Update: 11.03.2015

Runder Turm aus Quarzporphyr
Der Bismarckturm in Frankenberg

Auf einer Sitzung des Verschönerungsvereines am 30.03.1906 wurde die Errichtung eines Bismarckturmes angeregt. Obwohl dieser Gedanke, u.a. vom Erzgebirgs-Zweigverein Frankenberg, mehrfach aufgegriffen und unterstützt wurde, wurde erst fünf Jahre später, am 06.07.1911, der Bismarck-Verein Frankenberg e.V., der aus Mitgliedern des Verschönerungsvereins hervorgegangen war, gegründet.


Bauplanung

Der Bismarck-Verein unter Vorsitz von Fabrikant Pfitzner aus Frankenberg sammelte Spenden für den nun konkret geplanten Turmbau. Bis zum Sommer 1913 hatte der Verein 14.000 Mark an Spendengeldern zusammengetragen.

Die Finanzierung der Baukosten galt nun als gesichert und es wurden Bau-Entwürfe eingefordert. Aus drei vorgelegten Entwürfen entschied sich der Vorstand des Bismarck-Vereins am 20.05.1912 für den Entwurf des (gebürtigen Frankenberger) Architekten Gotthold Nestler aus Düsseldorf. Dieser war auch gleichzeitig ausführender Baumeister.

Als Standort des Turm wurde der Galgenberg (genauer Standort heute: Robert-Schumann-Straße, heutige Lützelhöhe) festgelegt. Der Turm-Standort lag auf der höchsten Erhebung im Nordosten der Stadt Frankenberg. Der Bauplatz war von allen Richtungen gut sichtbar und bot einen guten Rundblick.


Bauarbeiten

Am 15.03.1914 wurde die Ausführung der Bauarbeiten der Fa. Robert Nestler & Co. aus Frankenberg (Vater des Architekten G. Nestler) übertragen. Die Bauarbeiten begannen am 01.04.1914. Als Material für diesen Bismarckturm mit rundem Grundriss wurde Flöhaer Quarzporphyr verwendet.

Die Grundsteinlegung erfolgte am 10.05.1914, die Grundmauern waren an diesem Tag schon ca. einen Meter hoch.

Bis Kriegsbeginn (Erster Weltkrieg) war der Turmbau bis zum oberen Teil fertig gestellt. Nach Kriegsausbruch kam es wegen fehlenden Materials zu fünfwöchigen Bauverzögerungen.

Trotz des Krieges konnten die Arbeiten am Turm abgeschlossen werden, sodass am 01.04.1915 die feierliche Einweihung erfolgen konnte.

Die Gesamtbaukosten betrugen 25.000 Mark.


Baubeschreibung

Bei diesem 17,45 m hohen Aussichtsturm mit Feuerbecken handelte es sich um einen zweistufigen Rundbau mit einem Sockel-Durchmesser von 11,80 m. Der Turmschaft hatte einen Durchmesser von 7 m.

Durch das 2,50 m große Eingangsportal gelangte man in die gewölbte Bismarck-Gedächtnishalle. Eine Treppe führte von der Gedächtnis-Halle zur 1. Etage in eine 10 m hohe Halle. Von hier aus gelangte man durch eine Tür auf den unteren Umgang mit 1,10 m hohem Geländer. Über die Treppenanlage im Innern der Halle erreichte man den 1,20 m breiten oberen Umgang.

Auf dem Turmkopf war ein großes, vierteiliges Feuerbecken eingelassen.


Einweihung

Am 01.04.1915 ab 16:00 Uhr wurde die Einweihung trotz des Krieges im größeren Rahmen gefeiert. Neben etwa 1.000 Besuchern (Angaben der Lokalpresse) waren auch Bürgermeister Dr. Irmer, Stadträte, Abordnungen des Militärs und der Erbauer Robert Nestler anwesend. Nach den offiziellen Festreden von Robert Nestler, dem Vorsitzenden des Bismarckvereins und dem Bürgermeister wurde das Bauwerk in die Obhut des Bismarck-Vereines übergegeben.

Ein geplantes Bismarck-Standbild (nach anderen Quelle Bismarck-Büste) in der Gedächtnishalle sowie eine Ausschmückung derselben konnte aufgrund des Ersten Weltkrieges und fehlender Geldmittel nicht realisiert werden. Bei der Einweihung wurde der Gedanke geäußert, im Inneren des Turmes eine Ehrentafel mit den Namen aller gefallenen Frankenberger aufzustellen.


Turmgeschichte

Nach der Einweihung wurde das Bauwerk als Aussichtsturm genutzt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Bismarckturm aus ideologischen Gründen in "Turm der Jugend" umbenannt. Schüler der Oberschule nutzten das Bauwerk zwischenzeitlich zur Sternenbeobachtung. Kurz vor dem Abriss wurde er von der NVA zu Übungszwecken (Gasmasken-Prüfraum) genutzt.

Der Bismarckturm wurde am 18.11.1968 um 16:00 Uhr gesprengt, da von ihm aus das komplette NVA-Gelände eingesehen werden konnte. Die Begründung ist zweifelhaft, da nach der Sprengung in unmittelbarer Umgebung 5-etagige Wohnblöcke (280 Wohneinheiten) errichtet wurden.

Die Sprengung wurde durch ein Sprengkommando aus Dresden durchgeführt, dazu wurden 500 Sprenglöcher im Turm angebracht, die jeweils mit 160 g Sprengstoff befüllt wurden (insgesamt 80 kg Sprengstoff). Nach der Zündung des Sprengstoffs war der Turm in eine riesige Staubwolke eingehüllt, er stand aber unverändert an seinem Platz. Erst vier Minuten nach der Sprengung fiel das Bauwerk in sich zusammen.


Links (Karten vom ehemaligen Standort)

Google Maps (Robert-Schumann-Straße)

Google Earth


Quellen

- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): Bismarck-Turm von Frankenberg (Sachsen)
- Seele, Sieglinde:
Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 145
- Zeitschriften des Bismarck-Bundes; 9. Jahrgang 1911 (Nr. 5, S. 90-91 + Nr. 7, S. 132), 11. Jahrgang 1913 (Nr. 6/7, S. 93), 12. Jahrgang 1914 (Nr. 6/7, S. 77/78)
- Frankenberger Tageblatt vom 01.04.1915: "Der Frankenberger Bismarckturm"
- Frankenberger Tageblatt vom 04.04.1915: "Weihe des Frankenberger Bismarckturms"
- Glückauf, Organ des Erzgebirgsvereins, 27. Jahrgang 1907 (Nr. 6, S. 94/95), 28. Jahrgang 1908 (Nr. 7, S. 108), 30. Jahrgang 1910 (Nr. 6, S. 94/95), 34. Jahrgang (Nr. 7, S. 110)
- Sobotka, Günter: "Der Frankenberger Bismarckturm und seine Geschichte" in: Frankenberg in Sachsen - Beiträge zur Regional- und Stadtgeschichte von Frankenberg/Sachsen und Umgebung, Heft III, 2013, S. 13-18, Hrsg: Stadtverwaltung Frankenberg und Interessengemeinschaft "Stadtgeschichte Frankenberg".


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