Update: 11.03.2015

Feuersäule nach 50 Jahren gesprengt
Die Bismarcksäule in Freiberg

Bauplanung

Der Bau dieser Bismarcksäule wurde durch die Freiberger Studentenschaft der Kgl. Sächs. Bergakademie Freiberg im Wintersemester 1898/1899 angeregt.

Am 23.02.1900 teilte der Vorsitzende des Verbandes der Studierenden an der Königlichen Bergakademie Freiberg mit, dass bereits 3.900 Mark für den Turmbau gesammelt worden waren. Die Gesamtkosten für den Turmbau wurden auf 8.000 – 10.000 Mark geschätzt, bei einem Spendenaufkommen ab 7.000 Mark sollte der Baubeginn erfolgen.

Die Standortfrage wurde am 03.03.1900 erörtert. Der Verband der Studierenden hielt sich selbst nicht für fachkundig genug, um eine Entscheidung zu treffen. Daher überließen die Studenten der Baukommission der Stadt Freiberg die wesentlichen Fragen bezüglich des Turmstandortes und der Ausführung.

Als Turmstandort wurde der Galgenberg (mit 460 m über NN höchster Punkt in Freiberg und Umgebung) im Südwesten der Stadt Freiberg ausgewählt. Ein großer Teil des geplanten Baugrundstückes (5.000 m²) war bereits im Eigentum der Stadt und wurde unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Ein 1.900 m² großes angrenzendes Grundstück wurde dem Eigentümer Kaufmann Robert Hiller für 305,60 Mark abgekauft. Die Stadt Freiberg musste vertraglich erklären, dass auf dem gekauften Grundstück eine Bismarcksäule errichtet wird.

Am 01.10.1900 wurde das zugekaufte Grundstück (Grundbuchblatt 193) vertraglich an die Stadt Freiberg übergeben.

Die Stadt Freiberg erklärte sich bereit, die Herstellung und die Unterhaltung des Bauplatzes zu übernehmen. Die für den 11.10.1900 geplante Grundsteinlegung wurde auf dem 22.06.1901 verschoben.

Am 20.12.1900 war der Turmbaufonds auf über 5.000 Mark angewachsen.

Wie in vielen anderen Orten wurde auch in Freiberg der von der deutschen Studentenschaft mit dem 1. Preis ausgezeichneten Bismarcksäulen-Entwurf "Götterdämmerung" des Architekten Wilhelm Kreis zur Ausführung ausgewählt.

Im Jahr 1901 lagen drei Kostenanschläge vor, von denen der günstigste in Höhe von 8.000 Mark ausgewählt wurde. Durch Verzicht des Einbaus einer Treppenanlage sollten weitere 500 Mark eingespart werden, sodass die Gesamtkosten auf 7.500 Mark reduziert werden konnten. Im Säuleninnern sollten lediglich Steigeisen für den Aufstieg zur Feuerpfanne eingelassen werden. Die Stufenanlage sollten aus Lausitzer Granit gefertigt werden, für den Säulenaufbau sollten Muldaer und Freiberger Granitgneis verwendet werden.

Anfang Mai 1902 wurde festgestellt, dass der Bauplatz für die Bismarcksäule direkt über einem Steinbruch lag, sodass sich die Gründung der Säule verteuerte. Zudem beschloss man, den Stufenunterbau der Säule etwas kräftiger zu gestalten. Um die höheren Kosten auszugleichen, wurde für den Unterbau kein Lausitzer Granit genommen, sondern es wurden grob gemauerte Gneisplatten verwendet.

Der Turmbaufonds war zu dieser Zeit auf 6.250 Mark angewachsen, die fehlenden Geldmittel in Höhe von 1.250 Mark sollten durch Sammlungen noch aufgebracht werden.

Auf die ursprünglich geplante Grundsteinlegung wurde verzichtet.

Die Einweihung der Bismarcksäule sollte am 21.06.1902 stattfinden, wurde aber wegen Erkrankung des Königs von Sachsen auf den 29.10.1902 verschoben.

Finanziert wurde der Bau durch Beiträge der Freiberger Studentenschaft, durch Veranstaltungen (z.B. Konzerte) sowie durch Spenden der Bürger.

Die Gesamtbaukosten betrugen letztendlich 7.600 Mark.


Bauarbeiten

Als Baumaterial für die Bismarcksäule wurden Muldaer Granit und Gneis (Zyklopenmauerwerk) verwendet.

Architekt C. Göpfert aus Freiberg übernahm die Bauausführung. Für die Maurerarbeiten erhielt er 4.167,10 Mark. Die Bauleitung wurde unentgeltlich vom Stadtbauamt durchgeführt.

Weitere beteiligte Firmen

Mauersteine           
Fa. Brückner aus Freiberg
Fa. Lehnert, Lößnitz
Fa. Hoffmann, Freiberg
Granitsteine           
Fa. Thiele & Co., Mulda
Schlosserarbeiten    
Fa. Pasig, Freiberg
Steigeisen              
Fa. Fröde, Freiberg
Gasrohr                 
Gas- und Wasserwerk, Freiberg

Die Bauarbeiten und anschließenden Aufräumarbeiten waren Mitte Oktober 1902 beendet.


Turmbeschreibung

Als Basis der 10,50 m hohen Feuersäule ohne Aussichtsfunktion diente ein zweistufiges quadratisches Podest. Die untere Podeststufe hatte eine Breite von 7,50 m. Auf der zweiten Podeststufe erhob sich mittig der quadratische Turmsockel mit einer Seitenlänge von 3,90 m. Daran schloss sich der eigentliche Turmschaft an.

Die vier Kanten des Schaftes bestanden - wie bei dem Entwurf "Götterdämmerung" typisch - aus Dreiviertelsäulen, die von einem Architrav mit zweistufigem Oberbau zusammengehalten wurden.

Die Maße des Turmkopfes betrugen 2,90 m x 2,90 m.

Eine Steintreppe auf der Eingangsseite führte mittig durch die beiden Podeststufen zum erhöhten Zugang des Turmes.

Die lichte Weite im Innern des leeren Turmes betrug 2 Meter. Über Steigeisen im Innern war die Feuerschale auf dem Turmkopf erreichbar. Es handelte sich hierbei um eine aus Mauerwerk gefertigte viereckige Pfanne mit einem Durchmesser von 2,00 m und einer Tiefe von 0,50 m, die auf dem Turmkopf fest eingemauert worden war.

Am Säulenschaft war das Freiberger Stadtwappen befestigt.


Turmgeschichte

Die Einweihung am 29.10.1902 wurde mit Festzug, Fackelbegleitung und Kommers im „Tivoli“ gefeiert. An der Feier nahmen zahlreiche Bürger von Freiberg, Studenten und Vertreter der Behörden teil. Von einer feierlichen Einlegung des Schlusssteines mit Urkunde wurde Abstand genommen. Die Festreden hielten Bürgermeister Bernhard Blüher (1864-1938), Geh. Bergrat Kurt Merbach (1839-1912) sowie der Student Bober als Vorsitzender des Verbandes der Studierenden. Nach der Einweihung wurde das Bauwerk in das Eigentum der Stadt Freiberg übergeben.

Das Feuer in der Feuerpfanne wurde von der Freiberger Studentenschaft jährlich zur Sommersonnenwende am 21.06. entzündet. Die Befeuerung der Säule erfolgte jeweils durch 4 m³ Holz und 10 kg Petroleum sowie Terpentinöl. Eine Befeuerung kostete ca. 50 Mark.

Im August 1904 wurde entschieden, dass im Bereich der Feuerpfanne eine Schutzvorrichtung notwendig sei, um das Herabfallen von brennenden Holzscheiten zu verhindern. Diese 75 Mark teure Vorrichtung wurde am 06.06.1905 angebracht.

Der Antrag auf einen öffentlichen Promenadenplatz an der Säule sowie die Neu-Anlage eines Wirtschaftsweges zur Säule wurde im Frühjahr 1906 gestellt.

Im Jahr 1918  fragte die Kriegswirtschaftsstelle an, ob die Fläche um die Bismarcksäule, die bisher als Rasenfläche diente, für den Gemüse- und Kartoffelbau freigegeben werden kann. Die Anfrage wurde abgelehnt, da sich der Boden nicht dafür eignete.

Am 12.10.1920 wurde festgestellt, dass Türhaken und Riegel der Zugangstür gewaltsam beschädigt worden waren und Kinder über die Steigeisen auf die Plattform gelangten. Schlosser Walter beseitigte die Schäden.

Zum vorerst letzten Mal wurde die Bismarcksäule im Jahr 1922 von den „Vereinigten Völkischen Verbänden“ befeuert.

Am 23.07.1926 wurde dem Kommandeur Arthur Boltze des 1. Bataillons (Sächs.) Inf.- Regiment Nr. 11 (in Freiberg stationiert) ein Schlüssel des Bismarckturmes übergeben, damit das Bauwerk für Ziel- und Richtübungen genutzt werden konnte.

Der örtliche Turnverein beschloss im Jahr 1927, den Brauch der Sonnenwendfeuer am Bismarckturm wieder aufzunehmen. Bei der Befeuerung der Säule bei der Sonnenwendfeier im Juni 1929 wurde festgestellt, dass die Drahtumzäunung der Feuerschale schadhaft war und glühende Holzstücke zu Boden fielen.

Anlässlich der Gaujugendtage am 11.09.1932 wurde ein Holzstoß an der Bismarcksäule entzündet.

Am 02.06.1941 wurde beobachtet, dass sich Kinder in der Säule aufhielten, da das Türschloss der Zugangstür fehlte und die Säule nicht mehr zu verschließen war. Es wurde befürchtet, dass Kinder über die Steigeisen auf die Säule klettern und dass „unsaubere Elemente“ auf dem Fußboden der Säule, der nur mit dünnem Stroh bedeckt war, übernachten konnten.

In einem Brief an die Stadt Freiberg vom 20.08.1950 beklagte ein Bürger den schlechten allgemeinen Zustand der Säule. Der Zugang ließ sich nicht mehr verschließen und aus der Mauerbrüstung seien bereits mehrere Steine herausgebrochen worden. Weitere Steine der Brüstung seien lose und drohten herabzufallen. Steine der Podeststufen wären ebenfalls schon mit Werkzeugen bearbeitet und herausgebrochen worden.

Im Brief wurde der Stadt Freiberg nahe gelegt, sich mit der Zukunft des Turmes zu befassen. Gegen den Erhalt spräche seine „vollständige Bedeutungslosigkeit“, für einen Erhalt spräche der Einbau einer Treppenanlage, um das Bauwerk als Aussichtspunkt nutzen zu können.

Am 22.08.1950 stellte der Rat der Stadt fest, dass sich die Säule tatsächlich in einem „äußerst schlechten Zustand“ befand. Über die Zukunft des Bauwerkes sollte im Stadtverordnetenkollegium entschieden werden.

Am 08.02.1951 beschloss die Stadtverordnetenversammlung, dass die Säule abgebrochen wird und die Steine anderweitig nutzbringend verwendet werden sollten. Der eingebrachte Vorschlag, nur den Sockel des Turmes zu erhalten und als „Stein der FDJ“ umzubauen, wurde verworfen.

Das Dezernat Aufbau wurde am 06.06.1951 beauftragt, einen Kostenvoranschlag für die Sprengung der Säule zu erstellen. Eine Nachfrage bei Firmen und der Bergakademie, ob Interesse an den Steinen bestehe, verlief negativ.

Am 29.08.1951 beschloss der Rat den Abbruch der Bismarcksäule für das Jahr 1952, weil im Jahr 1951 keine Mittel mehr vorhanden waren. Für den Abbruch wurden Kosten von 2.500 Mark veranschlagt.

Der Turm wurde am 15.03.1952 wegen Baufälligkeit gesprengt. Verantwortlich für die Sprengung waren der Kreisbaubetrieb und der Rat der Stadt Freiberg.


Links (ehemaliger Standort)

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Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 151
- Seele, Sieglinde: Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-SÄULE von FREIBERG (Sachsen)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 81 "Bismarck-Feuersäule zu Freiberg i. Sachsen", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 1. Jahrgang 1903 (Nr. 2, S. 2-3), 5. Jahrgang 1907 (Beilage: Die Bismarck-Feuersäule)
- Ehrhardt, Max: Bismarck im Denkmal des In- und Auslandes, Thüringische Verlags-Anstalt Eisenach-Leipzig, 1903, "Die Bismarck-Säule (Architekt Kreis) zu Freiberg i.S."


Bildmaterial

- Jörg Bielefeld, Remscheid