Update: 17.10.2014

Feuersäule als private Stiftung
Die Bismarcksäule in Landstuhl

Bauplanung

Auf Anregung und Kosten des saarländischen Großindustriellen und Bismarckverehrers Carl Ferdinand Freiherr von Stumm-Halberg (1836-1901) wurde bereits kurz nach dem Tode Otto von Bismarcks eine Bismarcksäule in Landstuhl geplant.

Freiherr von Stumm-Halberg stiftete die Gesamtkosten von ca. 27.000 Mark für den Bau dieses Turmes.

Als Bauplatz wählte er ein in seinem Besitz befindliches Gelände (Landstuhler Waldbesitz) auf dem Kirchberg.

Der Stifter wählte wie in vielen anderen Städten den von der deutschen Studentenschaft mit dem 1. Preis ausgezeichneten Entwurf "Götterdämmerung" des Architekten Wilhelm Kreis zur Ausführung aus.

Aufgrund des schlechten Gesundheitszustandes des Stifters wurde auf Feierlichkeiten bei der Grundsteinlegung im Jahr 1899 verzichtet (Freiherr von Stumm-Halberg verstarb kurz nach der Einweihung der Säule am 08. März 1901).


Bauarbeiten

Die Bauleitung oblag dem Bezirksbaumeister Löhner aus Homburg/Saar, die Ausführung der Bauarbeiten erfolgte durch die Firma Franz Schreiber aus Landstuhl.

Als Baumaterial wurde Buntsandstein verwendet, der in der Nähe des Bauplatzes gebrochen wurde.


Turmbeschreibung

Als Basis des 19 m hohen Aussichtsturmes mit Befeuerungsmöglichkeit dient ein dreistufiges quadratisches Podest (inkl. Böschungspodest).

Die untere Böschungs-Podeststufe ist 16,90 m x 16,90 m groß und nur an der Nord- und Ostseite sichtbar (Höhe: 1,20 m). Auf der Süd- und Westseite ist sie komplett im Boden eingelassen.

Die zweite Podeststufe ist 10,90 m x 10,90 m, die dritte Stufe 8,50 m x 8,50 m breit. Darauf erhebt sich der quadratische Turmsockel mit einer Kantenlänge von 6,10 m x 6,10 m.

Die Höhen der beiden oberen Podeststufen betragen je 0,90 m.

Der Turmsockel hat eine Gesamthöhe von 2,20 m.

Auf dem Sockelgeschoss der Säule erhebt sich der Turmschaft. Die vier Kanten des Schaftes bestehen - wie bei dem Entwurf "Götterdämmerung" typisch - aus Dreiviertelsäulen, die von einem Architrav mit zweistufigem Oberbau zusammengehalten werden.

Oberhalb des Einganges ist ein 2,40 m x 1,00 m großes Reichsadlerrelief mit Bismarckwappen aus Bliestaler Sandstein, gefertigt von Bildhauer Wenzel Jina aus Koblenz nach einem Entwurf des Architekten Ronid, angebracht. Auf der Rückseite des Turmes, direkt unterhalb des Wulstes, befindet sich ebenfalls ein Reichsadlerrelief mit Bismarckwappen aus Bliestaler Sandstein.

Über dem Adler auf der Vorderseite wurde nachträglich eine bronzene Widmungstafel mit der Inschrift

"Dem Andenken/
des grossen Reichskanzlers/
errichtet von/
 K.F. Freiherr von Stumm-Halberg/
1900"

angebracht.

Oberhalb der Widmungstafel befindet sich ein 2 m x 0,80 m großes Sprossenfenster.

Auf der Frontseite der Säule (Südseite) führen 10 mittige Steinstufen zum Eingang des Turmes (zuvor schmale Stufen, nach dem Umbau [um 1980] 1,80 m breit).

Auf der Eingangsseite ist das Bauwerk durch die 1,00 m x 1,95 m große Eingangstür erreichbar. Man gelangt durch einen 1,85 m langen, 1,15 m breiten und 2,05 m hohen Durchgang in das Innere der Säule (lichte Weite: 2,40 m x 2,40 m).

Über eine steinerne Wendeltreppe im Innern mit 63+11 Stufen (ein Absatz) gelangt man zur Aussichtsplattform auf dem Turmkopf. Die Aussichtsplattform hat eine lichte Weite von 2,80 m x 2,80 m, die Brüstungshöhe beträgt 0,95 m, die Brüstungsstärke beträgt 0,32 m.

Die mit 1,80 m Durchmesser vergleichsweise recht große Feuerschale aus Gusseisen (Kosten: 500 Mark) wurde mit Kiefern- und Buchenholz befeuert. Diesem Holz wurden Pech und Werg (Flachs- und Hanfabfall) beigemengt.


Turmgeschichte

Am 30. Juni 1900 wurde die Bismarcksäule eingeweiht. Nach dem Tod des Stifters im März 1901 ging die Säule in das Eigentum der Tochter des Stifters, Frau Helene von Heimburg und ihres Ehemannes, Rittmeister Freiherr von Heimburg, über. Die Unterhaltung der Säule erfolgte in den ersten Jahren durch die Freiherrliche von Stumm-Halbergsche Forstverwaltung.

Im Jahr 1907 wurde die Bismarcksäule an die Stadt Landstuhl übertragen. Die Stadt übernahm die Verpflichtung, am Geburts- und Todestag Bismarcks ein Feuer auf der Plattform abzubrennen.

Die Feuerschale wurde vor 1979 entfernt. Im Jahr 1979 war der Turm verschlossen, vor 1985 wurden kleinere Sanierungsarbeiten durchgeführt (u.a. Erneuerung der Steinstufen am Unterbau).

Die Bismarcksäule, die am Rande einer amerikanischen Kaserne steht, ist zu bestimmten Zeiten zugänglich. Das Bauwerk ist in einem guten, gepflegten Zustand (Stand: Mai 2014).


Links

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Quellen

- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von LANDSTUHL (Rheinland-Pfalz)
- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 242
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 20 "Bismarck-Feuersäule zu Landstuhl i.d. Pfalz", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes; 5. Jahrgang 1907 (Beilage: „Die Bismarck-Feuersäule“)
- Ehrhardt, Max: Bismarck im Denkmal des In- und Auslandes, Thüringische Verlags-Anstalt Eisenach-Leipzig, 1903, 2. Teil; „Die Bismarcksäule (Architekt Kreis) zu Landstuhl i.d. Pfalz“
- Maße: Jörg Bielefeld, Remscheid (Mai 2014, ohne Gewähr)


Fotos

- Ralph Männchen, Dresden (Oktober 2006)
- Albrecht Behrends, Bochum (April 2009)
- Marek Moson, Wroclaw (Mai 2014)
- Jörg Bielefeld, Remscheid (Mai 2014)