Update: 13.03.2015

Die Säule an der Nunkirche
Der Bismarckturm in Sargenroth

Nach dem Aufruf der Deutschen Studentenschaft zum Bau von Bismarcksäulen regten Pfarrer K. Echternacht aus Pleizenhausen und Pfarrer Kossuth aus Ellern im September 1899 den Bau einer Bismarcksäule im Hunsrück an.

Am 25.10.1899 versammelten sich unter Vorsitz des Landrates des Kreises Simmern (Dr. von Beckerath) mehrere bismarckbegeisterte Bürger und beschlossen die Errichtung einer Bismarcksäule. Man gründete einen geschäftsführenden Ausschuss, dem u.a. die Bürgermeister von Simmern, Kastellaun, Kirchberg, Rheinböllen und Ohlweiler angehörten.

Die Gemeinde Sargenroth pries „den schönsten im Hunsrück vorhandenen Platz“, den alten Versammlungs- und Gerichtsplatz (Thingplatz), der auch als „Nunkircher Marktplatz“ genutzt wird, als möglichen Bauplatz an. Insgesamt wurden noch sieben weitere Vorschläge gemacht (Simmerkopf, Kirchberg, Riesweiler, Wasserscheide zwischen Mosel und Nahe, Uhlerkopf, Himmelsleiter bei Argenthal und Simmern). In die engere Wahl kamen dann die Bauplätze Sargenroth und Kirchberg.


Bauplanung und Finanzierung

Der geschäftsführende Ausschuss wählte am 18.12.1899 den von der deutschen Studentenschaft mit dem 1. Preis ausgezeichneten Bismarcksäulen-Entwurf "Götterdämmerung" des Architekten Wilhelm Kreis aus, der u.a. auch für die Bismarcktürme in Bad Ems und Kirn gewählt wurde. Die Höhe der Säule sollte 12 m betragen.

Nach Vorstellung der beiden Bauplätze, die in die engere Wahl gekommen waren, wählte Architekt Professor Kreis, der die Bauplätze vor Ort besichtigte, am 12.03.1900 den alten Thingplatz an der Nunkirche in Sargenroth aus ("Dieser Platz ist hinsichtlich seiner landschaftlichen Lage und Beschaffenheit in hervorragendem Maße für diesen Zweck geeignet"). Am 26.03.1900 befürwortete der Ausschuss die Entscheidung des Architekten.

Der geschäftsführende Ausschuss veranlasste zwecks Baufinanzierung mehrere Spendenaufrufe, verkaufte Ansichtskarten und führte Verlosungen durch.

Bis April 1900 waren bereits 2778 Mark an Spendengeldern gesammelt, der Hunsrücker Bauernverein hatte allein 500 Mark gespendet. Zudem gab es zahlreiche Sachspenden von Firmen und Privatleuten.

Der Bauplatz wurde dem Ausschuss von der Gemeinde Sargenroth kostenlos zur Verfügung gestellt.

Aufgrund des kostenlosen Bauplatzes und zahlreicher Sachspenden konnten die Gesamtkosten für den Turm mit 13.300 Mark vergleichsweise niedrig gehalten werden.


Bauarbeiten

Am 14.05.1900 erfolgte der erste Spatenstich, am 24.06.1900 konnte der Grundstein im Rahmen einer Feier gelegt werden. Die Bauleitung hatte Baumeister Peter Weirich aus Sargenroth.

Als Baumaterial wurde grauer Quarzitbruchstein (Grauwacke) aus dem Soonwald für das Fundament und den Oberbau, Niedermendiger Basaltlava für Türrahmen u.a. sowie Sandstein für die Podeststufen (Unterbau) verwendet. Die Firma Dyckerhoff und Söhne aus Amöneburg spendete fünf Tonnen Portland-Zement für den Turmbau.

Statt der ursprünglich geplanten Höhe von 12 m sollte die Säule nun auf eine Höhe von 17,50 m gebaut werden, dafür reichten allerdings die bisher gesammelten Spendenmittel nicht aus. Der Weiterbau des Turmes verzögerte sich.

Durch den Verkauf von 6.000 Losen zu je 1,- Mark im Rahmen einer Turmlotterie des Jahres 1901 konnten die restlichen Kosten getragen werden. Der Turmbau war im August 1902 vollendet.

1901 bildete sich aus dem geschäftsführenden Ausschuss der "Verein Hunsrücker Bismarckturm" unter Vorsitz des Landrates Dr. Gustav Adolf von Beckerath.


Baubeschreibung

Als Basis des Aussichtsturmes mit Feuerkästen dient ein zweistufiges quadratisches Podest. Die untere Podeststufe ist 12,40 m x 12,40 m und die zweite Stufe 7,80 m x 7,80 m breit.

Darauf erhebt sich der quadratische Turmsockel (Höhe 2,50 m) mit einer Kantenlänge von 5,50 m x 5,50 m. Die untere Podeststufe ist 1,10 m hoch, die Höhe der oberen Podeststufe beträgt 0,90 m (Gesamthöhe der Podeststufen bis zum Turmsockel: 2,00 m).

Eine 1,40 m breite Treppe mit vierzehn Stufen auf der Eingangsseite (NO) führt mittig über die beiden Podeststufen zum 1,95 m x 1,26 m großen Eingangsbereich des Turmes. Die 1,80 m x 1,00 m große Eingangstür wurde 1,45 m tief innerhalb des Turmsockels eingelassen.

Die vier Kanten des Schaftes bestehen - wie bei dem Entwurf "Götterdämmerung" typisch - aus Dreiviertelsäulen, die von einem Architrav mit zweistufigem Oberbau zusammengehalten werden.

Auf der Südwestseite der Säule wurde ursprünglich ein auf Blech gemaltes Bismarck-Wappen mit Inschrift „Unserem Bismarck“ angebracht.

Auf drei Seiten der Säule (außer SO-Seite) befinden sich im unteren Bereich des Turmschaftes je ein Fensterschlitz (0,15 m x 1,80 m), im oberen Bereich des Turmschaftes je zwei nebeneinander liegende Fensterschlitze (0,15 m x 1,80 m).

Ursprünglich war die Aussichtsplattform auf dem Turmkopf über eine Innentreppe aus Holz mit 69 Stufen erreichbar.

In der quadratischen Aussichtsplattform (Innenmaße: 2,60 m x 2,60 m, Mauerstärke jeweils 0,50 m) wurde eine von unten aufklappbare Luke (1,60 m x 0,80 m) angebracht.

Die Befeuerung wurde durch acht kleine, viereckige und abnehmbare Feuerkästen aus Eisenblech durchgeführt. Jeweils zwei dieser 1,30 m x 0,25 m großen Kästen wurden auf einer Seite der Plattform angehängt und mit Sand, der mit Benzin und Petroleum getränkt war, befüllt und angezündet.


Einweihung und Befeuerung

Am 31.08.1902 fand die feierliche Einweihung unter großer Beteiligung der Sargenrother Bürger statt. Die Festrede hielt der Abgeordnete des Landtags-Wahlkreises Kreuznach-Simmern-Zell, Pfarrer D. Hockenberg.

Am Abend wurde das erste Feuer in den acht Feuerkästen des Turmes entzündet.


Turmgeschichte

Der neu gegründete Verein Hunsrücker Bismarckturm e.V. wurde am 17.12.1901 Eigentümer des Aussichtsturmes und war von nun an für Pflege und Erhaltung zuständig.

Das gemalte Bismarck-Wappen auf der SW-Seite wurde entfernt (Datum unbekannt) und durch eine Bronzetafel mit der Inschrift

BISMARCKTURM
(Wappen der Stadt Simmern)
ERRICHTET
31.8.1902

ersetzt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Rhein-Hunsrück-Kreis Eigentümer der Bismarcksäule (Auflösung des Vereins Hunsrücker Bismarckturm e.V. im Jahre 1945).

Im Jahr 1975 wurde der Bismarckturm saniert.

1976 bot der Rhein-Hunsrück-Kreis der Gemeinde Sargenroth den Bismarckturm kostenlos an. Dies wurde wegen der zu erwartenden hohen Unterhaltungskosten abgelehnt. Die Verbandsgemeinde Simmern wurde nun Eigentümerin des Bauwerkes.

Eine neue Treppenanlage (stählerne Wendeltreppe mit 60 Stufen in vier Absätzen zu je 15 Stufen und zehn Stufen einer Stahltreppe) führt zur ausklappbaren Luke auf der Aussichtsplattform.

Die Außentreppe wurde beidseitig mit Handläufen versehen.

Der 100. Jahrestag der Einweihung des Bismarckturmes wurde im August 2002 im Rahmen eines Festes begangen. Zum 100. Jahrestag wurde eine 32-seitige Broschüre von Dr. Fritz Schellnack aus Sprendlingen herausgegeben.

Derzeit ist die Verbandgemeinde Simmern für die Unterhaltung des Turmes zuständig.

Die Aussicht auf dem Turm ist durch die umstehenden Bäume begrenzt. Das Bauwerk ist im Jahr 2010 in einem guten, gepflegten Zustand.


Öffnungszeiten

Der Bismarckturm ist täglich geöffnet (Stand: Mai 2010).


Links

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Quellen

- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): Bismarckturm von Sargenroth b. Simmern (Rheinland-Pfalz)
- Seele, Sieglinde:
Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 347
- Ehrhardt, Max: Bismarck im Denkmal des In- und Auslandes, Thüringische Verlags-Anstalt Eisenach-Leipzig, 1903: 2. Teil
- Schellack, Fritz: 100 Jahre Bismarckturm Sargenroth 1902 - 2002, Broschüre, Herausgegeben von der Ortsgemeinde Sargenroth
- Schellack, Gustav: 100 Jahre Bismarckturm bei Sargenroth, in "Hunsrücker Heimatblätter", Nr. 117, Jahrgang 42, April 2002, Herausgegeben vom Hunsrücker Geschichtsverein
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 72 "Bismarck-Feuersäule auf dem Hunsrück", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Kleinmanns, Joachim: Rheinische Aussichtstürme des 19. und 20. Jahrhunderts, Dissertation Aachen 1986, S. 24


Fotos

- Ralph Männchen aus Dresden (2006)
- Marek Moson aus Wroclaw/Polen (Mai 2010)
- Jörg Bielefeld aus Remscheid (Mai 2010)


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