Update: 09.01.2017

Hölzerner Turm auf dem Holzberg
Der Bismarckturm in Malente

Vorbemerkung

Der Bismarckturm Malente war einer von dreizehn hölzernen Aussichtstürmen, dem wie allen Holztürmen zu Ehren Bismarcks keine lange Lebensdauer beschieden war. Ein geplanter massiver Bau wurde nie verwirklicht.


Bauplanung

Nach Anregung des Pastors Paul Rathgens aus Malente trafen sich am 11.01.1902 im Köpkes Hotel zum Brahmberg 25 Bürger, um ein Lokalkomitee für die Errichtung einer Bismarcksäule zu bilden. Nach Vorschlag des Direktors Klücher aus Eutin sollte die Säule auf dem Malenter Godenberg als massiver Aussichtsturm aus Feldsteinen errichtet werden. Die Versammlungsteilnehmer spendeten dafür an Ort und Stelle 500 Mark. Die Gesamtkosten für den Turmbau wurden auf 6.000 Mark geschätzt.

Aufgrund mangelnden Interesses für diesen Plan im Fürstentum Lübeck außerhalb Malentes konnte dieses Projekt auch aus finanziellen Gründen nicht verwirklicht werden. Zur gleichen Zeit wurde im Fürstenturm bereits in Bad Schwartau und Umgebung für eine Bismarcksäule gesammelt.

Am 25.03.1905 änderte man jedoch den Standort, das Bauwerk sollte – nach durchgeführter Aussichts-Überprüfung vor Ort wegen der besseren Rundumsicht - auf dem 88 m hohen Holzberg bei Neversfelde errichtet werden.

Der Verein "Bismarckturm" in Malente unter Leitung des Pastors Rathgens wurde gegründet.

Entworfen wurde der Turm von Architekt Conrad Heidenreich aus Charlottenburg bei Berlin. Für den Bau des 30 m hohen Turmes schätzte der Architekt die Kosten auf ca. 20.000 Mark. Die Grundfläche sollte 6,00 m x 6,00 m betragen, der Eingangsbereich einen Vorbau von 3,50 x 6,00 m mit einem Satteldach erhalten. Über dem gemauerten Rundbogen-Eingang sollte die Inschrift „IHM NACH“ angebracht werden.

Für die Finanzierung des Bauvorhabens wurden Anteilsscheine zu je 25 Mark verkauft.

Bereits Anfang 1906 waren 25.000 Mark an Spenden gezeichnet, sodass am 26. August 1906 um 17 Uhr unter Beteiligung zahlreicher Vereine aus Ostholstein der Grundstein gelegt werden konnte. Die Festrede bei der Grundsteinlegung hielt Pastor Dr. Liman aus Berlin, zu dieser Zeit Vorsitzender des Bismarckturm-Vereins. Die Feier endete mit einem Kommers am Abend im Hotel Gremsmühlen.

Träger dieses nach Plan bis Pfingsten 1907 abzuschließenden Bauvorhabens war der nun ins Vereinsregister eingetragene Bismarckturmverein.

Die Eutiner Regierung beabsichtigte, den Bauplatz kostenlos dem Verein zu überlassen. Das Staatsministerium in Oldenburg sprach sich nachträglich dagegen aus. Die Forstbehörde verlangte nun 300 Mark für den Bauplatz.

Nun sollte der Oldenburger Landtag über die kostenlose Überlassung des Bauplatzes abstimmen, dieser verwies jedoch auf die zunächst notwendige Anhörung des Provinziallandtages. Aufgrund der "Verlegung der Bismarckturm-Akten" konnte der Provinziallandtag zuvor nicht gehört werden, die nächste Tagung des Provinziallandtages sollte erste erst im Herbst 1907 stattfinden.

Die Regierung erhöhte zwischenzeitlich den Preis den Grundstückes auf 500 Mark. Zudem waren durch die Verzögerungen die Löhne und Materialpreise gestiegen, der Baupreis war um etwa 2.000 Mark gestiegen.

Am 19.08.1907 berichtete Pastor Rathgens, dass der größte Einzelspender, der Neversfelder Bürger Rohwer seinen zugesagten Betrag von 15.000 Mark wegen der Bau-Verzögerungen zurückgezogen hatte.

Da die Gesamtfinanzierung nun wieder offen und keine anderweitige Lösung in Sicht war, entschied sich der Vorstand des Bismarckturm-Vereins für eine kostengünstigere Alternative: Den Bau einer hölzernen Warte nach Vorbild der Friedrich-August-Warte in Schwartau. Die Kosten dafür wurden auf ca. 12.000 – 15.000 Mark geschätzt, Architekt Heidenreich wurde mit der Planung beauftragt.

Bei einer Versammlung des Vereins „Bismarckturm“ in Malente wurde nun endgültig entschieden, dass ein Turm-Provisorium aus Holz errichtet werden sollte, um dieses später durch einen steinernen Bismarckturm zu ersetzen. Die Firma Steenbock aus Eutin wurde mit der Ausführung dieses Vorhabens beauftragt. Die Innentreppe sollte so gebaut werden, dass sie später an gleicher Stelle für den steinernen Turm verwendet werden konnte. Die hölzerne Außenverkleidung sollte dann als Baugerüst für den neuen Turm dienen.

Die Gesamtkosten für den hölzernen Turm betrugen letztendlich 10.000 Mark.


Bauarbeiten

Anfang 1908 war bereits ein Steinfundament fertig gestellt worden, auf dem der Holzaufbau befestigt werden sollte.

Die Freigabe des Holz-Turmes erfolgte am 28.06.1908.


Turmbeschreibung

Bei dem 30 m hohen Bauwerk handelte es sich um einen einfachen viereckigen Aussichtsturm ohne Befeuerungsmöglichkeit, der mit Holzbrettern verschalt war.

Über eine Treppe mit 150 Stufen und Zwischenpodesten gelangte man zur Aussichtsplattform.


Turmgeschichte bis 1918

Eine feierliche Einweihung wurde wegen des provisorischen Charakters des Bauwerkes nicht durchgeführt. Der Holzberg wurde nun in Bismarckhöhe umbenannt.

Kurz nach der Freigabe wurde auf einer Freifläche am Turm eine flache Holzhütte mit Schankraum zwecks Bewirtung von Wandergruppen errichtet. Diese Gastwirtschaft wurde verpachtet und bis Ende 1917 betrieben.

Für die Besteigung des Turmes musste ein Entgelt von 10 Pfennig entrichtet werden.

Am 30.07.1908 (Bismarcks 10. Todestag) fand sich eine große Volksmenge für eine Feierstunde am Bismarckturm zusammen.

Im Jahr 1910 wurden 4.900 Besucher, im Jahr 1911 insgesamt 6.084 Besucher gezählt, die den Ausblick auf die Holsteinische Schweiz genießen wollten.

Mit Beginn des Ersten Weltkrieges nahmen die Besucherzahlen deutlich ab. Die geplante Feier zu Bismarcks 100. Geburtstag (01.04.1915) konnte nicht durchgeführt werden, dafür wurde am 06.08.1915 die Bevölkerung zu einer Bergandacht am Bismarckturm eingeladen.

Die noch abzutragenden Kosten an die Firma Steenbock konnten nicht mehr vom Verein getragen werden. Im Jahr 1917 wurde das hölzerne Bauwerk durch Stürme beschädigt, die Reparatur sollte 800 Mark kosten.

Am 28. Februar 1918 wurde die Liquidation des Bismarckturm-Vereins beschlossen, da die Kosten für die notwendigen Reparaturarbeiten nicht aufzubringen waren. Die Standfestigkeit des hölzernen Turmes war nicht mehr gegeben.

Bereits im Frühjahr 1918 wurde der Turm abgebrochen. Das Komitee hatte zuvor die Reste des Turmes für 1.000 Mark an den Zimmermeister August Ehrich aus Malente verkauft.

Die Bismarckhöhe wurde wieder in die ursprüngliche Bezeichnung Holzberg geändert. Reste des Turm-Fundamentes waren noch im Jahr 2005 zu erkennen.


Weitere Planungen und Bau des Holzbergturms

Im Jahr 1977 plante man, auf dem Holzberg erneut einen 40-50 m hohen Aussichtsturm zu errichten. Aus Kostengründen wurde dieses Vorhaben nicht realisiert.

Nach Gründung des Neversfelder Verschönerungsvereins e.V. im Jahr 1996 konnte der von Helmut Bahlert gemachte Vorschlag, einen hölzernen Aussichtsturm zu errichten, in den Jahren 2004/2005 umgesetzt werden.

Der 28,85 m hohe Holzbergturm, der durch Spendensammlungen finanziert wurde, konnte im Juli 2005 nur wenige Meter vom ursprünglichen Standort des ehemaligen Bismarckturmes eröffnet werden (Gesamtkosten: 40.000 €).


Links

Holzbergturm Neversfelde bei Wikipedia

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Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 262
- Seele, Sieglinde: Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von MALENTE (Schleswig-Holstein)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 150 "Bismarck-Turm zu Malente-Gremsmühlen", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 3. Jahrgang 1905 (Nr. 5, S. 7), 4. Jahrgang 1906 (Nr. 1, S. 13; Nr. 12, S. 189), 6. Jahrgang 1908 (Nr. 9, S. 147)
- Bartels, Hans-Joachim: „Der Bismarckturm auf dem Holzberg“ in Chronik Malente Gremsmühlen, Husum Verlag 2008, Husum, S. 194-197
- Hamburgischer Correspondent, Neue Hamburger Zeitung und Hamburger Nachrichten 1906-1907