Update: 09.02.2014

Der nie vollendete Turm
Der Bismarckturm in Sorau

Bauplanung

Am 18.11.1908 fand in Sorau eine Versammlung statt, um den Plan zur Errichtung eines Bismarckturmes in Sorau zu besprechen. Zum Zwecke des Turmbaus wurde ein provisorisches Komitee gebildet.

Für den 20.11.1908 wurde eine große öffentliche Versammlung einberufen, um das geplante Turmprojekt zu koordinieren. Trotz geringer Beteiligung an der Versammlung wurde der Beschluss gefasst, dem Regierungspräsidenten das Protektorat anzutragen. Es wurde ein offizielles Komitee gewählt, welches sich aus Vertretern der Behörden der umliegenden Städte und des Kreises zusammensetzte.

Im Sorauer Tageblatt wurde eine Zusammenfassung des Protokolls dieser Sitzung veröffentlicht. Einige gewählte Mitglieder waren mit dem Text der Veröffentlichung nicht einverstanden und erklärten darauf ihren Austritt aus dem Komitee.

Damit schien das Projekt Turmbau vorerst gescheitert zu sein.

Am 28.03.1913 wurde im Kreistag des Kreises Sorau auf einem Tagungspunkt die Errichtung eines Bismarckturmes auf dem Rückenberg im Sorauer Wald (226 m über NN) besprochen. Die Mittel für den Turmbau stammten aus dem Nachlass des verstorbenen Fabrikbesitzers Theodor Frenzel und wurden durch seinen Sohn, Fabrikbesitzer Georg Frentzel, zur Verfügung gestellt. Der Kreistag erklärte sich bereit, dass der Kreis Sorau sich nach dem Bau des Turmes um die Unterhaltung kümmern werde.

Zwecks Turmbaus wurde im Jahr 1913 ein eingetragener Verein unter Vorsitz von Forstmeister R. Ebert gegründet.

Finanziert wurde der Turmbau hauptsächlich durch den Nachlass von 30.000 Mark. Weitere Spendengelder wurden über einen Aufruf im Sorauer Tageblatt gewonnen.

Als Gesamtkosten waren ca. 50.000 Mark (nach anderer Quelle 140.000 Mark) veranschlagt.


Bauarbeiten

Der Entwurf stammt von Maurermeister Fritz Schubert aus Sorau, der auch gleich die Maurerarbeiten am Turm durchführte.

Der erste Spatenstich für die geplante Bismarck-Warte wurde am Mittwoch, 01.04.1914 auf dem Rückenberg (geographisch höchster Punkt der Mark Brandenburg) vorgenommen.

Der Königliche Forstmeister Ebert aus Sorau übergab den Bauplatz im Namen des Forstfiskus an das Komitee. Landrat von Bredow übernahm den Platz und führte den 1. Spatenstich aus. Als Einweihungstermin wurde der 01.04.1915 avisiert.

Im Juni 1914 ruhten die Arbeiten am Bismarckturm durch einen Streik der Maurer und Zimmerer. Durch den einsetzenden 1. Weltkrieg am 01.08.1914 konnte der Turm nur bis zu einer Höhe von 25 m (geplant war eine Höhe von 42 bzw. 48 m) gebaut werden.

Der Unterbau des Bismarckturmes mit quadratischem Grundriss wurde aus roten Backsteinen errichtet, die unten mit Feldsteinen verblendet wurden.


Turmbeschreibung (geplanter Aussichtsturm)

Das 25 m hohe Bauwerk war ursprünglich als Aussichtsturm mit Befeuerungsvorrichtung geplant und konnte nie vollendet werden. Es wurde ein Aussichtsturm ohne Befeuerungsvorrichtung errichtet.

Über eine vorgelagerte zweiläufige Außentreppenanlage erreichte man den höher gelegenen Eingang. Durch diesen Eingang gelangte man eine von einem Kreuzgewölbe überspannte Gedenkhalle, an die sich ein Erfrischungsraum und ein Raum für den Türmer anschlossen.

Über eine einläufige Treppe am Eingang sollte über die Aufgangstreppe mit 214 Stufen die Aussichtsplattform mit Feuerschale zu erreichen sein. In 30 m Höhe war der Hauptaustritt mit Rundgang geplant. Hier sollten vier achteckige Aussichtsfenster einen Rundum-Ausblick ermöglichen. Laut Entwurf erhoben sich darüber vier wuchtige, sieben Meter hohe Steinsäulen. Der letzte Austritt war in 39 m Höhe geplant. Auf einem 2,75 m hohen Aufbau am Turmkopf sollte eine Feuerschale installiert werden.

Hinweise auf Bismarck wurden am Bauwerk nicht angebracht.


Turmgeschichte

Nach dem 01.08.1914 blieb das Bauwerk im unvollendeten Zustand. Der Turm blieb nach oben hin offen und war den Witterungseinflüssen über viele Jahrzehnte unmittelbar ausgesetzt.

Das Bauwerk wurde weder als Aussichtsturm noch als Feuersäule genutzt.

Bereits im Jahr 1945 waren an den Freitreppen Granitsteine herausgebrochen worden.

Auf den Bismarckturm wurde nach 1970 ein Holzgerüst aufgebaut (Nutzung als Feuerwachtturm).

Das Bauwerk wurde im Juli 1991 in ruinösem Zustand vorgefunden (Innentreppe fehlte komplett, Außentreppe wurde zerstört, Turm oben offen).

Der Holzaufbau wurde im Mai 2002 entfernt.

Im Juni 2011 war das Bauwerk in stark ruinösem Zustand vorhanden.


Links

Google Maps

Google Earth

Geplanter Entwurf (3-D-Bilder)

Modelle von Sebastian Sosnowski


Bildmaterial

- Marek Moson, Wroclaw (Fotos Juni 2011)
- Jörg Bielefeld, Remscheid (Fotos August 2002)


Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 368-369
- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM (-WARTE) von SORAU/Brandenburg
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 208 "Bismarck-Turm/Feuersäule bei Sorau M/L im Sorauer Wald", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes; 7. Jahrgang 1909 (Nr. 5, S. 84), 11. Jahrgang 1913 (Nr. 4, S. 57), 12. Jahrgang (Nr. 4/5, S. 54/55)
- Sorauer Heimatblatt Nr. 6, 1998, S. 25


Polnische Übersetzung von Marek Moson, Wroclaw