Update: 20.06.2016

Von der Bismarckwarte zum Friedensturm
Die Bismarckwarte in Weinböhla

Bauplanung

Kulturtechniker und Rittergutsbesitzer Carl Wilhelm Wießner aus Weinböhla regte am 27.08.1901 den Bau einer Bismarckwarte in Weinböhla an. Er hatte dazu bereits Entwürfe gefertigt, die er am 29.08.1901 zwecks baupolizeilicher Genehmigung an die Königliche Amtshauptmannschaft Meißen leitete.

Am 02.09.1901 wurde zunächst die baupolizeiliche Genehmigung ohne weitere Bedingungen erteilt.

Als Standort der Bismarckwarte hatte Wießner den höchsten Punkt im Osten der Stadt Weinböhla (206 m über NN) ausgewählt.

Die Baugenehmigung für den tatsächlich ausgeführten Entwurf (Unterschiede zum ursprünglichen Entwurf nicht bekannt) erhielt Bauherr Wießner erst am 20.02.1903.

Die Baukosten für den Turmbau in Höhe von 7.500 Mark übernahm Carl Wilhelm Wießner (mit Hilfe einer von ihm zu diesem Zwecke gegründeten Aktiengesellschaft) komplett.


Bauarbeiten

Als ausführenden Baumeister wurde Hermann A. Kannegießer aus Weinböhla beauftragt, der die gesamte Anlage aus Bruch- und Ziegelsteinen erbaute.


Turmbeschreibung (zur Zeit der Einweihung)

Der 20 m hohe Aussichtsturm ohne Befeuerungseinrichtung wurde auf einer hochgemauerten Terrassenanlage errichtet.

Über eine Treppenanlage mit 16 Stufen auf der Westseite erreicht man die 2,50 m hohe Terrassenanlage, die von einer Brüstung mit acht Zinnentürmchen (davon sechs mit Spitzhaube und zwei "Schachtürmen" an der Treppenanlage) eingefasst ist.

Über die Terrasse gelangt man über weitere fünf Stufen zum oberen (westlichen) Eingang der Bismarckwarte.

Bis zur ersten Ebene (Terrasse) führt eine rechtsdrehende Treppe (Breite: 1,08 m) mit zwanzig Stufen. Über weitere 49 Stufen erreicht man die obere Aussichtsebene des Rundturmes (2,90 m breit, 2,05 m hoch).

Über dem Eingang auf der Westseite wurde eine Inschrifttafel aus Sandstein, darüber die Jahreszahl "1903" und ein Bismarckmedaillon in Bronze, hergestellt vom Bildhauer Heinrich Fischer aus Weinböhla, angebracht.

Die Inschrift auf der Sandsteintafel lautet:

"Des Fürsten Bismarck Ruhm verkündet,
Die Warte stolz auf Bergesrand.
Er hat das Deutsche Reich gegründet,
Geeint das Deutsche Vaterland.
Bleibt auch in Eintracht ferner stark!
Seid treue Deutsche bis ins Mark!"

Als Schmuck trug jeder dieser Zinnentürme das Wappen eines der acht größten deutschen Staaten.

Über eine Tür auf der Ostseite gelangt man in den unterkellerten Bereich der Anlage.


Turmgeschichte

Die Einweihung der Bismarckwarte erfolgte am 30.08.1903. Bei dieser Feier wurde das Bauwerk in das Eigentum der Stadt Weinböhla übergeben.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Anlage stark beschädigt. Zeitweise wurde die Bismarckwarte auch als "Hoher Turm" bezeichnet.

Am 12.12.1955 wurden größere Schäden am Bauwerk festgestellt. Durch eine Initiative der Weinböhlaer Heimatfreunde und einer Spende von 2.000 DDR-Mark von Erwin Schäfer wurde der Turm im Mai 1956 saniert. Die bautechnischen Arbeiten wurden von Baumeister Herbert Marx durchgeführt.

Die Bismarckwarte wurde nach erfolgter Sanierung im Rahmen einer Feier am 07.07.1956 in "Turm des Friedens" umbenannt. Alle Hinweise auf Otto von Bismarck wurden beseitigt. Das Gelände um den Turm herum wurde erneuert und Ruhebänke wurden aufgestellt.

Anstelle der entfernten Inschrifttafel wurde eine Widmungstafel mit der Inschrift

Frieden!
Erbaut 1903
Wilh. Wiesner
Erneuert 1956
Erwin Schäfer

am Turmschaft angebracht.

In den 1960er und 1970er Jahren wurde das Bauwerk mehrfach beschädigt, sodass dieser behördlich geschlossen wurde. Dachdeckermeister Quittel erneuerte im Jahr 1977 kostenlos das Turmdach.

Ab ca. 1982 bemühte man sich, den Turm wieder zugänglich zu machen, verschiedene Sicherungsmaßnahmen wurden getroffen. Ab Ende Juni 1987 wurde das Bauwerk sukzessive saniert. Der Abschluss der Arbeiten, der für Herbst 1988 vorgesehen war, verzögerte sich. Nach der Wende im Jahr 1989 war der Turm immer noch eingerüstet.

Mit Hilfe einiger Bürger und Handwerksbetriebe aus Weinböhla konnte das Bauwerk bis August 1992 saniert und wiedereröffnet werden.

Am 14.09.2003 wurde das Turmjubiläum feierlich begangen.


Öffnungszeiten

Der Schlüssel für den Turm kann zwecks Besichtigung an folgenden Stellen ausgeliehen werden:

  • Gemeindeverwaltung Rathausplatz 2, Tel.: 035243/3430, E-Mail: information (at) weinboehla.de
  • Gaststätte Laubenschlösschen, Moritzburger Str. 79; Montag Ruhetag, Tel.: 035243/32364
  • Interessengemeinschaft Ortslehrpfad, Leitung Prof. Dr. Kunibert Mührel, Forststr. 63, Tel.: 035243/50586
  • Touristinformation Weinböhla, Kirchplatz 2, Tel: 035243/56000, touristinfo (at) weinboehla.de

Eintritt: 1 €


Links

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Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 400-401
- Seele, Sieglinde: Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-SÄULE von WEINBÖHLA (Sachsen)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 50 "Bismarck-Warte zu Weinböhla in Sachsen", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 1. Jahrgang 1903 (Nr. 4, S. 4; Nr. 5, S. 9)


Bildmaterial

- Jörg Bielefeld, Remscheid (Fotos Mai 2007); historische Ansichten: Archiv J. Bielefeld
- Ralph Männchen, Dresden (Januar 2005)
- Hans-Dieter Hirschmann, Haßloch (Oktober 2008)
- Robert Waibel, Salach (April 2010)
- Christian Gerloff, Jena (April 2012)


Bismarckturm Weinböhla
Foto Bismarckturm Weinböhla Mai 2007 (Jörg Bielefeld)
Bismarckturm Weinböhla Widmungstafel
Bismarckturm Weinböhla
Osteingang Bismarckturm Weinböhla