Update: 23.08.2011

Granitquader aus Masuren
Der Bismarckturm in Gumbinnen

Bauplanung

Bei der Abschiedsfeier des Landrates Kreth im September 1899 regte dieser den Bau eines Bismarckturmes im Kreis Gumbinnen an. Der Plan wurde vom Amtsnachfolger, Landrat Freiherr von Lüdinghausen, aufgegriffen. Es bildete sich ein Bismarckturm-Komitee unter Vorsitz des neuen Landrates.

Als Standort des Turmes wählte man die Kallner Höhen (115 m über NN), einen Ausläufer des uralisch-baltischen Hügellandes in der Gemeinde Kallnin.

Das Grundstück für den Turmbau wurde dem Komitee von Gutsbesitzer Loertzer kostenlos überlassen.

Entworfen wurde der Turm von Regierungsbaumeister Menzel aus Gumbinnen.

Finanziert wurde der 15.000 Mark teure Bau des Aussichtsturmes mit Feuerschale durch freiwillige Spenden.


Bauarbeiten

Der Grundstein des Turmes wurde am 01.04.1902 gelegt.

Die Bauleitung übernahm der Königliche Kreisbauinspektor Gyssling. Ausgeführt wurde das Bauwerk von Hofmaurermeister Ebner.

Als Baumaterial wurden Granitquader verwendet, die aus Masuren bezogen wurden.


Turmbeschreibung

Der 12 m hohe Aussichtsturm mit Befeuerungsmöglichkeit war ein wuchtiges Bauwerk mit großen, roh behauenen Quadern. Ein großer Rundbogen bildete den Eingangsbereich.

Über dem Eingang des Turmes mit quadratischem Grundriss wurde im oberen Drittel die Inschrift "BISMARCK", darunter ein großes Bismarck-Wappen angebracht. Das Wappen wurde von Hofsteinmetzmeister Niggl aus Breslau gefertigt.

Über eine Zementtreppe waren das Aussichtsgeschoss und die darüber liegende Aussichtsplattform erreichbar.

Der Oberteil des Turmes war unterhalb der Aussichtsplattform auf jeder Seite mit drei rechteckigen Langfenstern versehen. Die obere Aussichtsplattform war mit einer Brüstung mit starken Eck- und kleinen Seitenzinnen versehen.

Als Feuervorrichtung wurde eine abnehmbare, viereckige Feuerschale (Seitenlänge 2 m, Kosten 1.000 Mark) benutzt. Als Feuermaterial dienten Scheitholz und Petroleum. Damit wurde eine Flammenhöhe von 3-5 m bei einer Brenndauer von ca. 2 Stunden erreicht.


Geschichte des Turmes

An der Einweihungsfeier des Turmes am 14.06.1903 nahmen mehrere Tausend Besucher teil.

Anfang September 1903 entzündeten Mitglieder des Kyffhäuser-Verbandes aus Gumbinnen bei einer ostpreußischen Ferien- und Sedantagung ein Feuer auf dem Bismarckturm.

Im Jahr 1905 sollte das gut besuchte Bauwerk gärtnerische Anlagen und eine Umwehrung erhalten.

Bis 1918 wurde jeweils am 01.04. ein Feuer auf dem Turmkopf entzündet.

Im Jahre 1937 wurden die Kallner Höhen in Kettenberg umbenannt.

Der Turm wurde von den deutschen Soldaten am 20. Januar 1945 durch 60 Teller- und 20 Riegelminen gesprengt, da man "dem Feind" nicht den wichtigen Beobachtungsturm überlassen wollte.


Links

Google Maps (ehemaliger Standort)

Google Earth (ehemaliger Standort)


Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 180
- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von GUMBINNEN
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 86 "Bismarck-Feuersäule auf den Kallner Höhen bei Gumbinnen", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 1. Jahrgang 1903 (Nr. 4, S. 4); 3. Jahrgang 1905 (Nr. 5, S. 7; Nr. 8, S. 10); 5. Jahrgang 1907 (Beilage „Die Bismarck-Feuersäule“)
- Ehrhardt, Max: Bismarck im Denkmal des In- und Auslandes, Thüringische Verlags-Anstalt Eisenach-Leipzig, 1903, Nr. 44 "Der Bismarck-Turm auf den Kallner Höhen bei Gumbinnen"
- Schmeelke, Ursula: „Aus der Erinnerung eines Soldaten“, Gumbinner Heimatbrief Dezember 2002


Foto ehemaliger Standort Bismarckturm, Bismarckhöhe bei Buylien (Kallner Höhen) 2007