nord- und Südseite des Aussichtsbereiches sind (seit 1976) jeweils zwei Doppelfenster, auf der Ost- und Westseite ist jeweils ein Doppelfenster eingelassen.

Auf der Nordseite des Turmschaftes ist unterhalb der beiden Fenster ein Bismarck-Wappen angebracht.


Turmgeschichte

Am 02.05.1916 stiftete der Dipl. Optiker Kieling ein Zeiss-Fernrohr für die Aussichtsetage. Der Turm war bis 1930 täglich als Aussichtsturm geöffnet (Eintritt: 10 Pfennig).

Nach 1945 wurde das Bauwerk aus ideologischen Gründen in „Turm der Jugend“ umbenannt. In den Jahren 1953/54 folgte die erste Sanierung.

Im Jahr 1960 errichtete man vor dem Turm auf der Nordseite eine Freilichtbühne. Für Kinoveranstaltungen wurde der Vorbau mit einer halbsteinigen Wand und Glasziegelfenstern zugemauert. Fünf Steinstufen wurden dafür entfernt. Der Außenputz des Vorbaus wurde dem Putz des Turmes angeglichen.

Von 1974 bis 1989 wurde das Bauwerk von der FDJ verwaltet, von 1977 bis zum 23.08.1992 nutzten Amateurfunker die Aussichtsplattform, die im Jahre 1976 komplett verglast worden war und somit als Raum („Klubstation“ der QTH Altenburg) genutzt werden konnte.

Im Jahr 1986 wurden auf dem Turm-Gelände vier Bungalows und Schuppen errichtet, damit das Gelände als Ferienlager für junge Pioniere genutzt werden konnte.

Ab April 1993 wurde der Turm mehrere Jahre lang als „Schule im Grünen“ für Schüler der 3. und 4. Klasse genutzt. In der Halle und im Treppenhaus wurde im Juli 1998 die Dauerausstellung „Flora und Fauna des Stadtwaldes“ eröffnet.

In den 1990er Jahren wurde das Bauwerk offiziell wieder in „Bismarckturm“ umbenannt, im Zusammenhang mit den Kinder- und Jugendeinrichtungen wurde er meist  „Turm der Jugend“ bezeichnet.

Bis 2008 war der Bismarckturm Erholungs- und Freizeitzentrum des Kinder- und Jugendcenters Altenburger Land.

Seit 2009 wird der Turm nicht mehr genutzt.

Am 29.01.2012 wurde der Förderverein Bismarckturm Altenburg gegründet, um den Bismarckturm erhalten und touristisch nutzen zu können. Durch viele ehrenamtliche Arbeitseinsätze konnte das Umfeld des Bismarckturmes verschönert werden. Im Frühjahr 2014 wurden die zugebauten Seitenteile herausgebrochen und wieder in den ursprünglichen Zustand (Halle) gebracht.

Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten soll das Bauwerk am 12.09.2015 feierlich wiedereröffnet werden.


Links

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Förderverein Bismarckturm Altenburg e.V.


Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 30
- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von ALTENBURG (Thüringen
)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 201 "Bismarck-Turm zu Altenburg/Thür.", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn