Update: 14.08.2014

Turmbau mit mehrjähriger Unterbrechung
Der Bismarckturm in Königsberg

Bauplanung Teil 1 (1898 – 1902)

Die Anregung zum Bau dieses Bismarckturmes erfolgte durch die Ortsgruppe Königsberg des Alldeutschen Verbandes. Am 31.12.1898 erschien der erste Aufruf zur Errichtung eines Bismarckturmes in der Ostpreußischen Zeitung.

Das gebildete Komitee unter Vorsitz des Regierungsrates Karl Ouvrier (1899-1905, ab 1905 war Postbaurat Prinzhausen Vorsitzender) wählte als Standort den bewaldeten Galtgarben, den höchsten Punkt des Alkgebirges (111 m über NN), ca. 20 km nordwestlich von Königsberg entfernt. Zuvor standen auf diesem Höhenzug ein 7,50 m hoher hölzerner Turm sowie ein besteigbares Vermessungsgerüst.

Regierungsrat Ouvrier war gleichzeitig auch Vorsitzender der Ortsgruppe Königsberg des Alldeutschen Verbandes.

Zweiter Vorsitzender des Turm-Komitees war Graf Bülow von Dennewitz auf Grünhof bei Königsberg, Ehrenvorsitzender Graf von Dohna-Lauck auf Lauck bei Königsberg.

Neben dem Komitee wurde der Turmbau auch von der Bismarckgesellschaft unter Vorsitz der Geheimrates Güterbock in Königsberg unterstützt.

Bei einem am 01.05.1902 initiierten Wettbewerb unter dem ostpreußischen Architekten- und Ingenieur-Verein wurde der Entwurf des Architekten, Dombaumeisters und Provinzialkonservators Richard Jepsen Dethlefsen aus Königsberg (1864-1944) mit dem erste Preis bedacht und zur Ausführung bestimmt.

Zu Baubeginn waren 11.000 Mark an finanziellen Mitteln durch Spenden zusammengetragen worden.

Die Gesamtkosten für den Turmbau betrugen 28.000 Mark (nach anderen Quellen 40.000 bzw. 60.000 Mark).


Bauarbeiten Teil 1 (1902)

Nach dem ersten Spatenstich am 20.08.1902 wurde am 26.08.1902 (nach anderer Quelle am 18.10.1902) der Grundstein des Turmes gelegt.

Als Baumaterial verwendete man Granitblöcke des Samlandes, die teilweise in der Nähe des Bauplatzes gebrochen wurden. Teilweise handelte es sich um gespendete Steine. Der Kern des Turmes wurde im Ziegelrohbau ausgeführt.

Als ausführender Maurermeister war P. Brostowski aus Königsberg tätig.

Aufgrund des versiegenden Spendenaufkommens gerieten die Bauarbeiten ins Stocken.


Bauplanung Teil 2 (1902-1905)

Das Komitee beschloss Anfang 1903 Maßnahmen, um die Finanzierung des weiteren Turmbaus sicherzustellen.

Am 20.02.1903 fand zum Besten des Bismarckturmes ein Vortragsabend statt. Das Tanzmärchen Aschenbrödel wurde am 26. und 27.10.1903 im Theater Louisenhöhe aufgeführt.

Am 28.02.1904 wurde im Gasthaus Drugehnen eine musikalisch-dramatische Aufführung veranstaltet, die einen Reingewinn von 760 Mark einbrachte.

Der Kreisausschuss des Kreises Königsberg bewilligte im gleichen Jahr 1.000 Mark für den Turm. Die Stadt Königsberg und der Kreis Fischhausen hatten zuvor ebenfalls schon Gelder bewilligt.


Bauarbeiten Teil 2 (1905 - 1906)

Erst nach nochmaligen Spendenaufrufen konnte der Turmbau im Frühjahr 1905 fortgeführt werden. Die Einweihung wurde für den Sommer 1905 avisiert, doch es kam erneut zu Verzögerungen aufgrund von Finanzierungsschwierigkeiten.

Am 01.04.1906 wurden von der Stammtischgesellschaft Beiträge für den Turmbau gesammelt. Die Bauarbeiten konnten letztendlich im Sommer 1906 abgeschlossen werden.


Turmbeschreibung

Der 22,58 m hohe Aussichtsturm mit Befeuerungseinrichtung hatte einen quadratischen Grundriss.

Über sieben Stufen einer Vortreppe gelangte man zum Turmeingang. Die Aussichtsplattform im dritten Stock war wie eine überdachte Aussichtshalle gestaltet. Von hier aus war die oberste Plattform über eine eiserne Innentreppe erreichbar.

Das Bauwerk besaß vier quadratische Feuerpfannen aus Eisenblech (Kosten: 600 Mark), die an den Eckpfeilern der zinnenbekrönten Aussichtsplattform aufgesetzt waren. Die 1 m x 1 m großen Pfannen wurden mit Öl und Petroleum mit Werg befeuert. Dabei wurde eine Flammenhöhe von 5 m bei einer Brenndauer von 3-4 Stunden erreicht.

Über dem Eingang wurde ein großes Bismarck-Wappen, hergestellt von Maurermeister P. Brostowski, angebracht.

Das im Granit eingelassene Wappen über dem Turmeingang hob sich in der Farbe durch besonders behauene dunkle Findlingsblöcke von der Turmfarbe ab.


Turmgeschichte

Die feierliche Einweihung des Bismarckturmes wurde am 23.09.1906 durchgeführt.

Die Bismarck-Gesellschaft überwies dem Turmbau-Komitee am 09.03.1907 insgesamt 300 Mark.

Ab 1908 wurde das Bauwerk durch den Kreis Fischhausen betreut. Am 23.07.1908, anlässlich des 10. Todestages von Otto von Bismarck, fand ein Ausflug der Königsberger Studentenschaft zum Bismarckturm statt.

Im Jahr 1914, kurz vor Beginn des 1. Weltkriegs, wurde vor dem Turmeingang auf der Südseite eine geräumige offene Festhalle durch Bau von Steinsäulen und Steinbänken geschaffen. Der Aufgang zum Turm wurde als Rednertribüne genutzt.

Die samländische Jugend führte in Anwesenheit von Generalfeldmarschall Freiherr v. d. Goltz am 14.06.1914 Jugendspiele durch.

Am 06.07.1921 wurde der letzte Appell am Turm der Ortswehren des Kreises Fischhausen, die dem Selbstschutz der Heimat dienen sollten, abgehalten.

Im Jahr 1931 betrug der Eintrittspreis für den Turm 20 Pfennig. Direkt am Bauwerk wurde jährlich das Galtgarbenfest gefeiert.

Der Turm wurde beim Einmarsch der Roten Armee zu Beginn der Schlacht um Ostpreußen im Januar 1945 erobert. Am 01. März 1945 konnten Teile des Galtgarbens, u.a. der Bismarckturm, von den Deutschen zurückerobert werden. Der Turm und die Umgebung waren allerdings mit Sprengladungen der Russen versehen. Per Fernzündung wurde das Bauwerk von den Russen gesprengt.

Im Jahr 1994 war das Gelände auf dem Galtgarben russisches Militärgebiet.


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Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 231
- Seele, Sieglinde: Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von KÖNIGSBERG/Ostpreußen  
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 132 "Bismarck-Feuersäule auf dem Galtgarben bei Königsberg, 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschriften des Bismarck-Bundes: 1. Jahrgang 1903 (Nr. 2, S. 2/3; Nr. 3, S. 5; Nr. 5, S. 9); 2. Jahrgang 1904 (Nr. 2, S. 3; Nr. 6, S. 2), 3. Jahrgang 1905 (Nr. 2, S. 6; Nr. 8, S. 9), 4. Jahrgang 1906 (Nr. 7/8, S. 111; Nr. 12, S. 189), 5. Jahrgang 1907 (Nr. 6, S. 72; Beilage: „Die Bismarck-Feuersäule“)
- Ehrhardt, Max: Bismarck im Denkmal des In- und Auslandes, Thüringische Verlags-Anstalt Eisenach-Leipzig, 1903, Nr. 60 "Der Bismarck-Turm auf dem Galtgarben bei Königsberg"
- Daheim – Ein deutsches Familienblatt, 43. Jahrgang vom 20.10.1906, Nr. 3, S. 1-2
- Ostpreußenplatt vom 30.12.2006 (Auszug aus der Mitteilung eines Zeitzeugen der Kämpfe Anfang 1945)
- Zirlewagen, Marc: "Sinnbild der Einheit-Deutschlands - Die Bismarcksäule auf der Rothenburg im Kyffhäuser", S. 87-88, BoD Norderstedt, 2014


Bildmaterial

- historische Ansichten und Fotos: Archiv J. Bielefeld


Foto Galtgarbenfest am 26.08.1932 am Fuß des Bismarckturms