Update: 13.03.2015
Von der Schutzhütte zum Turm
Der Bismarckturm in Schoden

Bauplanung

Im Jahr 1901 plante die Staatliche Weinbaudomäne Ockfen den Bau einer Schutzhütte am Abhang des Geisberges zur Saar hin für ihre Arbeiter. Grund und Boden für den Bau stellte die Gemeinde Schoden kostenlos zur Verfügung.

Die Idee zur Nutzung der Schutzhütte als Aussichtsturmes hatte Forstmeister Willibald Hoepp. Die turmartige Schutzhütte sollte nun mit einer Aussichtsplattform versehen werden.

Finanziert wurde der Turm aus Spenden.


Bauarbeiten

Im September 1902 wurde der Grundstein gelegt und mit dem Bau des Aussichtsturmes begonnen. Die Maurerarbeiten wurden von Bauunternehmer Lorth aus Beurig durchgeführt.

Die Rohbauarbeiten wurden am 18. Oktober 1902 abgeschlossen. Ab Anfang April 1903 wurden die abschließenden Arbeiten durchgeführt.

Als Baumaterialien wurden Quarzit, Schiefer und Sandstein verwendet.


Turmbeschreibung

Der 5 m (incl. Brüstungsmauer 6,30 m) hohe Bismarckturm als Aussichtsturm ohne Befeuerungseinrichtung wurde als Bruchsteinmauerwerk errichtet. Das Bauwerk hat im Bereich des Sockels einen rechteckigen Grundriss von 4 m x 3 m. Über eine s-bogenförmige Sandsteintreppe mit 0,74 m bis 0,88 m breiten Stufen (ursprünglich 17 Stufen, heute durch Aufschüttung 14 Stufen) gelangt man zur 2,30 m x 1,88 m (lichte Weite) großen Aussichtsplattform mit Zinnenbekrönung, die über einem Rundbogenfries aufragt. Die Brüstungshöhe beträgt zwischen 0,87 m und 1,08 m, die Brüstungsstärke beträgt 0,40 m.

Oberhalb des 1,10 m hohen Sockels erhebt sich das ca. 4 m hohe Erdgeschoss mit einem Eingang auf der SO-Seite. Auf der Talseite ist ein Fenster (0,80 m x 0,80 m), an den Seiten ist jeweils ein kleines Fenster (0,40 m x 0,80 m) eingelassen.

Die rechteckige Aussichtsplattform, die über einem Rundbogenfries auskragt (mit abgeschrägten Deckplatten an der SO-Seite wegen des Treppenaufgangs), ist mit Zinnen versehen. In der westlichen Ecke ist eine Halterung für eine Fahnenstange angebracht.


Turmgeschichte

Am 21.07.1903 erhielt der Turm auf der Südseite ein bronzenes Bismarck-Relief (wurde später entwendet) und wurde damit offiziell als Bismarckturm eingeweiht.

Ende Februar 1945 setzten die Amerikaner unterhalb des Bismarckturms über die Saar, um einen Brückenkopf zu bilden.

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Bauwerk beschädigt.

Bis Anfang 1974 befand sich der Turm im Eigentum der Staatlichen Weinbaudomäne und wurde dann am 22.02.1974 von der Ortsgemeinde Schoden für 1.000 DM incl. des 212 m² großem Grundstück käuflich erworben.

Das ursprüngliche Bismarck-Medaillon wurde Mitte der 1970er Jahre entwendet.

In den folgenden Jahren wurde der Eingang zugemauert und hangseitig durch das Anlegen eines Wirtschaftsweges um ca. 1 m angehoben. An der Brüstung und an der Plattform wurden provisorische Reparaturen ausgeführt.

Auf Antrag der Amtsverwaltung Saarburg-Ost wurde der Turm vor 1997 durch die staatliche Domänenverwaltung restauriert.

Im Jahr 2000 stiftete Karl Bidinger eine neue Gedenktafel mit dem Bild von Otto von Bismarck und der Inschrift

Otto von Bismarck.

Am 08. September 2002 fand die 100-Jahr-Feier des Bismarckturmes statt.

Der Turm ist ganzjährig zugänglich (Stand: Mai 2014).


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Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 353
- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von SCHODEN (Rheinland-Pfalz)
- Kleinmanns, Joachim: Rheinische Aussichtstürme des 19. und 20. Jahrhunderts, Dissertation Aachen 1986, Nr. 70 (BISMARCKTURM, Schoden 1902), S. 266
- Schädler, Heinz: "Der Bismarckturm auf der Gemarkung Schoden" in Saarburger Land II - Beiträge zur Geschichte, April 1997 (Beitrag ursprünglich aus Heimatbuch Kreis Saarburg 1962)
- Saarburger Kreisblatt (Artikel vom 06.09.1902, 18.10.1902, 08.04.1903, 22.07.1903, 05.08.1903)
- Maße: Jörg Bielefeld, Remscheid (Mai 2014, ohne Gewähr)


Fotos

- Hans-Dieter Hirschmann, Haßloch (November 2006)
- Marek Moson, Wroclaw (Mai 2014)
- Jörg Bielefeld, Remscheid (Mai 2014)