Update: 05.03.2013

750 m³ Steine für die Feuersäule
Der Bismarckturm in Sagan

Bauplanung

Der Landrat des Landkreises Sagan Johannes K.M. von Neefe und Obischau regte im August 1902 den Bau eines Bismarckturmes in Sagan an.

Nachdem das geplante Projekt einige Zeit ruhte, wurde im Frühjahr 1904 ein provisorisches Komitee gegründet. Bei einer öffentlichen Versammlung am 16.04.1904 schilderte der Vorsitzende des Komitees, der 1. Bürgermeister Simon, die Pläne zur Errichtung eines Bismarckdenkmals. An Spenden waren bis zu diesem Zeitpunkt 651 Mark gesammelt worden.

In der Versammlung wurde abgestimmt, ob in Sagan ein Bismarck-Standbild oder eine Bismarcksäule errichtet werden soll. Man entschied sich einstimmig für die Bismarcksäule. Als Standort einigte man sich auf den östlich der Stadt gelegenen Burgberg.

Nun wurde sowohl ein Ehren- als auch ein ausführendes Komitee gewählt. Als Vorsitzender wurde Generalleutnant a. D. von Steinmetz, als 2. Vorsitzender Landrat Horst Artur von Wolff, als Schriftführer Lehrer G. Michael und als Schatzmeister Kaufmann Otto Freitag gewählt.

Die erste Sitzung des Komitees fand am 04.06.1904 in Belaria statt. Hier wurde beschlossen, das Komitee personell zu verstärken. Der Vorsitzende sprach sich zudem für einen Bauplatz zwischen dem Burgberg und dem Belariawäldchen aus. Mit den Eigentümern des Baugrundes sollte wegen des Grunderwerbs Kontakt aufgenommen werden. Zudem wurde ein Aufruf an alle Vereine und Landbewohner gestartet, letztere sollten auch zu Steinspenden aufgerufen werden.

Der Spendenfonds war zu dieser Zeit auf gut 800 Mark angewachsen, der Kreiskriegerverein hatte 100 Mark und der Kriegerverein 50 Mark für den Bau der Bismarcksäule gestiftet.

Die Glashüttenbesitzer Barth aus Wiesau und Schwarz aus Niedermannsdorf hatten die Spende von zwei Prunkfenstern (Wert je 600 Mark) sowie das Bismarck- und das Saganer Stadtwappen in künstlerischer Ausgestaltung zugesagt.

Die Spendensammlungen schritten nur langsam voran, sodass das Komitee am 20.08.1904 beschloss, die Bereitschaft für Geldspenden zu steigern.

Ende 1904 wurde zur freien Lieferung heimischen Steinmaterials aufgerufen.
Der land- und forstwirtschaftliche Verein spendete 30 Mark.

Am 25.06.1905 wurde ein großes Sängerfest zum Besten des Turm-Baufonds ausgerichtet. Das Komitee beabsichtigte konkret, 2,5 Morgen Land zwischen der herzoglichen Belaria und dem Burgberg für 1.000 Mark zu erwerben und die Stadt als Eigentümerin eintragen zu lassen, falls diese die Verpflichtung übernehmen würde, den Turm nach Fertigstellung zu unterhalten und zu befeuern (letztendlich spendete die Stadt die gesamten Kosten für das Grundstück).

Mitte 1906 betrug der Turmbaufonds 4.200 Mark. Nun kaufte man von Ziegeleibesitzer Wendt und Landwirt Liersch für 1.182 Mark ein ca. 6.000 m² großes Grundstück.

Anfang 1907 wurde mit der Anfuhr der Steine begonnen. Im gleichen Jahr spendete Landrat a.D. Dr. Heimann einen Betrag von 6.000 Mark.

Im Laufe des Jahres 1907 gingen mehrere Entwürfe einheimischer und auswärtiger Baumeister und Architekten ein. Von den eingesandten Entwürfen wählte man den Entwurf von Architekt Carl Stahlberg aus Hirschberg zur Ausführung aus.

Eine für den 01.04.1908 geplante Grundsteinlegung musste verschoben werden.

Die baupolizeiliche Genehmigung erfolgte am 21. Mai 1908. Der Kreistag bewilligte 3.000 Mark für den Turmbau.

Im Frühjahr 1908 stiftete Landrat a. D. Dr. Heimann nochmals 3.000 Mark, sodass die Grundsteinlegung im Beisein der Behörden am 30.07.1908 durchgeführt werden konnte.

Die Ansprache bei der Grundsteinlegung hielt der 1. Vorsitzende des Komitees. Der Schriftführer, Lehrer Michael, verlas die Urkunde.

Insgesamt wurden für das Bauwerk ca. 35.000 Mark aufgewendet. Die Bauausführung durch Bauunternehmer Engel kostete 6.908 Mark, die Werksteine hatten einen Wert von 9.686 Mark. Ohne Stiftungen und Geschenke mussten 23.000 Mark an Geldspenden aufgebracht werden.

Weitere Geld- oder Sachspenden erfolgten durch:

  • Stadt Sagan (übernahm die Kosten, insgesamt 1182 Mark, für den Bauplatz)
  • Fabrikbesitzer Müller und Schwarz (stifteten den Löwen im Wert von 880 Mark)
  • Fabrikbesitzer Glöckner aus Tschirndorf (stiftete die schmiedeeiserne Wendeltreppe)
  • Eisenhandlungen von J. C. Böhm und Thiele (stiftete T-Träger mit Gesamtgewicht von 800 kg)
  • Bauunternehmer Kahl (spendete die eichene Eingangstür)
  • General von Steinmetz (Inschriftenplatte)
  • Bankier Kade aus Sorau (23,4 m Umfassungsmauer der Plattform)
  • Fabrikdirektor Reinhold Sturm aus Freiwaldau (6 Waggons mit je 400 Zentnern Mauersteinen)
  • Glashüttenbesitzer Barth und Schwarz (zwei Prunkfenster mit Wappen im Wert von 1.200 Mark).

Musikdirektor Lubrich und Kantor Gabriel gaben Konzerte, deren Reinertrag dem Baufonds zu Gute kam.
Die umliegenden Gemeinden, insbesondere die Gemeinden Eckersdorf, Dittersbach und Küpper, spendeten zahlreiche Feldsteine.


Bauarbeiten

Bereits am 01. Juni 1908 begannen die Fundamentierungsarbeiten am Turm.

Ausführende Baumeister war Baumeister Bernikau mit Bauführer Engel aus Schönbrunn.

Als Baumaterial wurden Findlinge aus Sagan sowie Bolkenhainer Granit aus dem Bruch von Thasler in Girlachsdorf bei Bolkenhain verwendet. Für den Turmkopf benutzte man schlesischen Granit.

Zum Fundament wurden 180 m³, für den Turmschaft 500 m³ und für den Granitaufbau 70 m³ Steine verwendet.


Turmbeschreibung (zur Zeit der Einweihung)

Die Grundfläche des 20,20 m hohen Aussichtsturmes mit Befeuerungsmöglichkeit ist rechteckig.

An der Eingangsseite (im Südwesten zur Stadt hin) ist das Hauptportal über zwei Stufen erreichbar. Das zweiflügelige Hauptportal (Eichenholz) zur Ehrenhalle ist von starken Granitsäulen flankiert. Zusammen mit dem Türsturz und dem auskragenden Überbau (kapitellartiges Gesims) wirkt der Portalbereich wie die Front einer Kreis’schen Bismarcksäule.

Ein ruhender Löwe aus Granit (reliefartige Darstellung aus einem Granitblock geschlagen, gefertigt von Bildhauer Klaus aus München) schließt den Portalbereich nach oben hin ab. Mittig des Turmschaftes auf der Eingangsseite wurde der Name "BISMARCK" auf einer Inschriftenplatte eingelassen (ausgeführt von Fa. Fabian aus Sagan). Unterhalb der Inschrift trägt ein Granitstein das Wappen Bismarcks.

In der Ehrenhalle waren auf der Nordostseite zwei prunkvolle Fenster mit Bismarck- und Stadtwappen eingelassen worden, ein weiteres Fenster war auf der Nordwestseite des Turmes angebracht.

Rechts und links des Turmes führen zwei Freitreppen mit jeweils 24 Granitstufen zum Umbau des Turmes in 5 m Höhe. Der Umbau, der auf sieben viereckigen auf Feldsteinen errichteten Säulen ruht, umgibt den Turm auf drei Seiten. Darunter befindet sich eine mit Arkaden (4 Bögen auf der Nordostseite, jeweils 2 Bögen auf der Südost- und Nordwestseite) versehene Halle, die seitlich einen Wandelgang bildet und unter den Treppen jeweils blind mit einem Rundbogen endet.

Durch den im Bereich des Umbaus gelegenen Turmeingang (Nordwestseite) gelangt man über eine Granittreppe mit 50 Stufen auf die Aussichtsetage in 15 m Höhe. Von hier erreicht man über eine eiserne Wendeltreppe das Feuerbecken auf dem Turmkopf.

Das schmiedeeiserne Feuerbecken (nach anderer Quelle aus Kupfer gefertigt) auf der Turmspitze hatte einen Durchmesser von 2,80 m und wog 850 kg. Dieses wurde nach einem Entwurf des Architekten Carl Stahlberg vom Schlossermeister Heppner aus Sagan hergestellt. Befeuert wurde der Turm durch in Petroleum getränktes Holz.


Turmgeschichte

Die feierliche Einweihung des Bismarckturmes erfolgte am 27.09.1909. Nach einem Festzug zum Turm übernahm Bürgermeister Heinrich Achilles das Bauwerk in das Eigentum der Stadt.

Der Turm konnte am Tage der Einweihung bestiegen werden. Abends wurde erstmals das Feuer auf dem Turmkopf entzündet.

Ende Mai 1910 hielt das Turm-Komitee die Abschluss-Sitzung ab. Hier wurde berichtet, dass die von der Baupolizei nachträglich geforderten Ergänzungsarbeiten im Winter 1909/1910 durchgeführt worden waren. Die entstandenen Kosten von 1.000 Mark waren wiederum von Landrat a. D. Heimann aus Dittersbach gespendet worden (Gesamtspendensumme: 10.000 Mark).

Im Jahr 1911 regte Musikdirektor Lubrich eine Sammlung an, um mit den erzielten Geldern die Umgebung des Turmes zu verschönern. Die erste Sammlung ergab eine Summe von 55 Mark.

Im Juli 1991 war der Turm nicht zugänglich. Die Bismarck-Inschrift war abgeschlagen worden. Alle Fenster waren zugemauert, das Metallgeländer der Terrasse fehlte teilweise. An den Freitreppen waren nachträglich Metallgeländer angebracht worden. Das Hauptportal war zusätzlich mit einem Eisengitter gesichert.

Die ursprüngliche Feuerschale war entfernt worden, der Turm schließt mit einem runden, spitz zulaufenden Dach ab.

Das Bauwerk wurde vor dem Jahr 2002 als Wasserturm benutzt, ein Schild über dem Eingang wies auf die Funktion "Wasserturm" ("Wieza cisnien") hin.

Der Bismarckturm wurde im August 2002 in stark beschädigtem Zustand vorgefunden. Da der installierte Wasserbehälter nicht dicht war, sorgten Frosteinwirkungen dafür, dass Teile der Außenmauer herausgesprengt wurden.

Der Turm wurde im Sommer 2002 saniert (Außenmauerwerk, Turmspitze, Treppe).

Im Juni 2011 ist das sanierungsbedürftige Bauwerk teilweise mit Bäumen und Sträuchern zugewachsen.


Links

Google Maps

Google Earth


Bildmaterial

- Marek Moson, Wroclaw (Fotos Juni 2011)
- Jörg Bielefeld, Remscheid (Fotos August 2002 und historischen Ansichtskartenmotive)


Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 342
- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von SAGAN/Schlesien
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 158 "Bismarck-Feuersäule bei Sagan", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes; 2. Jahrgang 1904 (Nr. 8, S. 2/3; Nr. 9, S. 2; Nr. 11/12, S. 10), 3. Jahrgang 1905 (Nr. 2, S. 5; Nr. 8, S. 10), 4. Jahrgang 1906 (Nr. 1, S. 13; Nr. 7/8, S. 113), 5. Jahrgang 1907 (Nr. 2, S. 32; Nr. 9, S. 136), 6. Jahrgang 1908 (Nr. 4, S. 58; Nr. 8, S. 128; Nr. 9, S. 148; Nr. 11/12, S. 204), 7. Jahrgang 1909 (Nr. 9/10, S. 160/161; Nr. 11/12, S. 184-187), 8. Jahrgang 1910 (Nr. 3, S. 29 mit Abb.; Nr. 7/8, S. 118), 9. Jahrgang 1911 (Nr. 12, S. 223)
- Schlesische Zeitung, Breslau vom 27.06.1909, 168. Jahrgang, Nr. 242


Polnische Übersetzung von Marek Moson /Wroclaw

Foto beschädigter Bismarckturm 2002 (Fotograf: Herr Janicki)