Update: 21.01.2016

Zehn Vereine für Turmbau
Der Bismarckturm in Altenkirchen (Westerwald)

Bauplanung

Auf einer Tagung des Westerwaldvereins in Altenkirchen im Oktober 1909 entstand die Idee, in Altenkirchen einen Bismarckturm zu errichten.

Konkretisiert wurde der Bau am 18. Januar 1910 auf einer nationalen Feier in Altenkirchen, als zehn Vereine beschlossen, einen Bismarck-Turm-Verein unter Vorsitz von Justizrat Hohe zu gründen.
Folgende Vereine beteiligten sich: Alldeutscher Verband, Flottenverein, Freiwillige Feuerwehr, Kriegerverein, Marineverein, Männer-Gesangsverein, Musikverein, Ostmarkenverein, Schützengesellschaft und Turnverein.

Am 01.04.1910 wurde der Bismarck-Turm-Verein (B.T.V.) gegründet, bereits nach kurzer Zeit hatte der Verein 230 Mitglieder mit einem Jahresbeitrag von 730 Mark zusammen. Der im Kreis Altenkirchen ansässige Fürst von Hatzfeld-Wildenburg spendete 300 Mark. Auch Bürgermeister Schmidt trat dem Verein bei.

Es wurde ein Aufruf an die Bevölkerung gestartet, um weitere Spenden für den Turmbau zu erhalten.

Vom 01. bis 08.12.1912 wurden im Saal des Kurhotels am Dorn zum Besten des Bismarckturms „Wernigers Kriegsfestspiele – Episoden aus dem deutsch-französischen Krieg 1870/1871“ aufgeführt.

Von dem bisher gespendeten Geldern wurde ein für den Turmbau geeignetes Grundstück („Auf dem Dorn“, 282 m über NN) angekauft. Baumeister Jakob Becker aus Altenkirchen wurde beauftragt, einen Entwurf für das Bauwerk zu erstellen.

Nachdem auf dem ausgesuchten Turmgrundstück ein hölzernes Modell des Turmes in Originalgröße aufgestellt und für gut befunden wurde, wurde Baumeister Becker mit der Ausführung seines Entwurfes beauftragt. Die Baukosten wurden auf 14.000 Mark geschätzt.

Am 17.03.1914 legte Baumeister Becker seinen Entwurf dem Königlichen Hochbauamt zwecks Prüfung vor. Die Prüfung erfolgte am 23.04.1914, nachdem der Grundstein bereits am 01.04.1914 gelegt worden war.

Vier Mitglieder des Bismarck-Turm-Vereins (u.a. der ev. Pfarrer Semmelroth, Rentner Luyken und Rectorats-Lehrer Dapprich) spendeten eine Bronze-Plakette mit dem Bild Bismarcks. Bürgermeister Schmidt trat daraufhin aus dem Verein aus, weil er über dieses Vorhaben nicht unterrichtet war.


Bauarbeiten

Als Baumaterial wurde Sandstein mit Backsteinhintermauerung, für die Terrassenbalustrade und das Plattformgesims mit Balustrade Basaltwerkstein verwendet.

Der Bau des Turmes war bereits am 01. September 1914 fertig gestellt. Erstmals wurde an diesem Tag ein Feuer auf dem Turm entzündet.

Wegen Kriegsausbruchs konnte die für den 01.04.1915 vorgesehene Einweihung nicht stattfinden, diese wurde auf unbestimmte Zeit verschoben. Die Bauabnahme erfolgte am 21. Juni 1915.


Baubeschreibung

Der 14 m hohe Aussichtsturm mit Befeuerungsmöglichkeit steht auf einer quadratischen Terrasse mit einer Grundfläche von 11,14 m, die – je nach Gelände – drei- oder vierstufig aufgebaut worden ist.

Auf der Zugangsseite (Ostseite) gelangt man über eine 1,92 m breite und 2,52 m lange Treppe mit 9 Stufen auf die Terrassenanlage. Die Breite der beidseitigen „Handläufe“ beträgt jeweils 0,5 m.

Die Terrasse ist von einer steinernen, 0,76 m hohen Balustrade umgeben, an deren Ecken Basaltbossenpfeiler kleine Feuerbecken in Form abgestumpfter Pyramiden mit Mulden aus Basaltwerkstein tragen.

Der im Zentrum der Terrasse stehende quadratische Turm mit einer Seitenlänge von 5,14 m besteht aus Sandsteinbossen (Backstein-Hintermauerung). Bis in 3 m Höhe sind Basaltbosse an den Turm-Ecken mit Sandsteinbossen verzahnt.

Über eine Stufe (Höhe: 0,15 m) an der Ostseite des Turmes gelangt man durch die 2,15 m x 1,00 m große Eingangstür in das Erdgeschoss des Turmes. Der Türsturz ist aus roh bearbeitetem Basalt gefertigt.

Über eine Wendeltreppe aus Beton (Stufenbreite 1,00 m) um einen Backsteinpfeiler (0,80 m x 0,80 m) ist die Aussichtsplattform erreichbar. Der Austritt erfolgt durch die dafür vorgesehene Öffnung in der Laterne (Südseite). Die Laterne weist auf den anderen Seiten offene Fenster auf.

Der äußere Turmschaft verjüngt sich leicht nach oben. Die 4,20 m x 4,20 m breite Plattform in 9 m Höhe mit steinerner Balustrade aus Basaltwerkstein kragt leicht aus. Mittig der Plattform steht die oktogonale Laterne, die sich nach 2,20 m nach oben verjüngt und in der Gesamthöhe von 2,80 m mit einem eingemuldeten Feuerbecken abschließt. Dieses wurde mit in Petroleum getränktem Holz befeuert. Über eingelassene Steigeisen an der Außenseite der Laterne konnte das Feuerbecken erreicht werden.

Über dem Eingang auf der Ostseite wurde in einer Nische eine bronzene Plakette mit dem Relief-Bildnis Bismarcks, gefertigt in der Düsseldorfer Bronze-Bildgießerei GmbH, angebracht. Die Initialen der vier Spender aus dem Bismarck-Turm-Verein waren am unteren Rand der Plakette zu lesen.

Oberhalb des Reliefs in 5,10 m Höhe ist ein 0,40 m x 0,70 m großer Lichtschlitz vorhanden. An den übrigen Seiten sind mittig jeweils zwei Lichtschlitze (ca. auf 3 und auf 7 m) eingelassen.

Im geschlossenen Mittelfeld der oberen Plattformbalustrade oberhalb des Lichtschlitzes auf der Ostseite wurde ein steinernes Bismarck-Wappen aus Basaltwerkstein angebracht.

Die Gesamthöhe des Turmes oberhalb der 1,44 m bis 1,80 m hohen Terrasse beträgt 12,30 m.


Turmgeschichte

Im Jahr 1921 waren die Baukosten für den Turm noch nicht komplett beglichen, der Bismarck-Turm-Verein sammelte weiter Geld für den Turm. Aufgrund des einsetzenden 1. Weltkrieges konnte die Einweihungsfeier des Turmes erst nachträglich am 21.05.1922 stattfinden. Bei der Einweihung wurde das Bauwerk an die Stadt Altenkirchen übergeben. Kurz darauf löst sich der B.T.V. auf.

Im 2. Weltkrieg wurde der Turm nicht beschädigt, das Bronzerelief Bismarcks war 1945 allerdings nicht mehr vorhanden.

Im Jahr 1957 wurde angeregt, die Plakette zu ersetzen. Die Stadt Altenkirchen beauftragt daraufhin den Bildhauer Hoffmann-Schlöndorf aus Mammelzen. Dieser schuf – nach einem Bild von Lenbach – ein neues Bismarck-Medaillon, welches im Juni 1963 am Turm angebracht wurde.

Der Turm wurde seitdem nur noch sporadisch geöffnet. Im Jahre 1970 wurde das Bauwerk wegen wiederholter Verunreinigungen geschlossen.

Der Turm, der über mehrere Jahre bei Stadtführungen geöffnet wurde, musste 2006 wegen Baufälligkeit geschlossen werden.

Am 06. August 2008 wurde der Bismarckturm-Verein Altenkirchen e.V. gegründet. Im Mai 2009 hatte der Verein bereits 50 Mitglieder, die sich um Sanierung und Erhalt des Bismarckturmes kümmern wollen.

Im Mai 2009 gab es vom Land Rheinland-Pfalz eine Spendenzusage über 88.000 EURO für die Sanierung.

Nach erfolgten Sanierungsarbeiten wurde der Bismarckturm im feierlichen Rahmen am 28.08.2010 wiedereröffnet.

Auf der Laterne des Turmes wurde zuvor (15.07.2010) eine neue Feuerschale angebracht. Eine Probebefeuerung wurde am 20.08.2010 erfolgreich durchgeführt.


Öffnungszeiten

Der Bismarckturm ist das ganze Jahr über an jedem 1. Sonntag im Monat von 14:00 bis 16:00 Uhr geöffnet. An jedem 2. Samstag im Juni findet jährlich ein Bismarckturm-Fest am Turm statt.


Links

Bismarckturm-Verein Altenkirchen e.V.

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Quellen

- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von ALTENKIRCHEN (Rheinland-Pfalz)
- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 30
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 200 "Bismarck-Feuersäule bei Altenkirchen (Westerwald)", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Kleinmanns, Joachim: Rheinische Aussichtstürme des 19. und 20. Jahrhunderts, Dissertation Aachen 1986, S. 289 – 290, S. 376
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes; 8. Jahrgang 1910 (Nr. 4, S. 60/61)


Fotos

- Jörg Bielefeld, Remscheid (Juli 2003 und Mai 2010)
- Marek Moson, Wroclaw (Mai 2010)
- Bismarckturm-Verein Altenkirchen e.V. (befeuerte Säule August 2010)


Bismarckturm bei Probebefeuerung im August 2010