Update: 13.03.2015

Bismarckturm auf dem Kuhberg
Der Bismarckturm in Netzschkau

Vorbemerkungen Teil 1 (Kuhberg)

Im Jahr 1882 wurde auf dem Kuhberg, der höchsten Erhebung des nördlichen Vogtlandes (511 m über NN) ein 8 m hoher hölzerner Aussichtsturm mit einer Grundfläche von 4 m x 4 m errichtet, der in der Sedansnacht 1897 aufgrund von Brandstiftung zerstört wurde. Auf dem Kuhberg verblieb nur noch eine im Jahr 1864 errichtete Granitsäule, die der Triangulation diente.

Bereits im Jahr 1895 beschäftigte sich der Verschönerungsverein zu Netzschkau mit dem Bau eines massiven Aussichtsturmes, da der hölzerne Aussichtsturm bereits Verwitterungsschäden zeigte. Im Mai 1899 wurden die Planungen zum Bau eines neuen Aussichtsturmes konkret erörtert.


Vorbemerkungen Teil 2 (Bismarcksäule für das Vogtland)

Im Vogtland wurde nach dem Aufruf der deutschen Studentenschaft zum Bau von Bismarcksäulen Anfang 1899 eine Gesamt-Bismarcksäule für das Vogtland geplant. Als Standort war Plauen vorgesehen. Zudem sollten weitere Bismarcktürme im Vogtland errichtet werden, geplant waren Markneukirchen und Hof (ausgeführt) sowie Schleiz und Weida (nicht realisiert). Durch einen Zeitungsartikel vom 01.06.1899 des Schriftstellers Dr. Gottfried Doehler (1863-1943) aus Greiz, der den Bau eines weiteren Bismarckturmes für das Vogtland auf dem Kuhberg vorschlug, kam es zum Streit über die Gesamtsäule für das Vogtland.


Bauplanung

Dr. Gottfried Doehler aus Greiz machte in einem Zeitungsartikel am 01.06.1899 den Vorschlag, neben dem geplanten Bismarckturm in Plauen auch in Netzschkau einen Bismarckturm für das Vogtland zu errichten. Am 28.06.1899 stellte er in einer Versammlung in Reichenbach aus 46 Vertretern der umliegenden Orte den Antrag, den geplanten Aussichtsturm auf dem Kuhberg als Bismarcksäule zu errichten. Die von Plauen aus geplante Errichtung einer Bismarcksäule für das Vogtland sollte dabei weiterhin unterstützt werden. Dem Antrag von Dr. Doehler wurde zugestimmt.

Im Kaiserschloss zu Mylau fand am 21.07.1899 eine Versammlung unter Leitung des Stadtrats Merkel statt. Hier wurde beschlossen, Spendensammlungen für den Bau der Säule durchzuführen. Dazu wurden Ortsausschüsse für Reichenbach, Neumark, Greiz, Elsterberg, Herlasgrün, Netzschkau, Mylau und Lengenfeld gebildet.

Bereits am 31.07.1899 fand die konstituierende Versammlung des "Ausschusses für den Bau eines Bismarckturmes auf dem Kuhberg" statt.  Am 15.08.1899 wurde der leitende Gesamtvorstand gewählt (1. Vorsitzender: Stadtrat Merkel; 2. Vorsitzender Dr. Rud.  Neander; Schriftführer: Dr. Doehler; Schatzmeister: Fabrikbesitzer Oswald Popp).

Mit dem „Großen Ausschuss für die Erbauung der Vogtländischen Bismarcksäule“ in Plauen kam es zum Streit hinsichtlich der Errichtung der ursprünglich geplanten gemeinsamen Bismarcksäule für das Vogtland. Beide Ausschüsse beschlossen, jeweils eigene Bismarcksäulen zu errichten: Die allgemeine vogtländische Bismarcksäule sollte in Plauen, die Bismarcksäule auf dem Kuhberg sollte für das nördliche Vogtland errichtet werden.

Der ursprünglich abzuzweigende Spendenanteil in Höhe von 25 % für die Bismarcksäule in Plauen sollte nach einem Beschluss des Komitees in Netzschkau vom 28.08.1899 ausschließlich für die Bismarcksäule auf dem Kuhberg verwendet werden.

Als Bauplatz wurde von den Vorstandsmitgliedern Dr. Neander und Stadtrat Robert Merkel ein fünf Acker großes Areal sowie zwei Zufahrtswege von je vier Meter Breite auf der Spitze des Kuhbergs ausgewählt, welches dem Rittergutsbesitzer Löbering aus Kleingera am 31.08.1899 für 600 Mark pro Acker (gesamt 3.000 Mark) abgekauft wurde. Diese Kosten wurden von der Stadt Netzschkau getragen.

Am 02.09.1899 erschien ein von Dr. Doehler erstellter Spendenaufruf an die Bevölkerung mit der Bitte um Unterstützung durch die Bevölkerung.

Im Oktober 1899 war der Baufonds bereits auf 20.000 Mark angewachsen, der Thüringerwaldverein in Greiz bewilligte 150 Mark für den Turmbau.

Im Schützenhaus wurde am 02.11.1899 die Bildung eines Bauausschusses beschlossen und anschließend ein Bauausschuss gewählt.

In einer Sitzung des Bauausschusses am 10.11.1899 in Greiz wurde der durch Zeichnung und Modell veranschaulichte Turm-Entwurf des Architekten Wilhelm Thurm aus Herzberg im Harz ausgewählt und zur Ausführung empfohlen.

Die Versammlung der Ortsausschüsse stimmte dieser Empfehlung zu, sodass am 08.03.1900 die Ausführung des Entwurfs von Architekt Thurm beschlossen wurde. Nach Prüfung der Kostenanschläge durch eine Kommission von drei Baumeistern (Riedel, Steiner und Weißbach) wurde die Ausführung des Baus am 09.06.1900 zum Festpreis von 25.655 Mark an die Fa. Golle & Kruschwitz aus Greiz vergeben. Dr. Merkel, der seinen Vorsitz im Ausschuss zu dieser Zeit abgab, schlug die Gründung eines Bismarckturmvereins vor.

Kurz vor Baubeginn, am 23.07.1900, wurde das hölzerne Vermessungsgerüst auf der Spitze des Kuhberges abgetragen.

Am Mo., 30.07.1900 um 17:00 Uhr wurde  die feierliche Grundsteinlegung bei Teilnahme zahlreicher Ehrengäste, u.a. Landtagsabgeordneter Geheimrat Opitz, durchgeführt. Bei der Festversammlung hielt Pfarrer Ußwald aus Reichenbach die Festrede. Die Grundsteinurkunde wurde in eine Kapsel gelegt. Die verlötete Kapsel wurde anschließend in den Grundstein eingefügt. Die eigentliche Ansprache zur Grundsteinlegung hielt Dr. Neander, der 1. Vorsitzende des Bismarckturmvereins. Als geplantes Einweihungsdatum wurde der 18.10.1900, Tag der Völkerschlacht bei Leipzig, avisiert.

Am 11.08.1900 wurde der „Bismarckturmverein des nördlichen Vogtlandes“ gegründet. 1. Vorsitzender wurde Dr. Neander, 2. Vorsitzender wurde Apotheker Curt Schnabel aus Reichenbach. Der Verein hatte die satzungsgemäßen Aufgaben, den Turm fertigzustellen und zu erhalten.

Die Ortsausschüsse sammelten insgesamt 24.300 Mark an Spendengeldern ein (Greiz: 7.550 Mark / Reichenbach 4.950 Mark / Netzschkau: 4.500 Mark / Mylau: 3.600 Mark / Lengenfeld: 1.200 Mark / Herlasgrün und Umgebung: 450 Mark / Elsterberg: 430 Mark / Neumark 200 Mark).

Die Ortsausschüsse tagten am 05.10.1900 zum letzten Mal. Auf dieser Sitzung in Elsterberg wurde als Einweihungstermin der 28.10.1900 bestimmt, da am 18.10.1900 viele Vereine nicht zur Verfügung standen und am 21.10.1900 in Netzschkau Kirmes war.

Die Gesamtkosten für den Turmbau betrugen insgesamt 35.000 Mark (inkl. Grundstück, Baumaterial und Feuerschale).


Bauarbeiten

Nach der Grundsteinlegung am 30.07.1900 ging der Bau dank vierzig Arbeitern der Fa. Golle und Kruschwitz aus Greiz zügig voran. Der Bauplatz des Turmes musste 2,50 m tief ausgeschachtet werden, um auf festen Untergrund zu stoßen.

Als Baumaterial für das innere Mauerwerk wurden Ziegel, für das äußere Mauerwerk Fichtelgebirgs-Granit und für die Zwischenfüllung Grauwacke vom Kuhberg verwendet. Für die Treppenstufen wurde Schreiersgrüner Granit von der Fa. C.G. Lenk aus Schreiersgrün verwendet.

Die Bauleitung wurde gemeinschaftlich von der Architekten und Baumeistern Riedel aus Reichenbach, Steiner aus Greiz und Weißbach aus Mylau durchgeführt.


Turmbeschreibung (zur Zeit der Einweihung)

Der 21 m hohe Aussichtsturm mit Befeuerungseinrichtung besitzt als Basis ein 2,50 m tief gegründetes, viereckiges Fundament.

Der quadratische Unterbau des Turmes hat eine Seitenlänge von 10,50 m und trägt den runden, in Zyklopenbauweise sich nach oben hin verjüngenden Turmschaft.

Daran schließt sich in 16 m Höhe der Turmkopf an, welcher aus sechs wuchtigen Kragsteinen besteht, die die obere Befeuerungsplattform stützen. Zwischen den Kragsteinen liegt die Besucherplattform des Turmes.

Die drei aufgesetzten Feuerpfannen aus Eisenblech wurden für 500 Mark von der Fa. Franz Stark & Sohn geliefert. Befeuert wurden die Pfannen ursprünglich mit Holz, Teer, Kolophonium (Harzprodukt) und Benzin befeuert.

Über dem Eingang wurde ein in Stein gehauenes Bismarck-Wappen angebracht. Auf der Südseite des Turmes ist ein Quaderstein in einer Nische des Turmes mit schwarzer Farbe beschriftet:

Erbaut aus den Beträgen des nördlichen Vogtlandes,
gesammelt in den Städten Elsterberg, Greiz, Lengenfeld, Mylau, Netzschkau, Reichenbach und Umgebung, sowie in den Landkreisen Neumark und Herlasgrün im Jahre 1900

Insgesamt wurden für den Bismarckturm 600 m³ Mauerwerk verbaut.

Über vier Steinstufen gelangt man zum Eingangsbereich (Holztür) auf der Nordseite des Turmes. Durch ein massiges, rundes Portal betritt man die mit roten Verblendziegeln verkleidete Innenhalle mit einer Seitenlänge von ca. 4 m.

Eine freigelagerte granitene Treppe mit 62 Stufen führt zum unteren Aussichtsbereich mit drei verglasten Fenstern. Von hier aus gelangt man über eine eiserne Treppe mit 18 Stufen zur oberen Aussichtsplattform mit sechs Ausgucken zwischen den Kragsteinen. Über weitere 20 Stufen einer Metalltreppe erreicht man die Befeuerungsplattform mit einem Durchmesser von 3,80 m (die Metalltreppen haben heute 23 und 16 Stufen, die Befeuerungsplattform wurde nach 1901 zur oberen Besucherplattform ausgebaut).


Turmgeschichte

An der Einweihungsfeier am 28.10.1900 setzte sich um 15:00 Uhr vom Marktplatz ein Festzug, begleitet von zwei Musikkapellen, in Richtung Bismarckturm in Bewegung. Nach der Begrüßung der zahlreichen Gäste hielt Dr. Neander die Begrüßungsrede und nahm von Baumeister Golle den Turmschlüssel entgegen. Die Weiherede hielt Schlossprediger Hacker aus Netzschkau. Danach erfolgte die Übergabe des Bauwerks an die Öffentlichkeit durch Dr. Neander.

Nach einem Festkommers im Netzschkauer Schützenhaus um 19:30 Uhr wurde das erste Bismarckfeuer auf dem Turm entzündet.

In den ersten Tagen nach der offiziellen Eröffnung wurde der Bismarckturm sehr gut von den Besuchern angenommen, allein am 31.10.1900 bestiegen 356 Besucher den Turm.

Allein im ersten Jahr bestiegen 16.000 Personen den Aussichtsturm, um die gute Rundumsicht ins Vogtland zu genießen.

Dr. Neander legte am 27.11.1900 den Vorsitz des Bismarckturmvereins nieder. Das Amt wurde von Apotheker Curt Schnabel aus Reichenbach übernommen. Unter Leitung von Apotheker Schnabel wurde ab dem 24.04.1901 eine Unterkunftshütte mit einer Grundfläche von 7 m x 8,50 m (Kosten: 1.700 Mark) neben dem Bismarckturm errichtet, welche am 26.05.1901 eröffnet wurde. Die Bewirtschaftung der Hütte mit Bismarckzimmer und zwei daran anschließenden Räumen übernahm Gasthofbesitzer Hermann Horlbeck aus Herlasgrün.

Am 07.07.1901 wurde die 20. Abgeordneten-Versammlung des Verbandes Vogtländischer Gebirgsvereine Netzschkau abgehalten, hierbei wurde die Druckschrift „Bismarckturmbuch und Bismarcklieder“ von Gottfried Doehler kostenlos verteilt.

Mitte August 1901 hatten bereits über 10.000 Besucher den Bismarckturm bestiegen. Am 02.09.1901 wurde eine groß angelegte Sedansfeier als Volksfest am Bismarckturm durchgeführt, bei der in den Abendstunden die Bismarcksäule befeuert wurde.

Nach dieser Befeuerung wurde die Feuerpfanne wieder demontiert, da die große Hitze das Mauerwerk geschädigt hatte. Die weiteren „Befeuerungen“ erfolgten danach wahrscheinlich nur noch bengalisch. Die obere Befeuerungsplattform konnte nun als zusätzliche Besucherplattform genutzt werden.

Bei der Vereinssitzung am 11.02.1902 wurde ein Antrag auf Erweiterung der Unterkunftshütte gestellt, da sich die Räumlichkeiten als zu klein erwiesen hatten. Am 30.06.1902 wurde beschlossen, einen Erweiterungsbau nach den Plänen des Architekten Weißbach ausführen zu lassen. Die Arbeiten wurden von Baumeister Dunger zum Preis von 2.800 Mark ausgeführt.

Aufgrund des Wegzugs des 1. Vorsitzenden, Apotheker Schnabel, nach Kötzschenbroda wurde Mitte Februar 1903 Fabrikbesitzer Felix Günther aus Greiz als neuer Vorsitzender des Bismarckturmvereins gewählt. Am 06.09.1903 und am 11.09.1904 wurden Volksfeste mit Wettkämpfen am Bismarckturm durchgeführt, das Bauwerk wurde dabei in den Abendstunden beleuchtet.

Im Jahr 1904 wurden die Fenster am Turm mit Gittern versehen.

Am 09.01.1905 übernahm Fabrikbesitzer Louis Müglitz aus Netzschkau den Vorsitz des Bismarckturmvereins (bis 1912). Am 01.03.1905 wurde Lina Bellstedt Pächterin der Unterkunftshütte.

Bis Mitte August 1905 wurde das Bauwerk schon von ca. 50.000 Besuchern (davon knapp die Hälfte Kinder) bestiegen. Am 03.09.1905 wurde erneut ein Volksfest am Turm durchgeführt.

Am 31.05.1906 wurde in Anwesenheit des Königs Friedrich August III. von Sachsen und der Schlossherrin von Netzschkau, Gräfin Frieda von Schönburg-Glauchau, ein Trachtenfest durchgeführt. Der König trug sich in das Ehrenbuch des Bismarckturmvereins ein.

Das alljährliche Volksfest am 02.09.1906 wurde mit der Gauturnfahrt des südvogtländischen Gaues verbunden. Auf einen 15.000 m² großem Festplatz am Fuß des Kuhberges wurden Wettkämpfe durchgeführt.

Auf der Vereinssitzung am 17.03.1907 wurde die neue, im Auftrag des Vereins von Schuldirektor Tischendorf entworfene Vereinssatzung einstimmig genehmigt. In der neuen Fassung der Satzung wurde das Gedenken an den ehemaligen Reichskanzler Otto von Bismarck in den Vordergrund gestellt, welches durch die Maßnahmen Erhaltung des Bismarckturms, Veranstaltungen bei nationalen Gedenktagen und Festspiele ausgedrückt werden sollte. Die neue Fassung der Satzung wurde am 11.05.1907 beim Amtsgericht Reichenbach ins Vereinsregister eingetragen.

Im Vereinsjahr 1908 wurden 40.051 Eintrittskarten für Erwachsene und 17.031 Eintrittskarten für Kinder verkauft. Am 07.09.1908 wurde das alljährliche Volksfest durchgeführt. Zudem wurde eine 6 m x 18 m große Gartenhalle nach Plänen des Architekten Weißbach auf dem Kuhberg errichtet und ein 12,30 m tiefer Brunnen gegraben.

Zur Zehn-Jahresfeier des Bismarckturms fand am 28.08.1910 ein Festzug statt, zudem wurden Festspiele am Turm aufgeführt.

Eine weitere Vergrößerung der Unterkunftshütte erfolgte im Jahr 1912, es wurden eine geräumige Küche, ein Wohn- und ein Schlafzimmer angebaut.

Auf der Vereinssitzung vom 10.11.1912 wurden durch Ausscheiden dreier Vorstandsmitglieder folgende Vorstandsmitglieder gewählt: 1. Vorsitzender: Schuldirektor Tischendorf, Schriftführer: Fabrikbesitzer Karl Floß und Schatzmeister: Dr. Dornheim.

Anlässlich der 100-Jahrfeier der Befreiungskriege wurde am 18.10.1913 ein großes Fest gefeiert. Um 17:30 Uhr marschierte ein von Lampionträgern begleiteter Festzug zum Turm. Nach einer Rede von Schuldirektor Tischendorf wurde der Bismarckturm bengalisch beleuchtet.

Am 02.09.1914 wurde – trotz Beginn des 1. Weltkrieges, eine Sedansfeier am Turm durchgeführt, an der 200 Schulkinder der Oberklassen der Bürgerschule zu Netzschkau teilnahmen.

Zu Otto von Bismarcks 100. Geburtstag am 01.04.1915 wurde in der Unterkunftshütte am Bismarckturm eine  Bismarckfeier abgehalten, zu Hindenburgs 70. Geburtstag am 02.10.1917 fand in der Hütte eine Festsitzung statt. In der Hauptversammlung des Vereins am 16.12.1917 wurde diskutiert, ein Kriegswahrzeichen direkt am Bismarckturm mit zwei Bogenhallen anzuschließen. Aufgrund der Kriegsniederlage und der Auflösung des Heeres kam man von diesem Vorhaben wieder ab.

Am 01.04.1918 wurde Paul Dressel Nachfolger der Unterkunftshaus-Pächterin L. Bellstedt. Bei der 1. Hauptversammlung nach dem 1. Weltkrieg am 30.03.1919 wurde P. Dressel in seinem Amt als Bergwirt bestätigt. Paul Dressel war bis 1935 als Bergwirt tätig.

In der Hauptversammlung am 06.03.1920 wurde berichtet, dass sich das Vereinsleben erholt hat und dass der Kuhberg wieder zahlreich besucht wurde. In dieser Sitzung stiftete Fabrikbesitzer Dietel eine Bismarck-Büste für das Bismarck-Zimmer sowie 1.000 Mark zur Förderung der Vereinszwecke.

Am 26.07.1921 fand auf dem Kuhberg ein geselliger Abend für alle Vereinsmitglieder nebst Angehörigen statt.

Am 15.04.1922 wurden Schäden am Bismarckturm, an der Unterkunftshütte und in der Gartenhalle festgestellt. Daraufhin wurde in der Hauptversammlung am 13.05.1922 beschlossen, ein Darlehen in Höhe von 15.000 Mark aufzunehmen, um die Schäden beseitigen zu können.

Noch im gleichen Jahr wurden Sanierungsmaßnahmen durchgeführt, u.a. wurden alle 23 Fensterscheiben ersetzt, die Turmtür und die eiserne Stiege wurden neu gestrichen.

Durch die nun folgende (Hyper-)Inflation verzichtete der Verein zeitweise auf die Einziehung der Mitgliedsbeiträge, nachdem man im August 1923 den Beitrag auf 50.000 Mark angehoben hatte.

In den Jahren 1924 und 1925 wurden neue Grundlagen für die Vereinsarbeit geschaffen. Es wurde geplant, ein neues Unterkunftshaus nach den Plänen des Baumeisters Drechsels zu bauen.

Am 28.10.1925 wurde das 25. Jahresjubiläum des Bismarckturms im Rahmen einer Bergfeier durchgeführt. Bei einer Festsitzung im Unterkunftshaus wurden sieben besonders verdiente Mitglieder mit Urkunden geehrt, abends wurde der Bismarckturm bengalisch beleuchtet.

Im Jahr 1927 wurde die Unterkunftshütte an das Stromnetz angeschlossen.

Zwischen 1935 und 1944 war Oswald Mangold als Bergwirt im Unterkunftshaus tätig.

Die neben dem Turm befindliche Baude, an die in den 1920er Jahren eine Sommergaststätte angebaut worden war, wurde am 16.04.1945, einen Tag vor dem Einmarsch der amerikanischen Armee, gesprengt, da dort während des 2. Weltkrieges eine Funkstation eingerichtet worden war.

Im Jahr 1945 wurde der Bismarckturmverein aufgelöst, der im Krieg unbeschädigt gebliebene Turm und die Gebäude auf dem Kuhberg gingen in das Eigentum der Stadt Netzschkau über.

Nach 1945 verwahrloste der Bismarckturm, die Fenster wurden eingeschlagen und die Treppe beschädigt. Die Gartenhalle wurde im Oktober 1946 in Stadtgut ans Schloss umgesetzt, um einer Verwahrlosung vorzubeugen.

In den Jahren 1953 und 1954 wurden u.a. aus im Jahr 1953 im Kreisgebiet Reichenbach gesammelten Spenden eine neue Kuhbergbaude nach dem Entwurf von Werner Hartig aus Netzschkau errichtet, die am 10.10.1954 eingeweiht wurde. Das Umfeld des Bismarckturms wurde zu dieser Zeit verbessert und neue Orientierungstafeln wurden aufgestellt.

Kurz darauf zeigten sich am Turm erste Witterungsschäden, die nicht ausgebessert wurden, sodass das Bauwerk Ende der 1960er Jahre gesperrt werden musste.

In den Jahren 1973/1974 erfolgte eine umfassende Sanierung des Turmes für 130.000 DDR-Mark. Im Juni 1974 wurde der Aussichtsturm wieder für Besucher geöffnet.

Im Jahr 1975 wurden Turm und Baude unter Denkmalschutz gestellt. Das Bauwerk wurde nicht mehr als Bismarckturm bezeichnet, sondern als Aussichtsturm auf dem Kuhberg oder Kuhbergturm.

Im Jahr 1991 wurden erneut neue Orientierungstafeln auf dem Turm installiert. Im Mai 1991 wurde neben dem Aussichtsturm eine Modelleisenbahnanlage (Spur G) aufgebaut. Im gleichen Jahr wurde neben dem Kuhbergturm ein in den Jahren 1959 und 1960 errichteter, viereckiger Funkturm der Volkspolizei gesprengt und ein 75 m hoher, runder Richtfunkturm der Telekom errichtet.

Im Herbst 2000 wurde das 100. Jubiläum des Bismarckturmes gefeiert.


Öffnungszeiten

Die Öffnungszeiten des Turmes orientieren sich an den Öffnungszeiten der Kuhbergbaude (benachbarte Gaststätte, Tel.: 03765/34125)


Links

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Kuhbergbaude (mit 360°-Panoramablick)


Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 286
- Seele, Sieglinde: Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von NETZSCHKAU (Sachsen)
- Tischendorf, Julius: „Aus der Geschichte des Bismarckturms und des Bismarckturmvereins des nördlichen Vogtlands. Ein Jubiläumsbericht“, Broschüre, Verlag des Bismarckturmvereins des nördlichen Vogtlands, Netzschkau 1926
- Scholz, Bernd und Naumann, Falk: Kuhberg Brockau Netzschkau, Broschüre Netzschkau 2000
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 32 "Bismarck-Feuersäule bei Netzschkau i. Vogtl.", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 2. Jahrgang 1904 (Nr. 9, S. 3); 3. Jahrgang 1905 (Nr. 11, S. 6-8, 11); 4. Jahrgang 1906 (Nr. 7/8, S. 114); 5. Jahrgang 1907 (Beilage: „Die Bismarck-Feuersäule“); 6. Jahrgang 1908 (Nr. 11/12, S. 204); 8. Jahrgang 1910 (Nr. 10/11, S. 145, 174-175)
- Ehrhardt, Max: Bismarck im Denkmal des In- und Auslandes, Thüringische Verlags-Anstalt Eisenach-Leipzig, 1903, "Die Bismarck-Säule auf dem Kuhberg b. Netzschkau i. Vogtl.“


Bildmaterial

- Jörg Bielefeld, Remscheid (Fotos Oktober 2002); historische Ansichten: Archiv J. Bielefeld
- Ralph Männchen, Dresden (Fotos April 2005)
- Hans-Dieter Hirschmann, Haßloch (Fotos September 2009)