Update: 09.10.2015

Vom Keilbergturm zum Bismarckturm
Der Bismarckturm in Schneeberg

Bauplanung

Der Erzgebirgs-Zweigverein Schneeberg-Neustädtel beschloss unter dem Vorsitz von Bürgermeister Dr. von Woydt in der Hauptversammlung im April 1893, den schadhaften hölzernen Aussichtsturm auf dem Gleesberg abbrechen zu lassen. Stattdessen sollte ein steinerner Aussichtsturm auf dem Keilberg errichtet werden.

Die städtischen Kollegien beschlossen, den Verein beim Bau des Aussichtsturmes durch Überlassung eines Baugrundstückes und von Bruchsteinen zu unterstützen.

Aufgrund des Standortes des Turmes auf dem Keilberg (nordwestlich von Schneeberg) kam es im Erzgebirgs-Zweigverein zu Spannungen, da viele Mitglieder einen massiven Turm auf dem Gleesberg errichten wollten. Zahlreiche Neustädteler Mitglieder traten aus dem Zweigverein aus. Dieser wurde nun in Zweigverein Schneeberg umbenannt.

Baumeister Görling aus Schneeberg fertigte auf Wunsch des Vereins einen Entwurf und einen Kostenvoranschlag für den Aussichtsturm, der in einer Vereinsversammlung genehmigt wurde. Es wurde beschlossen, dass der neue Aussichtsturm noch im Jahr 1893 errichtet werden sollte.

Die Mitglieder des Zweigvereines wurden aufgerufen, unverzinsliche Anteilsscheine zu 5 und zu 10 Mark zu zeichnen.

Bis Mai 1893 wurden in Schneeberg und Schlema Anteilsscheine in Höhe von 1.700 Mark gezeichnet.

Die städtischen Kollegien bewilligten im Sommer 1893 einen Beitrag zum Turmbau in Höhe von 500 Mark und übernahmen die Herstellung der Zugangswege.

Die Gesamtsumme für den Turmbau betrug 4.400 Mark.


Bauarbeiten

Bereits im Mai 1893 wurde mit dem Bau des Turmes begonnen.

Als Baumaterial für den Turm wurden für den Unterbau Bruchsteine und für den Turmschaft Sandsteine verwendet. Der Turmschaft wurde mit roten Klinkersteinen verblendet.

Der Bau wurde von Baumeister Görling aus Schneeberg ausgeführt.


Turmbeschreibung (zur Zeit der Einweihung 1893)

Der 21 m hohe Aussichtsturm ohne Befeuerungseinrichtung hat einen achteckigen Grundriss.

Der 8 m hohe quadratische Unterbau wurde aus Bruchsteinen gefertigt und weist an den vier Ecken Strebepfeiler auf. Auf dem Unterbau erhebt sich der schlanke achteckige Turmschaft, welcher mit roten Verblendziegeln verkleidet ist. Unterhalb des zinnenbekrönten Turmkopfes kragen umlaufend 24 Konsolensteine (auf jeder Seite 2 Konsolensteine sowie an jeder Ecke) aus, welche ein umlaufendes Sandsteingesims tragen.

Über drei Steinstufen ist die Eingangstür auf der Westseite erreichbar. Oberhalb der Eingangstür ist eine Steinplatte mit der Inschrift „[Unleserliche Signatur] 1893“ eingelassen. Über eine linksdrehende Holztreppe mit mehreren Absätzen konnte die Aussichtsplattform bestiegen werden.


Turmgeschichte

Am 31.08.1893 wurde der Keilbergturm im Beisein des Gesamtvorstandes des Erzgebirgsvereins, der Schneeberger Zweigvereinsmitglieder, Mitgliedern einiger Brudervereine und Personen der städtischen Kollegien eingeweiht. Der Wirt der Schankwirtschaft Marienhof wurde als Turmwart eingesetzt. Dieser war auch für die Erhebung der Eintrittsgelder (10 Pfennig für Erwachsene, 5 Pfennig für Kinder) zuständig. Für den Besuch des Keilbergturmes konnten Vereinsmitglieder auch Jahreskarten erwerben.

Nach der Einweihung des Turmes waren die Baukosten noch nicht komplett gedeckt. Auf der Haupt- und Abgeordnetenversammlung des Erzgebirgsvereins am 23./24.09.1893 wurde dem Zweigverein Schneeberg ein Betrag von 400 Mark bewilligt.

Im Jahr 1896 sank die Besucherzahl aufgrund schlechter Witterungsbedingungen deutlich ab.

Die Stadt Schneeberg gab im Jahr 1897 an, dass sie aufgrund einer Anregung eine parkähnliche Turmumgebung anlegen werde. Die Turmbaukosten waren vier Jahre nach der Einweihung immer noch nicht gedeckt, der Fehlbetrag lag bei 900 Mark.

Auf der Hauptversammlung des Erzgebirgs-Zweigvereins Schneeberg am 10.02.1899 wurde einstimmig beschlossen, am Turm ein Bismarck-Relief anzubringen und diesen ab dem 01.04.1899 in Fürst-Bismarck-Turm umzubenennen. Die Kosten für das Relief sollten über Spenden aufgebracht werden. Das Relief wurde in der Eisengießerei C. Alb Bierling in Dresden hergestellt. Die Turmbauschuld hatte sich im gleichen Jahr auf 700 Mark verringert.

Am 16.08.1899 brachte man im Rahmen einer schlichten Feier am Turmschaft ein Bismarck-Relief an. Vereinsmitglieder und deren Familienangehörige hatten sich zu diesem Zweck am Turm eingefunden. Das Bismarck-Relief wurde vollständig von Spenden finanziert.

Die Stadtverordneten-Versammlung beschloss, im Jahr 1900 eine Unterkunftshütte am Turm zu errichten, die bis zu 60 Personen fassen soll. Der Erzgebirgs-Zweigverein beschloss, die Hütte zu pachten und zu bewirtschaften.

Im Frühjahr 1900 waren immer noch Turmbaukosten von 350 Mark offen. Die Unterkunftshütte wurde nach Plänen von Baumeister Puschmann aus Johanngeorgenstadt errichtet, dem auch die Bauausführung übertragen worden war. Am 03.06.1900 (Pfingstsonntag) war das Unterkunftshaus fertig gestellt, die Bewirtschaftung erfolgte durch Alfred Barth.

Am 23.08.1900 richtete der Zweigverein sein Sommerfest am Bismarckturm aus, welches auch aufgrund des neuen Unterkunftshauses gut besucht war.

Im Jahr 1900 wurden insgesamt 849 Eintrittskarten (600 Erwachsene, 249 Kinder) verkauft. Der Zweigverein verkaufte zudem zwei Ansichtskartenmotive des Turmes, von denen bis Ende 1900 insgesamt 5676 Stück verkauft werden konnten. Im gleichen Jahr wurde Mittel für Wegemarkierungen und die bauliche Unterhaltung der vom Verein geschaffenen Anlagen bewilligt.

Die Bewirtschaftung des Unterkunftshauses wurde 1901 für zwei Jahre dem Wirt Carl Hunger übertragen. Im Bismarckturm mussten erste Reparaturen in Höhe von 112 Mark durchgeführt werden. Im gleichen Jahr wurden 813 Eintrittskarten verkauft.

Im Jahr 1904 wurde die Veranda des Unterkunftshauses verlängert und zusätzlich eine weitere Veranda errichtet. Die Bewirtschaftung wurde durch den Wirt Carl Hunger bis 1911 weitergeführt. Elf Jahre nach der Einweihung war das Bauwerk komplett schuldenfrei, auch die ausgegebenen Anteilsscheine waren vollständig eingelöst.

In den Jahren 1905 und 1906 wurden Sommerfeste am Bismarckturm abgehalten, dabei wurde in der Dunkelheit die Turmspitze bengalisch beleuchtet. Im Jahr 1906 erhielt das Unterkunftshaus einen Telefonanschluss.

Umfangreiche Sanierungsarbeiten mussten im Jahr 1907 durchgeführt werden, die Ausführung der Arbeiten erfolgte durch Baumeister Görling aus Schneeberg.

Die Bewirtung des Unterkunftshauses erfolgte von 1912 bis 1930 durch Gastwirt Emil Schellenberg. Im Juli 1918 suchte man zunächst nach einem neuen Pächter für das Wirtshaus, der auch die Pacht über den Keilbergturm übernähme.

Der Erzgebirgszweigverein Schneeberg überließ zum 01.01.1919 das Bauwerk kostenlos der Stadtgemeinde Schneeberg.

Das Unterkunftshaus wurde zu einem unbekannten Zeitpunkt abgerissen und durch einen neuen Berggasthof, ebenfalls in Flachbauweise, aber mit überdachter Terrasse und L-förmigem Grundriss, ersetzt.

In der DDR-Zeit erhielt der Aussichtsturm als Schutz ein Dach. Im Jahr 1980 wurden der Turm und die Gaststätte wegen Baufälligkeit geschlossen.

Das Gasthaus konnte nach durchgeführten Sanierungsmaßnahmen im Februar 1987 wiedereröffnet werden, der Turm blieb für Besucher verschlossen.

Nach der Wende im Jahr 1990 war der Turm nicht zugänglich, im März 1991 war eine Sanierung geplant. Das umlaufende Sandsteingesims war nicht mehr erhalten, die 24 Konsolensteine sind noch erhalten.

Nach erfolgter Sanierung im Jahr 1993 wurde der Turm der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht. Über dem Eingang wurde die Inschrift "Keilbergturm" angebracht (Bismarck-Relief ist nicht mehr vorhanden).


Öffnungszeiten

Die Öffnungszeiten des Turmes sind an die Öffnungszeiten der Gaststätte gekoppelt.

Eintritt: 1 € (Erwachsene), 0,50 € (Kinder), Stand Oktober 2015


Links

Gaststätte Keilberg (Montag und Dienstag geschlossen, Stand: Oktober 2015)

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Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 352
- Seele, Sieglinde: Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von SCHNEEBERG/Erzgeb. (Sachsen).
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 3 "Bismarckturm Schneeberg im Erzgebirge, Königreich Sachsen", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 2. Jahrgang 1904 (Nr. 6, S. 3)


Bildmaterial / Fotos

- Jörg Bielefeld, Remscheid (2001)
- Ralph Männchen, Dresden (September 2006)
- Hans-Dieter Hirschmann, Haßloch (Mai 2009)


Ansichtskartenmotiv Bismarckturm Schneeberg (undatiert)