Update: 07.04.2013

Feuersäule aus Findlingen
Die Bismarcksäule in Thorn

Bauplanung

Der Bau der Bismarcksäule in Thorn wurde im Januar 1899 vom ehemaligen Landrat des Kreises Thorn, Friedrich von Schwerin, angeregt. Dieser verfasste ein Rundschreiben an alle Gemeinden des Kreises Thorn und schlug vor, eine Bismarck-Feuersäule in Form einer Pyramide in der Kreishauptstadt Thorn errichten zu lassen. Unterstützung fand die Idee beim Bürgermeister Georg Kersten der Stadt Thorn.

Als Baumaterial sollten Findlingssteine dienen, die die Städte des Kreises zur Verfügung stellen sollten. Auf Wunsch sollten auf den gespendeten Steinen die Namen der Gemeinden oder der Güter eingemeißelt werden.

Der Magistrat wurde gebeten, einen Bauplatz für die Säule zur Verfügung zu stellen. Als Standort der Säule wurde ein Platz am Ziegeleipark im Westen von Thorn gewählt, direkt vor dem Kinderheim der Bromberger Vorstadt.

Entworfen wurde die Säule mit aufgesetzter Feuerschale von Professor Hugo Hartung aus Charlottenburg bei Berlin. Professor Hartung entwarf in Thorn auch den Turm der evangelischen Kirche (Jesuiten-Kirche) am Markt und das Gebäude des Landratsamtes (heute Stadtamt) am Theater-Platz.

Finanziert wurde der 10.000 Mark teure Bau aus Spenden der umliegenden Städte (insgesamt 1.000 Mark), die Stadt Thorn stiftete 3.000 Mark für das Bismarck-Wappen und der Kreis Thorn beteiligte sich mit 6.000 Mark an den Kosten.


Bauarbeiten

Die Grundsteinlegung wurde am 21.06.1901 durchgeführt.

Als Baumaterial wurden Findlinge aus dem ganzen Kreis Thorn verwendet.


Turmbeschreibung

Die 12 m hohe Feuersäule ohne Aussichtsfunktion hatte einen quadratischen Grundriss.

Auf einem dreistufigen quadratischen Sockel von geringer Höhe erhob sich ein Obelisk, auf dessen Kopf auf vier Füßen eine gusseiserne quadratische Feuerschale mit einer Seitenlänge von 1,70 m installiert wurde. Die 1.500 Mark teure Feuerschale wurde mit Scheitholz und Petroleum befeuert. Hierbei wurde eine Flammenhöhe von 3-5 m bei einer Brenndauer von bis zu 2 Stunden erreicht.

Am Säulenschaft wurde ein Bismarck-Relief aus Bronze von Bildhauer Harro Magnussen (1861 - 1908) angebracht.

Auf der Rückseite der Säule war eine Bronzetafel mit der Inschrift

"Dem Gedächtnis des Fürsten Bismarck, der Stadt- und Landkreis Thorn"

sowie die Namen der Gemeinden und Güter, die das Baumaterial geliefert haben, angebracht.


Turmgeschichte

Die feierliche Einweihung der Säule wurde am 18.10.1901 durchgeführt. Die Stadt Thorn übernahm die Pflege und Unterhaltung des Bauwerks und sorgte für das Holz für die alljährliche Befeuerung im Feuerbecken sowie für die gleichzeitige Beleuchtung des umgebenden Platzes.

Durch den Versailler Vertrag gehörte Thorn ab 1920 zu Polen.

Die Säule sollte im Jahr 1920 in ein Freiheitsdenkmal umgewidmet werden. Die Stadtbehörde hatte bereits einen Entwurf für einen Umbau gefertigt. Dies wurde jedoch abgelehnt, da auch eine umgewidmete Säule noch an das ehemalige deutsche Kaiserreich erinnert hätte. Nach vielen Debatten wurde das Bauwerk im Jahr 1926 abgetragen.

Im Jahr 1993 konnten keine Reste der ehemaligen Bismarcksäule gefunden werden [Seele].


Links (ehemaliger Standort)

Google Maps

Google Earth


Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 384/385
- Seele, Sieglinde; Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von THORN / Westpr.
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 54 "Bismarck-Feuersäule zu Thorn", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 5. Jahrgang 1907 (Beilage: „Die Bismarck-Feuersäule“)


Bildmaterial

- Jörg Bielefeld, Remscheid (historische Ansichten)


Polnische Version dieser Seite (Dank an Marek Moson aus Wroclaw/PL für Übersetzung)