Update: 18.08.2016

Bismarckturm aus Granitfindlingen
Die Bismarcksäule in Bad Schwartau

Bauplanung

Im Oktober 1899 trafen sich die vier Schwartauer Bismarck-Verehrer Oberamtsrichter Carl von Heimburg (52 Jahre), der Rechtsanwalt Hans Böhmcker (29), der Bankdirektor Carl Fick (40) sowie Pastor Johannes Zeidler (66), um einen Aktionsausschuss für den Bau einer Bismarcksäule im Fürstentum Lübeck zu gründen.

Bei einer ersten öffentlichen Versammlung am 14.04.1900 wurde der "Verein zur Errichtung einer Bismarcksäule auf dem Pariner Berg" gegründet, um auf der höchsten Erhebung der Heimat (70,05 m über NN) mit Hilfe von Spenden aus der Bevölkerung eine Bismarcksäule zu errichten. Diese Feuersäule sollte nach dem Entwurf „Götterdämmerung“ des Architekten Wilhelm Kreis gebaut werden und zugleich als Aussichtsturm dienen.

Als Vorsitzender des Vereins wurde Pastor Zeidler gewählt. Bei der Versammlung war auch Ernst Theodor Lampe, Hufner und Gastwirt vom Pariner Berg, anwesend. Dieser stellte den Bauplatz im Wert von 3.000 Mark auf dem Pariner Berg, der höchsten Stelle von Schwartau, kostenlos zur Verfügung und spendete einen Grundbetrag von 1.000 Mark. Theodor Lampe hatte auf dem Pariner Berg im Jahr 1889 einen kleinen steinernen Aussichtsturm errichtet, der sehr gut frequentiert wurde.

Zudem stellte er alle auf seinen Äckern liegenden Feldsteine zur Verfügung. Die weiteren Kosten des Turmbaus wurden komplett von Spenden aus der Bevölkerung gedeckt.

Spenden wurden einerseits durch die Ausgabe von Mitgliedskarten (Beiträge) gewonnen, andererseits haben neben den Bürgern von Schwartau, Rensefeld und Groß Parin auch viele Bürger aus Ahrensbök, Stockelsdorf, Gnissau, Curau, Gleschendorf, Süsel, Obernwohlde, Siblin, Gothendorf und den Dörfern der damaligen Gemeinden West-Ratekau und Ost-Ratekau für den Turmbau gespendet.

Das Spendenaufkommen blieb zunächst geringer als erwartet, da der Norden des Fürstentums Lübeck (Eutin) selbst um den Standort dieses Landesdenkmals kämpfte.

Der Landwirtschaftliche Verein spendete im Jahr 1901 Gelder aus einer Tierschau.

Am April 1901 wurde bekannt gegeben, dass der Bau des Bismarckturmes finanziell gesichert war.

Die Grundsteinlegung wurde am 30. Juli 1901 (3. Todestag von Otto von Bismarck) mit einer Festveranstaltung feierlich begangen, an der u.a. der Schwartauer und Pansdorfer Kriegerverein, der Turnverein Schwartau, die Schlachterinnung, der Schwartauer Sängerbund und der Quartettverein teilnahmen. Ein Festzug führte vom Bahnhof zum Pariner Berg. Der Weg zum Bauplatz war mit Fahnen und Girlanden geschmückt. Die Festreden wurden von Pastor Zeidler und Oberamtsrichter von Heimburg gehalten. Vor dem noch bestehenden steinernen Aussichtsturm auf dem Pariner Berg (wurde kurz darauf abgerissen) war eine Bismarck-Büste aufgestellt, vor der der Grundstein feierlich enthüllt wurde.

Der Turmbaufonds war zur Zeit der Grundsteinlegung auf 4.000 Mark angewachsen. Am 13.08.1901 beschloss der Verein auf einer Versammlung, dass Architekt Gildemeister einen eigenen Entwurf für die Bismarcksäule fertigen sollte (ursprünglich war eine Kreis'sche Säule geplant). Auf der gleichen Versammlung äußerte ein Müller, der Eigentümer der Windmühle auf dem Pariner Berg war, dass er wegen der Windverhältnisse Bedenken wegen der Befeuerung der Bismarcksäule habe. Daraufhin wurden zu diesem Punkt Sachverständige herangezogen.

Auf der Generalversammlung des Vereins am 30.10.1901 wurde beschlossen, dass der Standort der Bismarcksäule 50 m östlich des höchsten Punktes (2 m niedriger) des Pariner Berges (Flur 1380, Flurstück 231) liegen soll. Durch Erhöhung der Fundamente sollte die Höhendifferenz ausgeglichen werden. Für die Sicherung der Standfestigkeit sollten auch der Terrassengang fundamentiert werden, sodass die veranschlagten Baukosten sich erhöhten.

Zur Restfinanzierung wurden Zweigvereine gebildet, so z.B. in Ahrensböck unter Vorsitz von Amtsrichter Göring. Dieser stellte dem Verein einen Überschuss eines Unterhaltungsabends zur Verfügung. In Haffkrug wurden in allen Wirtschaften Sammelbüchsen aufgestellt.

Am 23.01.1902 fand in Schwartau „zum Besten der Bismarcksäule" ein Volksunterhaltungsabend statt.


Bauarbeiten

Entworfen wurde die Säule von Architekt Eduard Gildemeister aus Bremen, ausführender Baumeister war Gustav Menschel, die Steinmetzarbeiten führte Steinmetzmeister Karl Steen aus Pansdorf, die Maurerarbeiten Maurer Dabelsteen aus Ratekau aus.

Am 01. November 1901 wurde mit dem Bau der Säule (Ausschachtungsarbeiten für das Fundament) begonnen.

Als Baumaterialien wurden große Granitfindlinge aus der Gegend verwendet, die an den Außenseiten grob behauen wurden. Der Kranz des Feuerschalenaufbaues wurde aus Granit-Werkstücken aus Schweden gefertigt.

Die Bauarbeiten waren im Sommer 1902 abgeschlossen, sodass am 10.06.1902 die Lokalzeitung vermeldete, dass die Einweihungsfeier im Juli oder Anfang August 1902 stattfinden sollte.

Am 15.06.1902 teilte der Verein auf der Generalversammlung mit, dass die Gesamtbaukosten 7.000 Mark (ohne Grundstück und Schenkungen von Granitfindlingen) betrugen, an Bargeld und Geld-Zeichnungen standen 4.500 Mark zur Verfügung. Bezüglich der noch fehlenden 2.500 Mark wurde am 27.07.1902 ein erneuter Aufruf zur Zeichnung weiterer Beträge gestartet. Die Einweihungsfeier wurde zunächst auf den 02.09.1902 (Sedantag) gelegt und kurz darauf auf den 28.09.1902 abgeändert. Die noch fehlenden Spendengelder im Höhe von 2.500 Mark konnten bis zum Einweihungstermin gesammelt werden.


Turmbeschreibung

Der 12,82 m hohe Aussichtsturm mit Feuerschale mit quadratischem Grundriss steht auf einer 0,90 m hohen und 13,40 m x 13,40 m großen Terrasse. Über sechs (ehemals sieben) mittige Steinstufen mit einer Breite von 3,00 m auf der Eingangsseite (Südseite) ist die mit vier jeweils 1 m hohen quadratischen Pfeilern (Seitenlänge: 1,60 m) eingefasste Terrasse zu erreichen. Die Pfeiler sind mit horizontalen Metallelementen (Absturzsicherungen) verbunden, auf der Eingangsseite fehlen die Absturzsicherungen im Bereich der Treppe.

Über acht Steinstufen auf der Südseite erreicht man den Turmeingang (Holztür; Maße: 1,85 m x 0,90 m).

Über dem Eingang des Turmes ist ein Bismarck-Wappen in Stein angebracht. Linksseitig des Eingangs ist im dort angebrachten Grundstein das Datum der Grundsteinlegung, der

"30. Juli/1901",

eingemeißelt.

Die Grundfläche der unteren Podeststufe beträgt 7,30 m x 7,30 m, die obere Podeststufe ist 6,10 m x 6,10 m groß. Darauf erhebt sich der 1,25 m hohe Turmsockel mit einer Kantenlänge von 4,90 m x 4,90 m. Der Sockel ist, ebenso wie die beiden Podeststufen, auf der Südseite im Bereich des Eingangsportals durchbrochen. Die untere Podeststufe ist 1,00 m, die obere Podeststufe 0,50 m hoch.

Der eigentliche Turmschaft (Abmessungen unten: 4,50 m x 4,50 m) verjüngt sich bis zur stark auskragenden Plattform (4,60 m x 4,60 m) nach oben hin.

Die Innenmaße des Turmes betragen 2,50 m x 2,50 m. Über eine stählerne Wendeltreppe (18+11 Stufen mit 0,80 m Stufenbreite + 8 Stufen mit 0,60 m Stufenbreite) sowie eine abschließende Steinstufe (0,60 m breit) ist die Aussichtsplattform erreichbar. Nach insgesamt 38 Innenstufen verlässt man das Treppenhaus durch einen 1,50 m x 0,70 m großen Ausstieg.

Hier befindet sich die Plattform mit einem 1,13 m hohen Metallgeländer als Brüstung. Mittig des Umganges ist ein runder, 2,00 m hoher Aufbau installiert, der auf der Südseite den Austritt auf die Plattform darstellt. Dieser Aufbau trug ursprünglich die Feuerschalenvorrichtung. Heute trägt der Aufbau eine 0,13 m hohe runde Metallabdeckung.

In Höhe von 0,60 m ist der Sockel des Aufbaus als 0,37 m breite Sitzbank nutzbar.


Turmgeschichte

Die feierliche Einweihung des Turmes fand am 28.09.1902 bei großer Beteiligung der Einwohnerschaft des Fürstentums Lübeck, der Hauptstadt Eutin und der Hansestadt Lübeck statt. Insgesamt hatten sich über 1.000 Personen an der Bismarcksäule versammelt. Die Begrüßung erfolgte durch Oberamtsrichter v. Heimburg, die Weiherede hielt Pastor Zeidler. Nach der Kranzniederlegung schloss der Tag mit einem Kommers ab. Um 18:30 Uhr wurde erstmals ein Bismarckfeuer in der Feuerschale (mittels petroleumgetränktem Holz und Torf) entzündet, welches bis 22:00 Uhr zu sehen war.

Der Vereinsvorstand würdigte alle Mitglieder und Spender mit einer Urkunde im Großformat.

Im Jahr 1903 wurde der Verein in das Vereinsregister beim Amtsgericht Schwartau eingetragen. Dieser offizielle Weg wurde gewählt, um auch weiterhin Rechte an der Bismarcksäule wahren zu können.

In den Folgejahren wurden Feuer an den Bismarck-Gedenktagen, zur Sommersonnenwende (bis 1929) sowie an den allgemeinen nationalen Feiertagen entzündet.

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Bauwerk als Flugabwehr-Leitstelle genutzt. Entlassene französische Kriegsgefangene, die in der nahegelegenen Mühle Unterkunft gefunden hatten, beschädigten nach Kriegsende Teile des Turmes.

Das Bismarckturm wurde 1958 aus Sicherheitsgründen gesperrt, da die Beschädigungen so stark zugenommen hatten, dass eine gefahrlose Besteigung nicht mehr möglich war.

Die Tochter des Stifters Erna Bussing (geb. Lampe) wurde vom Bürgermeister Dr. Heinz Blankenburg aufgefordert, als Rechtsnachfolgerin (laut Grundbuch) des Landwirts Ernst Theodor Lampe die erforderlichen Sanierungsarbeiten durchführen zu lassen. Bis zur Sanierung sollte sie den Zugang zur Innentreppe verschließen. Frau Bussing sah sich jedoch nicht als Eigentümerin der Säule und weigerte sich, die Sanierung auf ihre Kosten durchführen zu lassen.

Es stellte sich aber heraus, dass der Verein Eigentümer der Säule war. Der Verein bestand jedoch nicht mehr und da alle Vorstandsmitglieder verstorben waren (zuletzt Rechtsanwalt Hans Böhmcker im Jahre 1955), gab es keinen Rechtsnachfolger des Vereins. Daher wurde auf Initiative von Bürgermeister Blankenburg die kostenlose Übereignung des Turmes samt Grundstück an die Stadt Bad Schwartau angeregt. Nach Verhandlungen mit Frau Bussing wurde am 09.08.1960 ein Übereignungsvertrag zwischen ihr und der Stadt geschlossen. Seitdem ist die Stadt Bad Schwartau Eigentümerin des Grundstücks und der Bismarcksäule. Die Bismarcksäule wurde saniert und wieder zur Besteigung freigegeben.

Im Jahre 1972 wurde vom Bauamt festgestellt, dass der Bauzustand erneut Mängel aufwies (offene und gerissene Fugen, Schäden am Turmkopf u.a.) und nicht mehr den Vorschriften der Landesbauordnung entsprach. Aus dem Haushaltsplan von 1972 wurden 35.000 DM für die Sanierung bereitgestellt. Die Arbeiten führte die Baufirma Walter Gutzmann durch.

Die Feuerschale wurde abgenommen und der Turmkopf mit einer festen metallenen Abdeckung versehen.

Im Jahr 1977 veranstaltete der "Gemeinnützige Bürgerverein Bad Schwartau" eine Jubiläumsfeier am Turm (75 Jahre Bismarcksäule). Dabei stiftete der Bürgerverein eine Steintafel mit Vermessungsdaten (im Innern des Turmes) und eine Hinweistafel vor dem Turm.

Der Bürgerverein stiftete zwischen 1977 - 1984 eine neue Befeuerungsanlage für den Turmkopf.

Im Jahr 1980 wurde das Bauwerk unter Denkmalschutz gestellt.

Die Zuwegung zum Turm wurde zwischen 2006 und 2008 gepflastert, der alte Asphaltbelag war schadhaft geworden. Durch die Auf-Pflasterung reduziert sich die Zahl der Außenstufen auf die Terrasse auf sechs (vorher: sieben).

Der Bismarckturm ist im Jahr 2016 in einem guten Zustand.


Öffnungszeiten

Die Bismarcksäule ist ganzjährig geöffnet (Stand 2016, Eintritt kostenlos).


Anschrift der Gaststätte "Pariner Berg" an der Bismarcksäule

Ehepaar Knees
Pariner Berg
23611 Bad Schwartau
Tel.: 0451/21418


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Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 358
- Seele, Sieglinde: Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM (-SÄULE) von BAD SCHWARTAU (Schleswig-Holstein)
- Harders, Georg: „Die Bismarcksäule auf dem Pariner Berg“, Broschüre, hrsg. Die Schwartauer in Zusammenarbeit mit dem Gemeinnützigen Bürgerverein Bad Schwartau e.V., Bad Schwartau 1984
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 78 "Bismarck-Feuersäule zu Parin bei Schwartau Fürstenturm Lübeck (Oldeb.)", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 5. Jahrgang 1907 (Beilage: „Die Bismarck-Feuersäule“)
- Ehrhardt, Max: Bismarck im Denkmal des In- und Auslandes, Thüringische Verlags-Anstalt Eisenach-Leipzig, 1903, Nr. 69 "Die Bismarck-Säule auf dem Periner [sic!] Berg bei Ratekau, Fürstenturm Lübeck"


Fotos

- Jörg Bielefeld, Remscheid (Juli 1999, Oktober 2004, Juli 2006. April 2016)
-
Joachim Schulz (Oktober 2001)
- Albrecht Behrends, Bochum (September 2005)
- Carsten Brecht, Kiel (2008)
- Ralph Männchen, Dresden (Februar 2011)