Update: 25.09.2016

Rundturm mit aufgesetzter Kuppel
Der Bismarckturm in Halberstadt

Vorbemerkungen

Der Harzklubverein regte den Bau dieses teuersten Bismarckturms in Sachsen-Anhalt im Jahre 1905 an.
Im Jahr 1894 war Otto von Bismarck zum Ehrenbürger der Stadt Halberstadt ernannt worden. Bereits 1887 wurde eine Straße in Bismarckstraße umbenannt, die 1896-1898 gebauten Kasernen erhielten den Namen „Bismarck-Kasernen“.


Bauplanung

Der Oberbürgermeister von Halberstadt, Herr Dr. Oehler, griff die Idee des Harzklubvereins auf.

Am 16.05.1905 wurde in der Stadtverordnetenversammlung beschlossen, dass auf dem Blankenburger Kopf ein Bismarckturm errichtet wird. Es wurde ein Bismarckturm-Komitee gegründet und Spendengeld für den Turmbau gesammelt. Vorsitzender des Komitees war der 1. Bürgermeister Dr. Gerhardt.

Als Standort des Bauwerks wählte man einen westlichen Ausläufer des Spiegelberges (Blankenburger Kopf, 170 m ü. NN) aus.

Der Entwurf für diesen Bismarckturm stammt von Stadtbaurat Adolf Köhler aus Halberstadt.


Bauarbeiten

Die Bauarbeiten gestalteten sich schwierig, da Baumaterial und Wasser bis zum Bauplatz auf dem Blankenburger Kopf transportiert werden mussten.

Der aus Halberstädter Sandstein (Verblendung) und Beton (Innenkern) gebaute Turm wurde von Steinmetzmeister Hermann Dreier und Maurermeister Römert aus Halberstadt unter Aufsicht von Bauleiter Regierungsbauführer Schnaß errichtet.

Der Halberstädter Sandstein stammte aus dem Steinbruch von Otto Schröter. Die Gitter auf dem Turmplateau fertigte Schlossermeister Atnecke, alle Malerarbeiten wurden unentgeltlich von Malermeister W. Troitsch ausgeführt.


Turmbeschreibung (zur Zeit der Einweihung)

Der 22 m hohe runde Aussichtsturm mit Befeuerungsmöglichkeit wurde auf einer 1,10 m hohen aufgeschütteten Terrassenanlage errichtet, die Raum für 600 Personen bieten sollte. Der Zugang zur Terrassenanlage ist auf der Nordostseite über eine 21,33 m breite Treppenanlage mit sechs Stufen, mittig durchbrochen von einem 4,00 m breiten steinernen Absatz, möglich.

Die Terrasse selbst ist auf der Nordostseite an den Ecken von zwei 2,48 m x 1,84 m großen Pfeilern eingefasst. Die Terrassenanlage ist – bis auf die offene Frontseite – mit einer kleinen Mauer mit pfeilerartigen Aufsätzen (je 1,54 m hoch) im Abstand von 3,00 – 3,15 m umgrenzt.

Die Höhe des umlaufenden Sockels des Rundturmes variiert zwischen 1,45 m und 1,62 m. Nach einem Absatz (6 – 8 cm) erhebt sich der sich nach oben leicht verjüngende Turmschaft bis zu einer Höhe von 9,10 m.
Oberhalb des Giebels in 6,50 m Höhe wurde in einem 5,20 m x 1,20 m großen Feld der Schriftzug "BISMARCK" angebracht.


Eingangsportal und Turmfront

Auf der Nordostseite gelangt man zum 4,42 m hohen, wuchtigen Eingangsportal, dessen spitz zulaufender Giebel auf zwei 1,23 m hohen Säulen ruht, die jeweils auf einem viereckigen Unterbau (1,27 m x 1,37 m) aufgesetzt sind. Mittig des Giebels wurde das Bismarck-Wappen in Stein eingeschlagen. Über zwei Treppenstufen gelangt man zwischen den Säulen zur 2,40 m x 1,40 m großen Eingangstür. Die Tür ist 1,97 m zurückversetzt. Das Mauerwerk im Bereich der Tür ist 1,42 m stark.


Erdgeschoss

Durch das Eingangsportal erreicht man die Bismarck-Ehrenhalle. Am oberen Rand der Ehrenhalle wurde die Umschrift

"So lang' noch deutsche Eichen im deutschen Walde steh'n,
wird er als Flammenzeichen vor seinem Volke geh'n"

angebracht.

Der Durchmesser des Erdgeschosses beträgt 4,90 m, es ist insgesamt 4,95 m hoch.

Links- und rechtsseitig des Eingangsbereiches führen zwei Treppen zur 1. Etage des Turmes. Über drei Steinstufen gelangt man zum 1. Absatz, über weitere 26 Stufen einer Wendeltreppe (Stufenbreite 1,00 m) zur 1. Etage des Bauwerkes (auf beiden Seiten).


1. Etage

Über eine gusseiserne Spindeltreppe mit 17 Stufen (Stufenbreite 1,00 m) erreicht man die Aussichtsplattform. Der Austritt ist mittig durch eine runde Öffnung (Durchmesser 2,20 m) möglich.

Der Durchmesser der 1. Etage beträgt 4,70 m, sie ist insgesamt 2,97 m hoch.

Die Mauerstärke zur Plattform beträgt 0,49 m.


Aussichtsplattform

Auf der Aussichtsplattform in 9,10 m Höhe sind um die Austrittsöffnung fünf massige Säulen (Durchmesser 1,31 m) mit einer Höhe von 4,27 m platziert. Der Abstand von Säule zu Säule beträgt 2,40 m.

Auf den Säulen ruht die 4,03 m hohe halbkugelförmige Kuppel, die in der Mitte einen 4,50 Meter hohen runden Aufsatz (Durchmesser 1,55 m) mit Befeuerungseinrichtung (Durchmesser 2,25 m) trägt.

Die Kuppel wurde außen rundum mit Eichenlaubgehängen aus Kunstguss (Material: Halbedelmetalle und getriebenes Kupferblech) versehen.

Die Brüstung der Plattform besteht aus mehreren steinernen Pfeilern, zwischen denen Zaunelemente befestigt sind.


Turmgeschichte

Am 22.03.1907 um 18:00 Uhr erfolgte die feierliche Einweihung des Turmes (bei Winterstürmen und leichten Regenschauern). Auf der Plattform des Turmes hatten sich Mitglieder des Komitees, Vertreter der Behörden und geladene Gäste versammelt. An der Feier nahmen die Offizierkorps zweier Regimenter, das Trompeterkorps der Sendlitz-Kürassiere, Abordnungen der Kriegervereine, Mitglieder des Deutschen Arbeitervereins, der Freiwilligen Feuerwehr, der Sanitätskolonne und der "Bismarcknische" in Goslar teil. Stadtbaurat Köhler hielt die Weiherede und übergab den Turmschlüssel an Stadtrat Peter Kühne.

Die erste Befeuerung fand am 01.04.1907 statt, da das Brennmaterial am Tag der Einweihung witterungsbedingt nicht entzündet werden konnte.

In den ersten Jahren war der Turm ab dem Ostersonntag bis zum 01. Oktober an allen Sonn- und Feiertagen von 07:00 bis 20:00 Uhr sowie zusätzlich mittwochs von 14:00 bis 20:00 Uhr geöffnet. Als Zeichen der Öffnung war auf dem Turm eine Flagge gehisst.

In der Bismarck-Ehrenhalle wurde 1908 ein farbiges Glasfenster mit Reichsadlermotiv (1,00 m x 1,10 m) eingesetzt, darunter im Jahr 1909 ein Gedenkstein mit bronzenem Bismarck-Relief, gefertigt von Steinmetzmeister Hermann Dreier, aufgestellt.

Im Jahr 1923 wurden in Zeiten der Hochinflation Teile des Eichenlaubgehänges entwendet. Der Rest des Gehänges wurde daraufhin abgenommen und eingelagert (Verbleib heute unbekannt).

Nach dem 2. Weltkrieg waren das gusseiserne Geländer der Aussichtsplattform sowie die gusseiserne Wendeltreppe zerstört worden. Marode war zudem der eiserne Ringanker, der die Plattform zusammenhielt.

Im Jahr 1965 plante man, den Turm in eine Schul- und Volkssternwarte umzubauen. Dieser Gedanke wurde aber wieder verworfen. Kurz darauf wurde das Bauwerk in "Turm des Friedens" umbenannt. Eine Sanierung der Schäden war bisher nicht erfolgt.

Nach der Wende wurde der im Eigentum der Stadt Halberstadt befindliche Turm im Jahr 1992 unter Denkmalschutz gestellt und etwa zur gleichen Zeit wieder in „Bismarckturm“ zurückbenannt.

In den 1960er Jahren wurde der Schriftzug "BISMARCK" zerstört.

Von den Hinweisen auf Bismarck am Turm war im Jahr 1995 nur noch das Bismarck-Wappen am Giebel vorhanden. Die Inschriften wurden nicht erneuert.

Die erste Sanierung erfolgte in den Jahren 1996-1998, hierbei wurden u.a. die Treppenanlage und die Aussichtsplattform instand gesetzt. Die Pfeiler der Aussichtsplattform sind nicht mehr vorhanden. Rundum wurde ein 1,16 m hohes Metallgeländer als Brüstung angebracht. Vom Feueraufsatz auf der Kuppel ist nur noch ein Stumpf von 1,50 m Höhe erhalten. Die Gesamthöhe des Bismarckturmes beträgt seitdem nur noch ca. 19 m.

Die Mauern der umgrenzenden Terrassenanlage sind nicht mehr sichtbar, da diese aufgeschüttet wurden. Die pfeilerartigen Maueraufsätze sind noch erhalten und sichtbar.

Die Wiedereröffnung fand am 21.07.1998 statt.

Das Bauwerk steht im Landschaftsgarten "Spiegelsberge".

Im März 2015 startete eine Spendenaktion des Vereins Halberstädter Berge, um den zerstörten Bismarck-Schriftzug auf der Frontseite wiederherzustellen. Insgesamt wurden 6.000 Euro gesammelt. Am 05.07.2015 wurde der Schriftzug (nach historischem Vorbild) vom Halberstädter Oberbürgermeister feierlich enthüllt.

Im Mai 2016 löste sich ein Stein aus dem Gesims und stürzte auf die Plattform, so dass der Bismarckturm für Besucher geschlossen werden musste.

Im Juni 2016 erfolgte eine Sicherung der unteren Sandsteinschicht der Kuppel mittels eines Stahlbandes. Schadhafte Steine der Kuppel wurde im Rahmen von Sanierungsmaßnahmen im Juli / August 2016 durch Sandsteine aus Posta in Sachsen ausgetauscht, weitere Steine wurden durch Stahlanker bzw. Stahlnadeln gesichert. Anschließend wurde die Kuppel neu verfugt (Gesamtkosten: 40.000 €).

Die offizielle Neueröfnung des Turmes fand am 19.08.2016 statt.


Öffnungszeiten (nach Wiedereröffnung ab 19.08.2016):

Der Turm ist zu den Öffnungszeiten des benachbarten Tiergartens (im Sommer 09:00 - 19:00 Uhr, im Winter 09:00 - 17:00 Uhr) geöffnet. An der Kasse des Tiergartens kann der Schlüssel gegen Pfand entliehen werden.


Links

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Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 182/183
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 99  "Bismarck-Turm", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 3. Jahrgang 1905 (Nr. 5, S. 10; Nr. 11, S. 11), 4. Jahrgang 1906 (S. 60), 7. Jahrgang 1909 (S. 157)
- Hartmann, Werner / Mund, Ulrich / Warnecke, Volker: "Otto von Bismarck und Halberstadt" in "Zwischen Harz und Bruch", Heimatzeitschrift des Landkreises Halberstadt Harz, 3. Reihe, Heft 12, Juni 1998, S. 3ff.
- Beilage zur Halberstädter Zeitung Nr. 71 vom 24.03.1907: "Die Einweihung des Bismarckturmes"


Fotos

- Kerstin Lucklum, Jena (Mai 2004)
- Ralph Männchen, Dresden (Oktober 2005)
- Jörg Bielefeld, Remscheid (Mai 2012)
- Marek Moson, Wroclaw (Mai 2012)