Update: 22.11.2016

Der Turm in der "Stadt der Türme"
Der Bismarckturm in Burg/Magdeburg

Bauplanung

Bereits vor 1905 wurde in Magdeburg die Idee der deutschen Studentenschaft ausgegriffen, einen Bismarckturm bei Magdeburg zu errichten. Es bildete sich in Neuhaldensleben ein Komitee, welches sich für die Standorte bei Burgstall und den Zackelberg (139,4 m) einsetzte. Der Verlagsbesitzer K. Artur Schallehn (Verlag Schallehn & Wollbrück) plädierte in seiner nur für diesen Zweck im März 1905 herausgegebenen Broschüre (Quelle s.u.) für die Standorte Luisenhof, Hohenwarte und insbesondere für den Weinberg vor der Hohenwarte oberhalb der Elbe.

Am 29.01.1906 trafen sich Bismarck-Verehrer im Hotel Lachsmund (Bahnhofstraße 8), die Versammlung leitete Stadtrat August Paasche. In dieser Versammlung wurde ein Arbeitsausschuss für die Errichtung eines Bismarckturmes aus sechs Personen gebildet. An Spenden für den Turmbaufonds lagen bereits 1.000 Mark vor. An alle Anwesenden wurden Spendenbücher mit der Auflage verteilt, dass mindestens 100 Mark pro Spendenbuch gesammelt werden sollten. Es wurde ein Aufruf zum Bau eines Bismarckturmes erlassen.

Als Standort des Turmes wurde bei dieser Versammlung der Haug’sche Windmühlenberg festgelegt. Die Finanzierung des Grundstückskaufs war durch einen 15 Jahre alten angesparten Baufonds abgesichert.

Der Architekt Hermann Eggert (aus Burg stammend, zu dieser Zeit Landesbaudirektor in Aachen) legte einen ersten Entwurf für den geplanten Turm vor, von dem Maurermeister Gustav Ortloff Ausführungszeichnungen fertigte. Der Entwurf wurde auf Ansichtskarten gedruckt, die vor Fertigstellung des Turmes verkauft wurden. Dieser Entwurf des projektierten Bauwerkes war gedrungener und wuchtiger als der tatsächlich gebaute Turm.

Mehrere Vereine engagierten sich für den Turmbau, der Schützenverein veranstaltete am 21.02.1906 einen Unterhaltungsabend, Gesangsvereine gaben Konzerte und der Burger Fußballverein „Preußen“ stiftete die Eintrittsgelder eines Freundschaftsspiels. Die Erlöse kamen dem Bismarckturmfonds zugute. Koordiniert wurden die Vereinsaktivitäten durch Hauptmann Wangemann.

Anfang März 1906 fand vom Chorgesangverein ein Operettenkonzert zum Besten des Bismarckturmes statt.

Vom Bauausschuss waren zusätzlich Sammelhefte zu 20 und 50 Mark ausgegeben worden, mit denen man bei Haus-zu-Haus-Sammlungen bei den einfachen Bürgern kleinere Spendenbeträge sammelte.

Im Mai 1906 genehmigte die Stadt die kostenlose Herausgabe des zum Bau erforderlichen Wassers.

Im Sommer 1906 wurde der Verein „Verein Bismarckturm in Burg an der Ihle e.V.“ gegründet (Satzung ist datiert auf den 17.08.1906), der laut Satzung den Bau des Bismarckturmes fördern und nach Fertigstellung unterhalten sowie alljährlich befeuern wollte.

Initiator dieser Vereinsgründung war Hauptmann Wangemann aus Burg, dem sich Justizrat Kessler, Fabrikant Carl Steinle, Kaufmann Franz Adler und andere anschlossen.
Erster Vorsitzender dieses Vereins wurde Stadtrat August Paasche, 2. Vorsitzender Hauptmann Wangemann. Der Verein hatte am Turmeinweihungstag bereits 250 Mitglieder.

Am 05. und 06.08.1906 veranstaltete die Schützengilde ein Preisschießen (Reinertrag für den Turm: 410 Mark) und am 15.08.1906 spielte die Artilleriekapelle zum Besten des Bismarckturmes.


Bauarbeiten und Einweihung

Bereits Anfang April 1906 wurden die ersten Steinfuhren zum Bau gebracht. Der Arbeitsausschuss bat Besitzer von Feld- und Bruchsteinen um Überlassung.

Am 24.05.1906 wurde mit den Bauarbeiten (Aushub der Baugrube) begonnen. Der Grundstein wurde – ohne offizielle Feier – am 03.06.1906 gelegt.

Ausgeführt wurden die Bauarbeiten von Maurermeister Heinrich Pieper aus Burg sowie von Polier Mücke.

Als Material verwendete man Granit, Ziegel- und Klinkersteine.

Am 25.06.1906 begann der Aufbau des Turmes, die Arbeiten wurden von den Innungen und Handwerksmeistern entweder kostenlos oder zum Selbstkostenpreis durchgeführt.

Die Bauarbeiten konnten nach knapp 5 Monaten am 18.10.1906 um 11:00 Uhr abgeschlossen werden (feierliche Schlusssteinlegung in der Mitte der Eingangshalle). Die Feuerschale wurde Anfang 1907 auf den Turmkopf installiert.

Für den Innenausbau (Vereinszimmer) hatte ein ungenannt bleibender Bürger fünf Festmeter Eichenholz aus dem Sachsenwald zur Verfügung gestellt. Burger Tischler fertigten aus diesem Holz Vertäfelungen für die Ehrenhalle und das Vereinszimmer im Obergeschoss.

Die ursprüngliche geplante Einweihung am 01.04.1907 wurde um wenige Tage nach vorne verlegt, da der 01. April auf einen Osterfeiertag fiel und mehrere Stadtverordnete und Bürger nicht hätten anwesend sein können.

Die feierliche Einweihung des insgesamt 15.000 Mark (nach anderer Quelle: 29.000 Mark) teuren Bismarckturmes fand daher am 22.03.1907 statt. Das Bauwerk wurde an diesem Tage vom Ehren- und Arbeitsausschuss (der sich an diesem Tag auflöste) an den Verein „Bismarckturm in Burg an der Ihle e.V.“ übergeben.


Turmbeschreibung (zur Zeit der Einweihung)

Als Unterbau des 27 m hohen Aussichtsturmes mit Befeuerungsmöglichkeit dient ein rechteckiges Plateau (20,80 m x 19,35 m). Die Höhe dieses Plateaus variiert zwischen 1,24 m an der Südwest- und 1,10 m an der Nordostecke (Höhe dieses 400 m² großen Plateaus incl. Höhe unter Boden auf allen Seiten 1,50 m).

Über eine 5,25 m breite Treppenanlage mit 6 Stufen mittig der Südseite ist das Plateau erreichbar.

Auf dem Plateau erhebt sich der sich nach oben hin verjüngende Bismarckturm mit einer Grundfläche von 9,05 m x 9,05 m. Der Eingangsbereich des Turmes liegt auf der Südseite.

Das Sockelgeschoss sowie die auf den unteren Metern des Turmkörpers auskragenden Ecken des Turmschaftes (jeweils 2,25 m x 2,25 m groß, im unteren Bereich auf jeder Seite 0,60 m auskragend) wurden mit grob behauenen Granit-Findlingen versehen (davon einige unbehauen / optisch hervorstehend). In Höhe von 5,00 m gehen die sich nach oben verjüngenden vier Ecken in den eigentlichen Turmschaft über.

Dem zweiflügligen hölzernen Turmportal (ursprünglich mit schmiedeeisernen Beschlägen) ist eine 1,66 m breite Treppenanlage vorgelagert, welche auf beiden Seiten mit jeweils 0,45 m hohen und 0,45 m breiten Stützmauern eingefasst ist. Über drei Stufen erreicht man das 0,45 m über dem Plateaubereich liegende 1,73 m x 2,37 m große Eingangsportal (Scheitelhöhe mit Rundbogenabschluss: 3,35 m), welches 0,66 m zurückgesetzt ist.

Durch das Portal gelangt man in einen kleinen gewölbten Flur im Erdgeschoss des Bismarckturmes. Links davon liegt ein Raum für den Turmwärter, rechts eine Wendeltreppe, die bis zur Halle führt. Von dort aus war – ursprünglich über eine Holztreppe – der Aufstieg zur Aussichtsplattform mit Feuerschale möglich.

Im Erdgeschoss wurde eine 80 cm (nach anderer Quelle 1,25 m) große bronzene Bismarck-Büste von Bildhauer Görling in der dortigen "Gedächtnishalle" aufgestellt, die von Medaillons des Kriegsministers Roon und des Generalstabschefs Moltke flankiert waren. Die Bismarckbüste wurde von der Fa. Gladenbeck & Sohn in Berlin-Friedrichshagen hergestellt. Die Büste wurde von Albert Fordemann gestiftet.

Im Obergeschoss des Turmes wurde ein Vereinszimmer für den Bismarckturm-Verein angelegt, welches mit Eichenholz aus dem Sachsenwald vertäfelt wurde.

Auf der Nordseite wurde eine Metalltafel mit der Inschrift

Errichtet/
1906

angebracht.

Auf der Südseite des Turmschaft wurde mittig in Höhe des leicht auskragenden Turmkopfes ein 3 m x 2 m großes Bismarck-Wappen aus Kupfer (Motiv: auf Eichenlaub liegendes dreiblättriges Kleeblatt) aufgesetzt.

Der obere Bereich ab Höhe des Bismarck-Wappens ist – wie das Sockelgeschoss und die Ecken - mit unregelmäßig behauenen Findlingen versehen.

Mittig der Aussichtsplattform wurde eine von Ingenieur Paatz konstruierte Feuerpfanne mit Rosten und Zug installiert.


Turmgeschichte

In Rahmen der Einweihungsfeier wurde das Bauwerk vom Bauausschuss an den Bismarckturm-Verein übertragen. Zu dieser Zeit waren noch nicht alle Rechnungen für den Turmbau bezahlt.

Auch nach der Einweihung fanden weiterhin Konzerte und Vorträge zum Besten des Bismarckturmes statt.

Die erste Befeuerung erfolgte am 01.04.1907 ab 19:45 Uhr. Der kostenlos gelieferte Holzstoß in der Feuerschale brannte ca. eine Stunde.

Bis 1918 wurde die Feuerschale regelmäßig am 01.04. beflammt.

Die Bronzebüste in der Gedenkhalle wurde mit hoher Wahrscheinlichkeit im 1. Weltkrieg eingeschmolzen. Im Jahr 1927 wurde diese durch eine Gipsbüste ersetzt, welche der Burger Fußballclub „Preußen“ gespendet hatte. Zu dieser Zeit fehlten bereits Teile der Vertäfelung des Vereinszimmers.

Ein vom Bürgerverein beantragter Zuschuss der Stadt von 500 Mark im Mai 1927 für notwendige Instandsetzungsarbeiten wurde nicht bewilligt.

Nach 1933 wurde die Gipsbüste von Büsten von Hitler und von Hindenburg flankiert.

Während des Zweiten Weltkrieges diente das Bauwerk als Beobachtungsstand der Flak. Feuerwehrfahrzeuge waren zum Ende des Krieges vor dem Turm aufgestellt worden, um bei möglichen Luftangriffen auf Burg Hilfe leisten zu können.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Bauwerk nicht genutzt. Die Eingangstür wurde mehrfach aufgebrochen.

Das Bauwerk wurde 1950 oder 1958 in Flämingturm umbenannt. Im Volksmund und auf Karten wurde er zur DDR-Zeit meist als "Flämingturm" bezeichnet.

In den 1960er Jahren diente der Turm noch als Umkleidemöglichkeit für Sportler am benachbarten Sportplatz. Die Innentreppe und die Feuerschale sind seit (mindestens) 1970 nicht mehr vorhanden.

Anfang der 1970er Jahre wurden der Eingang des Turmes sowie alle Rundbogenfenster und Schlitze (unten) zugemauert.

Ende 2004 gründete der Vorstand des Burger Heimatvereins die "Interessengemeinschaft Bismarckturm", um die dringend notwendige Sanierung durchzuführen sowie ein Nutzungskonzept zum 100. Jahrestag des Turmes zu erstellen.

Der zugemauerte Eingang des Bismarckturmes wurde zwischen dem 21. und 25.02.2005 von Mitarbeitern des Bauhofes geöffnet. Der Bauzustand wurde danach analysiert.

Anfang September 2006 wurde der Turm zwecks Sanierungsarbeiten (Außenfassade und Turmkopf) eingerüstet. Die zugemauerten Fenster wurden ebenfalls geöffnet.

Am Tag des offenen Denkmals 2006 war das Bauwerk zum ersten Mal seit Jahrzehnten für die Öffentlichkeit zugänglich (bis zur ersten Etage in 10 m Höhe). Der Heimatverein Burg sammelte bis September 2006 insgesamt 20.000 EUR Spenden. Lotto-Toto spendete 30.000 EUR, das Land Sachsen-Anhalt beteiligte sich mit 40.000 EUR an der Sanierung.

Das Bismarckturm-Jubiläum wurde am 16. + 17.06.2007 im Rahmen eines sehr gut besuchten Volksfestes gefeiert. Die äußere Sanierung des Bauwerkes war abgeschlossen. Bis zur 1. Etage war der Zugang über eine eiserne Wendeltreppe möglich.

Die feierliche Wiedereröffnung des komplett sanierten Turmes, der nun auch als Aussichtsturm zugänglich war, fand am 14.09.2008 von 10:00 - 17:00 Uhr statt. Im Oktober 2009 wurde eine neuen Eichentür (Turmeingang) eingebaut.

Im Juni 2011 wurden Pflastersteine für einen Rundweg um das Plateau des Turmes gelegt.

Seit Ende 2015 kümmern sich elf Mitglieder des Heimatvereins um den Bismarckturm. Die Umgestaltung des Turmumfeldes (u.a. Zaun- und Plasterarbeiten) gehört zu den weiteren Zielen des Vereins.



Öffnungszeiten

Die Öffnungszeiten des Turmes sind nicht bekannt (keine Öffnungszeiten auf der Netzseite des Heimatvereins Burg oder anderswo veröffentlicht).


Links

Google Maps

Google Earth

www.heimatverein-burg.com


Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 82-83
- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von BURG b. M. (Sachsen-Anhalt)
- Schallehn, K. Artur: „Magdeburgs Bismarck-Turm", Broschüre, Verlag Schallehn & Wollbrück, Magdeburg / Wien, 1905
- Jericho, Heinz: „Der Burger Bismarckturm“, www.heimatverein-burg.com (abgerufen am 24.06.2011)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 133 "Bismarck-Feuersäule zu Burg bei Magdeburg", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 4. Jahrgang 1906 (Nr. 4, S. 59),  5. Jahrgang 1907 (Nr. 2, S. 32; Nr. 5, S. 67/68), 7. Jahrgang 1909 (Nr. 4, S. 65), 11. Jahrgang 1913 (Nr. 3, S. 38)
- Bielefeld, Jörg: Turmmaße außen (Juni 2011, Maße ohne Gewähr)


Fotografen

- Hans-Dieter Hirschmann (März 2006)
- Heimatverein Burg (2006)
- Jörg Bielefeld, Remscheid (August 2002, Juni 2011)