Update: 07.04.2013

Aussichtsturm mit umgebauten Kopf
Der Bismarckturm in Wurzen

Bauplanung

Der Deutsche Patriotenbund (nach anderer Quelle der "Reichsverein für Wurzen und Umgebung" unter Vorsitz des Maschinenfabrikanten Richard Klinkhardt) regte im April 1901 den Bau dieses Bismarckturmes auf dem Wachtelberg an.

Bereits am 13.04.1901 wurde ein Grundstück auf dem Wachtelberg in Dehnitz bei Wurzen (148,50 m über NN) gekauft.

Wie in vielen anderen Städten wurde ein Komitee zur Errichtung eines Bismarckturmes gebildet (Vorsitz: Fabrikant Richard Klinkhardt, nach anderer Quelle: Kommerzienrat Baeseler).

Zwischen dem 23.10. und dem 29.10.1903 fanden drei Aufführungen zum Besten des Bismarckturmes statt. Im Dezember 1903 wurde dem Komitee  die Erlaubnis geteilt, öffentliche Geldsammlungen in der Amtshauptmannschaft Grimma durchzuführen. Die städtischen Kollegien überwiesen im Jahr 1904 insgesamt 1.100 Mark für den geplanten Turm.

Als Architekten beauftragte man nach einer durchgeführten Konkurrenzausschreibung Wilhelm Kreis, dessen von der deutschen Studentenschaft im Jahre 1899 preisgekrönter Entwurf "Götterdämmerung" bis zum Jahr 1911 insgesamt 47-mal gebaut wurde. Für Wurzen sollte Kreis einen architektonisch anderen Entwurf realisieren.

Im Frühjahr 1904 war der Turmbaufonds auf 7.000 Mark angewachsen. Die Baukosten waren auf 14.000 Mark veranschlagt worden.

Am 14.08.1904 fand zum Besten des Bismarckturms ein Volksfest statt, bei dem insgesamt 1.700 Mark Gewinn für den Turmbau gespendet werden konnten. Festaufführungen für das Bauwerk folgten am 03.04. und 05.04.1905, zudem wurde eine Bismarckturm-Lotterie durchgeführt.

Im Jahr 1906 überwies die Direktion der Wurzener Bank 300 Mark für den Turmbaufonds. Die Grundsteinlegung war für den 01.04.1906 geplant, doch kam es aus unbekannten Gründen zu zeitlichen Verzögerungen, sodass die Grundsteinlegung erst am 30.07.1908 durchgeführt werden konnte.

Die Gesamtkosten für den Turmbau betrugen ca. 21.000 Mark.


Bauarbeiten

Als Baumaterial wurden Lüptitzer Quarzporphyr und Bruchsandstein verwendet. Die Bauausführung übernahm Firma M. Viehweg (nach anderer Quelle: Baumeister Dietzel aus Wurzen).

Die Zimmererarbeiten wurden von H. Veit durchgeführt.

Der Turm ist 1,50 m tief in den Felsen gegründet und ruht auf einer dicken Zementbetonsohle. Es war vom Architekten beabsichtigt, dass der Turm aus den Felsen herauszuwachsen scheint.


Turmbeschreibung (zur Zeit der Einweihung)

Die Basis des 18 m hohen Aussichtsturmes mit Befeuerungsmöglichkeit mit quadratischem Grundriss ist ein knapp zwei Meter hoher pyramidenstumpfartiger Sockel, welcher über einen rampenartigen, spiralförmigen Aufstieg erreichbar ist. Der im Nordwesten liegende Eingangsbereich ist über eine beidseitig eingefasste Treppe mit ursprünglich acht Stufen [heute: neun Stufen] erreichbar.

Auffällig sind bei diesem ausgeführten Entwurf der aufgesetzte Rundbau und der wuchtige Mittelschaft mit den kleinen Rundsäulen an den Ecken. Oberhalb des Gurtgesimses befindet sich eine Aussichtsplattform mit Geländer. Inmitten der Aussichtsplattform sitzt ein dreifach zurückgesetzter Rundbau mit Zinnenkranz, hier befindet sich die zweite Aussichtsplattform, darüber die abschließende Feuerschale.

Durch eine Metalltür gelangt man ins Innere des Turmes. Über eine Holztreppe [seit 1978 Stahltreppe] erreicht man die Aussichtsgalerie. Der obere, runde Teil des Turmes schließt mit einem Kuppelgewölbe ab, auf dem die aus Eisenblech geschmiedete Feuerschale mit einem Durchmesser von 2,00 m ruht. Die 11 Zentner schwere Feuerschale sowie das äußere Umfriedungsgeländer wurden vom Schlosser A. Dämmich gefertigt [Turmkopf wurde 1978 geändert und Feuerschale entfernt].


Turmgeschichte

Am 01.04.1909, dem Tage der Einweihung, wurde der Bismarckturm erstmals befeuert. Die Befeuerung erfolgte durch Öl. Mehrere Tausend Besucher nahmen an der Einweihungsfeier mit Fackelzug zum Turm teil. In den Nachmittagsstunden wurde das Bauwerk erstmals für Besucher geöffnet. Ein öffentlicher Kommers beschloss die Feier.

Im Jahr 1911 ging der Bismarckturm in das Eigentum und die Verwaltung der Stadtgemeinde Wurzen über.

Am 16.04.1945 wurde der Turm beim Gefecht zwischen Amerikanern und dem Volkssturm durch mehrere Treffer beschädigt, zwei Granaten durchschlugen die Wand des Turmes, eine Granate traf den Turmkopf, dabei wurde ein Soldat getötet. Durch die Treffer wurde auch die Holztreppe zerstört.

1947 war eine Sprengung des beschädigten Turmes geplant. Die Sprengung konnte verhindert werden, das Bauwerk wurde nun aus ideologischen Gründen in "Wachtelbergturm" umbenannt.

In den Jahren 1950/51 wurde eine Sanierung des Turmes beschlossen; dieser Beschluss wurde 1953 widerrufen. Trotzdem erfolgte bereits im Jahr 1954 eine erste Sanierungsmaßnahme, bei der die Kriegsschäden beseitigt wurden. Das Bauwerk blieb für Besucher aber weiterhin verschlossen.

Im April 1974 sollte auf Vorschlag des Rates des Kreises der Turm gesprengt und der ehemalige Steinbruch zu einer Müllkippe für den Produktionsmüll einer Wasserglasfabrik verwendet werden. Der Naturschützer Klaus Zeibig aus Wurzen setzte sich für den Turm und Umgebung ein und konnte die Pläne verhindern.
Von 1975 bis 1984 baute Klaus Zeibig in seiner Freizeit am Turm, reparierte u.a. die Fenster.

Im Jahr 1978 wurde die Feuerschale bei umfassenden Sanierungsarbeiten komplett entfernt. Verschiedene Wurzener Industrie- und Handwerksbetriebe beteiligten sich an den Sanierungsmaßnahmen. Der Turmkopf wurde umgebaut und erhielt eine neue Überdachung. Dadurch wurde das Bauwerk auf insgesamt 19,40 m aufgestockt. Bei diesen Maßnahmen wurde die zerstörte Holztreppe durch eine Stahltreppe mit 60 Stufen ersetzt, die seitdem zur Aussichtsgalerie führt. Über eine weitere Treppe gelangt man zur nun überdachten Aussichtsplattform.

1979 wurde die von einem Wurzener Kunstschmied gefertigte Wetterfahne (mit Jahreszahl 1908, Eule, Insekt und Pflanze) auf das Turmdach gesetzt.

Am 06. Oktober 1984 konnte der Wachtelbergturm für Besucher geöffnet werden. Die regelmäßige Turmöffnung übernahm Klaus Zeibig aus Wurzen.

In den Jahren 1992/93 erfolgte eine weitere Sanierung des Turmes durch ehrenamtliche Helfer (u.a. Neuverfugung des Mauerwerks).

Von 1984 bis 2004 wurde der Turm, auf dem man an klaren Tagen eine Aussicht von bis zu 40 km hat, von über 50.000 Besuchern bestiegen.

Im Frühjahr 2008 wurde das Bauwerk außen saniert.

Der Bismarckturm liegt heute im Kernbereich des Naturschutzgebietes Wachtelberg Mühlbachtal, dem ältesten Schutzgebiet für Pflanzen in Deutschland.


Öffnungszeiten

jeweils an Sonntagen von April bis September geöffnet
April / Mai (13:30 - 16:00 Uhr)
Juni - August (15:30 - 18:00 Uhr)
September / Oktober (13:30 - 16:00 Uhr)


Eintritt

1,00 €, für Kinder von 6 bis 14 Jahren 0,50 €, spezielle Gruppenpreise auf Anfrage (Tel.: 03425/810706)


Links

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Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 416/417
- Seele, Sieglinde: Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von WURZEN (Sachsen)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 156 "Bismarck-Feuersäule bei Wurzen-Dehnitz", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 1. Jahrgang 1903 (Nr. 3, S. 5; Nr. 4, S. 4), 2. Jahrgang 1904 (Nr. 2, S. 3-4; Nr. 6, S. 3; Nr. 9, S. 2; Nr. 11/12, S. 10), 3. Jahrgang 1905 (Nr. 8, S. 9), 4. Jahrgang 1906 (Nr. 1, S. 13; Nr. 7/8, S. 113), 6. Jahrgang 1908 (Nr. 9, S. 149), 7. Jahrgang 1909 (Nr. 5, S. 84), 9. Jahrgang 1911 (Nr. 5, S. 95), 11. Jahrgang 1913 (Nr. 2, S. 27)
- Franken, Friedrich K.H.M.: "Kontinuität und Wandel in Leben und Werk des Architekten Wilhelm H. Kreis“, Dissertation Technische Hochschule Aachen, 1996, S. 87-89


Bildmaterial

- Ralph Männchen, Dresden (Dezember 2004)
- Hans-Dieter Hirschmann, Haßloch (Juli 2008)
- Jörg Bielefeld, Remscheid (2008)
- Sven May, Gerichshain (Mai 2012)


Foto Turmkopf Bismarckturm Wurzen
Foto Eingangsportal Bismarckturm Wurzen
AK-Motiv Bismarckturm Wurzen
AK-Motiv Bismarckturm Wurzen
Foto Bismarckturm Wurzen 2004