Update: 13.03.2015

Die Feuersäule auf dem Windberg
Bismarcksäule in Zwickau

Bauplanung

Der Vorstand des Erzgebirgs-Zweigvereins zu Zwickau (EZV), in persona Prof. Dr. Ernst Fritzsche aus Zwickau, regte den Bau dieser Bismarcksäule auf dem Windberg Anfang 1899 an.

Die Standortfrage konnte schnell geklärt werden, da Kaufmann Franz Ferdinand Zimmermann aus Werdau, Mitglied des EZV, ein 2910 m² großes Grundstück im Wert von 1.000 Mark auf dem Windberg kostenlos zur Verfügung stellte. Das Grundstück lag direkt gegenüber der Alberthöhe. Die Übergabe des Grundstückes an den EZV erfolgte am 27.05.1899. Der Baufonds war zu dieser Zeit durch Spenden bereits auf 3.500 Mark angewachsen. Am 29.05.1899 bewilligte der EZV Zwickau 1.000 Mark für den Turmbau.

Der EZV Zwickau plante, eine Feuersäule ohne Inschriften errichten zu lassen, welche durch ihre Einfachheit wirken sollte. Zur Ermittlung eines geeigneten Entwurfes wurde ein Preisausschreiben durchgeführt, bei dem kein Honorar oder Preis ausgelobt wurde. Es gingen insgesamt zwölf Entwürfe ein. Am 03.07.1899, in der Sitzung des Gesamtausschusses des EZV, wurde der Entwurf von Architekt Ernst Kühn (Assistent an der Kunstakademie in Dresden) als 1. Sieger gewählt und zur Ausführung bestimmt.

In der Hauptversammlung des EZV am 29.06.1899 wurde Kaufmann Franz Ferdinand Zimmermann zum Ehrenmitglied ernannt. Außerdem bewilligte der EZV weitere 1.000 Mark für die geplante Säule. Ein Bismarckverehrer spendete 300 Mark.

Am 07.09.1899 schenkte Franz Ferdinand Zimmermann dem EZV ein noch größeres Areal für den Bauplatz des Turmes. Die Stadt Zwickau kaufte dem Ausschuss das gesamte Baugelände für 6.000 Mark in der Absicht ab, damit dieses Geld in den Baufonds fließen konnte.

Im Herbst 1899 wurden die Erd-, Planier- und Maurerarbeiten ausgeschrieben, die an den Baumeister Selbmann übergeben wurden.

Am 31.03.1900 fand die feierliche Grundsteinlegung statt, bei der Oberbürgermeister Keil die Festrede hielt. Daran schloss sich eine „Familienabend“ in der Alberthöhe an.

Die Gesamtkosten für den Turmbau einschließlich der Erd- und Maurerarbeiten sowie der Granitlieferungen betrugen 16.000 Mark.


Bauarbeiten

Als Baumaterial verwendete man für den Unterbau Kirchberger Granit (Erzgebirge). Die Außenflächen der Säule waren aus Granit aus dem Fichtelgebirge gefertigt worden. Das Bauwerk wurde mit 28.000 Ziegeln hintermauert. Mitglieder der Zwickau-Werdauer Ziegelkonvention hatten diese, zusammen mit einigen Bruchsteinen, kostenlos zur Verfügung gestellt.

Ernst Kühn aus Dresden übernahm beim Bau des Turmes die Bauleitung, die Ausführung erfolgte durch Baumeister Emil Selbmann aus Zwickau.

Der Bau der Feuersäule war Mitte August 1900 abgeschlossen.


Turmbeschreibung

Auf einem zweistufigen quadratischen Unterbau mit einer Kantenlänge von 7 m x 7 m erhob sich die 13,70 m hohe Feuersäule ohne Aussichtsmöglichkeit. Das Fundament des Bauwerks war 5 m tief in den Boden gearbeitet worden. Die Seiten der Säule waren nach den Himmelsrichtungen ausgerichtet. Der Turmschaft verjüngte sich bis zum leicht auskragenden und abgestuften Turmkopf.

Auf vier gusseisernen Kugeln auf dem Turmkopf ruhte die im Durchmesser 3,50 m große und 1,50 m hohe Feuerschale aus Gusseisen mit Schamottenausmauerung, die in der Königin-Marienhütte zu Kainsdorf bei Zwickau gefertigt worden war.

An der Bismarcksäule sollte nachträglich ein Bismarck-Relief angebracht werden, wozu es aber aus unbekannten Gründen nicht gekommen ist.

Die Feuerschale wurde mit trockenen Holzstücken, Pech und Teer befeuert. Über eine kleine Tür an der Südseite konnte man in das Innere der Feuersäule gelangen. Durch eine im Innern befindliche Leiter war die Feuerschale erreichbar.


Turmgeschichte

Am 01.09.1900 wurde die Bismarcksäule feierlich eingeweiht. Nach einem Fackelzug zur Säule wurden Festreden gehalten, anschließend fand ein Kommers statt.

Nach der Einweihung wurde das Bauwerk der Stadtgemeinde vertraglich übergeben, dabei wurde festgelegt, dass der Erzgebirgsverein berechtigt ist, die Säule und den Platz an vaterländischen Gedenktagen nutzen zu dürfen. Als Datum für künftige Befeuerungen war jeweils der 02.09. (Sedantag) vorgesehen, der EZV sollte jeweils für die Kosten der Befeuerung und für eventuelle Schäden aufkommen. Daraufhin wurde die Feuerschale seitlich mit Eisenstangen und Drähten eingefasst, um das Herabfallen von brennenden Teilen zu verhindern.

Am 02.09.1901 wurde auf Vorschlag des Vorsitzenden des EZV, Prof. Fritzsche, neben der Befeuerung auf dem Turmkopf eine zusätzliche Befeuerung vor der Säule durchgeführt. Dazu wurden mit Teer versehene Holzstöße entzündet. Die Hitzeentwicklung war dabei so groß, dass die Vorderseite der Säule stark beschädigt wurde (gesprungene und gelockerte Quader, Schwärzung der Steine).

Der entstandene Schaden wurde mit 2.500 Mark beziffert. Da der EZV die Schadensbegleichung nicht übernehmen wollte, zahlte Prof. Fritzsche den Schaden aus eigener Tasche.

Im Juli 1903 spendete der EZV Zwickau 500 Mark für die Verschönerung der Umgebung der Säule. Die Anlegung eines Bismarckhaines wurde angeregt. Daraufhin erwarb die Stadtgemeinde rund 2.100 m² des Grundstückbesitzers Friedrich Jakob. Der Kaufmann Franz Ferdinand Zimmermann schenkte weitere 3.900 m² Grundstück dazu.

Am 02.09.1904 wurde an der Bismarcksäule ein Fest gefeiert. Neben einem Fackelzug zum Turm wurde abends ein Feuer auf der Säule entzündet.

Im April 1906 stellte der EZV unterhalb der Bismarcksäule einen 3 m x 2 m x 1,50 m großen, roten Granitblock aus der Blauenthaler Gegend mit einem Gesamtgewicht von 7,50 t auf.

Im Zweiten Weltkrieg wurde am Fuße der Bismarcksäule ein Luftschutzbunker für den Kreiseinsatzstab errichtet. Das Bauwerk wurde als Beobachtungspunkt des Luftschutzes genutzt.

Die Säule wurde im Frühjahr 1964 abgerissen.


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Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 424
- Seele, Sieglinde: Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-SÄULE von ZWICKAU (Sachsen)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 26 "Bismarck-Feuersäule bei Zwickau i. Sachsen", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 1. Jahrgang 1903 (Nr. 4, S. 4), 2. Jahrgang 1904 (Nr. 2, S. 4; Nr. 11/12, S. 11), 3. Jahrgang 1905 (Nr. 5, S. 7; Nr. 8, S. 11; Nr. 11, S. 11), 4. Jahrgang 1906 (Nr. 2, S. 28; Nr. 4, S. 61)
- Ehrhardt, Max: Bismarck im Denkmal des In- und Auslandes, Thüringische Verlags-Anstalt Eisenach-Leipzig, 1903, Nr. 117: "Die Bismarck-Säule auf dem Windberg bei Zwickau i.S."
- Peschke, Norbert / Zentgraf, Lorenz: „Das Kriegsende in der Zwickauer Region 1945“, Sutton-Verlag Erfurt, 2010, S. 19


Bildmaterial

Jörg Bielefeld, Remscheid