Update: 29.07.2013

Seit Jahrzehnten Turm-Ruine
Der Bismarckturm in Ober-Eißeln bei Ragnit

Bauplanung

Angeregt wurde der Bau dieses Bismarckturmes als Aussichtsturm mit Feuerschale von Oberpräsidialrat Georg Graf von Lambsdorff, der zwischen 1895 und 1905 Landrat des Kreises Ragnit und von 1915 und 1919 Regierungspräsident des Regierungsbezirkes Gumbinnen war. Der Bau eines Bismarckturmes wurde bereits am 23.09.1899 geplant.

Als Standort des Turmes wählte man den Signalberg (68 m über NN) in der Gemeinde Ober-Eißeln bei Ragnit. Amtsvorsteher Gottschalk aus Ober-Eißeln stellte das Baugelände auf dem Signalberg im Jahr 1908 zur Verfügung.

Anfang 1910 war der Baufonds auf 8.000 Mark angewachsen

Entworfen wurde der Turm von Baumeister Schaffenhauer aus Wetzlar.

Die Gesamtkosten betrugen 17.000 Mark.


Bauarbeiten

Im Jahr 1911 wurde der Grundstein des Turmes gelegt.

Als Baumaterial wurden Feldstein-Findlinge (Granit) für die Verblendung, innen Ziegel verwendet.

Die Bauausführung erfolgte durch Kreisbaumeister Ewermann aus Ragnit.


Turmbeschreibung (zur Zeit der Einweihung)

Der 19,70 m hohe Aussichtsturm mit Befeuerungseinrichtung hat einen viereckigen Grundriss.

Über eine sechsstufige Treppe, beidseitig begrenzt durch kleine Mauern mit jeweils einem Pfosten oben und unten, gelangt man über einen seitlich mit Bäumen begrenzten Weg zur Terrasse des Turmes.

Über eine Treppe erreicht man die Terrassenanlage, über eine weitere Treppe den Eingang auf der Nordwestseite. Auf einem breiten Postament erhebt sich der Turm mit ausgebuchtetem Mittelbau.

Die Breite des Turmes beträgt 6 m, die Mauern sind ca. 1 m dick.

Über dem Eingang wurde auf einer roh behauenen Platte der Namenszug "Bismarck" (in Deutscher Kurrentschrift) angebracht.

Über eine rechtsdrehende Innentreppe mit vier Absätzen à 18 Steinstufen sowie 16 Metallstufen war die Aussichtsplattform nebst Feuerschale erreichbar.

Die Feuerschale wurde mit in Petroleum getränktem Holz befeuert.


Turmgeschichte

Die feierliche Einweihung des Turmes erfolgte am 17.08.1912. Die Festrede hielt Landrat des Kreises Ragnit, Hans Otto Walter von Trebra. Oberpräsidialrat Georg Graf von Lambsdorff überbrachte die Glückwünsche der Regierung.

Der Kreis Ragnit nahm die Säule in Obhut. Für die Verwaltung des Turmes war der Kreisausschuss zuständig.

Bereits im 1. Weltkrieg wurde das Bauwerk von russischen Batterien beschossen und beschädigt. Am 27.12.1914 fiel der deutsche Beobachtungsposten auf dem Turm, der 32-jährige Karl Wendt, durch eine russische Granate. Karl Wendt wurde hinter dem Bismarckturm beigesetzt.

Die Kriegsschäden wurden nach dem 1. Weltkrieg von Bauunternehmer Kiebert beseitigt.

Im Jahr 1933 wurde der bei einem Jagdunfall verunglückte Landrat Dr. Bernhard Penner (1921-1922) auf seinen Wunsch hin auf der Nordseite des Turmes beigesetzt.

Nach dem 2. Weltkrieg verfiel das Bauwerk immer mehr und wurde zur Ruine.

Im Juni 1994 war das Bauwerk stark ruinös erhalten. Um den Turm herum waren Granitblöcke verstreut, die Granitverkleidung fehlte auf der Eingangsseite, es war nur noch das Ziegelmauerwerk zu sehen. Große Teile des Postaments fehlten, der obere Turmbereich war zerstört. Die Treppenstufen waren größtenteils noch erhalten, aber locker und teilweise zerstört.

Ende 2011 war die Bausubstanz des Turmes in einem sehr schlechtem Zustand.


Links

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Beitrag auf tilsit-ragnit.de


Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 297
- Seele, Sieglinde: Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von OBER-EIßELN b. RAGNIT/Ostpreußen
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 181 "Bismarck-Feuersäule zu Ragnit-Ober-Eißeln/Ostpreußen", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 6. Jahrgang 1908 (Nr. 11/12, S. 204); 8. Jahrgang 1910 (Nr. 4, S. 62), 11. Jahrgang 1913 (Nr. 2, S. 25)


Bildmaterial

- historische Ansichten: Archiv J. Bielefeld
- L. Kusmin, Russland (Fotos Oktober 2002)
- Joachim Schulz (Fotos September 2008)
- Dimitri Suchin (Fotos Dezember 2011)