Update: 11.03.2015

Die Feuersäule aus Trachyt
Die Bismarcksäule in Rengsdorf

Bauplanung

Im Jahre 1901 regte der Vorsitzende des Verschönerungsvereins für den unteren Westerwald, Bürgermeister Wink, den Bau einer Bismarcksäule in Rengsdorf an.

Am 24. Juli 1901 wurde ein erster Aufruf erlassen, für den Bau einer Bismarcksäule in Rengsdorf zu spenden. Neben der Rengsdorfer Bevölkerung spendeten auch Kurgäste.

Gasthofbesitzer Lindner schlug Baumeister Hans Bloemers aus Bonn als Architekten der Säule vor, da dieser im Jahr 1900 als Bauleiter bei der Bismarcksäule in Bonn-Gronau gearbeitet hatte.

Hans Bloemers fertigte am 20.12.1901 eine Zeichnung mit einem Entwurf für die geplante Bismarcksäule an. Der Kostenvoranschlag belief sich auf insgesamt 14.000 Mark.

Am 18.02.1902 bewilligte der Bürgermeisterei-Rat einen Zuschuss aus der Bürgermeisterei-Kasse.

Am 09. März 1902 wurde in einer einberufenen Versammlung der "Ausschuss zur Errichtung der Rengsdorfer Bismarcksäule" gegründet, um das Vorhaben voranzutreiben. Vorsitzender dieses Ausschusses wurde der Landrat des Kreises Neuwied, der Geh. Regierungsrat von Runkel. Mitglied des Ausschusses war auch Baumeister Bloemers aus Bonn.

Im selben Monat wurde erneut ein Spendenaufruf an die Bevölkerung gerichtet. In diesem Aufruf wurde als Bauplatz der Kaisereichenplatz genannt, den der Gemeinderat auf Vorschlag des Verkehrs- und Verschönerungsvereins zur Verfügung gestellt hatte. Ausschlaggebend für die Standortwahl war u.a. die gute Aussicht auf das Rheintal.

Am 26.04.1902 wurde der Aufruf erneut in der Zeitung veröffentlicht. Auf Vorschlag des Gasthausbesitzers Lindner wählte der Ausschuss den Entwurf des Baumeisters Bloemers aus.

Am 30.07.1902 erfolgte die feierliche Grundsteinlegung. Um 17 Uhr setzte sich ein Festzug aus zwölf Vereinen und zahlreichen weiteren Bürgern zum Kaisereichenplatz in Bewegung, voran schritten der Festausschuss sowie Offiziere, die an diesem Tag zufällig in Orten der Umgebung einquartiert waren. Die Begrüßungsrede erfolgte durch den Geh. Regierungs-Rat von Runkel, die eigentliche Festrede hielt der 2. Vorsitzende, Bürgermeister Wink. Oberförster Andrée verlas anschließend die Urkunde, die in eine Kupferbüchse (35 cm lang, 24 cm breit und 8 cm hoch) eingelötet und anschließend zusammen mit einigen Münzen, Zeitungen und Zeichnungen der Bismarcksäule eingemauert wurde.

Die Geldmittel wurden durch Spenden aus der Bevölkerung Rengsdorfs, Neuwieds und Anhausens (ca. 7.825 Mark), aus dem "Eisernen Bestande" der Stadt Rengsdorf (2.000 Mark) sowie über ein zinsgünstiges Darlehen von 5.000 Mark aufgebracht.


Bauarbeiten

Die Bauleitung übernahm Architekt Hans Bloemers ebenso unentgeltlich wie die Fertigung seines Bau-Entwurfes.

Ausführende Maurermeister der Feuersäule waren Wilhelm Kestner und Peter Jung aus Rengsdorf, die Steinmetzarbeiten übernahm, wie auch bei der Bismarcksäule in Bonn-Gronau, die Fa. Bachem & Co. aus Königswinter.

Als Baumaterial für den Turm wurde Siebengebirger Trachyt (Vulkangestein) verwendet. Die Außenverblendung wurde durch Westerwälder Trachyt ausgeführt (Hintermauerung aus Ziegelsteinen).


Turmbeschreibung

Die 13,50 m hohe Feuersäule ohne Aussichtsfunktion hat einen quadratischen Grundriss. Sie ähnelt dem preisgekrönten Bismarcksäulen-Entwurf "Götterdämmerung" des Architekten Wilhelm Kreis.

Als Basis des Turmes dient eine quadratische Podeststufe mit einer Seitenlänge von 7,00 m x 7,00 m. Die Podeststufe hat eine Höhe von 0,94 m (ohne umlaufende Deckplatten eine Höhe von 0,72 m). Die 22 cm starken Deckplatten kragen nach allen Seiten leicht aus (Seitenlängen mit Deckplatten 7,10 m x 7,10 m).

Auf der Podeststufe erhebt sich der quadratische Turmsockel (Höhe 1,93 m), der sich nach oben hin leicht verjüngt. Es schließt sich der eigentliche Turmschaft an. Zwischen dem umlaufenden Band und unterhalb des Gesimses des Schaftes wurde ein umlaufendes Eichenlaubfries nach dem Entwurf von H. Bloemers angebracht.

Die vier Kanten des Schaftes bestehen aus Dreiviertelsäulen, die von einem Architrav zusammengehalten werden. Auf dem Turmkopf mit leicht zurückgesetztem zweistufigem Oberbau wurde die Feuerpfanne eingelassen.

Auf der Rückseite des Turmes ist mittig ein schmales, schießschartenähnliches Fenster unterhalb des umlaufenden Bandes eingelassen.

Auf der Rückseite des Bauwerks befindet sich mittig eine 0,70 m x 1,70 m große Tür, die über zwei Stufen erreichbar ist. Die umlaufende Podeststufe ist in diesem Bereich auf einem Meter Länge unterbrochen. Durch die Tür gelangte man ins Innere der Feuersäule.

Die auf dem Turmkopf installierte Feuerpfanne war mittels Steigeisen innerhalb der Säule erreichbar. Im oberen Aufbau ist auf der Rückseite eine rundbogenartige Öffnung mit Ausstiegsmöglichkeit auf den Architrav.

Die eingelassene viereckige Feuerpfanne bestand aus feuerfesten Steinen mit Schamotteausführung. Die 7 m² große Pfanne wurde mit Scheitholz und Petroleum befeuert (Brenndauer: 2 Stunden, Flammenhöhe 3-5 m).

Das ursprünglich auf der Vorderseite angebrachte 1,50 m große Bronzerelief Bismarcks wurde ebenfalls vom Baurat Bloemers entworfen und von der Bronze-Gießerei Gladenbeck in Berlin-Friedrichshagen gegossen.


Turmgeschichte

Am 21.06.1903 wurde die Säule unter großer Beteiligung der Bevölkerung, der Behörden und der Kriegervereine feierlich eingeweiht. Die Begrüßungsansprache hielt der Geh. Regierungsrat von Runkel, die Festrede Prof. Mutzbauer aus Neuwied. Anschließend übergab Oberförster Andrée die Säule in Obhut der Gemeinde Rengsdorf. Bürgermeister Wink als Vertreter von Rengsdorf übernahm den Turm in den Besitz der Gemeinde. In den Abendstunden wurde die Säule zum ersten Mal befeuert.

Am 24.04.1904 war die Abschlusssitzung des Bismarcksäulen-Ausschusses.

Das Bismarck-Relief wurde 1945 durch französische Besatzungstruppen entfernt.

Im Sommer 1963 erhielt die Säule ein neues Bismarck-Relief, gestiftet von Dr. Jost Henkel, mit der Inschrift:

"OTTO V. BISMARCK/
1815-1898"

In den Jahren 1986/1987 wurden die Anlagen rund um die Bismarcksäule verbessert, am Turm wurden Sanierungsarbeiten durchgeführt.

Der Turm wurde erneut in den 1990er Jahren saniert und kann seitdem durch eine Beleuchtungsanlage illuminiert werden.

Am 14.06.2003 wurde eine Jubiläumsfeier (100 Jahre Bismarcksäule) einschließlich einer Ausstellungseröffnung zur Entstehungsgeschichte der Säule ausgerichtet.

Im Mai 2010 wurde das Bauwerk gut erhalten vorgefunden. Die Metalltür auf der Rückseite des Turmes ist verschlossen. Im Innern ist ab ca. 3 m Höhe ein Aufstieg zur Feuerschale nur über Steigeisen möglich.


Links

Google Maps

Google Earth

Infoseite zur Bismarcksäule (Rengsdorf - Saint Pierre mit Fotos)

100 Jahre Bismarcksäule Rengsdorf 1903 - 2003 (Stand 2012)


Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 329-330
- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von RENGSDORF (Rheinland-Pfalz)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 90 "Bismarck-Feuersäule zu Rengsdorf", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Ehrhardt, Max: "Bismarck im Denkmal des In- und Auslandes", Thüringische Verlags-Anstalt Eisenach-Leipzig, 1903, 2. Teil: Nr. 85: "Die Bismarck-Säule zu Rengsdorf (Kreis Neuwied)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 1. Jahrgang 1903 (Nr. 4, S. 4); 5. Jahrgang 1907 (Beilage: „Die Bismarck-Feuersäule“)
- Faltblatt: 100 Jahre Bismarcksäule Rengsdorf 1903 - 2003 (ohne Autor oder Herausgeber)


Fotos

- Albrecht Behrends, Bochum (Juli 2009)
-
Jörg Bielefeld, Remscheid (Juli 2003, Mai 2010)
- Marek Moson, Wroclaw (Mai 2010)