Update: 02.02.2017

"Götterdämmerung" im Lübschen Gehölz
Die Bismarcksäule in Itzehoe

Bauplanung

Der Bau dieser Bismarcksäule wurde bereits im Jahr 1899 angeregt.

Am 28.05.1900 gründete sich in "Eggers' Hotel" der Ausschuss zur Errichtung einer Bismarcksäule, um den Bau einer Bismarcksäule für Itzehoe zu fördern. Aus diesem Ausschuss bildete sich der Verein zur Errichtung und Erhaltung einer Bismarcksäule zu Itzehoe.

Der „Verein Bismarcksäule zu Itzehoe“ unter Vorsitz des königlichen Landrats H. Jungé setzte sich mit dem Architekten Wilhelm Kreis in Verbindung, dessen Entwurf „Götterdämmerung“ man schließlich zur Ausführung bringen wollte.

Nach einem Beschluss der Stadt vom 15.07.1903 sprach man dem Verein das Baurecht auf einem 51 Ar und 16 m² großen Areal im Lübschen Gehölz (Kartenblatt 4, Parzelle 2 nach Kataster vom 17.03.1903) zu. Die Genehmigung wurde am 31.07.1903 im Grundbuch (Band 29, Blatt 1407) eingetragen.


Bauarbeiten

Im Jahr 1903 wurde mit dem Bau des Turmes begonnen.

Die Bauarbeiten wurden von Baumeister A. Beneke aus Itzehoe durchgeführt.

Als Baumaterial für diesen Aussichtsturm mit Feuerschale wurde schwedischer Granit verwendet. Die rechteckige Feuerschale (3,00 m x 0,45 m) aus Gusseisen wurde mit Buchenscheitholz, Petroleum, Benzin und Kieselgur (Erdart aus den Panzern von Kieselalgen) befeuert. Als Bauplatz wählte man ein altes Hünengrab im Lübschen Gehölz (76 m über NN) aus.

Im Frühjahr 1904 stand der Bau kurz vor der Vollendung, die Einweihung war für den 21.06.1904 geplant.

Doch es fehlte es an notwendigen Spenden, um den Bau der Säule zu Ende zu führen. In einer Sitzung des Kreistages Steinburg vom 28. März 1905 wurde trotz Protesten der städtischen Kollegen in Wilster und der Gemeinde Lägerdorf beschlossen, dem Verein die Bismarcksäule für 34.000 Mark abzukaufen und den Bau zu Ende zu führen.

Die Einweihung wurde nun auf den 23.09.1905 terminiert. Die feierliche Einweihung fand tatsächlich erst am 18.10.1905 statt.

Am Einweihungstage versammelten sich zahlreiche Bismarckverehrer in der Stadt, die zusammen mit Vertretern zahlreicher Vereine sowie den Spitzen der Behörden in einem Festzug zur Bismarcksäule wanderten. Der Geh. Rat Graf von Reventlow hielt die Kaiserrede, Landrat Pahlke die Weiherede. Abschließend wurde die Säule zum ersten Mal befeuert.


Turmbeschreibung

Der Bismarckturm wurde auf einem ca. 2,30 m hohen Erdhügel errichtet.

Als Basis des 18 m hohen Aussichtsturmes mit Befeuerungsvorrichtung dient eine quadratische Podeststufe (Höhe: 0,90 m) mit einer Grundfläche von 11,50 m x 11,50 m.

Darauf erhebt sich der 2,40 m hohe quadratische Turmsockel mit einer Kantenlänge von 8,30 m x 8,30 m.

Vom der Südostseite führt eine zwölfstufige Treppe zu einem mit einem Geländer eingegrenzten Bereich (1,97 m x 3,00 m) unterhalb der Podeststufe des Turmes. Die Stufenbreite der Treppe beträgt bei der ersten Stufe 3,60 m, bei der zweiten Stufen 3,25 m und bei allen weiteren Stufen 3,00 m.

Von hier führt eine vierstufige Treppe (Stufenbreite: 1,80 m) auf die Podeststufe unmittelbar vor das um 0,20 m nach vorne auskragende Eingangsportal (2,97 m x 2,80 m). Oberhalb des 1,97 m x 1,20 m großen Einganges auf dem Türsturz ist mit weißer Farbe der Schriftzug

Bismarck

aufgemalt.

Die vier Kanten des Schaftes bestehen - wie bei dem Entwurf "Götterdämmerung" typisch - aus Dreiviertelsäulen, die von einem Architrav mit vierstufigem Oberbau zusammengehalten werden.

Über eine Steintreppe ist die Aussichtsplattform zu erreichen.

Auf dem Turmkopf war eine rechteckige gusseiserne Feuerschale installiert (3 m lang und 0,45 m breit).


Turmgeschichte

Am 18.10.1905 wurde die Bismarcksäule feierlich eingeweiht. In den nachfolgenden Jahren war die Bismarcksäule, die zeitweise mit Kioskbetrieb genutzt wurde, beliebter Ausflugspunkt.

Am 01.04.1906 wurde die Bismarcksäule – wie auch in den Folgejahren – erneut befeuert. Der Verein löste sich im Juli 1906 auf.

Noch im Jahr 1926 wurde sie als bedeutendes Ausflugsziel beworben.

Die Buchenbestände rund um den Turm versperrten im Laufe der Jahre die vormals gute Fernsicht.

Im Jahr 1958 übernahm die Stadt Itzehoe die Säule vom Kreis Steinburg. Im Jahr 1959 wurde ein Turmwächter eingesetzt, der den Turm bis ca. 1970 (mit Kioskbetrieb) regelmäßig öffnete.

Seit Anfang der 1980er Jahre war der Eingang des Bismarckturmes zugemauert, da der baufällige Zustand im Innern des Turmes eine gefahrlose Nutzung verbot.

In Itzehoe bildete sich eine Initiative, die den Bismarckturm anlässlich des 100-jährigen Jubiläums sanieren und wieder zugänglich machen wollte. Aus dieser Initiative entwickelte sich der Verein Bismarcksäule Itzehoe e.V., der im November 2004 gegründet wurde.

Im März 2005 wurde die Bismarcksäule von der Stadt Itzehoe an den Verein verpachtet. Am 15. April 2005 konnte der Eingang des Turmes nach zwanzig Jahren wieder freigelegt werden.

Der Jubiläums-Festakt fand am 18.10.2005, 11:00 Uhr an der Bismarcksäule statt. Das Jubiläum wurde zudem am 22.10.2005 im Rahmen einer Feier gewürdigt.

Im Oktober 2006 wurden Auflagen der Baubehörde und des Denkmalschutzes erfüllt, um weitere Sanierungsarbeiten zu ermöglichen. Der Verein baute in Eigenarbeit ein Notdach aus Holz, um den Einfall von Schnee und Regen zu verhindern und dadurch eine Trockenlegung der Säule zu erreichen. Drei der vier Innensäulen waren schadhaft und dringend sanierungsbedürftig.

Die Sanierung der inneren Treppengeländer erfolgte im Jahr 2007.

Im März 2009 startete die Aktion "Stufenverkauf", bei der jeder Interessierte eine Patenschaft über eine Treppenstufe erwerben konnte. Im Jahr 2012 waren alle Stufen verkauft.

Am 18.10.2009 wurde die Bismarcksäule zum 104. Jahrestag der Einweihung - vorerst einmalig - für Besucher geöffnet. Eine dauerhafte Öffnung für Besucher erfolgte nach aufwändiger Teilsanierung ab der Saison 2011. In den Jahren 2011 und 2012 wurden jeweils über 4.000 Besucher, in den Folgejahren über 5.000 Besucher gezählt.

Die Außensanierung des Bismarckturmes ist langfristig (bis 2022) geplant. Hierzu werden Spenden dringend benötigt. Die Kosten für die Fassadensanierung betragen rund 50.000 €.


Öffnungszeiten (Stand: 2017)

Bauwerk ist seit 2016 geschlossen (www.bismarckturm-itzehoe.de)


Links

Bismarcksäule Itzehoe e.V.

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Quellen

- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-SÄULE von ITZEHOE (Schleswig-Holstein)
- Seele, Sieglinde:
Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 210
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 121 "Bismarck-Feuersäule zu Itzehoe", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes; 2. Jahrgang 1904 (Nr. 6, S. 2); 3. Jahrgang 1905 (Nr. 8, S. 9; Nr. 11, S. 10; Nr. 12, S. 10), 4. Jahrgang 1906 (Nr. 1, S. 12), 5. Jahrgang 1907 (Beilage: Die Bismarck-Feuersäule)
- Ehrhardt, Max: Bismarck im Denkmal des In- und Auslandes, Thüringische Verlagsanstalt Eisenach-Leipzig, 1903: Die Bismarck-Säule (Architekt Kreis) in Itzehoe
- Protokolle der Jahreshaupversammlungen des Vereins Bismarcksäule Itzehoe e.V. bis 2012
- Verwaltungsbericht der Stadt Itzehoe 1881-1911, S. 325


Fotografen

- Kai Beste (2001)
- Robert Hirse (2005)
- Jörg Bielefeld, Remscheid (April 2016)