Update: 05.01.2017

Zum Hotel umgebaut
Der Bismarckturm in Naumburg

Bauplanung

Der Fremdenverkehrsverein zu Naumburg an der Saale beschloss am 12.06.1901 nach Antrag von O. Starcke auf einer Vorstandssitzung im Hotel „Zum schwarzen Roß“, einen hölzernen Aussichtsturm auf dem Knabenberg in Naumburg zu errichten. Zimmermeister Gustav Menzel bezifferte die Kosten für den Turm auf 545,05 Mark.

Am 14.06.1901 wurde der mögliche Bauplatz mit Leitern besucht, um die Rundsicht zu prüfen. Man besichtigte auch weitere mögliche Standorte und entschloss sich, den Turm westlich des neuen Wasserwerkes auf städtischem Grund zu bauen.

Am 15.04.1902 entschied sich der Fremdenverkehrsverein, einen massiven Aussichtsturm zu errichten. Aufgrund der allgemeinen Bismarckbegeisterung nebst Aufruf der deutschen Studentenschaft zum Bau von Bismarcksäulen sprachen sich Bismarckverehrer dafür aus, den geplanten Aussichtsturm als Bismarckturm zu errichten. Am 16.04.1902 stellte der Fremdenverkehrsverein an den Magistrat Naumburg den Antrag auf kostenlose Überlassung eines städtischen Grundstückes nahe des städtischen Wasserbehälters.

Für den geplanten Bau wurden Anteilsscheine in Höhe von 20 und 50 Mark vertrieben. Der Magistrat stimmte am 18.04.1902 einer kostenlosen Abgabe eines städtischen Grundstückes für den Bau des Bismarckturmes zu, es sollte lediglich eine Anerkennungsgebühr von 1 Mark gezahlt werden. Die Stadtverordneten-Versammlung musste jedoch noch zustimmen, da es sich um städtischen Grund und Boden handelte.

Am 23.04.1902 waren bereits 1.400 Mark zusammengekommen, bei einer außerordentlichen Generalversammlung des Vereins bewilligt man weitere 500 Mark für den Turmbau.

Anfang Mai 1902 wurden, nach einer durchgeführten Ausschreibung zur Erlangung von Entwürfen, drei Kostenanschläge „zur Erbauung des Bismarck-Aussichtsturmes“ vorgelegt. Dem Kostenanschlag von Architekt Heinrich Crato aus Naumburg in Höhe von 3.358 Mark (ohne Türstein) wurde zugestimmt. Zu dieser Zeit war der Turmbaufonds auf 2.500 Mark angestiegen.

Die Stadtverordnetenversammlung bewilligte das gewünschte Bauland in der Nähe der Wasserwerke nicht, da zwei Beschwerden (von der „Geistlichkeit“ und von „Gastwirten“) bei der königlichen Regierung eingereicht worden waren.

Am 22.05.1902 zog der Fremdenverkehrsverein den Antrag auf kostenlose Überlassung des städtischen Grundstückes zurück, um selbst ein Grundstück an anderer Stelle (Burgscheidel bei Almrich mit guter Sicht auf Naumburg) zu kaufen. Da der Fremdenverkehrsverein juristisch nicht rechtskräftig war, erwarb Vereinsvorsitzender Rudolf Salzmann 1.061 m² Land für 275 Mark auf dem Burgscheidel und wurde als Eigentümer eingetragen. Vorbesitzer des Baulandes waren Therese und Bernhard Becker aus (Naumburg-)Almrich.

Architekt Heinrich Crato schlug vor, am Bismarckturm ein Restaurant für 2.000 Mark zu errichten. Aufgrund fehlender Finanzmittel lehnte der Fremdenverkehrsverein den Antrag ab.

Am 03.06.1902 wurden die Bauzeichnungen beim Amtsvorsteher eingereicht. Die Bauerlaubnis wurde am 06.06.1902 erteilt.


Bauarbeiten

Nach Erteilung der Bauerlaubnis wurde am 06.06.1902 mit dem Turmbau begonnen. Da das Bauwerk nun unterkellert werden sollte, stiegen die Baukosten auf 3.890 Mark (inkl. 275 Mark für den Erwerb des Baulandes).

Als Baumaterial wurden heimische Kalkbruchsteine verwendet. Die Zufuhr der Bausteine, von Kalk, Sand und Zement erfolgte unter erschwerten Bedingungen (teilweise über gepachtete Feldtsreifen des Knabenbergs, da es außer einigen schmalen Hohlwegen keine Fahrstraßen gab.

Die Bauleitung hatte Heinrich Crato, Maurermeister Franz Löser führte die Bauarbeiten durch.

Weitere beteiligte Handwerker und Firmen:

Maurerarbeiten:       Polier Mückenberger
Zimmererarbeiten:   Zimmermeister Lindemann
Steinmetzarbeiten:   Firma Wilhelm
Schmiedearbeiten:   Otto Schröder
Schlosserarbeiten:    Krug
Bildhauerarbeiten:    Atelier G. Heinemann

Während der Bauarbeiten, am 14.06.1902, wurde eine Gast- und Schankerlaubnis erteilt. Daraufhin beschloss der Fremdenverkehrsverein am 15.08.1902, für 318 Mark eine hölzerne Festhallen-Veranda zu errichten. Am 28.08.1902 war die Festhalle fertig gestellt.

Am 11.08.1902 wurde in die Baubude am Bismarckturm eingebrochen und sämtliche Arbeitskleidung entwendet. Am 20.08.1902 wurde der bereits fertig gestellte Turm erstmals gegen Eintrittsgeld von Schülerinnen einer Mädchenschule besichtigt. Am 25.08.1902 trat Turmwart Seidel sein Amt an.


Turmbeschreibung (zur Zeit der Einweihung)

Der 14 m hohe viereckige Aussichtsturm mit Befeuerungsvorrichtung verjüngt sich leicht nach oben. Die Grundfläche (unten) beträgt 4,00 m x 4,00 m, in Höhe der Aussichtsplattform 3,50 m x 3,50 m.

Der Turmeingang liegt, etwa 0,80 m erhöht (vom Fuße des Turmes gesehen) auf der Westseite.

Durch die hölzerne Eingangstür, gestiftet von Fritz Kötteritzsch, ist das Obergeschoss über 50 Stufen einer hölzernen Treppe erreichbar. Das Obergeschoss wurde als Halle mit zur jeder Seite zwei parallel angeordneten verglasten Fenstern  gestaltet. Von hier aus war die Plattform zugänglich. Der Zugang und Austritt erfolgt durch einen mittigen viereckigen Aufsatz, auf dem das kleine Feuerbecken installiert wurde.

Oberhalb jedes Fensters wurde in Höhe der Plattformbrüstung je ein Wappenschild angebracht.

Über dem Eingang wurde die Inschrift

"1902
Dem Einiger des Vaterlandes
dem
Fürsten
Bismarck.
Dankbare Bürger Naumburgs
",

darunter ein Bismarck-Relief in Bronze (mit Eichenlaub umkränzt) angebracht. Das Wappen spendete Kaufmann C. Fr. Richter sen. (Anbringung nachträglich im Juni 1903).


Beschreibung nach Umbau 1992/1993 zum Hotel

Die Eingangstür ist über 5 Stufen einer Steintreppe erreichbar.

In der unteren Etage (Eingangsbereich) ist ein Bad mit Toilette, Waschbecken und Eckbadewanne, darüber liegt das fensterlose Schlafzimmer mit (schmalem) Bett und einem Schrank am Fußende. Der darüber liegende Küchenbereich mit zwei Fenstern hat eine Spüle und einen kleinen Kühlschrank, jedoch keine Kochmöglichkeit. Oberhalb davon liegt der Wohnbereich mit Zweisitzersofa, Tisch und Fernseher in der ehemaligen Ehrenhalle. Durch die Fenster ist ein herrlicher Blick ins Saaletal möglich. Die Aussichtsplattform mit Blechbelag ist über eine Dachluke besteigbar.


Turmgeschichte

Zum Einweihungstag am 30.08.1902 war der Turm mit grünen Girlanden geschmückt. Die Festteilnehmer, Vereine und Ehrengäste zogen um 16:00 Uhr, von Musik begleitet, von der Holländer Mühle zum Burgscheidel. Der Beginn der Feier wurde mit einer Fanfare vom Turm eingeleitet. Nach mehreren Reden (Weiherede von Landrat Freiherr von Dalwigk) und Feierlichkeiten übergab Architekt H. Crato das Bauwerk an den Fremdenverkehrsverein. Abends wurde erstmals das Feuerbecken auf dem Turm entzündet.

Im September und Oktober 1902 wurde der Bismarckturm von 2.500 zahlenden Gästen besucht. Dies bestärkte den Fremdenverkehrsverein, ein Restaurationsgebäude zu errichten.

Anfang Dezember 1902 bildete sich ein Consortium, die Burgscheidel-Gemeinde (erst ab Mai 1914 als Verein eingetragen), welches direkt am Bismarckturm ein Wirtschaftsgebäude errichten wollte. Am 09.02.1903 wurde von Heinrich Crato der Grundstein zum Burgscheidelhaus „Die Altenburg“ gelegt. Der insgesamt 7.000 Mark teure Bau schließt direkt an den Bismarckturm an und wurde von Architekt H. Crato im Stil einer Burgruine erbaut. Am 27.05.1903 konnte das Burgscheidelhaus eingeweiht und eröffnet werden.

In den Jahren 1909/1910 betrug das Eintrittsgeld für den Turmbesuch 10 Pfennig. Zum 25-jährigen Bestehen des Turmes am 30.08.1927 wurde auf dem Turm ein Feuer entzündet, zusätzlich wurde das Bauwerk bengalisch beleuchtet. Bei einer einfach gehaltenen Feier hielt Stadtrat a.D. Heinrich Crato die Festrede.

In den 1930er Jahren wurde der Bismarckturm nebst Ausflugsgaststätte und Außenareal der Naumburger Bürgerstiftung „Waisenversorgungsanstalt“ übergeben.

Nach 1945 wurde der Turm in Burgscheidelturm umbenannt. Das Bismarck-Relief und die Feuerschale wurden entfernt. Nach Schließung der Gaststätte wurde diese von der ZBE-Bauorganisation Naumburg/Saale als Betriebsgaststätte genutzt.

Im Jahr 1979 wurde ein Vertrag mit dem Wirt Horst Seyffarth geschlossen. Ab dem 01.05.1979 war die Gaststätte wieder öffentlich zugänglich. Im September 1988 wurde die Gaststätte erweitert.

Im August 1990 war die Feuerschale des Turmes noch vorhanden. Über dem Eingang war ein Hirschgeweih angebracht, in Schreibschrift (Metallbuchstaben) war

1902
Burgscheidelturm

zu lesen.

Im Jahr 1991 wurde das Bauwerk wieder in Bismarckturm zurückbenannt.

Im Jahr 1992 erhielt der Inhaber des Restaurants (ehemaliges Burgscheidelhaus) Horst Seyffarth, die Genehmigung, den Turm umzugestalten.

Eine Sanierung des Turmes erfolgte 1992/93. Am 17./18.04.1993 wurde der Bismarckturm vom anliegenden Ausflugsrestaurant (und Hotel) als Bismarck-Suite (Hochzeitssuite im Turm) umgebaut.

Über dem Eingang war wieder die ursprüngliche Inschrift (ohne die letzte Zeile) zu lesen.

Eigentümer des Naumburger Bismarckturmes ist seit 1997 die Stiftung VNW (Vereinigte Naumburger Waisenversorgungsanstalt).

Zum 100. Jahrestag des Bismarckturmes fand im Juli 2002 eine große mehrtägige Veranstaltung am Bismarckturm statt.


Kontakt

Ausflugs- und Speiserestaurant Bismarckturm, Familie Horst Seyffarth, Sachsenholzstr. 50, 06618 Naumburg, Tel.: 03445/778023, täglich geöffnet von 11:00 bis 22:00 Uhr


Links

Ausflugs- und Speiserestaurant Bismarckturm

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Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 284/285
- Seele, Sieglinde: Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von NAUMBURG (Sachsen-Anhalt)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 68  "Bismarck-Feuersäule auf dem Burgscheidel-Naumburg/Thür.", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 1. Jahrgang 1903 (Nr. 4, S. 4)
- Ehrhardt, Max: Bismarck im Denkmal des In- und Auslandes, Thüringische Verlags-Anstalt Eisenach-Leipzig, 1903, Nr. 78: "Der Bismarck-Aussichts-Turm auf dem Burgscheidel bei Naumburg a.S.“
- Kaufmann, Eberhard: „Blick auf Thüringer Berge“ in Burgenlandjournal vom 04.05.2002, S. 24
- Seyffarth, Cornelia und Horst u. Behrchen, Klaus-Jürgen: „1902–2002 – 100 Jahre Bismarckturm“, Broschüre Naumburg 2002
- Seyffarth, Cornelia: Brief vom 02.05.2002 an J.B.


Fotos

- Hans-Dieter Hirschmann, Haßloch (Mai 2006 + April 2007 + September 2011)
- Ralph Männchen, Dresden (April 2007)
- Marek Moson, Wroclaw (Mai 2009)
- Jörg Bielefeld, Remscheid (August 2000 + Mai 2009)


Foto Bismarckturm Naumburg April 2007, Fotograf: Ralph Männchen
Foto vom Bismarckturm Naumburg 2007 (Fotograf: Ralph Männchen]