Update: 20.06.2016

Von sowjetischen Rekruten abgerissen
Der Bismarckturm in Hasselfelde (Oberharz am Brocken)

Vorbemerkung

Dieser Bismarckturm hat einen quadratischen Grundriss und ist neben dem Bielefelder Turm der einzige Bismarckturm, der komplett aus Metall errichtet wurde.


Bauplanung

Der Bau dieses Bismarckturms wurde - wie auch in Halberstadt - vom Harzklubverein (hier: Zweigverein Hasselfelde-Stiege-Trautenstein) am 30.07.1899 angeregt.

Als Standort wählte man die Karlshaushöhe (auch Carlshaushöhe, 626 m über NN), westlich von Hasselfelde (Flurstück 39/21) der ehemaligen Gemeinde Trautenstein. Ein alter Holzturm („Karlshausturm“) an gleicher Stelle war im November 1898 eingestürzt.


Bauarbeiten

Der Turm wurde von der Maschinenfabrik Carl Reinsch aus Dresden, einem Spezialisten für Aussichtstürme, angefertigt, geliefert und aufgestellt.

Die Kosten des Turmes betrugen 3.641,37 Mark, von denen 2.000 Mark vom Harzklub und der Rest des Betrages von anderen Harzklubzweigvereinen (Magdeburg, Halle, Göttingen und Braunschweig) gestiftet wurde.


Turmbeschreibung

Der 20 m hohe Aussichtsturm ohne Befeuerungseinrichtung war eine Eisenkonstruktion mit einem quadratischen Grundriss. Das Bauwerk besaß vier Zwischenplattformen und eine runde Aussichtsplattform mit einem brusthohen Geländer an der Spitze.

Über der ersten Plattform wurde ein bronzenes Bismarck-Medaillon von Bildhauer Eugen Kircheisen aus Hannover, gegossen in der Gießwerkstatt von Rinckleben, mit der Umschrift

"Dem Andenken Bismarcks in deutscher Treue.
Der Harzklubverein Braunschweig
"

angebracht, welches vom Harzklubverein gestiftet wurde.


Turmgeschichte

Am 19.05.1901 wurde der Bismarckturm feierlich eingeweiht. Besucher aus den umliegenden Harzorten nahmen an der Einweihung teil. Bürgermeister Hagedorn hielt die Festansprache und gab ihn dann für Besucher frei, danach richtete Stadtrat Ramdohr aus Braunschweig Worte an die Besucher. Anschließend wurde das Bismarck-Medaillon enthüllt, dabei erhielt das Bauwerk offiziell den Namen „Bismarckturm auf dem Karlshause“. Die Feier wurde mit einem Konzert und einem Festball beendet.

Das Bismarck-Medaillon wurde 1924 gestohlen, ein Nachguss wurde angefertigt und im gleichen Jahr angebracht. Am 19.06.1926 feierte man das 25-jährige Jubiläum des Turmes. Der Hasselfelder Bürgermeister Hoyer hielt die Festrede.

Ende der 1950er Jahre wurde auf die Plattform ein Holzgerüst (als trigonometrischer Punkt) gesetzt. Im Jahr 1960 wurde der Turm für Besucher gesperrt, da von diesem ein Blick auf die Bundesrepublik Deutschland möglich war. In den Folgejahren wurde er in den Sommermonaten als Feuerwachturm für Hasselfelde und Trautenstein genutzt und „Karlshausturm“ bzw. "Carlshausturm" genannt.

Ende der 1970er Jahre wurde die Karlshaushöhe eine militärische Schutzzone. 1981 errichtete die sowjetische Armee eine Radarstation zur Raketenabwehr auf der Karlshaushöhe.

Der Turm wurde im gleichen Jahr von Rekruten der sowjetischen Armee mit Flammenschneidern zertrennt.

Nach der Wende 1989 war die ehemalige Schutzzone über mehrere Jahre nicht zugänglich, der endgültige Abzug der Sowjetarmee erfolgte erst 1993. Kurz darauf wurde das Terrain vom Bundesvermögensamt verwaltet, die Übereignung an die Kommune Trautenstein war geplant und erfolgte bis 1998.

Am 27.07.1998 wurde an gleicher Stelle ein neuer Aussichtsturm (Carlshausturm) mit zwei Plattformen durch Verkehrsminister Jürgen Heyer eingeweiht. Der 50 m hohe stählerne Turm kostete 2,3 Millionen DM.

Am 01.01.2002 wurde Trautenstein nach Hasselfelde eingemeindet. Am 01.01.2010 ging Hasselfelde neben anderen Gemeinden in der neu gebildeten Stadt Oberharz am Brocken auf.


Links

Google Maps

Google Earth


Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 194
- Seele, Sieglinde: Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von HASSELFELDE (Sachsen-Anhalt)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 40 "Bismarck-Turm bei Haßelfelde-Harz", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)