Update: 11.03.2015

Auch Kurgäste spendeten für die Säule
Die Bismarcksäule in Bad Ems

Auch in Bad Ems wurde der von der deutschen Studentenschaft preisgekrönte Entwurf "Götterdämmerung" des Architekten Wilhelm Kreis zur Ausführung bestimmt. Die Anregung erfolgte am 03.01.1900 durch mehrere patriotische Bürger von Bad Ems.


Bauplanung und Finanzierung

Nach dem im Jahr 1900 erfolgten Beschluss, eine Bismarcksäule in Bad Ems zu errichten, wurde am 07.06.1900 die Baugenehmigung erteilt.

Die Baukosten für dieses Feuersäule ohne Aussichtsfunktion betrugen inkl. Grund und Boden 11.740 Mark. Diese Kosten wurden durch freiwillige Spenden der Bürger, von Kurgästen, den Stadtgemeinden sowie der Kurkommission aufgebracht. Die Stadt kaufte das Grundstück Auf dem Klopp (213 m über NN) an.


Bauarbeiten

Im Juni 1900 wurde dem Bauunternehmer Wilhelm Jacob Balzer aus Bad Ems die Ausführung der Arbeiten übertragen. Die Grundsteinlegung erfolgte am 26.06.1900.

Der Rohbau des 12,50 m hohen Turmes wurde im Januar 1901 baurechtlich abgenommen. Im April 1901 war der Bau der Bismarcksäule vollendet.

Als Material für den Turmbau wurde wetterbeständiger Quarzit im Schichtmauerwerk verwendet, welcher ca. 3 km oberhalb der Baustelle am Weissenstein bei Kemmenau gebrochen wurde. Die Sockelstufen und Abdeckungen sind aus Niedermendiger Hausteinen hergestellt.


Baubeschreibung (ursprünglicher Zustand)

Die Turmbasis der Feuersäule ohne Aussichtsfunktion besteht aus einem zweistufigen Podest. Die Podeststufen wurden quadratisch angelegt, die untere Podeststufe hat eine Seitenlänge von 9,5 m, die obere von 7,50 m.

Darauf erhebt sich der quadratische Turmsockel mit einer Kantenlänge von 5,50 m x 5,50 m.

Beide Podeststufen sind jeweils 0,55 m hoch und 1 m tief.

In Höhe des 1,15 m breiten, ebenerdigen Eingangsbereiches auf der Vorderseite sind die Podeststufen auf einer Länge von 1,15 m durchbrochen. Die 1,80 m hohe Eingangstür ist dadurch ohne Treppe zu erreichen.

Die vier Kanten des Schaftes bestehen - wie bei dem Entwurf "Götterdämmerung" typisch - aus Dreiviertelsäulen, die von einem Architrav mit zweistufigem Oberbau zusammengehalten werden.

Den oberen Abschluss der Säule bildet eine fest eingemauerte gusseiserne Feuerschale (quadratisch, Seitenlänge 2,65 m, gefertigt: Nieverner Hütte).

Auf der dem Eingang gegenüberliegenden Seite wurde am Säulenschaft ein Bismarck-Wappen angebracht.

Im Innern der Säule waren mittels einer Leiter drei übereinander angeordnete eiserne, mit Zementboden versehene Ruhebühnen erreichbar, über die man oben - über eine kleine verschließbare eiserne Tür - einen balkonartigen Vorsprung erreichen konnte. Von dort aus war es möglich, über eine fest angebrachte eiserne Leiter die Feuerschale auf dem Turmkopf zu erreichen.


Befeuerung der Säule

Befeuert wurde die Feuerschale mit Teer-, Öl- oder Fett-Tonnen, die mit Sägemehl oder Hobelspänen gefüllt waren und zusätzlich mit Petroleum getränkt wurden. Ergänzt wurde das Feuermaterial jeweils durch ein paar Scheite Holz.

Das Brennmaterial wurde mittels einer kleinen Aufzugswinde im Innern des Turmes zur Feuerschale heraufgezogen. Bei einer Flammenhöhe von 8-9 Metern betrug die Brenndauer 1,5 - 2 Stunden.


Einweihung

Die feierliche Einweihung am 10.05.1901 erfolgte in Anwesenheit des Landrates Duderstadt. Die Bad Emser Männergesangsvereine Arndt, Glückauf, Eintracht und Sängerlust unterstützten die Einweihungsfeier stimmkräftig.


Turmgeschichte

Die Feuersäule wurde nach der Einweihung regelmäßig am 01.04. (Bismarcks Geburtstag) durch den am 01.04.1902 gegründeten Bismarck-Verein in den Abendstunden befeuert (letzter Nachweis der Befeuerung: 1913). Der Bismarck-Verein unter Vorsitz vom Geh. Sanitätsrat Dr. Geisse und Oberst a.D. von Willich sollte für die Unterhaltung der Säule und die Befeuerung an den Gedenktagen sorgen.

In den Jahren 1977/78 wurde die Bismarcksäule aufgrund des Baus einer Gaststätte („Am Bismarckturm“) an der Säule im unteren Bereich an drei Seiten umgestaltet.

Dabei wurde ein großer Teil der Podeststufen des Unterbaus entfernt (linksseitig des Eingangs, rechte Seite, Seite gegenüber dem Eingang). Der untere Bereich der vom Eingangsbereich gesehen rechten Seite sowie der untere Bereich der gegenüberliegenden Mauer des Turmes dienen nun als Wand der Gaststätte.

Das Bismarck-Wappen wurde vor 1986 entfernt.

Die Gaststätte wurde in den 1990er Jahren geschlossen.
Der Turm zeigte sich 1998 und 1999 im sanierungsbedürftigen Zustand.

Nach 1999 wurden kleinere Sanierungsarbeiten am Turm durchgeführt.

Zum 100. Jahrestag der Einweihung der Bismarcksäule, am Samstag, 12.05.2001, veranstalteten die Stadt Ems und der Verein für Geschichte, Denkmal- und Landschaftspflege eine Feierstunde an der Bismarcksäule.

Seit Mai 2006 ist die Gaststätte (jetzt unter dem Namen „Bismarcks“) wieder im Betrieb.

Der Innenraum der Säule dient als Lager. Die Ruhebühnen im Innern der Säulen sind nicht erhalten. An den Innenwänden sind im oberen Bereich Steigeisen zu erkennen.


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Gaststätte Bismarcks


Quellen

- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): Bismarck-Säule von Bad Ems (Rheinland-Pfalz)
- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäle
r, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 129
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 37 "Bismarck-Feuersäule zu Bad Ems", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschriften des Bismarck-Bundes; 5. Jahrgang 1907 (Beilage: "Die Bismarck-Feuersäule"), 9. Jahrgang 1911 (Nr. 6, S. 118), 11. Jahrgang 1913 (Nr. 4, S. 51)
- Ehrhardt, Max: Bismarck im Denkmal des In- und Auslandes, Thüringische Verlags-Anstalt Eisenach-Leipzig, 1903: 2. Teil
- Rhein-Lahn-Zeitung vom 18.05.2001, S. 21


Fotografen

- Ralph Männchen, Dresden (April 2003)
- Jörg Bielefeld, Remscheid (Mai 2010)


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