Update: 01.10.2017


Der Bismarckturm in Leipzig
Der Bismarckturm Lützschena-Stahmeln

Bauplanung

Bereits im Jahr 1899 starteten angesehene Leipziger Bürger einen Aufruf an die Leipziger Bürgerschaft, um Spenden für eine Bismarcksäule in Leipzig zu sammeln. Auch eine vom Bismarck-Ausschuss der Leipziger Studentenschaft einberufene Versammlung fasste den Entschluss, in Leipzig eine Bismarcksäule errichten zu lassen.

Im Jahr 1905 betrachtete die akademische Jugend Leipzigs den Bau einer Bismarcksäule noch immer als ihre Aufgabe.

Im Jahre 1909 regte der Leipziger Kaufmann Otto Erler den Bau eines Bismarckturmes bei Leipzig an. Kurz darauf schloss sich ein Kreis von Bismarck-Verehrern zusammen, um bis zum 100. Geburtstags Bismarcks im Jahr 1915 den Bau anzustreben. Mit Unterstützung des Amtshauptmannes Alfred von Nostitz-Wallwitz bildete sich im Dezember 1910 ein „Ausschuss zur Errichtung eines Bismarckturmes bei Leipzig“.

Dieser Ausschuss rief die Leipziger Bevölkerung Anfang 1911 dazu auf, den Bau dieses Bismarckturmes finanziell kräftig zu fördern. Die Säule war als Gegenstück zum Völkerschlachtdenkmal gedacht.

Bei der noch im Dezember 1910 geführten Standortdiskussion konnte sich der Ausschuss zuerst nicht auf einen geeigneten Standort festlegen. Zur Wahl standen u.a. der Tannenwald bei Lindenthal und der Wachberg bei Rückmannsdorf. Man wählte den Turmstandort schließlich außerhalb der Grenzen von Leipzig auf dem Erlerberg bei Hänichen, der höchstgelegenen Stelle im Umkreis. Ausschlagend war wahrscheinlich die kostenlose Überlassung des 10.350 m² großen Bauplatzes (Parzelle 88 und 90 des Flurbuches für Hänichen) durch Otto Erler am 21.12.1910. Dieser ließ den Bauplatz kostenlos „zur Verstärkung der Höhenlage“ zu einer Hügelanlage aufschütten.

Der Bauplatz wurde nach Begutachtung durch Sachverständige, dem Geh. Hofrat Clemens Thieme (Erbauer des Völkerschlachtdenkmals) und der Königl. Sächsischen Bauräte Mittelbach und Bestelmeyer aus Dresden als „sehr geeignet“ klassifiziert.

Nach Klärung der Platzfrage beschäftigte man sich mit der Frage der Ausführung des Turmes. Zu diesem Zweck wurde im März 1911 vom Ausschuss ein Preisausschreiben für einen Bismarckturm mit geschätzten Baukosten von 100.000 Mark initiiert. 88 Entwürfe für einen Bismarckturm gingen ein und wurden öffentlich ausgestellt. Die drei besten Entwürfe wurden mit Preisen ausgezeichnet. Der 1. Preis ging an die Architekten H. Günter und Hermann Kunze aus Leipzig. Dieser Entwurf wurde angenommen und ausgeführt.

Da die veranschlagte Bausumme hoch war und die Spenden aus der Bevölkerung nicht die erforderliche Höhe erreichten, wurde der Entwurf mehrmals vom Königl. Sächs. Baurat Bestelmeyer abgeändert. Das Bauwerk sollte nun maximal 70.000 Mark kosten. Aus technischen Gründen sollte das Bauwerk nicht mehr auf dem Hügel, sondern vor dem Hügel auf dem Erlerberg bei Hänichen errichtet werden.

Am 23.09.1913 wurde ein Bismarckturm-Verein e.V. zu Leipzig als Nachfolger des Ausschusses gegründet. Der Verein wollte durch die Beiträge der Mitglieder die noch fehlende Summe für den Bau sammeln. Vorsitzender dieses Vereins war Kaufmann Friedrich Gontard aus Leutzsch.

Das endgültige Turmmodell wurde auf 2.000 Plakate gedruckt.


Bauarbeiten

Der Verein beschloss, als Material keinen „fremdartigen Baustein“, sondern Sand, Kies und Wasser aus der umliegenden Gegend für einen Eisenbetonbau zu wählen.

Für die Bauausführung wählte man einen Spezialisten für Eisenbetonbauten, die Fa. Max Pommer aus Leipzig. Architekt Hermann Kunze aus Leipzig wurde mit der Bauleitung beauftragt.

Der Zement wurde in Verschalungsformen, die die inneren und äußeren Umrisse des Turmes begrenzten und deren Hohlräume mit Rundeisengerippen versehen waren, gefüllt und festgestampft.

Die äußeren Flächen des Turmes wurden während der Betonierungsarbeiten mit einer Betonvormasse aus fein gesiebtem Naunhofer Sand versehen. Nach Entfernen der Verschalungsformen und ausreichender Erhärtung wurde die Betonvormasse steinmetzmäßig bearbeitet.

Für einige Innenflächen (Innenornamente, Freitreppe und Portal) wurde eine künstliche Muschelkalksteinmischung als Betonvorsatz verwendet.

Für den Putz wurde Zementmörtel, für den Anstrich Zementmilch verwendet.

Für die Innengestaltung der Gedächtnishalle, des Vorplatzes und der gärtnerischen Anlagen war das Hochbauamt des Rates der Stadt Leipzig unter der Leitung von Oberbaurat Scharenberg unter Mitwirkung von Stadtbauinspektor Bischof und Gartendirektor Hampel zuständig.

Am 27.02.1914 erklärte sich der Rat der Stadt Leipzig vorbehaltlich der Zustimmung der Stadtverordneten bereit, den Turm zu schützen und zu pflegen. Diese Zustimmung der Stadtverordneten erfolgte am Tage der Grundsteinlegung (01.04.1914).

Bei der feierlichen Grundsteinlegung am 01.04.1914 hatte man bereits 60.000 Mark für den Bau gesammelt. Die Gesamtkosten für den Turm betrugen 63.000 Mark.

Im August 1914 war der Rohbau des Turmes fast beendet.

Am 18.09.1914 wurde wegen des 1. Weltkrieges das Richtfest in einfacher Form durchgeführt. Die Bauarbeiten am Turm konnten am 20.01.1915 abgeschlossen werden.


Turmbeschreibung (zur Zeit der Einweihung)

Der aus Stampf- und Eisenbeton errichtete Bismarckturm in Lützschena-Stahmeln wurde als Aussichtsturm mit Befeuerungsmöglichkeit errichtet.

Der 30,75 m hohe Baukörper lässt sich in drei Ebenen gliedern. Der Turm besteht aus drei aufeinander stehenden, sich jeweils nach oben hin verjüngenden Turmschäften.

Das Fundament ist nicht als Flächenfundament angelegt, sondern besteht aus acht Punktfundamenten (Säulen), die die Gedächtnishalle tragen.

Vor dem Eingang des Bismarckturmes wurde ein 5 m breiter und 30 m langer Vorplatz angelegt, der 1,45 m oberhalb der zuführenden Straße liegt. Über eine 7,65 m breite Freitreppe mit acht Stufen ist das Turmportal erreichbar. Die Freitreppe ist durch eine niedrige Brüstung zwischen je fünf Postamenten rechts und links abgegrenzt, die mit insgesamt zehn jeweils 1 m im Durchmesser großen Kugeln bekrönt wurden.


1. Ebene:
Unterschaft

Der 10,2 m hohe Unterschaft ragt zum Teil in den Berg hinein und hat einen quadratischen Grundriss mit einer Kantenlänge von 11,40 m x 11,40 m.

Das zweiflügelige Eingangsportal wurde aus Eichenholz mit schmiedeeisernen Beschlägen gefertigt.

Durch das Portal gelangt man in die 7,40 m x 7,40 m große (lichte Weite) und 8,75 m hohe (lichte Höhe) Ehren- und Gedächtnishalle.

Die Umfassungen der Halle werden von acht massiven Eisenbeton-Wandpfeilern begrenzt, die den Mittelschaft tragen. Die vier Eckpfeiler sind in 4,10 m Höhe jeweils von einem 0,75 m hohen Löwenkopf nebst Wappen der Stadt Leipzig bekrönt.

Zwischen den Pfeilern sind 0,20 m starke Eisenbetonwände angeordnet, die in jeder Hallenecke vorspringende Eckpfeiler bilden, zwischen denen wiederum vier Gurtbögen sowie die flach gewölbte Decke spannen und die Halle nach oben abschließen.

Mittig der oberen Wölbdecke wurde ein 2,70 m x 2,70 m großes Oberlichtfenster mit bunter Kunstverglasung (Motiv: Eisernes Kreuz [als Ausdruck des Heldentums] vereinigt mit dem Kreuz Christi mit angedeuteter Dornenkante [als Ausdruck des Gottvertrauens]) eingelassen, welches von Kommerzienrat Karl Reichelt gespendet worden war.

Auf einem 1,83 m Meter hohen Marmorpostament (gefertigt von der Steinmetzfirma Laux aus Leipzig) im hinteren Bereich der Ehrenhalle wurde am 24.03.1915 eine 1,30 m hohe bronzene Bismarckbüste aufgestellt. Die Büste war von Bildhauer Harro Magnussen entworfen und von der Gießerei Gladenbeck & Sohn in Berlin gegossen worden. Die von Dr. Willmar Schwabe aus Leipzig gestiftete Büste wurde vor einer halbkreisförmigen Nischenwand positioniert, die im oberen Bereich von einer stark verzierten Muschel bekrönt ist. Die hintere Stirnwand ist im Anschluss an die Muschel zudem mit einfach profilierten Kassettenfeldern nebst Rosetten geschmückt.

Der Fußboden der Gedächtnishalle wurde mit halbgeschliffenen Solnhofener Platten ausgelegt, die auf einer vorher ausgelegten Eisenbetonplatte in Zementmörtel verlegt waren.

Die freien Wandflächen sollten zur Aufnahmen von Gedenktafeln für die „Kriegshelden“ dienen, die in der Amtshauptmannschaft Leipzig ansässig waren. Dieser Wunsch wurde auf der Richtfestfeier am 18.09.1914 geäußert (aber nie realisiert).

Rechts und links des Eingangs-Portals sind Treppenaufgänge angeordnet, rechts eine Treppe zum Aufgang und links eine Treppe zum Abgang, bestehend aus je vier Läufen mit je 13 Stufen und dazwischen liegenden Ruhepodesten.

Die Belichtung der Treppen erfolgt durch die in den äußeren Umfassungen angeordneten Fenster, darunter die beiden achteckigen, 1,50 m großen Seitenfenster in bunter Kunstbemalung, das eine das Wappen Bismarcks, das andere das Reichswappen darstellend (Schenkungen von Karl Fritzsche und Alfred Lodde).
Die weitere Belichtung erfolgt indirekt durch das Oberlicht der Gedächtnishalle und die in deren Umfassung zweckmäßig angeordneten, von schmiedeisernen Gittern abgeschlossenen Durchbrechungen.

Der erste 1 Meter breite Rundgang oberhalb des Unterschaftes wird von einer 1 m hohen und 0,20 m starken Eisenbetonbrüstung abgegrenzt.

2. Ebene: Mittelschaft

Der 12,45 m hohe Schaft ist ebenfalls quadratisch und hat eine Seitenlänge von 8,70 m x 8,70 m. Der Mittelschaft, der von der Form her an den Entwurf "Götterdämmerung" von Wilhelm Kreis erinnert, hat im Gegensatz zum Unterschaft abgerundete Ecken.

Der Mittelschaft mit seinen 0,65 m starken Umfassungspfeilern und 0,30 m starken Wandungen weist keine besondere Innenarchitektur auf. Die Wände sind geweißt. Die Belichtung des Raumes erfolgt durch die oberen und unteren Seitenfenster sowie durch die Türoberlichter.

Zur Besteigung des Turmes nach dem zweiten Rundgang dient die aus den Umfassungen herausragende 1 m breite Eisenbetontreppe, welche aus sechs Läufen mit fünf Ruhepodesten (gesamt: 72 Stufen) besteht.

Den Abschluss des Mittelschaftes bildet eine Eisenbetondecke mit vier sich kreuzenden Balken, auf denen die Umfassungen des Oberschaftes ruhen. Die Decke ist zugleich der Boden des Oberschaftes und des zweiten, 1 m breiten Rundganges, welcher ebenfalls von einer 1 m hohen und 0,20 m starken Eisenbetonbrüstung begrenzt ist.

3. Ebene: Oberschaft

Auf dem 8,10 m hohen Oberschaft (Kantenlänge oben: 5,70 m x 5,70 m) mit seinen 0,25 m starken Umfassungen und nach außen abgerundeten Ecken wurde als Abschluss die gusseiserne Feuerschale (Durchmesser 2,00 m) angebracht.

Die Besteigung der obersten Plattform ist durch eine gelenkartig an der Wand  befestigte und mit Handgriff versehene Schiebeleiter möglich. Die 5,35 m hohe Schiebeleiter musste schräg eingestellt werden.

Über fünf an der Wandaußenseite angebrachte Steigeisen konnte man vom Inneren des Oberschaftes zur gusseisernen Feuerschale (Durchmesser: 2,00 m) gelangen.

Über diesen Weg wurden zunächst eigens hergestellte Feuertöpfe mit ringförmigem Querschnitt in der Feuerschale dicht nebeneinander aufgereiht. Die Töpfe waren mit einer benzinhaltigen Pechmischung gefüllt.

Weitere Beschreibung

Über insgesamt 124 Treppenstufen gelangt man von unten bis zur oberen Aussichtsterrasse.

Über dem Portal wurde der Name "BISMARCK" angebracht.


Turmgeschichte

Die Einweihungsfeier am 01.04.1915 begann in der Kirche zu Hänichen. Aufgrund von begrenztem Raum wurden Platzkarten verkauft. Der Bismarckturm wurde zur Einweihung erstmals befeuert. Das Bauwerk wurde nach der Feier in Eigentum, Schutz und Pflege der Stadt Leipzig übergeben.

Trotz der Übergabe des Turmes an die Stadt wurde die offizielle Eigentumsübertragung an die Stadt am 30.09.1915 eingeleitet und erst am 24.05.1917 durchgeführt.

Der Turm wurde ab sofort von einem Wärter betreut und für Besucher geöffnet. Vom 01.04. bis zum 31.10.1915 war das Besteigen des (geöffneten) Turmes problemlos möglich.

Am 14.05.1920 wurde der bisherige Turmwärter Kühne aus Hänichen entlassen.

Im März 1922 musste das Bauwerk wegen kleiner Reparaturarbeiten geschlossen werden. Die Türen wurden gestrichen und Fensterscheiben eingesetzt. Ab 1922 war das Bauwerk nicht ständig geöffnet. Über den künstlichen Hügel war ein Erreichen des 1. Turmumganges möglich. Bis 1925 wurde der Bismarckturm mehrfach stark beschädigt, sämtliche Fenster bis zum obersten Stockwerk wurden eingeschlagen, Fensterrahmen wurden ausgehängt und gestohlen.

Die notwendigen Reparaturen konnten erst im Frühjahr 1926 durchgeführt werden. Ab Sommer 1926 öffnete ein neuer Wärter den Turm über die ganze Woche. Der Zulauf war zu dieser Zeit gering, so dass die Geldmittel fehlten, um neue Bismarckturm-Eintrittskarten drucken zu lassen.

Der Eintritt betrug nun 10 Pfg. für Erwachsene und 5 Pfg. für Kinder.

Im Zuge der Gleichschaltung im 3. Reich erlosch am 20. März 1939 der Bismarckturm-Verein nach Liquidation.

Nach dem Zweiten Weltkrieg musste die Verwüstung des Turminneren und die Entfernung aller Hinweise auf Bismarck festgestellt werden. Die Eingangstür war aufgebrochen und sämtliche Fensterscheiben waren eingeschlagen.

Zu Zeiten der DDR wurde der Bismarckturm in Turm der Freundschaft umbenannt. Die gesamte Umgebung des Turmes verwahrloste. Der Turm selbst verfiel so stark, dass das Betreten der Aussichtsterrassen verboten wurde.

In einem Protokoll der Lützschenaer Gemeinderatssitzung vom 28. August 1961 fragte ein Mitarbeiter des VEB MAB (Maschinen- und Apparatebau) aus Schkeuditz an, ob die Kugeln des Turmes der Freundschaft, welche schon fast bis an die Straßenbahnschienen gerollt wären, durch den MAB abgeholt werden könnten. Diesem Gesuch stimmte der Gemeinderat zu, um die Kugeln nicht auf eigene Kosten entfernen lassen zu müssen.

Im Juni 1990 waren die Steinstufen der Freitreppe des mit Parolen verunzierten Turmes teilweise verschüttet. Der ursprüngliche Eingang war mit Mauersteinen verkleinert worden. Einige Fenster waren ganz oder teilweise zugemauert.

Ende 1994 erwarb die Gemeinde Lützschena-Stahmeln den Turm von der Stadt Leipzig.

Am 24.06.1996 wurde erstmals wieder eine Sonnenwendfeier am Bismarckturm durchgeführt. Der am 10.01.1997 gegründete Bismarckturmverein Lützschena-Stahmeln e.V. kümmert sich seitdem um den Turm.

Nach Sanierungsarbeiten (z.B. neuer Außenputz, Blitzableiter) konnte der Turm am 02.03.1997 für den Besucherverkehr wieder freigegeben werden.

1997 fand der Verein am Turm nur noch sechs der ursprünglich zehn Betonkugeln vor. Eine der verschollenen Kugeln konnte in Liebenau vor einer Gaststätte ausfindig gemacht werden. Die Kugel wurde mit Zustimmung des Bienitzer Bürgermeisters Manfred Nagel unter Amtshilfe seines Lützschenaer Kollegen Detlef Bäsler zum Bismarckturm zurückgebracht.

Im Juni 1998 wurden die "BISMARCK"-Inschrift über der Tür sowie die Außentreppe erneuert. Seit dem 30. Juli 1998 kann der Turm in den Abendstunden illuminiert werden. Im Juni 1999 wurde die alte Tür durch eine stabile Holztür ersetzt.

Am 01.01.1999 wurde Lützschena-Stahmeln im Rahmen einer Gebietsreform in die Stadt Leipzig eingemeindet.

Nach der Wiedereröffnung des Turmes brachte die Lützschenaer Feuerwehr Holz und Brennpasten zu besonderen Anlässen in die Feuerschale, damit die Flamme entzündet werden konnte. Die Außenleiter wurde 1999 aus Sicherheitsgründen durch eine moderne, abschließbare Leiter im Turminneren ersetzt.

Nach der Sanierung der Außenhaut erhielt der Turm mit Unterstützung der Firma Rheingas eine Flüssiggasanlage, mit der die Flamme nun per Knopfdruck entfacht werden kann. Diese Gasflamme war erstmals zur Sonnenwendfeier am 29. Juni 1999 zu sehen. Seitdem wird das Bauwerk jedes Jahr mehrmals bei allen großen Veranstaltungen befeuert.

Der Bismarckturm-Verein entwickelte Anfang 2004 ein Konzept, um den Bismarckturm für Touristen noch attraktiver zu machen. Die ersten Maßnahmen konnten bis zum Sommer 2004 abgeschlossen werden (umfangreiche Arbeiten am Entwässerungssystem, Änderung des Haltestellennamens (Verkehrsbetriebe MDV) von "Hänichen" zu "Hänichen, Bismarckturm".

Der Verbleib der drei nicht mehr vorhandenen Beton-Kugeln konnte nicht geklärt werden. Diese wurden am 20. September 2005 durch Nachbildungen ersetzt.

Im Juli 2010 wurde in der Festhalle die von zwei Leipziger Architekturstudenten entworfene Betonskulptur „Schichtung“ aufgestellt. Wie der Turm selbst wurde auch die Skulptur aus Stahlbeton gefertigt.

Der gemeinnützige Verein sammelte von 2010-2014 insgesamt 6.600 € Spenden für eine neue, moderne Bismarckbüste auf einem neuen Postament.

Vom Leipziger Künstler Dietmar Lenz wurde passend zur Bausubstanz des Turmes eine neue Büste aus Gussbeton angefertigt. Diese wurde an einer mattierten Glasplatte angebracht, auf der die 25 Bundesmitglieder der durch Bismarck initiierten Reichseinigung von 1871 zu lesen sind. Die Büste wurde am 01.04.2015 enthüllt.

Im September 2017 wurde angekündigt, dass als nächste Sanierungsmaßnahmen die Treppenstufen (innen) saniert werden sollen. Dazu werden noch Spenden benötigt.


Umfeld des Turmes

In den Jahren 1914 / 1915 wurde eine Lindenallee als direkter Zugangsweg (Sichtachse) zum Turm gepflanzt. 1973 wurde diese Allee als Naturdenkmal unter Schutz gestellt. Der Bestand wurde ab der heutigen Straßenbahn-Trasse sechssreihig angelegt. Die Allee setzt sich zweireihig fort und öffnet sich quadratisch vor dem Turm. Die Linden wurden auch als Anspielung auf den Namen Leipzig als "Lindenort" gepflanzt.

1999 wurden dreizehn neue Krimlinden gepflanzt, um die in der Nachkriegszeit in der Allee entstandenen Lücken wieder zu füllen.

Mitte April 2008 wurden in der historischen, zum Bismarckturm führenden Linden-Allee 33 sogenannte Krim-Linden gepflanzt. Das ursprüngliche Aussehen des Platzes vor dem Turm, der von doppelseitig gepflanzten Linden begrenzt war, wurde so wieder hergestellt.

Vom Turm aus bietet sich eine gute Aussicht auf das Völkerschlachtdenkmal und auf die Silhouette von Leipzig (u.a. den früheren Universitätsturm) sowie (bei guter Sicht) auf den Bismarckturm in Petersberg bei Halle.

Anschrift:
Bismarckturm-Verein Lützschena-Stahmeln e. V.
Am Brunnen 4
04159 Leipzig


Links:

Bismarckturm-Verein Lützschena-Stahmeln e.V.

Der Bismarckturm bei Leipzig (ausführliche Baubeschreibung, Beton und Eisen, 14. Jahrgang 1915, Download)

Die Festordnung für die Weihe-Feier des Bismarckturmes (zeitgenössischer Bericht, Download)

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Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 249-250
- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von LEIPZIG
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 195 "Bismarck-Feuersäule bei Leipzig-Hänichen", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 3. Jahrgang 1905 (Nr. 5, S. 6); 7. Jahrgang 1909 (Nr. 6, S. 96), 9. Jahrgang 1911 (Nr. 1, S. 11; Nr. 4, S. 76; Nr. 8, S. 153/154), 12. Jahrgang 1914 (Nr. 1, S. 10/11; Nr. 4/5, S. 61)
- Meltzer, Martin: Der Bismarckturm bei Leipzig in der Flur Hänichen, Druck von Hermann Springer, Leipzig, 1915
- Beton u. Eisen 14. Jg., 1915, Heft 11 (3.7.), S. 149-152
- http://www.bismarckturm-verein.de (Netzseite des Bismarckturm-Vereins Lützschena-Stahmeln), Abruf am 28.05.2011


Bildmaterial

- Michael Stolle, Nürnberg (2006)
- Hans-Dieter Hirschmann, Haßloch (Oktober 2006, Juni 2008, Mai 2009)
- Jörg Bielefeld, Remscheid (historische Ansichtskartenmotive)