Update: 07.11.2012

Der aufgestockte Turm am Bierer Berg
Der Bismarckturm in Schönebeck

Vorbemerkung

Am 01.04.1895 wurde der Bierer Berg in Groß Salze in Bismarckhöhe umbenannt und ein 2.000 kg schwerer Granitblock als Bismarckstein mit Inschrifttafel (nachträglich im Jahr 1896 angebracht) errichtet.

Der Gedenkstein wurde kurz darauf verändert und mit Findlingen umrandet, mit einem Bronze-Relief versehen und am 01.04.1899 neu enthüllt. Nach dem 2. Weltkrieg wurden Inschrifttafel und Relief entwendet, im Jahr 1998 wurden eine neues Bismarck-Medaillon und eine Gedenktafel angebracht.

Groß Salze wurde 1926 in Bad Salzelmen umbenannt. Seit 1932 ist Bad Salzelmen ein Stadtteil von Schönebeck (Elbe).


Bauplanung

Der Verschönerungsverein von Groß Salze plante schon 1896, neben dem Gedenkstein ein Wirtschaftsgebäude mit einem Aussichtsturm zu errichten. Der Vorsitzende des Vereins, Dr. med. Fricke aus Groß Salze, förderte das Projekt in besonderer Weise.

In einem Pachtvertrag zwischen Verschönerungsverein und der Stadt Groß Salze wurden dem Verein am 26.05.1896 insgesamt 62,5 Ar zur Verfügung gestellt. Der Magistrat stimmte dem Turmbau mit Wirtschaftsgebäude im Oktober 1896 zu.

Drei Herren (Dittmar, Bartels und Morgenstern) stellten dem Verschönerungsverein 4.000 Mark für den Turmbau mit Wirtschaftsgebäude (bei einer Verzinsung von 3%) zur Verfügung. Das Eigentumsrecht verblieb bei den drei Herren so lange, bis die vollständige Summe vom Verschönerungsverein zurückbezahlt war. Zwecks Turmbaus bildete sich innerhalb des Verschönerungsvereins eine Turmbaukommission.

Der Entwurf des Turmes und des Wirtschaftsgebäudes (als Gaststätte genutzt) wurde von Stadtbaurat Thurius erstellt.

Im November 1896 wurden dem Verschönerungsverein ein Acker von 12,5 Ar Größe zur Vergrößerung der Anlagen zur Pacht überlassen.

Anfang 1897 beschloss die Turmbaukommission, die Bauarbeiten nicht öffentlich auszuschreiben, sondern in beschränkter Konkurrenz innerhalb der Stadt zu vergeben.

Am 23.02.1897 wurde in einer Sitzung von vier eingegangenen Angeboten der mit 4.567 Mark günstigste Kostenvoranschlag von Maurermeister Vollbring ausgewählt. Am 26.02.1897 wurde der Vertrag mit dem Maurermeister abgeschlossen. Am gleichen Tag wurde von der Baupolizei die Bauerlaubnis erteilt.

Die Kosten für den Turm betrugen rund 2.600 Mark, das angrenzende Wirtschaftsgebäude kostete 2.100 Mark.


Bauarbeiten

Als Baumaterial wurden rote Backsteine, für die Innentreppe Zementbeton verwendet.

Die Maurerarbeiten führte Maurermeister Vollbring im Jahr 1897 aus.


Turmbeschreibung

1897 - 1907

Der aus Backsteinen gebaute Aussichtsturm ohne Befeuerungseinrichtung mit rundem Grundriss war ursprünglich 10 m hoch und grenzte direkt an das Wirtschaftsgebäude an. Das Bauwerk war mit einigen Verzierungsringen versehen und schloss nach oben mit einem Aufbau mit Spitzdach ab. Das Turmmauerwerk hatte bis zu einer Höhe von 8 m eine Stärke von 0,38 m, darüber 0,25 m. Die Innentreppe war aus Zementbeton gefertigt.

Der Zugang zum Turm erfolgte in der Gastwirtschaft sowie vom Hof aus über einen Korridor.

1907 - 1994

Der Turm wurde auf insgesamt 14 m erhöht, dabei wurde das Mauerwerk oberhalb von 8 m auf 0,38 m verstärkt. Die Kosten für den Umbau betrugen 700 Mark. Das Brüstungsmauerwerk wurde in Zementmörtel gemauert und mit Eisen armiert. Die Treppe wurde in Zementbeton weitergeführt. Im oberen Teil wurde eine eiserne Wendeltreppe eingesetzt, welche in eine mittige abgerundete Ausstiegshaube führte, über die die Plattform erreichbar war. Die Gastwirtschaft wurde ab 1912 durch einen Anbau erweitert. Nach 1937 wurde ein Wohnhaus an die zuvor offene Seite des Bismarckturmes gebaut, der Zutritt zum Turm war seitdem nur über die Innenräume möglich.

1994 – heute

Das Gastwirtschaftsgebäude und das angrenzende Wohnhaus wurden 1995 abgerissen. Der Bismarckturm steht seitdem frei und ist über einen kurzen Aufgangsweg rechtsseitig des Einganges mit drei Stufen erreichbar.

Der Turm ist mit mehreren Verzierungsringen versehen. Einzelne Fenster im unteren Bereich (Größe 0,44 m x 0,75 m) sind vermauert.

Im an den Rundturm gesetzten 0,30 m vorspringenden Eingangsbereich (rechteckig, 1,76 m x 4,38 m) wurde im unteren Bereich ein Rundbogenportal (1,26 m x 2,18 m) eingelassen. Ein halbschirmförmiger Wetterschutz mit drei Segmenten wurde direkt oberhalb des Portals angebracht.

Durch ein hölzernes Portal gelangt man in den Turm. Über eine Steintreppe mit 54 Stufen sowie eine Metallspindeltreppe mit 17 Stufen (Durchmesser 1,34 m) ist die runde Aussichtsplattform erreichbar. Der Austritt erfolgte durch einen sechseckigen hölzernen Aufbau mit Metallhaube und Spitze (Höhe ohne Dach 2,20 m, mit Dach und Spitze ca. 3,80 m).

Die oben auskragende Plattform hat einen Durchmesser von 3,85 m und ist rundum mit einer 1,12 m hohen Metallbrüstung versehen, die an sechs umlaufenden Stein-Pfeilern (Höhe jeweils 0,99 m oberhalb der Plattform, Breite 0,37 m) befestigt ist.


Turmgeschichte

Am 29.05.1897 konnten der Aussichtsturm und das Wirtschaftsgebäude eingeweiht werden. Die Festteilnehmer schickten Bismarck zur Einweihung als Telegramm und bezeichneten den Aussichtsturm erstmals als Bismarckturm (zuvor wurde er immer Aussichtsturm genannt).

Am 31.01.1898 erstellte Maurermeister Vollbring einen Kostenanschlag für die Erweiterung des Wirtschaftsgebäudes in Höhe von 2.300 Mark. Der Antrag für die Erweiterung wurde am 19.11.1899 gestellt und ein Bau- und Lageplan eingereicht. Die Bauerlaubnis wurde am 28.11.1899 erteilt.

Im Jahr 1906 beschloss der Verschönerungsverein, den Bismarckturm zu erhöhen, da die hochgewachsenen Bäume die Aussicht behinderten. Die Bauerlaubnis wurde am 28.05.1907 erteilt und das Bauwerk wurde um ca. 4 m erhöht. Die Bauabnahme erfolgte am 20.07.1907.

Am 02.08.1907 besichtigten Vertreter der städtischen Behörden zusammen mit Mitgliedern des Verschönerungsvereins den erhöhten Bismarckturm.

Ein Anbau an das Wirtschaftsgebäude erfolgte im Jahre 1912.

Im Jahr 1937 löste sich der Verschönerungsverein auf, der Bismarckturm samt Bismarckhöhe-Grundstück ging in das Eigentum der Stadt Schönebeck über. Die Bismarckhöhe wurde 1946 wieder in „Bierer Berg“ zurückbenannt.

Das gesamte Ensemble wurde im Jahre 1973 zur 750-Feier der Stadt Schönebeck saniert.

Im Jahr 1990 waren Turm nebst Wirtschaftsgebäude und Anbau stark sanierungsbedürftig. Der obere Aufbau des Turmes war teilweise verfallen, die Brüstung des Turmes fehlte komplett.

Der Bismarckturm wurde ab 1994 saniert und mit einem neuen Turmabschluss mit Brüstung versehen. Das alte Wirtschaftsgebäude und der Anbau wurden im Jahr 1995 abgerissen. Der Unterbau des Turmes wurde nach Wegfall der angrenzenden Gebäude neu gestaltet, der Treppenaufgang wurde ebenfalls erneuert.

Neben dem Bismarckturm wurde ein neues Gastwirtschaftsgebäude („Bismarckhöhe“) errichtet.

Seit Ende 1996 ist der Bismarckturm wieder für Besucher zugänglich.

Alljährlich wird seit 1989 im August das Bierer-Berg-Fest am Bismarckturm gefeiert.


Öffnungszeiten:

Der Turm ist zu den Öffnungszeiten der Gaststätte Bismarckhöhe geöffnet.


Links

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Bismarckhöhe Bierer Berg (mit Öffnungszeiten)


Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 354/355
- Seele, Sieglinde: Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von GROß-SALZE / BAD ELMEN (Sachsen-Anhalt)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 11  "Bismarck-Turm bei Groß-Salze, Bad Elmen", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)


Fotos

- Dr. Wolfgang Seele, Mannheim (April 1990)
- Robert Waibel, Salach (August 2010)
- Jörg Bielefeld, Remscheid (Mai 2012)
- Marek Moson, Wroclaw (Mai 2012)