Update: 05.03.2013

Funkerturm in Privatbesitz
Der Bismarckturm in Schwiebus

Bauplanung

Der Vorsitzende des Ostmarken-Vereins, Ortsgruppe Schwiebus, Dr. Woge regte im Rahmen einer Sitzung mit Vertretern sämtlicher Vereine im Herbst 1904 den Bau eines Bismarckturmes an, nachdem bereits im Juni 1904 intern darüber beraten wurde.

Es bildete sich daraufhin ein Baukomitee unter Vorsitz des Ratsherrn Alb. Sckerl.

Im 1. Quartal 1905 wurde als Turmstandort der I. Weinberg der Salkauer Berge ausgewählt. Grundstücksbesitzerin Klaembt schenkte der Stadt eine Bauparzelle von 700 m² Größe, die Stadtverordneten stimmten der Schenkung zu.

Finanziert wurde der 11.000 – 13.000 Mark teure Turmbau durch Spenden. Der Kreis bewilligte 1.000 Mark, die Stadt Schwiebus 500 Mark. Der Arbeiterverein Deutscher Gesinnung spendete 25 Mark.

Baumeister Schermann entwarf einen viereckigen Turm. Aus Kostengründen änderte er den Entwurf in einen runden Turm.


Bauarbeiten und Einweihung

Die Bauleitung übernahm Alb. Sckerl, die Bauausführung erfolgte durch Maurermeister Max Fechner aus Schwiebus. Für das Außenmauerwerk verwendete man Granitfindlinge, für das Turminnere wurden Ziegelsteine verbaut.

An Bismarcks 90. Geburtstag (01.04.1905) erfolgte die Grundsteinlegung. Der Baubeginn verzögerte sich aus unbekannten Gründen. Erst drei Jahre später, am So., den 20.09.1908, konnte der Turm eingeweiht werden.

An der Einweihungsfeier nahmen alle Vereine der Stadt, die Schulen sowie die städtischen Körperschaften und Behörden teil. Die Weiherede hielt Oberpfarrer Weist, die Festrede Direktor Dr. Hübner. Nach der Feier folgte ein Kommers. Am Abend wurde erstmals ein Holzstoß auf der oberen Plattform des Bismarckturmes entzündet.


Turmbeschreibung (zur Zeit der Einweihung)

Der 22 m hohe Aussichtsturm mit Befeuerungsmöglichkeit hat einen quadratischen Grundriss von 7,20 m x 7,20 m.

Die erdgeschossartige Sockelkonstruktion hat eine Höhe von 3,25 m. Der zweiflügelige Eingang auf der Südseite ist 1,75 m breit und 2,50 m hoch und über eine 0,30 m hohe Treppenanlage (mit ein oder zwei Stufen) erreichbar. Die Eingangstür ist von einem fünfeckigen Giebel (Breite 3,50 m, maximale Höhe 1,30 m [Grundfläche bis Spitze]) mit zwei parallelen vertikalen Seiten bekrönt.

Oberhalb der Giebelspitze wurde ein bronzenes Bismarck-Medaillon, hergestellt in der Bronzegießerei von Gladenbeck in Berlin und gestiftet von Dr. Woge, angebracht.

Vom Sockel aus erhebt sich der runde, sich nach oben hin leicht verjüngende Turmschaft.

Auf der Eingangsseite des Turmschaftes befinden sich übereinander drei Mal zwei nebeneinanderliegende Fensterschlitze. Die Höhe der Fensterschlitze nimmt von unten nach oben ab.

Der schmale und runde Turmkopf beginnt oberhalb des leicht auskragenden Zinnenfrieses.  

Die Plattform selbst hat einen 1,20 m breiten Umgang mit einer 1 m hohen Brüstung. Mittig der Plattform erhebt sich ein 5 m hoher Säulenaufbau mit schmiedeeiserner freistehender Feuerpfanne (Kesselboden) und einem 0,20 m breitem eisernen Ring, auf dem ein abzunehmender verzinkter Deckel mit kleiner Blitzableiterspitze befestigt war.

Über eine Innentreppe mit 72 Stufen war die Aussichtsplattform erreichbar.

Im Inneren des Turmes wurden ein Bild des Fürsten sowie eine Widmungstafel aus Granit angebracht.


Turmgeschichte

Am 01.04.1915 (Bismarcks 100. Geburtstag) wurde die Feuerpfanne entzündet. Das Bismarck-Medaillon am Turm wurde mit einem großen Lorbeerkranz geschmückt.

Einige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg wurde im Turm ein Luftstreitkräfte - Beobachtungspunkt eingerichtet. Die Feuerschale sowie ein Teil des Turmaufbaus wurden zu diesem Zweck entfernt. Auch das Flachrelief von Bismarck im Innern des Turmes wurde abgenommen. Ein paar Jahre später wurde der Militär-Beobachtungspunkt aufgelöst. Das ursprüngliche Aussehen des Turmes wurde nicht wiederhergestellt.

In den folgenden Jahren verfiel der Turm weiter und die Stahlelemente rosteten. Anfang der 1990-er Jahre ging der Turm in Privatbesitz über.

Im Jahr 1992 war der ursprüngliche Säulenaufbau verkürzt und verändert. Das Geländer der Innentreppe fehlte.

1999 wechselte der Turmbesitzer.

Der obere Teil des Bauwerkes wurde gegen Feuchtigkeit und Rost gesichert. Die ursprüngliche Brüstung wurde entfernt und durch einen Drahtzaun ersetzt.

Auf dem Turm wurden Antennenanlagen montiert. Die unteren beiden Doppelfensterschlitze wurden verschlossen. Das Gelände um den Turm herum wurde eingezäunt.

Standort des Turmes ist die Wohnsiedlung „Widok“ in Schwiebus.

Der Turmbesitzer sucht Sponsoren, die bei der Sanierung mithelfen wollen.


Links

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Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 361
- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von SCHWIEBUS/Brandenburg
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 45 "Bismarck-Feuersäule bei Schwiebus", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 3. Jahrgang 1905 (Nr. 2, S. 6; Nr. 5, S. 6, Nr. 8, S. 9; Nr. 11, S. 11), 4. Jahrgang 1906 (Nr. 1, S. 14), 7. Jahrgang 1909, S. 84
- Bielefeld, Jörg: Turmmaße (Juni 2011, ohne Gewähr)


Bildmaterial

- Jörg Bielefeld, Remscheid (Fotos August 2002, Juni 2011 und historische Ansichtskartenmotive)
- Marek Moson, Wroclaw (Fotos Juni 2011)


Polnische Übersetzung von Marek Moson, Wroclaw