Update: 11.03.2015

Bismarckturm als Aussichtsterrasse
Der Bismarckturm in Neuwied-Heddesdorf

Bauplanung

Der Gemeinderat von Heddesdorf sowie Bürgermeister Richard Bidgenbach planten nach dem Tode von Otto von Bismarck in den Jahren 1898/1899 ein Bismarckdenkmal auf dem Bismarckplatz in Rengsdorf zu errichten. Auf Veranlassung des Bürgermeisters bewilligte der Gemeinderat jährlich eine bestimmte Summe für den Bau dieses Denkmals. Diese Summe reichte jedoch nicht für ein Bismarckdenkmal mit Unterbau aus. Gleichzeitig wurde für das geplante Denkmal ein Platz an erhöhter Stelle favorisiert.

Der Heddesdorfer Kriegerverein schlug als Standort den Heddesdorfer Berg (127 m über NN) vor. Zudem führte der Kriegerverein Spenden-Sammelaktionen durch, um das Projekt realisieren zu können.

Am 05.02.1899 veranstaltete der Heddesdorfer Gesangverein (MGV) ein Konzert zu Gunsten des Denkmals.

Am 01.04.1904 wurde Heddesdorf nach Neuwied eingemeindet, sodass die bisher erzielte Spendensumme an die Stadt Neuwied übergeben werden musste. Ein Vereinigungsvertrag regelte die Fortführung der Errichtung des geplanten Bismarckdenkmals. Der Baufonds betrug zu dieser Zeit knapp 9.000 Mark.

Erst vier Jahre später, am 10.02.1908 legten die beauftragten Architekten Heinrich und Theodor Hermann einen Kostenvoranschlag über 6.000 Mark vor. In einer öffentlichen Sitzung der Stadtverordneten wurde beschlossen, einen Bismarckaussichtsplatz auf dem Heddesdorfer Berg nach den Vorschlägen der Baudeputation zu errichten. Der Baufonds war zu dieser Zeit auf knapp 10.000 Mark angewachsen.

Die Gesamtkosten für den Turmbau betrugen letztendlich 10.850 Mark.


Bauarbeiten

Mit der Bauausführung wurden die Architekten und Bauunternehmer Heinrich und Theodor Hermann sowie Josef Ganzer jun. aus Neuwied beauftragt.

Als Baumaterial wurden Bruchsteine sowie Zementkunststeine für die Podestplatten und Treppenstufen verwendet.

Ende Juni 1909 waren die Bauarbeiten weit fortgeschritten, es fehlten u.a. die Geländer der Freitreppen und die Asphaltdecke auf der Plattform.

Am 27. Juli 1909 waren die Arbeiten immer noch nicht abgeschlossen, sodass die geplante Einweihung am 30.07.1909 nicht stattfinden konnte (nach einer anderen Quelle fand die Einweihung doch am 30.07.1909 statt, nach einer weiteren Quelle am 30.08.1909). Die Planierungsarbeiten sowie die gärtnerischen Anlagen standen noch aus.

Im Jahr 1910 wurden für 200 Mark die erforderlichen Pflanzen für die gärtnerischen Anlagen angeschafft.

Erst am 05.07.1911 konnten alle Arbeiten abgeschlossen werden. Die gärtnerischen Anlagen wurden von einer Hecke eingefasst, zwischen den Strebepfeilern wurde Efeu gepflanzt.

Von einer feierlichen Einweihung nach endgültiger Fertigstellung wurde abgesehen, da das Bauwerk zuvor schon von Besuchern betreten werden konnte.


Turmbeschreibung

Der 9 m hohe Bismarckturm ohne Befeuerungsmöglichkeit wurde als turmartige Aussichtsterrasse mit ovalem Grundriss in elliptischer Form errichtet.

Das Bauwerk wies acht Strebepfeiler auf, die gegeneinander gewölbt und unten mit Erdreich angeschüttet waren.

Auf der Nordseite führte eine drei Meter breite Freitreppe mit 23 Stufen auf die 48 m² große Aussichtsterrasse in vier Meter Höhe. In der Mitte der Terrasse war ein 5 m hoher Gedenkstein mit bronzenem Bismarck-Medaillon, gefertigt in der Gießerei Gladenbeck in Berlin-Friedrichshagen, aufgestellt.


Turmgeschichte

Im Jahr 1911 sagte die Ortsgruppe Neuwied zu, auf der Plattform zwei Bänke aufzustellen.

1912 wurde eine Bauzeichnung zur Vermauerung der Nischen des „Bismarckaussichtsturmes“ gefertigt.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Plattform als Fliegerabwehrstellung der Heimatflak genutzt. Bei Kriegsende im Jahre 1945 war das Bauwerk durch Kriegsbeschuss stark beschädigt.

Das ruinöse Denkmal wurde um den 26.06.1974 abgetragen, da dieses aufgrund von neuen Bebauungsplänen im Weg stand. Diese Pläne im Bereich des Denkmal-Standortes wurden später aufgegeben.

Die letzten Denkmalreste wurden im Jahr 1978 wegplaniert.

Wenige Meter vom Standort des früheren Turmes wurde im Jahr 2006 ein Gedenkstein aufgestellt und eine Sitzmöglichkeit geschaffen. Der Bismarck-(Turm-)Gedenkstein wurde am 28. Mai 2006 enthüllt.

Teile des Fundaments des alten Turmes waren im Mai 2010 noch erkennbar.


Links (ehemaliger Standort)

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Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 292
- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von NEUWIED-HEDDESDORF (Rheinland-Pfalz)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 162 "Bismarck-Turm zu Neuwied", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 7. Jahrgang 1909 (S. 160)


Fotos

- Karl-Heinz Korn, Neuwied (Juli 2006)
- Hans-Dieter Hirschmann, Haßloch (Januar 2007)
- Jörg Bielefeld, Remscheid (Mai 2010)
- Marek Moson, Wroclaw (Mai 2010)