Update: 03.11.2015

Polnisches Wappen statt Bismarck-Medaillon
Der Bismarckturm in Sensburg

Bauplanung

Die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Sensburg, insbesondere Hauptmann a.D. Reh, regte im Jahr 1902 den Bau eines Bismarckturmes in Sensburg an.

Nach Gründung eines Denkmal-Komitees unter Vorsitz des Bürgermeisters Jaenicke wurde das Vorhaben in Angriff genommen.

Als Turm-Standort wählte man die Jaenikeshöhe im Stadtpark (auch als Mühlenberg bezeichnet).

Der Entwurf des Bauwerkes, der nach dem turmartigen Entwurf des Kriegerdenkmals in Jena gestaltet und den örtlichen Verhältnissen angepasst war, stammte von Bauinspektor und Baurat Gersdorf aus Sensburg.

Die Gesamtkosten des Turmes und die Finanzierung sind nicht bekannt.


Bauarbeiten

Die Bauleitung übernahm Baurat Gersdorf aus Sensburg, ausführender Baumeister war Baumeister Reese aus Sensburg.

Der in den Jahren 1905 und 1906 erbaute Turm wurde auf einem vorhandenen Mühlenkegel aufgebaut.

Als Baumaterial verwendete man rote Ziegelsteine, die zum Teil verputzt wurden.


Turmbeschreibung (zur Zeit der Einweihung)

Der 23 m hohe Aussichtsturm mit Befeuerungsvorrichtung hat einen kegelförmigen Unterbau.

Der Unterbau verjüngt sich nach oben bis zur Brüstung des Turmumlaufs in ca. 9 m Höhe. Über Innentreppen sind der Umlauf und die obere Zinnenaussichtsplattform mit Feuerschale erreichbar.

Die viereckige Feuerschale aus Kupfer (Seitenlänge 1,50 m, Gewicht 100 kg) wurde mit Holz und Torf, welches mit Petroleum getränkt war, befeuert. Die Feuerschale war oben in einer 4 m hohen Vierkantsäule aus Eisenblech, die mittig auf der Aussichtsplattform positioniert war, eingelassen.

Über dem Eingang war ein Bismarck-Medaillon in Bronze von Medailleur Dürrich (gefertigt in der Bronzegießerei Gladenbeck & Sohn in Berlin, Kosten 525 Mark) mit der Inschrift

"FÜRST BISMARCK - DER BAUMEISTER DES DEUTSCHEN REICHES"

angebracht. Darüber ist ein Gedenkspruch von Hoffmann von Fallersleben in Goldbuchstaben

"Wie könnt ich Dein vergessen,/
ich weiß, was Du mir bist
",

an der Rückseite des Turmes die Inschrift

"Dem großen Kanzler/
OTTO v. BISMARCK/
Stadt und Kreis Sensburg/
1906
"

angebracht.


Turmgeschichte

Das Bismarck-Medaillon wurde nach 1950 durch einen polnischen Wappenadler ersetzt. Die Zinnen, die Vierkantsäule und die Feuerschale wurden entfernt.

In den 1980er Jahren war das Bauwerk für Besucher geöffnet, ein Anwohner schloss den Turm für Besucher auf.

Das Bauwerk wurde im Mai 1993 saniert, zu dieser Zeit war der polnische Wappenadler nicht mehr vorhanden.

Der Turm war im Jahr 2003 eingezäunt und verschlossen.

Im Oktober 2015 war das Gelände um den Bismarckturm eingezäunt. Am verschlossenen Bauwerk zeigten sich deutliche Risse und Wasserflecken. Ein Hinweisschild wies darauf hin, dass der Turm zum Verkauf angeboten wird.


Links

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Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 364
- Seele, Sieglinde; Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von SENSBURG / Ostpr.
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 129 "Bismarck-Feuersäule zu Sensburg - Ostpreußen", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 3. Jahrgang 1905 (Nr. 11, S. 11); 4. Jahrgang 1906 (Nr. 12, S. 189); 5. Jahrgang 1907 (Beilage: Die Bismarck-Feuersäule“)


Bildmaterial

- Jörg Bielefeld, Remscheid (historische Ansichten)
- Ralph Männchen, Dresden (Fotos Oktober 2004 und Oktober 2015)
- Sebastian Sosnowski, Polen (Fotos September 2012)


Polnische Version dieser Seite (Dank an Marek Moson aus Wroclaw/PL für Übersetzung)