Update: 11.03.2015

Gestifteter Jugendstilturm
Der Bismarckturm in Landau

Bauplanung

Bereits im Jahr 1895 hatte Otto von Bismarck die Ehrenbürgerrechte der Stadt Landau erhalten. Im Jahr 1904 regte Stadtratsmitglied Eduard Ferdinand Koch den Bau eines Bismarckturmes in Landau an. Der Stadtrat beschloss, Otto von Bismarck ein Denkmal zu setzen, konnte sich jedoch nicht über die Wahl einer Kommission und die Ansparung der Baukosten einigen.

Fünf Jahre später, am 29.06.1909, stiftete der ehemalige ehrenamtliche Bürgermeister Friedrich August Mahla (1829 – 1913) die Finanzmittel in Höhe von 9.500 Mark für den Turmbau unter der Bedingung, dass die Stadt die Erdaufschüttung und die Bauleitung übernähme sowie das Baumaterial stellte. Das Angebot wurde vom Stadtrat angenommen und der Bau des Bismarckturmes beschlossen. Entworfen wurde die Feuersäule von Architekt Hermann Goerke aus Düsseldorf. Die Genehmigung zum Bau dieses Turmes erfolgte von Prinzregent Luitpold am 27.11.1909, also nach Beginn der Bauarbeiten.


Bauarbeiten

Die Bauarbeiten begannen in der ersten Septemberhälfte 1909. Ausgeführt wurden diese von der Fa. Ecker & Söhne aus Landau. Neben der Fa. Ecker waren zeitweise auch zwölf städtische Arbeiter im Einsatz. Die Bildhauerarbeiten führte A. Bernd aus Kaiserslautern aus.

Kurz vor dem Richtfest am 29.12.1909 stürzte der Bau in sich zusammen. Durch den Wiederaufbau und die Aufräumarbeiten (Kosten: 900 Mark) entstanden zusätzliche Kosten in Höhe von 7.400 Mark. Die Aufräumarbeiten waren im Februar 1910 abgeschlossen, der Wiederaufbau begann am 12.03.1910. Die Bauarbeiten konnten am 15.06.1910 (nach Angaben der Fa. Ecker bereits am 10.06.1910) abgeschlossen werden. Friedrich August Mahla meldete die Fertigstellung des Turmes am 05.09.1910 an den Stadtrat.

Als Baumaterial für die Außenwände wurde Sandstein verwendet. Teilweise nutzte man Steine der ehemaligen Festungswerke und des abgebrochenen Militärhospitals. Das Fundament, die Decken und die Böden wurden aus Beton gefertigt.


Turmbeschreibung

Als Basis der reinen Feuersäule ohne Aussichtsfunktion dient eine Terrassenanlage, die - bis auf die Vorderseite - mit einer 0,30 m dicken Mauer umfasst ist, welche auf der Rückseite segmentbogenförmig angelegt ist. Auf der Vorderseite gelangt man über elf Stufen (Höhe insgesamt 1,73 m) einer Außentreppe, die innerhalb von drei 9 m breiten Podeststufen liegt, zum Eingangsbereich des Turmes. Auf der Rückseite des Bauwerkes, innerhalb des Segmentbogens der Terrassenanlage, gelangt man von beiden Seiten über eine Treppe mit jeweils 5 Stufen zu einer erhöht liegenden Steinbank.

Der aus Sandstein gebaute Turm besitzt einen quadratischen Grundriss von 6,30 m x 6,30 m (ohne seitliche Ausbuchungen 5,90 m x 5,90 m). Die oberen 2/5 des Bauwerkes sind stufenartig angelegt.

Über der Eingangstür (2,35 m x 1 m) ist in 2,50 m Höhe der Name "BISMARCK", darüber das Bismarck-Wappen angebracht. Oberhalb eines länglichen Fensterschlitzes ist die Jahreszahl "MDCCCCX" lesbar.

An beiden Seiten des Turmes sind in einer Nische jeweils drei längliche Fensterschlitze eingelassen.

Als weiterer Schmuck (im Jugendstil) umlaufen Tür und Kartusche Eichenlaubreliefs mit Eicheln. Rechts und links der Kartusche ist je ein sitzender Adler im Halbrelief zu erkennen.

Im Innern der Feuersäule befindet sich keine Treppe. In der Tonnendecke der 1. Etage ist eine runde Öffnung eingelassen (vermutlich zum Transport von Feuermaterial zum Turmkopf).


Turmgeschichte

Die Feuersäule wurde seit der Einweihung nie offiziell für Besucher geöffnet.

Nach 1985 wurde rechts vom Eingang eine bronzene Inschrifttafel mit der Inschrift:

"Bismarckturm/
1910 aus Steinen der ehema-
/ligen Festung im Jugendstil/
errichtet, Stiftung von Fried-/
rich August Mahla
"

angebracht.

Nach 1990 wurden an den Umfassungsmauern (Frontbereich) zwei Inschrifttafeln angebracht:

Linke Seite:

IHREN/
TOTEN/
[Graphische Darstellung des Großen Burschenschafterzirkels]
DIE DEUTSCHE/
BURSCHENSCHAFT

Rechte Seite:

LANDAU
1953-1990
NOTHEIMAT/
DER DEUTSCHEN/
BURSCHENSCHAFT

Im Jahr 2010 war der Turm mit Graffitis verunziert und in sanierungsbedürftigem Zustand.


Aktuelles

Der Bismarckturm wurde am 23.10.2010 hundert Jahre alt. Im Frühjahr 2010 fanden Sanierungsarbeiten statt, das Bauwerk war komplett eingerüstet. Das Jubiläum wurde im Rahmen einer Sonderöffnung und Ausstellung am Tag des offenen Denkmals September 2010 gefeiert.


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Quellen:

- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): Bismarck-Turm von Landau (Rheinland-Pfalz)
- Seele, Sieglinde:
Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 241-242
- Zeitschriften des Bismarck-Bundes; 2. Jahrgang 1904 (Nr. 6, S. 1), 7. Jahrgang 1910 (Nr. 9/10, S. 159), 8. Jahrgang 1910 (Nr. 1/2, S. 27), 9. Jahrgang 1911 (Nr. 1, S. 11/12)
- Deutsche Bauzeitung 44 (1910), Beilage S. 206
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 172 "Bismarck-Feuersäule bei Landau (Pfalz)", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)


Fotos

- Hans-Dieter Hirschmann, Haßloch (Juni 2006)
- Jörg Bielefeld, Remscheid (Mai 2010)


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Ansichtskartenmotiv Bismarckturm Landau um 1916