Update: 20.06.2016

Gedenkstein und Aussichtsturm
Der Bismarckturm in Schnarsleben

Bauplanung

Im Frühjahr 1905 wurde der Plan zur Errichtung eines Bismarckturmes auf dem Zackelberg bei Neuhaldensleben aufgegeben. Auch der Plan eines Bismarckturmes in der "Letzlinger Heide" bei Magdeburg konnte nicht realisiert werden.

Auf einem Fest des „Reichstreuen Arbeitervereins Niederndodeleben-Schnarsleben“ am 30.08.1908 wurde erstmals der Plan gefasst, den Turm in Schnarsleben bauen zu lassen.

Der "Verband reichstreuer Arbeiter für Magdeburg und Umgebung" ergriff daraufhin selbst die Initiative und spendete 100 Mark für den geplanten Turmbau.

In Schnarsleben wurde ein Ortsausschuss zur Errichtung einer Bismarckwarte gebildet, der mit Genehmigung des Regierungspräsidenten im November 1908 einen Aufruf zur Errichtung eines Turmes auf dem Wartberg (146 m über NN) bei Schnarsleben erließ.

Bitte Mitte Dezember 1908 waren bereits ca. 5.000 Mark an Spenden gesammelt worden.

Im Herbst 1909 wurden mehrere Entwürfe für eine Bismarckwarte im Eckschaufenster des Teppichgeschäftes Beneke & Lattey in Magdeburg ausgestellt. In einer Versammlung des Ausschusses im Dezember 1909 wurde beschlossen, den eingereichten Entwurf von Regierungsbaumeister Schumann aus Friedeberg auszuführen.

Die für den 03.04.1910 geplante Grundsteinlegung wurde auf den Nachmittag des 05.05.1910 verschoben.

Im Sommer 1910 lag der erzielte Spendenbetrag bereits bei 10.000 Mark.


Bauarbeiten

Das Bauwerk wurde aus Granitfindlingen, die Portal- und Fensterumrahmungen sowie Adler und Turmwulst aus roten Alvenslebener Sandstein errichtet.

Die Maurerarbeiten führte Baumeister Friedrich Müller aus Schnarsleben, die Steinmetzarbeiten Fr. Neumann aus Erxleben und die Schlosserarbeiten Meister Bläß aus Niederndodeleben aus.

Innerhalb von vier Monaten konnte der Bau im Sommer 1910 vollendet werden.


Turmbeschreibung

Direkt unterhalb des Turmes wurde ein hochkantiger Findling auf einer Anhäufung von kleinen und größeren Steinen aufgestellt, welcher (nach der Turmeinweihung) mit einem Bismarck-Relief versehen wurde.

Vom Findling aus ist der Turm über ein großes Treppensystem erreichbar.
Wenige Meter oberhalb des Findlings führt eine zweiläufig beginnende y-Treppe mit rechtsseitig drei und linksseitig vier Stufen zur einer breiten, halbrunden, leicht schmal zulaufenden Treppenanlage mit acht Stufen, welche beidseitig mit Findlingen eingefasst ist.

2,08 m nach Abschluss der Treppe (mittig des Bogens, an den Seiten je 1,80 m) erreicht man die eigentliche 4,7 m breite Treppenanlage (Pyramidentreppe positiv) zum Eingangsbereich des Bismarckturmes mit fünf Stufen (+ 1 Stufe zur Eingangstür).

Der 12 m hohe Aussichtsturm mit Befeuerungseinrichtung hat einen quadratischen Grundriss von 6 m x 6 m.

Turmsockel

Als Basis des Turmes dient ein zweistufiges quadratisches Podest.

Die untere Podeststufe ist 6 m x 6 m, die zweite Stufe 4,7 m x 4,7 m breit. Darauf erhebt sich der sich nach oben hin verjüngende Turmschaft mit einer Kantenlänge von 4,14 m (unten).

Die untere Podeststufe ist 0,85 m, die zweite Stufe 0,96 m hoch.

Die linksdrehende Eingangstreppe aus Stein führt mittig auf der Eingangsseite durch die untere Podeststufe zum 0,85 m hohen Eingangsbereich des Turmes.

Die oberste, 1,50 m breite Stufe der Pyramidentreppe teilt die untere Podeststufe, die auf jeder Seite 14 cm nach unten zur 5. Stufe abknickt. Über eine weitere, 16 cm hohe Stufe gelangt man zum mit einem Giebel bekrönten Eingangsportal.

Am Dachgiebel des Eingangs wurde ein Bismarck-Wappen eingelassen.

Turmschaft

Der Turm ist innen achteckig.

Über eine linksdrehende Treppe mit 29 Steinstufen (Stufenbreite 1,32 m) erreicht man die 1. Etage des Turmes in 7 Metern Höhe. Diese weist mit Sandstein umrahmte Doppelfenster auf jeder Seite (Größe eines Fensters innen 0,35 m x 0,90 m) auf.

Von der 1. Etage führen 18 Metallstufen einer linksdrehenden Wendeltreppe (Stufenbreite 0,66 m) zur Aussichtsplattform. Der Austritt auf den Umgang erfolgt durch eine Tür der Turmhaube.

Unterhalb des Gesimses ist jeweils zwischen zwei Fensternischen an der Nordseite die Jahreszahl "1910", an der Südseite ein Reichsadlerrelief von Bildhauer Neumann aus Erxleben angebracht.

Turmkopf

Die Fläche des durch eine umlaufenden Brüstung eingegrenzten Aussichtsbereiches beträgt 3,00 m x 3,00 m. Mittig ist eine 1,95 m hohe Turmhaube mit 1,85 m großer und 0,85 m breite Ausgangstür eingelassen. Auf der Haube war früher die Feuerschale aus Kupfer installiert.


Turmgeschichte

Vor dem Turm wurde ein Gedenkstein mit bronzenem Bismarck-Relief (Relief wurde erst später angebracht), angefertigt in der Lauchhammer Bronzegießerei, aufgestellt.

Bei der feierlichen Einweihung am 11.09.1910 setzte sich um 15:00 Uhr ein großer Festzug zum Wartberg in Bewegung. Die Bismarckwarte wurde am Einweihungstag an die Gemeinde Schnarsleben übergeben.

Im Sommer 1911 wurden auf einer Versammlung des Turm-Ausschusses die Höhe der Spenden-Sammlungen und die Ausgaben dargelegt. Zeitgleich gründete sich der Verein „Bismarckwarte Wartberg“, der sich um die Erhaltung der Bismarckwarte und ihrer Anlagen kümmern wollte.

Am 01.04.1912 wurde auf der Warte ein Bismarckfeuer abgebrannt. Im Sommer 1912 präsentierte der Verein Bismarckwarte auf einer Versammlung die Schlussabrechnung für den Bau der Warte (15.150 Mark) und gab die erzielten Spendeneinnahmen an, die insgesamt 190 Mark über den Baukosten lagen. Dieser zusätzliche Betrag sollte zur Erhaltung der Warte sowie zur Ergänzung und Erweiterung der Anlagen dienen.

Während der DDR-Zeit engagierten sich Bürger aus Niederndodeleben/Schnarsleben, um die Warte vor dem Verfall zu retten.

Unmittelbar nach der Wende wurde die Bismarckwarte mit Fördermitteln und Unterstützung von ABM-Kräften instandgesetzt. Das Gelände rund um den Turm wurde renaturiert. Zu dieser Zeit fehlte bereits die Feuerschale, das Reichsadlerrelief war beschädigt. Auch das Medaillon auf dem Bismarck-Findling vor dem Turm war nicht mehr vorhanden.

Der Turm wurde 1993/94 durch den im Herbst 1992 gegründeten Verein "Naturfreunde Wartberg" saniert.

Ab 2008 sammelte der Wartbergverein Niederndodeleben Spenden für eine weitere dringend notwendige Sanierung des Turmes. Der komplette Aufbau war in einem schlechten Zustand und wurde - auch durch Eigenleistungen des Vereins - bis 2010 erneuert.

Die Feier zum 100-jährigen Jubiläum fand am 18.09.2010 statt. Zum Jubiläum wurde ein Modell eines neuen Bismarck-Reliefs vorgestellt, welches bis 2012 über Spendenmittel finanziert wurde. Das neue Relief wurde zwischen August und Oktober 2012 anstelle des alten Reliefs angebracht. Ende Oktober 2012 war das neue Relief beschädigt (mittig gebrochen).


Öffnungen und Veranstaltungen

Der Turm ist ständig geöffnet (Stand: 2016).

Seit 1992 wird zu Ostern jährlich ein großes Osterfeuer vor dem Bismarckturm entzündet.


Links

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KAP-Luftbilder von Ralf Beutnagel


Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 351/352
- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-WARTE von SCHNARSLEBEN (Sachsen-Anhalt)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 170 "Bismarck-Feuersäule bei Schnarsleben/Magdeburg", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes; 3. Jahrgang 1905 (Nr. 5, S. 7); 7. Jahrgang 1909 (Nr. 1, S. 17; Nr. 9/10, S. 160); 8. Jahrgang 1910 (Nr. 1/2, S. 22; Nr. 5, S. 80, Nr. 7/8, S. 118/119; Nr. 10/11, S. 170), 9. Jahrgang 1911 (Nr. 7, S. 135), 11. Jahrgang 1912 (Nr. 6, S. 75/76)
- Bielefeld, Jörg: Vermessung des Turmes im Juni 2011 [Maße ohne Gewähr]


Fotografen

- Hans-Dieter Hirschmann, Haßloch (Mai 2006 und September 2010)
- Jörg Bielefeld, Remscheid (Juni 2011)


Einweihung Bismarckturm Schnarsleben
AK-Motiv Bismarckturm Schnarsleben (coloriert)
Bismarck-Gedenkstein vor Bismarckturm Schnarsleben