Update: 18.08.2016

Spenden aus Brasilien
Der Bismarckturm in Salzwedel

Auf dem Schwarzen Berge (76 m über NN), 4 km südwestlich der Stadt Salzwedel, wurde in den Jahren 1899 und 1900 ein Bismarckturm im altmärkischen Baustil errichtet.


Bauplanung und Finanzierung

Bismarckbegeisterte Bürger aus Salzwedel planten nach dem Aufruf der deutschen Studentenschaft bereits im März 1899 den Bau eines Bismarckturmes in Salzwedel und gründeten ein „Comitee zum Bau des Bismarckthurmes auf dem Schwarzen Berg“. Vorsitzender des Komitees war Steuersekretär Ernst Lohse.

Nach Verhandlungen im Kreistag genehmigte der Kgl. Oberpräsident am 24.03.1899 Spendensammlungen für das geplante Bauwerk. Der Spendenaufruf erfolgte Ende März 1899.

Friedrich Schwerin aus Ziehnitz erwarb im April 1899 ein 1 Morgen großes Bau-Grundstück auf dem Schwarzen Berg für das Komitee.

Bereits im Mai 1899 waren so viele Spendenmittel eingegangen, dass der Bau des Turmes als gesichert galt. Auf dem Baugrundstück wurde zwecks Prüfung der Sichtmöglichkeiten ein 15 m hoher Flaggenmast aufgestellt.

Bis Juli 1899 waren ca. 4.000 Mark gesammelt, der Bauentwurf wurde vom Komitee zur Ausführung angenommen.

Am 21.07.1899 wurden die steinernen Treppenstufen zum Bauplatz gebracht. Am 02.08.1899 wurde der Bauplatz abgesteckt, am folgenden Tag wurde mit den Ausschachtungsarbeiten begonnen. Die Maurerarbeiten begannen am 07.08.1899.

Ende August 1899 war der wenige Meter hohe Bau bereits aus der Ferne sichtbar. Die 200 kg schwere Fahnenstange konnte am 07.10.1899 auf den Turmkopf aufgesetzt werden. Am 20.10.1899 war der Bau des Turmes – trotz schlechter Wasserversorgung am Baugrundstück - fast vollendet, einige Arbeiten (Dachbekleidung, Einsetzen der Fenster und Wappenschilde) konnten erst im März 1900 durchgeführt werden.

Im November 1899 erhielt das Komitee eine Schankkonzession, die für Sonn- und Festtage gültig war. Zudem erwarb das Komitee noch einen Morgen zusätzliches Land, um gärtnerische Anlagen am Turm anzulegen. Zudem wurde Bauland für einen direkten Zugangsweg von der Chaussee nach Evesdorf zum Turm gekauft.

Consul Otto Prüße aus Brasilien (geboren in Salzwedel) spendete für den Bismarckturm 2.000 Mark, ein größerer Betrag wurde auch von dem in Spanien tätigen Konsul Hillger gespendet.


Bauarbeiten

Entworfen wurde der Aussichtsturm mit Befeuerungsmöglichkeit von Kreisbaumeister Karl Hartmann aus Salzwedel, der gleichzeitig auch Oberbauleiter war. Ausgeführt wurden die Arbeiten von Maurermeister und Architekt Albert Strauchenbruch aus Salzwedel.

Als Baumaterial für den Aussichtsturm mit abnehmbarem Feuerkorb (Angaben zum Feuerkorb nicht gesichert) wurden rote Backsteinziegel verwendet.

Die Grundsteinlegung erfolgte am 02. August 1899.


Baubeschreibung

Der 20,50 m hohe, viereckige Turm mit einer Grundfläche von 4,40 m x 4,40 m ist ein Ziegelrohbau, der im altmärkischen Baustil errichtet worden ist. Das Turmfundament hat eine Tiefe von 3,50 m.

Turmsockel

Der Turmsockel mit einer Kantenlänge von 4,40 m x 4,40 m (unten) ist vierfach gestaffelt, in Höhe von 0,44 m und 1,10 m befinden sich Absätze mit 5 cm Breite; in 1,98 m sowie in 5,60 m Höhe ist ein jeweils 10 cm breiter Absatz.

Den leicht zurückgesetzten Eingangsbereich (1,25 m x 2,07 m) auf der Nordseite erreicht man über fünf Steinstufen. Der Eingangsbereich liegt 1,10 m über oberhalb des Turmplateaus.

Über dem Eingang wurde eine Widmungstafel (1,26 m x 0,26 m) mit der Inschrift

"DEM FUERSTEN BISMARCK, DES GROSSEN KAISERS
BIS IN DEN TOD GETREUEN DIENER
"

angebracht (rechts und links davon jeweils 0,75 m x 0,85 m große Wappen der Altmark und Wappen von Bismarck aus Sandstein, gefertigt von Bildhauer Oskar Mühle aus Perver).

Durch eine Gittertür (1,00 m x 1,80 m) gelangt man in das Turminnere.

Die Kantenlänge des sich nach oben hin leicht verjüngenden Turmsockels beträgt in einer Höhe von 5,60 m insgesamt 3,90 m x 3,90 m.


Turmschaft

Der Turmschaft verjüngt sich bis unterhalb der Plattform auf 3,74 m x 3,74 m. Das 12,40 m hohe Treppenhaus ist 2,20 m x 2,20 m breit.

Über eine linksdrehende Wendeltreppe mit 63 Steinstufen (vier Absätze nach 16/33/46 und 63 Stufen) erreicht man einen Raum unterhalb der Plattform, über den der weitere Aufstieg über ein Erkertürmchen erfolgt.

Auf jeder Seite des Turmes sind mehrere Fenster, teils spitzbogig, teils mit einer Abstufung versehen, angebracht.


Turmkopf / Aussichtsplattform

Über eine rechtsdrehende Metalltreppe mit 10 Stufen (ursprünglich 10 Holzstufen) erreicht man durch das Erkertürmchen die Aussichtsplattform. Das Treppenhaus im Türmchen hat eine Breite von 1,20 m.

Die Gesamtstufenzahl (innen) beträgt 73.

Am Turmkopf kragt das Bauwerk nach allen Seiten aus. Die zinnenbekrönte Aussichtsplattform hat eine Kantenlänge von 4,00 m x 4,00 m (lichte Breite: 3,15 m x 3,15 m). Die Brüstungshöhe beträgt 1,38 m (Zinnenhöhe). Ursprünglich war laut Bauskizzen eine Außenbreite von 4,59 m x 4,59 m (lichte Breite 3,83 m x 3,83 m) geplant.

Auf der Ostseite ist der Turm in Höhe der Plattform mit einem seitlichen achteckigen Erkertürmchen (Höhe 7,00 m) mit einem schmalen Fenster auf der Ostseite versehen.

Das Erkertürmchen hat ein kupferbedecktes Kegeldach (von Kupferschmiedemeister Hermann Rossau), auf welchem ursprünglich die ca. 4 m hohe Flaggenstange angebracht war.


Sonstiges

Um den Bismarckturm, außer auf der Eingangsseite, war im Abstand von 0,40 m zum Turm ein 0,40 m breiter Steinwall angelegt (bei Sanierungsarbeiten in den Jahren 2014/2015 entfernt).

Die Schlosserarbeiten wurden von Karl Zwickhardt und Wilhelm Müller durchgeführt.

Die Fenster aus Kantglas mit Bleieinfassungen fertigte Glasermeister Wilhelm Müller.


Einweihung

Am Sonntag, den 01.04.1900 nahmen mehrere Tausend Bürger aus dem Kreis Salzwedel und der Altmark an der Einweihung teil. Nach Ansprache des Komiteevorsitzenden Ernst Lohse übergab dieser - nach drei Kanonenschüssen - den Bismarckturm an den Landrat des Kreises, Major a.D. Werner von der Schulenburg.

Dieser hielt daraufhin eine markige Festrede. Dem Landrat wurde nach dieser Rede ein vergoldeter Turmschlüssel übergeben (von Goldarbeiter Schramm aus Salzwedel). Abends wurde ein Feuer auf dem Turm entzündet. An diesem Tag bestiegen fast 900 Besucher den Turm.


Geschichte des Bauwerks

Am Turmkopf des Bauwerkes wurde ursprünglich ein abnehmbarer Feuerkorb angebracht. Nach der Einweihung wurden mehrere Befeuerungen zu Ehren Bismarcks als "Feuerwerk" vorgenommen [nachgewiesen 1913, 01.04.1923 (4 Wachsfackeln, 4 bengalische Zylinderflaschen) und 1933 (4 bengalische Flammen, 2 Fackeln, 6 Raketen)].

Auf der Ostseite des Turmes (vom Eingang des Turmes links gesehen) wurde nach der Einweihung (Datum unbekannt) ein kleines Häuschen mit einer Grundfläche von 2,30 m x 2,30 m gebaut, welches nach 1991 abgerissen worden ist.

Im September 1908 sollte eine neue Flaggenstange besorgt werden, da die alte defekt war. Erste Schäden zeigten sich im Mai 1911, als Teile der Zementbekrönung abfielen.

Im Juni 1918 wurden Schäden am Eingangsbereich und den Sandsteinstufen festgestellt. Die Spitzen der Eckpfeiler am Hochgesims wurden durch Vandalismus beschädigt. Die Schäden wurden von Maurermeister Strauch beseitigt (Kosten: 430 Mark). Die Aufsicht über den Turm wurden Plantagenbesitzer Eigenbrodt zu Brewitz übertragen. Anfang 1923 wurden fünf Kupferplatten des Daches entwendet. Der Kreisausschuss beschloss daraufhin am 05.02.1923, dass der Turm abgeschlossen und das Dach mit Schiefer gedeckt werden sollte. Die Arbeiten wurden von der Fa. Krüger für 200.000 Mark (Inflationszeit) durchgeführt.

Im Jahr 1936 wurde die Blitzanleiterablage (Flaggenmast) von Klempnermeister Paul Stange zum Festpreis von 73 Reichsmark repariert.

Im April 1991 fehlte die Inschrift über der Tür, die Zinnen auf der Nordseite waren teilweise beschädigt und beim Erkertürmchen fehlte das Dach. Die Fenstergläser fehlten.

Am Bismarckturm wurden nach April 1991 Sanierungsarbeiten durchgeführt (Umfang der Arbeiten unbekannt).

Das Bauwerk steht unter Denkmalschutz.

Der Turm war bis Frühjahr 2010 ganzjährig geöffnet, danach wurde er für Besucher geschlossen.

Im Juni 2010 war der Bismarckturm dringend sanierungsbedürftig (bröckelige Backsteine im unteren Bereich, Turm an mehreren Stellen verschmiert).

Der im Jahr 2010 gegründete Preußen Verein Altmark setzte sich im April 2011 für die Sanierung des Bismarckturmes ein. Die Sanierungskosten wurden auf 80.000 EURO geschätzt.

Im Jahr 2014 wurde mit der Sanierung des Bauwerks begonnen, die Bauarbeiten wurden im März 2015 abgeschlossen. Die Wiedereröffnung des umzäunten und sanierten Bismarckturmes erfolgte am 01.04.2015. Die Holzstufen im Erkertürmchen wurden durch Metallstufen ersetzt.



Öffnungszeiten

Im Jahr 2016 ist der Bismarckturm von Mai bis September jeden zweiten Sonntag von 14:00 Uhr bis 17:00 Uhr geöffnet (genaue Termine nicht bekannt).
Weitere Öffnungen: 08.05.2016, 12.06.2016, 10.07.2016 von 14:00 Uhr bis 17:00 Uhr, 11.09.2016 von 10:30 bis 15:30 Uhr


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Quellen:

- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): Bismarck-Turm von Salzwedel (Sachsen-Anhalt)
- Seele, Sieglinde:
Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 344-345
- Ehrhardt, Max: Bismarck im Denkmal des In- und Auslandes, Thüringische Verlags-Anstalt Eisenach-Leipzig, 1903: 2. Teil, Nr. 89
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 18 "Bismarck-Feuersäule zu Salzwedel", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes; 11. Jahrgang 1913 (S. 27)
- Block, Ernst: "Der Bismarckturm auf dem "Schwarzen Berge" bei Salzwedel" in Altmark-Blätter, Heimatbeilage der Altmark-Zeitung vom 04.04.1998


Fotografen:

Hans-Dieter Hirschmann, Haßloch (April 2006, März 2015)
Jörg Bielefeld, Remscheid (Mai 2015)
Marek Moson, Wroclaw (Mai 2015)


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