Update: 03.02.2013

Der Turm auf dem Mittelberg
Der Bismarckturm in Zobten

Bauplanung

Im Jahr 1899  plante der Bismarckausschuss der Breslauer Universität unter Vorsitz des Erbprinzen Bernhard III. von Sachsen-Meiningen (1851 – 1928) und des Oberpräsidenten der Provinz Schlesien, Fürst Hermann von Hatzfeldt (1848 – 1933) den Bau einer Bismarcksäule für Breslau.

Nach Prüfung der Bauverhältnisse wurde im Mai 1901 beschlossen, die Säule auf dem Zobtenberg (dem höchsten Berg des Zobten-Gebirges) zu bauen. Auf diesen Berg pilgerte die Breslauer Studentenschaft alljährlich seit den Freiheitskriegen, um an den 1. Tag der Erhebung gegen die Fremdherrschaft zu erinnern.

Der Ausschuss veröffentlichte einen Aufruf zur Unterstützung des Baus einer Bismarcksäule nach dem Entwurf „Götterdämmerung“ des Architekten Wilhelm Kreis. Der Aufruf wurde vom Zobten-Gebirgs-Verein aufgenommen und unterstützt. Es bildete sich ein Arbeits-Ausschuss, um die Planungen weiter zu verfolgen.

Am 02.07.1903 fand ein großes Sommerfest zum Besten der Bismarcksäule statt. Der Reinertrag von 5.000 Mark erhöhte den Turmbaufonds auf insgesamt 12.000 Mark.

Am 02.07.1904 wurde ein weiteres Sommerfest durchgeführt, doch der Turmbaufonds wuchs nur langsam. Zur weiteren Finanzierung des Turmes hoffte der Ausschuss auf Semesterbeiträge der Studenten und Spenden der Bürger.

Die Baukosten wurden auf etwa 15.000 Mark geschätzt. Der Bauinspektor Köhler aus Stettin und der Architekt Mertens aus Breslau präsentierten im Lichthof des Kunstgewerbe-Museums in Breslau Alternativen zum Kreis‘schen Entwurf, die jedoch nicht zur Ausführung gelangten.

Ende 1904 hatte sich der Turmbaufonds auf 16.000 Mark erhöht, sodass die Grundsteinlegung auf den 01.04.1905 avisiert wurde.

Es wurde beschlossen, den Turm auf dem (niedrigen) Mittelberg des Zobtengebirges zu errichten.

Im Juni 1905 wurden für die Baukosten insgesamt 20.000 Mark veranschlagt, sodass am 22.06.1905 ein weiterer Ausschuss gebildet wurde, um die Förderung des Baus verstärkt voranzutreiben.

Aufgrund von Schwierigkeiten beim Transport des Materials und bei der Wasserzuleitung (aus der Jakobsquelle) verteuerte sich der Bau des Bismarckturmes.

Die Zobtengebirgsverein in Breslau und Zobten spendeten je 1.000 Mark für den Turmbau. Ende 1905 hatten die Sammlungen die erforderliche Höhe erreicht, um den Bau im Frühjahr 1906 beginnen zu könnten.

Die Vorarbeiten starteten bereits Anfang 1906: Es wurden ein 300 m langer Zufuhrweg erstellt und Granitsteine gebrochen. Der Baufonds war zu diesem Zeitpunkt auf 18.000 Mark angewachsen.

37 Studenten-Korporationen waren an der Verwirklichung des Turmbaus beteiligt.


Bauarbeiten

Am So., 13.05.1906 um 13:00 Uhr wurde im Beisein von 600 Studenten und dem Rektor der Universität Breslau der Grundstein des Turmes gelegt. Ende 1906 konnten die Bauarbeiten abgeschlossen werden.

Als Baumaterial für den Turm mit quadratischem Grundriss wurde Granit, der in halber Höhe des Zobtenkegels gebrochen wurde, verwendet. Als ausführender Baumeister war Maurermeister Sandmann aus Protschkenhain bei Mettkau tätig.


Turmbeschreibung (zur Zeit der Einweihung)

Als Basis der 15 m hohen, wuchtigen Feuersäule mit Aussichtsfunktion dient ein einstufiges quadratisches Podest.

Eine auf der Eingangsseite (Südseite) vorgelagerte, nach oben hin schmaler werdende Treppe mit elf Stufen führt  über die Podeststufe und einen Absatz auf die Eingangsebene des Bauwerkes. Die Absatzstufe ist im Bereich der Schaftsäulen abgerundet.

Die vier Kanten des Schaftes bestehen - wie bei dem Entwurf "Götterdämmerung" typisch - aus Dreiviertelsäulen, die von einem Architrav mit dreistufigem Oberbau zusammengehalten werden.

Oberhalb der Plattform war mittig eine runde Feuerpfanne installiert.

Am Turm waren keine Hinweise auf Bismarck angebracht.

Über eine Metall-Wendeltreppe im Innern gelangt man zur Aussichtsplattform.


Geschichte des Turmes

Bei der Einweihung des Turmes am 21.06.1907 übergab Herr cand. phil. Rolffs (Turnerschaft Suevia Breslau) vom studentischen Ausschuss den Bismarckturm an Bürgermeister Kraus. Nach der Schlüsselübergabe erfolgte eine Ansprache des Rektors der Universität Dr. Max Lukas Sdralek (1855-1913).

Architekt Wilhelm Kreis nahm an der Einweihungsfeier teil.

Am Einweihungstag wurde die Feuerpfanne ab 20:30 Uhr erstmals befeuert. Nach dem Erlöschen des Feuers auf der Säule wurde der Turm bengalisch beleuchtet.

Die Einweihungsfeier war eingebettet in eine Vielzahl von Veranstaltungen vom 20. bis 22.06.1907. Die Studentenschaft hoffte auf weitere Einnahmen durch die Veranstaltungen, da die Baukosten den Kosten-Voranschlag überschritten hatten. Die Gesamtbaukosten lagen bei ca. 30.000 Mark.

Zur Sommersonnenwende 1908 versammelten sich Vertreter der Breslauer Studenten-Korporationen an der Bismarcksäule zwecks einer kurzen Feier zu Ehren Otto von Bismarcks. Die Feuerschale wurde an diesem Tag in den Abendstunden entzündet.

Die metallene Innentreppe wurde (vermutlich nach 1945) erneuert. Über 60 Stufen (13 Stufen Westseite, 15 Stufen Nordseite, 15 Stufen Ostseite, 4 Stufen mit längerem Absatz auf der Südseite und 13 Stufen auf der Westseite) gelangt man zur Plattform. Der Ausgang zur 5,50 m x 5,50 m großen Aussichtsplattform liegt auf der Nordseite.

Die Feuerschale wurde bereits vor 1992 entfernt.

Der Turm wird an bestimmten Tagen vom Zobtenverein geöffnet. Im Innenraum werden historische Ansichten des Turmes gezeigt.


Öffnungen:

Sa. und So. von 10:00 - 16:00 Uhr (nur in den Sommermonaten)


Links

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Externe Bildergalerie Bismarckturm Zobten

360°-Foto von Sebastian Sosnowski


Fotografen

- Marek Moson, Wroclaw (November 2003 und Juni 2006)
- Markus Bellebaum, Iserlohn (Juni 2006)
- Jörg Bielefeld, Remscheid (August 2002)


Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 420-421
- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-SÄULE auf dem Zobten/Schlesien
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 136 "Bismarck-Feuersäule auf dem Zopten (Kreis Schweidnitz)", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschriften des Bismarck-Bundes: 1. Jahrgang 1903 (Nr. 5, S. 9), 2. Jahrgang 1904 (Nr. 9, S. 3; Nr. 11/12, S. 10), 3. Jahrgang 1905 (Nr. 2, S. 5/6; Nr. 11, S. 10/11), 4. Jahrgang 1906 (Nr. 1, S. 13; Nr. 4, S. 60, Nr. 7/8, S. 111), 5. Jahrgang 1907 (Nr. 2, S. 31; Nr. 7/8, S. 101)


Polnische Übersetzung von Marek Moson /Wroclaw