Update: 13.03.2015

Mays Turm
Der Bismarckturm in Thermalbad Wiesenbad

Bauplanung

Otto Polemann aus Wiesenbad und Fabrikant Johann Gottfried Meyer regten den Bau dieses Bismarckturmes als Aussichtsturm ohne Feuerschale am 17.01 1899 an. J.G. Meyer war von 1877 bis 1897 alleiniger Inhaber der Flachsspinnerei zu Wiesenbad, von 1897 bis 1907 war Otto Polemann gemeinsamer Inhaber dieser Fabrik.

Fabrikant Meyer stellte den felsigen Grund im Zschopautal kostenlos für den Bau des Turmes zur Verfügung.

Bereits am 25.01.1899 wurde die Baugenehmigung für den Turm erteilt.

Die Gesamtkosten für den Turmbau betrugen 5.000 Mark.


Bauarbeiten

Entworfen und ausgeführt wurde der Turmbau von Baumeister Emil Schiefer aus Annaberg. Als Baumaterial wurden Bruchsteine, für das Trauf- und Brüstungsgesims Sandstein verwendet. Der Turm wurde auf einem Felsmassiv errichtet.

Eine Grundsteinlegung fand bei Baubeginn (Frühjahr 1899) nicht statt.


Turmbeschreibung (zur Zeit der Einweihung)

Der 13,50 m hohe Aussichtsturm ohne Feuerschale hat einen rechteckigen Grundriss (4,30 m x 4,00 m) und wurde auf Felsgestein errichtet.

Ab einer Höhe von etwa fünf Metern sind die Ecken abgeflacht, das Bauwerk geht in einen achteckigen Grundriss über.

Auf halber Höhe ist auf der Westseite des Turmes ein Balkon (1,50 m x 0,50 m) angebracht, der aus einer einzigen Steinplatte besteht. Der Balkon ist von innen durch eine Tür zugänglich.

In etwa 12 m Höhe, direkt unterhalb der Aussichtsplattform, kragt der Turm aus.

Über eine linksdrehende Innentreppe mit 62 Steinstufen gelangt man zur Aussichtsplattform. Direkt unterhalb der Plattform wurde ein Bismarck-Gedenkraum angelegt, hier ist ein Relief mit dem Bildnis von Otto von Bismarck und/oder ein Relief, welches den Erbauer zeigt, angebracht.

Über dem Turmeingang wurde außen ein Bismarck-Medaillon angebracht. Über dem Eingang ist die Inschrift

Vollendet / am 30. Juli 1899

zu lesen.


Turmgeschichte

Am 30. Juli 1899, dem ersten Todestags Otto von Bismarcks, wurde das Bauwerk im Rahmen einer Feier eingeweiht. Damit ist der Bismarckturm in Thermalbad Wiesenbad der erste in Sachsen eingeweihte Bismarckturm.

Bis in die 1930er Jahre wurde der Bismarckturm als Aussichtsturm rege genutzt.

In den 1950er Jahren war der Turm aufgrund der schlechten Bausubstanz für den Besucherverkehr gesperrt. Die Besucherplattform war nicht mehr begehbar. Alle Hinweise auf Bismarck wurden entfernt.

Im Jahr 1990 war das Bauwerk eine Ruine, stark verfallen und einsturzgefährdet. Der Eingang war halb zugemauert, die Brüstung der Plattform fehlte.

In den Jahren 1999/2000 wurde der Turm von der "Gesellschaft für Kur und Rehabilitation mbH" mit Hilfe von Fördermitteln des Freistaates Sachsen (250.000 DM) komplett saniert (neue Fassade, Sanierung der Wendeltreppe). Statt einer offenen Plattform wurde der Turm mit einer wasserdichten Dachkonstruktion um 1,50 m (auf 15 m) erhöht.

Am 09.06.2000 wurde der Turm als "Mays Turm" wiedereröffnet.
Eine Broschüre über die Geschichte des Turmes ist für zwei EURO im Turm erhältlich.

Zur Benennung des Turmes als "Mays Turm oder "Meys Turm" (auch Mäuseturm) gibt es verschiedene Theorien. Vermutlich ist der Turm nach dem benachbarten Rastplatz "Mays' Ruh" (seit 1799) benannt worden. Andere Theorien deuten die Bezeichnung nach dem erzgebirgischen Namen für Mäuse (= Mais) und dem Inhaber der Flachsspinnerei (Meyer).


Öffnungszeiten:

April bis September von 10:00 - 20:00 Uhr, Oktober bis März 10:00 - 16:00 Uhr, Eintritt frei


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Thermalbad Wiesenbad


Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 409
- Seele, Sieglinde: Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von WIESENBAD/Erzgeb. (Sachsen)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 17 "Bismarckturm zu Wiesenbad in Sachsen", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Heimatblätter Thermalbad Wiesenbad; Heft 1: Der Bismarckturm, Hrsg: Interessengemeinschaft Ortsbild Thermalbad Wiesenbad, ohne Datum
- Glückauf – Zeitschrift des Erzgebirgsvereins, 113. Jahrgang, April 2002, Nummer 4, S. 83


Bildmaterial

- Wolfram Regner, Ingolstadt (Fotos 2000)
- Ralph Männchen, Dresden (Fotos November 2005, September 2006)
- Hans-Dieter Hirschmann, Haßloch (Fotos Mai 2009)